Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

2GPlus-Regel wird schleichend Standard. Ein Kommentar

Die Geimpften werden verschaukelt

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Martin Rupps

Mit der 2GPlus-Regel bricht die Politik ihr zentrales Impf-Versprechen, meint Martin Rupps. Der volle Impfschutz erlaubt nicht länger ein ziemlich freies, selbstbestimmtes Leben.

Meine 82-jährige Mutter in Stuttgart ist dreimal geimpft. Sie muss trotzdem jeden Tag einen negativen Corona-Test vorlegen, um nach Bewohnern in einer Seniorenresidenz zu sehen. Die Corona-Bestimmungen der Residenz gehen über die offiziell geltende 2G-Regel hinaus. Für mich in Mainz gilt ab Samstag eine 2G-Plus-Regel der Landesregierung. Ich muss trotz vollem Impfschutz einen tagesaktuellen Test nachweisen, um etwa beim Lieblingstürken einen Kaffee zu trinken.

Die 2GPlus-Regel bricht das von der Politik gegebene Impfversprechen, meint Martin Rupps (Foto: IMAGO, IMAGO/Wilhelm Mierendorf)
Die 2GPlus-Regel bricht das von der Politik gegebene Impfversprechen, meint Martin Rupps IMAGO/Wilhelm Mierendorf

Regierende der Länder wie Malu Dreyer (SPD) oder Winfried Kretschmann (Grüne) und die Politiker im Bund haben die Impfung stets an eine Zusage geknüpft, dass nämlich Geimpfte einen ziemlich freien, selbstbestimmten Alltag zurückerhalten würden. Mit der 2G-Plus-Regel, der schleichende Standard auf vielen Feldern, wird dieses Versprechen jäh kassiert. Dabei schadet dem Vertrauen der Menschen in den Staat nichts mehr als eine von der Politik kassierte Zusage.

Ungeimpfte stellen Ego über die Gemeinschaft

Die 2G-Plus-Regel hilft auch nicht, die Impfquote zu steigern, sondern verhärtet die Fronten "Was bringt mir eine Impfung, wenn ich zusätzlich einen Test machen muss?", fragte mich am Mittwoch ein Impfverweigerer. Klar, er könnte zum Beispiel wieder Bus fahren – ohne sich vorher testen lassen zu müssen. Aber die 2G-Plus-Regel gilt ihm als Argument mehr, bei seiner Verweigerung zu bleiben.

Natürlich, auch Geimpfte können Corona bekommen und das Virus übertragen. Aber Politiker sind keine Virologen, die von Berufs wegen einen wissenschaftlichen Blick auf die Pandemie haben. Politiker mögen bitte viel mehr Aspekte in ihre Entscheidungen einbeziehen – neben gesundheitlichen Risiken das politische Porzellan, das auf dem Spiel steht. Sie müssen anerkennen, dass von den Geimpften die statistisch kleinere Gefahr ausgeht. Und die Geimpften "das Volk" sind, nicht die Ungeimpften, die ihr Ego über die Gemeinschaft stellen.

Meine Mutter nahm die Impfungen im Frühjahr und jetzt dankbar an und war hinterher erleichtert. Die 2G-Plus-Schikane macht sie – wie viele - wütend und traurig. Die Geimpften fühlen sich verschaukelt.

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