Nach dem Konkurs der Lehman Brothers Bank gehen die Aktienkurse an der Wall Street in den Keller.  (Foto: Imago, imago / ZUMA press)

10 Jahre Finanzkrise Wie spürbar ist die Lehman-Pleite heute noch?

Vor zehn Jahren hat die Lehman Brothers Bank Konkurs gemeldet und für eine Finanzkrise gesorgt. Auch heute noch belastet der Crash die Wirtschaft und das Vertrauen in die Politik.

Zehn Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite sieht der frühere baden-württembergische Finanzminister Willi Stächele (CDU) auch heute noch Folgewirkungen. Im SWR sagte er: "Ich bin überzeugt, dass zum ersten Mal massiv Vertrauen in die staatliche Ordnung verloren gegangen ist, als damals die Finanzkrise ausbrach auf Grund der Spekulation vieler Banker und in der Folge auch eine gewaltige Konjunkturkrise entstanden ist."

Die aktuelle Vertrauenskrise in die Politik könnte einen Ausgangspunkt in jener "katastrophalen Bankensituation" gehabt haben.

Willi Stächele war baden-württembergischer Finanzminister während der Wirtschaftskrise  (Foto: SWR, picture-alliance / dpa)
Willi Stächele war baden-württembergischer Finanzminister während der Wirtschaftskrise

Bankenrettung, um Dominoeffekt zu verhindern

Die Entscheidung, viele Banken staatlich zu unterstützen und so zu retten, verteidigte Stächele im SWR. Er selbst war damals daran beteiligt, der Landesbank Baden-Württemberg Staatshilfe zukommen zu lassen. "Ich glaube die Schäden wären immens geworden, wäre das dann wirklich wie ein Kartenhaus zusammengebrochen im Sinne des Dominoeffektes. Man muss auch immer daran denken, es waren kurze Zeiträume, in denen man zu entscheiden hatte."

Man musste, so Stächele weiter, zunächst einmal den Umfang der vergifteten Papiere ausmachen und dann schnell Strukturpläne schmieden. Diese mussten wiederum in Brüssel zur Begutachtung vorgelegt werden.

"Im Nachhinein war man auch sehr getrieben von der Zeitachse, die da für einen möglich war", so der frühere baden-württembergische Finanzminister. Stächele räumte weiter ein, dass die Rettung der betroffenen Banken viel Steuergeld gekostet habe: "Das muss man immer wieder in Erinnerung bringen, damit da und dort nicht neuer Größenwahn heranwachsen könnte."

Was hat sich seit der Finanzkrise verändert?

"Die gemeinsame Aufsicht ist in Europa der größte Fortschritt den wir im Bereich der Kontrolle der Finanzmärkte erreicht haben", findet der EU-Parlamentarier Sven Giegold (Grüne). "Vorher haben sich die jeweiligen Staaten ihre Banken unter besondere Vorzugsbehandlung gesetzt und akzeptiert, dass sie hohe Risiken gefahren sind, dass funktioniert heute so nicht mehr, weil die EZB für vergleichbare Standards sorgt", sagte Giegold im SWR.

"Wir müssen in Deutschland und in Europa dafür sorgen, dass die Finanzmarktakteure so viel Kapital besitzen, dass sie auch Krisen widerstehen können."

Sven Giegold, Grünen-Abgeordneter im EU-Parlament

Einige Europäischen Banken haben jedoch immer noch sehr viele faule Kredite in ihren Bilanzen, vor allem Banken in Griechenland, Italien, Zypern und Portugal. Das führe zu Schäden, weil kleine Unternehmen große Probleme haben an Kredite zu kommen, so Giegold. "Das hemmt die wirtschaftliche Entwicklung und hemmt auch den Abbau der Arbeitslosigkeit."

Sven Giegold, Grünen-Abgeordneter im EU-Parlament (Foto: picture-alliance / dpa)
Sven Giegold, Grünen-Abgeordneter im EU-Parlament

Die derzeitige Stabilisierung der Finanzmärkte dürfte nicht dazu führen, Banken wieder weniger zu regulieren. Das Gegenteil sei richtig, erklärt Giegold. Nach wie vor hätten die Banken zun wenig Eigenkapital, da gebe es noch Luft nach oben.

#kurzerklärt: Wie kam es vor zehn Jahren zur Finanzkrise?

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