Historischer DDR-Grenzpfosten (Bild: picture alliance  Martin Schuttdpa-Zentralbilddpa) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Widerstandskämpfer und DDR-Dissident Wolfgang Welsch "Stasi-Leute salutierten den Staatsfeinden auf dem Weg in den Westen"

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Der frühere DDR-Dissident und Widerstandskämpfer Wolfgang Welsch berichtet, wie er nachts mit anderen politischen Gefangenen über die innerdeutsche Grenze in den Westen gebracht wurde.

Die DDR hat für jeden Bürger Geld kassiert, den sie erst als politischen Gefangenen eingesperrt und dann in den Westen gelassen hat. Der Vorgang nannte sich "Freikaufen", und die Preise stiegen immer weiter. Kurz nach dem Mauerbau waren es 40.000 D-Mark, später gegen Ende der DDR auf 200.000 D-Mark.

Wolfgang Welsch war einer der Freigekauften. Als Widerständler hatte er zuvor jahrelang im Gefängnis gesessen und berichtet heute von brutalen Methoden wie etwa einer Scheinhinrichtung. 1971 schließlich wurde Welsch mit anderen politischen Flüchtlingen mitten in der Nacht in einem Bus über die deutsch-deutsche Grenze gebracht.

"Reise in den Westen kaum in Worten zu beschreiben"

"Da waren Paare darunter, Ehepaare, die sich jahrelang nicht mehr gesehen hatten und auch nicht schreiben durften," berichtet Welsch im SWR. Beim Grenzübertritt hätten die Menschen im Bus nicht gejubelt - stattdessen beobachteten sie das Grenzpersonal: "Unsere Quäler in den Uniformen der NVA, das waren alles Stasi-Leute als Grenzbeamte verkleidet, grüßten und salutierten den Staatsfeinden, die da durchfuhren."

"DDR war ein Unrechtsstaat. Und zwar einer der übelsten..."

Die heutigen politischen Veränderungen im Osten Deutschlands beobachtet Welsch, der selbst an Schulen zahlreiche Vorträge hält, mit Sorge: "Ich kenne die Lehrpläne an den Schulen. Man setzt sich mit der Geschichte der DDR viel zu wenig auseinander," sagt Welsch.

Daraus resultierten dann Äußerungen wie, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen: "Das ist nun wirklich Nonsens hoch drei. Die DDR war ein Unrechtsstaat, und zwar einer der übelsten." Welsch selbst habe für sein Freiheitsstreben sieben Jahre in den Gefängnissen zugebracht: "Wenn das nicht Unrecht ist..."

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