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Die Große Koalition will diejenigen steuerlich entlasten, die wegen der Corona-Pandemie viel zuhause arbeiten. Geplant ist eine neue Steuerpauschale von 600 Euro im Jahr.

Wer von zuhause aus arbeitet, soll in Zukunft fünf Euro pro Tag dafür steuerlich veranschlagen können. Dieser Vorschlag stammt ursprünglich aus Hessen und Bayern und ist auch schon etwas älter: Eine unbürokratische Entlastung für alle, die im Homeoffice arbeiten sei dies, heißt es dazu. Die anderen Bundesländer waren von der Idee zwar nicht begeistert, das Bundesfinanzministerium will sie jetzt aber wohl trotzdem umsetzen berichtet unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" – und zwar in Form einer Homeoffice-Pauschale.

Unbürokratische Entlastung geplant

Pauschal soll man demnach die Kosten für die Heimarbeit künftig besser geltend machen können, zum Beispiel für höhere Internet- oder Heizungskosten, die durchs Homeoffice entstehen. Gezahlt werden soll die Pauschale aber auch, um die wegfallende Pendlerpauschale für den Weg zur Arbeit auszugleichen. Diese fünf Euro täglich dürfen sich aber insgesamt nur auf maximal 600 Euro pro Jahr summieren, die dann von der Steuer abgesetzt werden können.

Bis zu 120 Homeoffice-Tage könnten steuerlich erstattet werden

Eine Frau füllt am 27.06.2012 in Stuttgart eine Gewerbesteuererklärung aus. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
600 Euro im Jahr sollen maximal geltend gemacht werden können. Picture Alliance

Umgerechnet in Arbeitstage entsprechen 5 Euro Pauschalbetrag und 600 Euro Maximalbetrag also 120 Tagen. Dauert die Homeoffice-Phase länger, gibt es für zusätzliche Tage aber keine weitere Pauschale mehr. Vergleicht man also die angedachte Pauschale mit Fahrtkosten, die bislang steuerlich geltend gemacht werden können, ersetzt sie eine tägliche Fahrt von rund 15 Kilometern. So sollen Steuernachzahlungen für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im kommenden Jahr verhindert werden, weil eben die Fahrtkosten zum Absetzen wegfallen.

Wer würde von einer Homeoffice-Pauschale profitieren?

Profitieren würden vor allem die Beschäftigten, die bisher kein Arbeitszimmer steuerlich geltend machen konnten. Das bringt eine deutlich stärkere finanzielle Entlastung, geht aber nur, wenn ein Büro zuhause so gut wie ausschließlich beruflich genutzt wird. Ein Punkt, der regelmäßig für Streit mit den Finanzbehörden sorgt. Also hilft die Pauschale allen, die mit dem Laptop zum Beispiel am Küchen- oder Wohnzimmertisch arbeiten.

Entscheidender Punkt aber noch unklar

Ein Frau arbeitet in Homeoffice. (Gestellte Aufnahme.) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Koalition will diejenigen steuerlich entlasten, die wegen Corona viel von zu Hause aus arbeiten. Picture Alliance

Noch nicht endgültig entschieden ist aber, ob die neue Homeoffice-Pauschale neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro gewährt wird. Wenn dieser separat laufen würde, würden alle direkt profitieren - je nach individueller Belastung. Wenn die Homeoffice-Pauschale hingegen wie andere Werbungskosten der Arbeitnehmer behandelt wird, hieße das, dass nur diejenigen profitieren, die auf mehr als 1.000 Euro Werbungskosten im Jahr kommen. Das Bundesfinanzministerium spricht sich laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wohl für letzteres aus, weil es ansonsten eine übermäßige Begünstigung befürchtet. Die Gesamtentlastung durch das neue Modell schätzt das Ministerium auf rund eine Milliarde Euro.

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