Ein Wachmann steht an einer Straßensperre zu einer der Hauptstraßen nur wenige Kilometer von dem Reaktor Fukushima Daiichi entfernt. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Kimimasa Mayama/EPA/dpa)

Restgefährlichkeit weiter unklar Japan acht Jahre nach dem Unglück von Fukushima

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Am 11. März vor acht Jahren um kurz vor drei Uhr am Nachmittag wurde Japan von einem schweren Erdbeben mit anschließendem Tsunami heimgesucht. Das führte zu einer Nuklearkatastrophe in Fukushima. Die Auswirkungen zeigen sich noch heute.

Wegen des Erdbebens fällt in einem der größten Atomkraftwerke Japans, Fukushima Daiichi, am 11. März 2011 der Strom aus. Die Folgen: Kernschmelze in vier Reaktoren, Evakuierung von fast 200.000 Menschen - bis heute Verstrahlungsprobleme.

In Deutschland hatte das Fukushima-Desaster den Atomausstieg und einen grünen Wahlsieg in Baden-Württemberg zur Folge. Und in Japan? Axel Weiß aus der SWR-Umweltredaktion berichtet.

Unmittelbar nach der Katastrophe von Fukushima Daiichi soll in Japan der Atomausstieg kommen - doch die Gegenkräfte sind mächtig. Das sogenannte Atomdorf - eine Mischung aus Spitzen- und Regionalpolitik, Wirtschaftsbossen und Yakuza-Mafia - will an den für sie profitablen AKW festhalten.

Nur kurzfristig werden alle Kernkraftwerke stillgelegt. Anderthalb Jahre nach dem Unglück wird Atomkraftbefürworter Shinzo Abe Premierminister und stoppt alle Ausstiegspläne. Gegen den Willen der Bevölkerung, erklärt der Japanologe und Journalist Andreas Singler: Es gebe eine Mehrheit in der Bevölkerung, die auf Atomkraft nicht gut zu sprechen ist.

Weil der Strahlengrenzwert kurzerhand von einem Millisievert Jahresdosis (wie bei uns) auf 20 Millisievert erhöht wurde, ist inzwischen in der Präfektur Fukushima wieder Landwirtschaft möglich, viele Menschen konnten zurückkehren. Von 300.000 untersuchten Kindern haben 166 Schilddrüsenkrebs oder einen Krebsverdacht. Das ist weit mehr als zu erwarten wäre. Vielleicht ein Messfehler? Keiner weiß das genau.

Kein geduldiges Volk ohne politisches Engagement

Die Japaner sind dabei entgegen einschlägiger Vorurteile keineswegs ein geduldiges Volk ohne politisches Engagement, erzählt Singler, der über die japanische Protestbewegung geforscht hat. 2012 demonstrieren Hundertausende Japaner gegen die Atomkraft. Es kommt jahrelang zu wöchentlichen Mahnwachen und Demos und zu einem Dauerprotest-Zelt vor dem Wirtschaftsministerium.

Dank des Widerstands, aber auch aus Kostengründen ist die Kernkraft in Japan auf dem absteigenden Ast. Es gibt noch 17 Standorte an denen Kraftwerke stehen. Bis zu 54 könnten dort laufen, doch nur wenige sind in Betrieb. Und, so Singer, an 34 Standorte gab es Bestrebungen, Atomkraftwerke zu errichten, was aber am Protest der Bevölkerung gescheitert ist.

Die Fische aus den Gewässern rund um Fukushima sind angeblich nicht mehr strahlenbelastet, dennoch bleiben viele Japaner skeptisch. Zudem muss eine Entsorgungslösung für rund 1.000 Tanks mit kontaminiertem Kühlwasser aus den Reaktoren gefunden werden, berichtet Ostasien-Korrespondentin Kathrin Erdmann.

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