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Die Bundeswehr wird heute 65 Jahre alt und hat Modernisierungsbedarf wie selten zuvor. Für die aktuellen Herausforderungen sei sie nicht gewappnet, da sind sich die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer und die Oppositionspolitikerin Strack-Zimmermann einig.

Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, kritisierte die schlechte Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten. Im SWR sagte sie: "Die Bundeswehr ist im Vergleich zu unseren Partnern in Europa und der Nato keine moderne und schlagkräftige Armee mehr."

Bundeswehr hat ein "Bürokratie-Problem"

Der Wehretat sei zwar so hoch wie lange nicht mehr. Die Mittel würden aber nicht "auf die Straße gebracht". Die Beschaffung von Material gehe nicht schnell genug und es gebe ein strukturelles Problem mit wachsender Bürokratie. Außerdem werde sie zentral gesteuert, was bedeute, dass die einzelnen Inspekteure und Verantwortlichen nicht berücksichtigt würden.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wirbt ebenfalls für eine deutliche Aufrüstung der Bundeswehr. Nötig seien etwa die "Modernisierung unserer Waffensysteme auch mit Blick auf neue Bedrohungen", der Ausstattung und Ausrüstung, aber eben auch "taktische und strategische Anpassungen", sagte die Verteidigungsministerin im ARD-Morgenmagazin. "Die Welt um uns herum - die Herausforderungen verändern sich, und wir müssen uns mit verändern, damit wir auch weiterhin für Schutz stehen können", so Kramp-Karrenbauer.

Investitionen für die eigene Sicherheit

In Bezug auf internationale Anti-Terror-Einsätze sagte die CDU-Politikerin: Deutschland habe "Fähigkeiten zugesagt und diese Fähigkeiten müssen wir bringen". Kramp-Karrenbauer betonte, das habe nichts mit der Forderung der USA an Deutschland zu tun, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. "Wir müssen mehr tun, und wir tun es nicht für einen US-Präsidenten, sondern wir tun es für unsere eigene Sicherheit." Der Schutz der Bürger sei eine "Kernaufgabe" des Staates.

Dank an Einsatzbereitschaft der Truppe

Trotz aller Kritik an den Strukturen der Bundeswehr sendet die FDP-Bundestagsabgeordnete Strack-Zimmermann am 12. November auch ein Dankeschön an die Truppe. Es gelte den Soldatinnen und Soldaten zu gratulieren. "Wir sollten auch an die denken, die ihr Leben gelassen haben", ergänzte sie.

Feiererlichkeiten zum Jubiläum

Zum 65. Gründungstag der Bundeswehr fand am Mittag eine feierliche Zeremonie mit dem Gelöbnis einiger weniger Soldaten im Park von Schloss Bellevue statt. Neben Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Veranstaltung teil.

Steinmeier würdigte das aktuelle Engagement der Soldatinnen und Soldaten in der Corona-Pandemie. Auch international übernehme die Bundeswehr heute mehr Verantwortung als je zuvor, so der Bundespräsident. Trotzdem sei sie im Bewusstsein, im Alltag der allermeisten Deutschen fast unsichtbar geworden. Steinmeier wünschte sich in der Gesellschaft mehr Vertrauen zur Bundeswehr.

"Armee und Gesellschaft dürfen sich in einer Demokratie niemals fremd werden."

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Die Gründung der Bundeswehr 1955 - ein umstrittener Akt

Am 12. November 1955 erhielten die ersten 101 freiwilligen Soldaten ihre Ernennungsurkunden vom westdeutsche Verteidigungsminister Theodor Blank in Bonn. Damit war die Bundeswehr offiziell gegründet. Die Planung sah zwölf Heeresdivisionen, Jagdfliegerkräfte und 500.000 Soldaten als Beitrag zur Verteidigung Westeuropas vor. Ziel war es, etwas komplett Neues zu schaffen, das nicht mit der alten Wehrmacht zu tun hatte. Ein Schlagwort dieses Wegs war "der Bürger in Uniform".

Nur zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Wiederbewaffnung heftig umstritten - zwischen den politischen Kräften und auch in der Bevölkerung. Gegner warnten vor einem Anheizen der Ost-West-Konfrontation und dass die Chancen für eine Wiedervereinigung ausgelöscht würden.

Eine Einheit der Bundeswehr im Januar 1956 in Andernach (RP) kurz nach der Gründung mit dem damaligen Bundeskanzler Adenauer. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Eine Einheit der Bundeswehr im Januar 1956 in Andernach (RP) kurz nach der Gründung mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Picture Alliance

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