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Vor 75 Jahren hat in Nürnberg der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Naziregimes begonnen. Bei einem Festakt an historischer Stätte bezeichnete Bundespräsident Steinmeier die Nürnberger Prozesse als "bahnbrechend".

Der Schwurgerichtssaal 500 im Nürnberger Justizpalast ist einer der größten Gerichtssäle in ganz Deutschland. Seit Februar ist er ganz als Erinnerungsort konzipiert. Dort fand am Abend eine Gedenkstunde mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) statt.

Prozesse waren Grundlage für Internationalen Strafgerichtshof

Bei dem Festakt wurde daran erinnert, wie wichtig die Nürnberger Prozesse in diesem Saal für die Aufarbeitung der Naziverbrechen waren, aber auch für die Entwicklung des Völkerstrafrechts. Steinmeier sagte, sie hätten nicht nur Rechtsgeschichte, sondern auch Welt-Geschichte geschrieben und den heutigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag möglich gemacht.

"Ohne Nürnberg wären Kriegsherren aus Serbien, Kroatien oder aus Ruanda wegen Massenmord, Folter und Vergewaltigung nicht bestraft worden, würde auch Völkermord heute nicht als Straftat geahndet."

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

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Verbrechen eines Staates werden verurteilt

Beim Haupt-Kriegsverbrecherprozess vor 75 Jahren mussten sich erstmals in der Weltgeschichte führende Repräsentanten eines Staates für ihre Verbrechen vor einem internationalen Gericht verantworten. Der Internationale Militärgerichtshof bestand aus Vertretern der alliierten Mächte: USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich.

Die Beweisaufnahme lieferte wichtiges Material für Historiker, und die damaligen entwickelten juristischen Prinzipien bildeten die Grundlage für das Jugoslawientribunal und den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Die Verfahren seien ein Signal gewesen, "dass Recht und Gesetz nach Deutschland zurückgekehrt waren", erklärte das Internationale Auschwitz Komitee, das ein Zusammenschluss von Holocaust-Überlebenden und ihren Organisationen ist.

"Heute wissen wir, dass die Nürnberger Prozesse ein entscheidendes Signal dafür bleiben, dass die Täter von Völkermord überall auf der Welt zur Verantwortung gezogen werden müssen."

Christoph Heubner vom Auschwitz-Komitee

Zwölf Todesurteile gegen Nazi-Größen

Der erste von von insgesamt 13 Nürnberger Prozessen dauerte bis zum 1. Oktober 1946. Das Gericht verhängte zwölf Todesurteile, dreimal lebenslang, vier langjährige Gefängnisstrafen und drei Freisprüche.

Zum Tode verurteilt wurden unter anderem Reichsluftfahrtsminister Hermann Göring, die Wehrmachtsoffiziere Alfred Jodl und Wilhelm Keitel sowie in Abwesenheit der führende NSDAP-Funktionär Martin Bormann.

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Diskussion Kriegsverbrecher vor Gericht – Was bleibt vom Nürnberger Prozess?

Vor 75 Jahren war es ein ungeheurer Vorgang: Schergen einer Diktatur mussten sich erstmals vor einem internationalen Gericht verantworten. Was damals noch als Siegerjustiz kritisiert wurde, machte Jahre später Schule. Doch manchmal triumphiert bis heute politische Opportunität über die „Nürnberger Prinzipien“. Was kann die Justiz bei der Aufarbeitung staatlichen Terrors leisten, und was nicht? Jürgen Heilig diskutiert mit Prof. Dr. Stefanie Bock - Internationales Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse, Prof. Dr. Magnus Brechtken - Institut für Zeitgeschichte, Dr. Anja Mihr - Humboldt-Viadrina Center on Governance through Human Rights  mehr...

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