Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

40.000 Lkw-Fahrende fehlen. Ein Kommentar

Teddybär eins-vier, ich fahr‘ nicht mehr

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Der Mangel an Lkw-Fahrenden kann auch in Deutschland zu Schlangen vor Tankstellen und leeren Supermarktregalen führen. Der Politik ist diese Berufsgruppe nicht wichtig genug, meint Martin Rupps.

Am Donnerstag geht im Daimler-Werk Wörth (Kreis Germersheim) der weltweit erste E-Laster in Serie. Autobauer suchen den Ferngüterverkehr auf der Straße zukunftsfähig zu machen. Derweil setzt der Branche ein anderer Generationswechsel zu: In Deutschland gehen jedes Jahr doppelt so viel Fahrende in Rente, als den Beruf neu ergreifen. Es fehlen bundesweit 40.000 bis 60.000, schätzt Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg. Allein in Rheinland-Pfalz sind es 1500, so Guido Borning, Geschäftsführer des Verkehrsgewerbes Rheinland, im SWR-Gespräch. Branchenkenner fürchten auch hier britische Verhältnisse mit Schlangen vor Tankstellen und leeren Supermarktregalen, weil Güter stehen- bzw. liegenbleiben.

Das romantische Trucker-Leben gibt es nur im Schlager – hier das Plattencover eines der größten Fernfahrer-Hits. In Deutschland fehlen mindestens 40.000 Lkw-Fahrerinnen und Fahrer (Foto: SWR, RCA (Plattenscan))
Das romantische Trucker-Leben gibt es nur im Schlager – hier das Plattencover eines der größten Fernfahrer-Hits. In Deutschland fehlen mindestens 40.000 Lkw-Fahrerinnen und Fahrer RCA (Plattenscan)

Das romantische Trucker-Leben gibt es nur im Schlager. "Er ist ein Kerl, ein ganzer Mann, und sein Zuhause ist die Autobahn", raunte Gunter Gabriel. Johnny Hill und 18 weitere Trucker fuhren zu "Teddybär eins-vier", um den Jungen im Rollstuhl glücklich zu machen. Der Alltag sieht anders aus: Stundenlange Staus auf Autobahnen, überfüllte Parkplätze, zu wenig und häufig schmutzige Duschräume an Raststätten. Auch das soziale Ansehen ist mies. Lkw-Fahrende berichten, am Zielort ihrer Güter dürften sie nicht einmal auf die Toilette.

Ach so, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 60 Stunden. Der Sonntag geht fürs Wachen über die Fracht drauf. Alles das für ein verhältnismäßig schmales Geld.

Die Berufsgruppe der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer steckt nach meinem Eindruck im selben Dilemma wie Pflegekräfte in Krankenhäuser und Pflegeheimen. Es bräuchte große politische Anstrengungen, um an ihrer Situation etwas zu ändern, aber der Politik sind Lkw-Fahrende nicht wichtig genug. Erst wenn den Tankstellen das Benzin ausgegangen ist, dürften sie einen kurzen Moment lang beklatscht werden.

Koblenz

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