Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Gehen und bleiben. Ein Jahresrückblick

2021 - Merkel gegangen, Corona geblieben

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Stefan Giese
Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Mit Blick auf das Jahr 2021, was geblieben und was gegangen ist, sieht Stefan Giese im kommenden Jahr viel Luft nach oben.

Am Ende des Jahres 2021 lässt sich eines mit ziemlicher Sicherheit feststellen: Angela Merkel ist gegangen und das Coronavirus geblieben. Nicht ganz auszuschließen, dass es umgekehrt wesentlich besser wäre. Aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert.

Merkel geht, das Virus bleibt (Foto: IMAGO, IMAGO / epd)
Merkel geht, das Virus bleibt IMAGO / epd

Also geht die eine in den Ruhestand, und das andere verbleibt in unserer Mitte. Mehr als das: Es wütet weiter und hat dafür gesorgt, dass im Laufe des Jahres allein in Deutschland Zehntausende von uns gegangen sind. Geblieben sind Trauer und Leid. Ebenfalls geblieben ist die Bedrohung für Leib und Leben – und offenkundig auch für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Endlich Opposition

Gegangen sind dagegen die Regierungsparteien CDU und CSU, genauer: Sie sind gegangen worden, vom Wahlvolk auf die harten Bänke der Opposition geschickt. Wobei gelegentlich der Eindruck entstehen konnte, dass ihre Führungsleute genau dorthin wollten. Zumindest haben sie im Wahlkampf und davor alles getan, um endlich Opposition werden zu dürfen. In Regierungsverantwortung geblieben ist die SPD, bereichert um die Erkenntnis, dass es mitunter ausreicht, weniger Fehler als die Konkurrenz zu machen, um das Kanzleramt zu erobern.

Apropos gegangen: Als Teil der Nato sind "wir" raus aus Afghanistan gegangen. Unbedingt mitgehen wollten auch viele Einheimische, wie die erschütternden Bilder vom Kabuler Flughafen aller Welt vor Augen führten. Doch bis auf wenige Ausnahmen mussten und müssen sie bleiben, nun unter der Knute eines islamistischen Steinzeitregimes. Das ist die ernüchternde Bilanz eines 20-jährigen Einsatzes des weltweit stärksten Militärbündnisses.

Keine Kratzer am Selbstbild

Geblieben ist auch die Scheinheiligkeit der EU und ihrer Mitgliedsstaaten, die nur allzu gerne das hohe Lied der Solidarität und Menschenrechte singen, aber gleichzeitig Flüchtlinge an der EU-Ostgrenze einem bekannt skrupellosen Diktator in Minsk überlassen. Die es sogar vorziehen, Menschen in Sichtweite verhungern oder erfrieren zu lassen, als Hilfsorganisationen Zutritt zu gewähren. Am Selbstbild, unbedingt zu den Guten und Gerechten zu gehören, hat das alles merkwürdigerweise keine Spuren hinterlassen.

Am Ende des Jahres 2021 lässt sich eines mit ziemlicher Sicherheit sagen: Auch im kommenden Jahr wird einiges gehen und anderes bleiben. Die Bilanz für 2022 darf dann allerdings gerne deutlich besser ausfallen.

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