Bild eines Auspuffes an einem Pkw auf einer Straße (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Abschalteinrichtung im VW-Dieselmotor "EA 288"? Kraftfahrtbundesamt bekommt vertrauliche VW-Dokumente

Auch neuere VW-Dieselmotoren stehen im Verdacht, eine Abschalteinrichtung zu haben. Nach einer SWR-Recherche geht es um das Modell "EA 288". VW bestreitet das. Jetzt soll das Kraftfahrtbundesamt vertrauliche Dokumente prüfen.

Der ehemalige Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, Axel Friedrich, hat am Freitag dem Kraftfahrtbundesamt vertrauliche VW-Unterlagen über den Dieselmotor "EA 288" übergeben. Er war nach Durchsicht der Unterlagen, über die der SWR am Donnerstag berichtet hatte, zu dem Ergebnis gekommen, dass im "EA 288" eine Zykluserkennung und eine Abschalteinrichtung vorhanden seien.

Friedrich ist überzeugt: "Das Kraftfahrtbundesamt wird in diesen Dokumenten erkennen, dass es mindestens bis Mitte 2016 bei dem Modell 'EA 288' eine Abschalteinrichtung gegeben hat."

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

VW und Verkehrsministerium: Keine Abschalteinrichtung

Nach der Berichterstattung des SWR über diese VW-Dokumente zum Motor "EA 288", hatten der VW-Konzern und auch das Bundesverkehrsministerium - unter Berufung auf das Kraftfahrtbundesamt - mitgeteilt, dass im betreffenden Fahrzeug keine unzulässige Abschalteinrichtung und auch keine unzulässige Zykluserkennung festgestellt worden seien.

SWR: Dokumente enthalten Beschreibung einer Zykluserkennung

Das Abgas-Testverfahren in der EU nennt sich "NEFZ" und wird auf einem Rollenprüfstand durchgeführt. Der SWR hatte darüber berichtet, dass in den Unterlagen unter anderem eine Zykluserkennung beschrieben wird - wörtlich heißt es dort: "SCR: Bedatung, Aktivierung und Nutzung der Erkennung des Precon und NEZF, um die Umschaltung der Rohemissionsbedatung (AGR High/low) streckengesteuert auszulösen."

Fachanwälte, die Verfahren gegen VW führen und die Dokumente eingesehen haben, hatten das als klaren Beleg für eine Zykluserkennung beim "EA 288" gewertet.

Zykluserkennung per Software-Update gelöscht?

Aus den Unterlagen geht außerdem hervor, dass ab Mitte 2016, neue Software-Versionen in die Motorsteuerung der Fahrzeuge aufgespielt wurden. Dabei wurden offenbar die sogenannten "Fahrkurven" gelöscht.

Fahrkurven sind eine Möglichkeit für ein Fahrzeug, um zu erkennen, ob es auf dem Prüfstand steht.

In der technischen Beschreibung des Motors heißt es dazu: "Ab KW22/16 (für SOP, Modellpflege): Bei neuen Freigaben sind die Fahrkurven aus der Software entfernt."

Friedrich schließt daraus, dass die Fahrzeuge mit dem Motor EA 288 von 2012 bis zum Jahr 2016 solche Fahrkurven enthalten haben.

VW: Dokument ist vertraulich, kein Kommentar

VW wollte sich zum Inhalt der vorliegenden Dokumente gegenüber dem SWR nicht äußern. Ein VW-Sprecher teilte schriftlich mit: "Das von Ihnen zitierte Dokument unterliegt der Vertraulichkeit, ich kann es daher nicht kommentieren."

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hatte der VW-Konzern mitgeteilt, dass "nach derzeitigem Kenntnisstand" bei jüngeren Motoren der Baureihe EA 288 "nichts Illegales passiert" sei. Das Bundesverkehrsministerium teilte dazu mit: "Das Kraftfahrt-Bundesamt hat bereits in 2016 eigene Messungen, Untersuchungen und Analysen durchgeführt."

Keine Antworten vom Kraftfahrtbundesamt und Verkehrsministerium

Der SWR hatte vor der Berichterstattung mehrfach versucht, das Kraftfahrtbundesamt oder das Bundesverkehrsministerium zu einer Stellungnahme zu den Dokumenten zu bewegen. Doch die Anfragen zu den Unterlagen über den Motor "EA 288" wurden weder vom Kraftfahrtbundesamt noch vom Bundesverkehrsministerium beantwortet.

REDAKTION
STAND
ONLINEFASSUNG