Wahlplakate von CDU und SPD vor der Bundestagswahl 2017 (Foto: picture-alliance / dpa, Peter Steffen)

ARD-Wahlumfragen Warum die Volksparteien so an Zustimmung verlieren

Die Volksparteien in Deutschland verlieren immer mehr an Zustimmung. Das hat sich zuletzt bei der Landtagswahl in Bayern gezeigt, und für die Wahl in Hessen ist Ähnliches zu erwarten.

Die großen Parteien werden schwächer - die kleinen stärker. Das geht auch aus dem aktuellen Deutschland-Trend von Infratest Dimap hervor.

Gleichzeitig sorgen sich aber viele Menschen darum, dass die Volksparteien schrumpfen. Wie passt das zusammen? Wir haben mit Parteienforscher Marc Debus von der Uni Mannheim gesprochen.

Parteienforscher: Kompromisse in der Regierungsarbeit kosten die Parteien Profil

Die Menschen wüssten natürlich, "dass - wenn es keine sehr großen Volksparteien mehr gibt, die 35 bis 40 oder auch 45 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen - dass dann kompliziertere Regierungsbildungsprozesse anstehen", sagte Debus im SWR. "Die dauern lange, und man muss sich auf Kompromisse einigen, die wiederum das Profil der beteiligten Parteien ein Stück weit verwischen können. Und das stärkt dann andere Parteien."

Parteienforscher Marc Debus von der Uni Mannheim (Foto: Universität Mannheim / Fotografin: Elisa Berdica)
Parteienforscher Marc Debus von der Uni Mannheim Universität Mannheim / Fotografin: Elisa Berdica

Kernwählerschaft der Volksparteien schrumpft

Ein entscheidender Grund für den Bedeutungsverlust der Volksparteien seien die Veränderungen in der Gesellschaft: "Die Volksparteien hatten es früher relativ leicht, weil sie Programme aufgelegt haben, auf die sich ein Großteil der sozialen Gruppen in der Bevölkerung beziehen und sich in dieser Programmatik wiederfinden konnte."

Die Sozialdemokraten seien traditionell von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern mit kleineren Einkommen gewählt worden, die christdemokratischen Parteien von Menschen mit religiösen Überzeugungen: "Dieser Bevölkerungsanteil ist in den letzten Jahrzehnten immer kleiner geworden."

Die Konsequenz aus Individualisierung, Globalisierung und Digitalisierung sei: "Man gehört nicht mehr einer sozialen Gruppe zu, die eine stabile Allianz mit einer Partei eingeht, sondern man wechselt die Parteien in großem Maß zwischen verschiedenen Zeiträumen." So seien für viele ehemalige CDU/CSU-Wähler inzwischen die Grünen attraktiv: "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Grünen programmatisch moderater geworden sind."

Kompromisse statt klare Programme

Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Union und SPD auch wieder zulegten, so Debus: "Das Problem, das CDU/CSU und SPD gerade haben, ist, dass sie auf Bundesebene und in einigen Landesregierungen miteinander koalieren und sich damit programmatisch nicht wirklich voneinander abgrenzen können."

Denn die Regierungen müssten Kompromisse präsentieren, und das mache es für die Parteien schwerer, sich in Wahlkämpfen mit klaren Programmen zu präsentieren. Das könnte sich ändern, falls Union oder SPD in die Opposition kämen, "und dort einen neuen programmatischen Kurs entwickeln würden."

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