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30 Jahre Atomunfall Tschernobyl Wie belastet ist der Südwesten heute noch?

Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Der Wind trug die Radioaktivität auch in Richtung Westeuropa. Wie viel davon ist auch 30 Jahre später noch da?

Blick auf den zerstörten Reaktor in Tschernobyl in einer Szene des Films «An einem Samstag» (undatierte Filmszene).

Ein völlig aus dem Ruder gelaufener Testlauf führte zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.

Von Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Die gute Nachricht: Nach 30 Jahren ist die eine Hälfte des strahlenden Cäsium 137 bei uns weg. Die schlechte Nachricht: Auch 30 Jahre nach Tschernobyl ist immer noch die andere Hälfte davon da. In Deutschland ist etwa ein Prozent dessen heruntergekommen, was damals in Tschernobyl in die Luft ging.

Milch und Gemüse sind längst wieder unbelastet

Glücklicherweise strahlt uns das nicht mehr direkt an – wie nach dem Desaster als der Staub auf den Kinderspielplätzen alle Grenzwerte überstiegen hat. Die höchste Strahlung kam ohnehin vom Jod 131 in Gemüse und Milch – kurz nach dem Unfall. Das ist längst zerfallen.

Tschernobyl

Immer noch sind viele Wildschweine radioaktiv belastet

Pilze und Wildschwein können noch problematisch sein

Das Cäsium aber wirkt nach wie vor im Waldboden, wo keiner es unterpflügt. In diesem Waldboden saugen sich Pilze immer noch voll damit - vor allem der Hirschtrüffel. Gut, dass der keine Delikatesse ist, den mögen nur die Tiere. Aber vor allem Wildschweine fressen viel davon. Deshalb sind sie auch nach wie vor belastet.

Radioaktiivität

Zwei Männer messen am 09.05.1986, zwei Wochen nach dem sowjetischen Atomunfall, auf einem Gemüsefeld bei Allensbach am Bodensee (Baden-Württemberg) die Radioaktivitätswerte von Kohlrabis.

Regional große Unterschiede

Vor allem in Oberschwaben, im Allgäu und Bayrisch-Schwaben, in den höheren Lagen des Schwarzwaldes, und vom Pfälzer Wald über den Hochwald bis zur Mosel und zur Saar ist die Strahlenbelastung durch den Tschernobyl-GAU etwa bei Pilzen und Wildschweinen auch heute noch messbar. In den damals am stärksten betroffenen Landkreisen ist jedes zehnte Wildschwein hoch belastet, und damit über dem Grenzwert. In anderen Regionen und Landkreisen hingegen kaum noch. Für uns Verbraucher dabei beruhigend: Diese Strahlenbelastung wird dicht überwacht.

Bei 22 Prozent der Wildschweinfleisch-Proben gibt es Überschreitungen: Wildschweinfleisch aus dem Schwarzwald ist teils noch deutlich mit dem radioaktiven Cäsium 137 belastet, wie es bei den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUAs) in Stuttgart und Freiburg heißt. In 22 Prozent von jüngst untersuchten 770 Wildschweinproben seien Richtwerte überschritten gewesen. Der höchste Wert fand sich in einer Probe aus dem Landkreis Biberach.

Achtung Kaminbesitzer: Asche strahlt

Das Cäsium im Wald wird auch von den Bäumen aufgenommen. Im Holz selbst ist kaum etwas von der Tschernobyl-Strahlung nachzuweisen - selbst bei Osteuropa-Importen. Aber: Bei Brennholz bleiben die radioaktiven Elemente überwiegend in der Asche zurück. Das gilt für Kamine wie für Kohlekraftwerke: Asche strahlt!

Ein Mitglied der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges e.V." hält am 26.04.2015 einen Geigerzähler an die Schuhsohle eines Teilnehmers im Rahmen einer Aktion in Berlin.

Auch 30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl ist die Strahlung bei uns noch messbar

(Noch) lange Reststrahlung

Tschernobyl belastet jeden von uns langfristig mit ein bis zwei zusätzlichen Jahres-Strahlendosen in unserem Leben. Vergessen sollten wir das so schnell nicht, denn auch in 30 Jahren wird immer noch ein Viertel des ursprünglichen Cäsium 137 aktiv sein.



Online: Lutz Heyser & Christine Härrer

Nebel hüllt ein seelenloses, von allen guten Geistern verlassenes Dorf ein.

30 Jahre Katastrophe von Tschernobyl

Spurensuche in Belarus

Spurensuche 30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl.