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Reisewarnung, Maskenpflicht, Überbelegung – viele Ereignisse könnten den Urlaub 2021 in Gefahr bringen. Wie bucht man möglichst risikofrei und wie kriegt man sein Geld für bereits bezahlte Reisen zurück?  

Hilfe, ich habe schon gebucht

Dass sich die einschränkenden Maßnahmen bis in den April ziehen würden, damit haben viele von uns vor einigen Monaten noch nicht gerechnet. Wer bereits Urlaub für den Frühling oder den Sommer gebucht hat, muss sich nun möglicherweise mit der Stornierung oder Umbuchung beschäftigen.

Umbuchung der Reise: Wer bezahlt, wenn eine Preisdifferenz entsteht?

Wenn Sie für die Nebensaison eine Reise mit flexibler Umbuchung gebucht haben und diese freiwillig aufgrund von Corona in die Hauptsaison verschieben möchten, könnten sich Kosten für die gebuchten Leistungen erhöhen. Wenn der Vertrag das vorsieht, darf der Anbieter hier einen Aufpreis von Ihnen verlangen. Dieser Hinweis kann leider sehr versteckt platziert sein. Die gute Nachricht: Andersherum ist der Veranstalter durch diesen Hinweis dann aber auch gesetzlich dazu verpflichtet, den Reisepreis zu senken, wenn Sie Ihre Reise auf einen preisgünstigeren Termin umbuchen.

Anders ist die Situation, wenn man unfreiwillig umbucht, etwa weil der Flug zum Reiseziel annulliert wurde. Hierbei haben Kunden immer das Recht, sich den vollen Preis rückerstatten zu lassen. Wenn man aber nicht stornieren, sondern die Reise zu einem späteren Zeitpunkt antreten möchte, gilt: Je näher der neue Termin dem alten zeitlich ist, desto sicherer. Denn das Oberlandesgericht Köln hat geurteilt, dass der Anbieter bei einem eindeutigen zeitlichen Bezug keinen Aufpreis für die Umbuchung verlangen darf. Wenn man die Reise aber ohne ersichtlichen Grund plötzlich erst Monate später zur Hauptreisezeit wahrnehmen will, darf der Anbieter den Reisepreis wie oben erklärt erhöhen. Ein beliebiges kostenfreies Recht zur Umbuchung auf einen anderen Zeitraum gibt es also auch bei Annullierung seitens des Anbieters nicht.

Recht-Tipp:

  • Wenn man keinen zeitnahen Termin wahrnehmen und keinen Aufpreis bezahlen will, so kann man sich bei einer Annullierung des Flugs von Seiten des Anbieters immer auch kostenlos den Flugpreis rückerstatten lassen.
Reisende am Flughafen Stuttgart stehen dicht gedrängt an der Gepäckausgabe (Foto: SWR)

Insolvenz des Reiseveranstalters: Wie bekomme ich mein Geld?

Meldet der Reiseveranstalter Insolvenz an, wird bei der Erstattung zwischen Pauschalreise und Individualreise unterschieden. Im Regelfall ist der Reisende mit einer Pauschalreise besser abgesichert. Denn bei Pauschalreisen erhält man vom Anbieter einen Sicherungsschein, der die Vorkasse abdeckt, damit im Falle einer Insolvenz die Versicherung einspringen kann. Geht mit dieser Versicherung etwas schief, kann das Geld auch hier direkt von den Vertragspartnern zurückverlangt werden, also zum Beispiel von der Airline oder der Hotelkette. Wenn diese Partner nie Geld erhalten haben, müssten trotzdem sie – nicht der Kunde – sich an den Reiseveranstalter oder dessen Insolvenzverwalter wenden. Als Reisekunde sollten Sie deshalb Ihre Ansprüche bei allen Beteiligten, sowohl beim Reiseveranstalter oder Vermittler als auch bei denjenigen die die Reiseleistung erbringen, geltend machen.

Recht-Tipps:

  • Prüfen Sie, ob Sie einen Sicherungsschein erhalten haben. Nur wenn dies der Fall ist, haben Sie Anspruch auf eine Insolvenzversicherung. Manche Reiseanbieter verkaufen Kunden mehrere einzelne Reiseleistungen, um nicht im Sinne einer Pauschalreise zu haften.
  • Sobald sie mehrere Leistungen zusammen buchen, besteht eine Pauschalreise. Dann haben Sie auch Anspruch auf einen Versicherungsschein.
  • Manche Anbieter versuchen Bearbeitungsgebühren für Rückerstattungen zu erheben. Das ist nicht zulässig.
  • Nach der Annullierung eines Flugs sind Airlines dazu verpflichtet, die Ticketkosten innerhalb von 7 Tagen zu erstatten. Ein Reiseveranstalter muss vorgestreckte Reisekosten innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten.

Plötzlich strenge Regulierungen am Urlaubsort: Darf ich kostenlos stornieren?

Nach einem Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts dürfen Reisende kostenlos stornieren, wenn am Urlaubsort plötzlich und unerwartet umfassende neue Regulierungen eingeführt werden, die den Tagesablauf stark beeinträchtigen würden. Wenn die Einführung einer Beschränkung, etwa einer Ausgangssperre, bei der Buchung aber bereits bekannt oder erwartbar war, dann gilt das aber als vorhersehbares Hindernis. Dann ist sie kein Grund für eine Stornierung mehr. Je länger die Pandemie andauert, desto weniger überraschen uns ständig wechselnde Beschränkungen und Pflichten. Desto schwieriger wird es also wahrscheinlich zukünftig auch, gegenüber dem Gericht zu belegen, dass beispielsweise eine neue Ausgangssperre nicht erwartbar war. Sie müssen also damit rechnen, dass Sie möglicherweise keinen Anspruch auf eine kostenlose Stornierung haben, obwohl sich die Regeln im Zeitraum zwischen Buchung und Abreise verändert haben.

Italien, Mailand: Eine Frau trägt einen Mundschutz in der U-Bahn. (Foto: dpa Bildfunk, Antonio Calanni/AP/dpa)
Deutsche Urlauber sollten sich mit geltenden und drohenden Beschränkungen am Reiseziel vertraut machen Antonio Calanni/AP/dpa

Steigende Belegzahlen von Hotels: Muss ich mir ein Ersatzhotel gefallen lassen?

Wenn der Reiseveranstalter oder das Hotel die Reisekunden vorher über die geplante Ausquartierung informiert, kann die Reise kostenfrei storniert werden. Vor Ort muss ein gleich- oder höherwertiges Ersatzhotel dann akzeptiert werden. In einigen solchen Fällen wurden Urlaubern vor Gericht 25 Prozent Reisepreisminderung zugesprochen, andere lassen das nur als Reisemangel gelten, wenn das Ersatzhotel deutlich minderwertiger ist.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich über den Tisch gezogen werde?

Hilfe, ich möchte bald buchen

Wer wegen der unvorhersehbaren Entwicklung der Corona-Pandemie bisher noch warten wollte, wird langsam trotzdem mit der Planung der Urlaubsreise beginnen wollen. Hier erfahren Sie, auf welche Aspekte Sie besonders achten sollten.

Pauschalreise statt Individualreise

Bei Pauschalreisen ist man besser abgesichert: Bei einer plötzlichen Reisewarnung wegen eines Corona-Ausbruchs ist der Reiseveranstalter beispielsweise verpflichtet, Sie ohne zusätzliche Kosten sofort nach Hause zu holen.

Bei Ihrem Angebot handelt es sich gesetzlich um eine Pauschalreise, wenn Sie mindestens zwei zusammenhängende Leistungen, beispielsweise Unterkunft und Anreise, bei einem Anbieter gebucht haben. Sobald das der Fall ist, ist der Anbieter nicht nur der Vermittler, sondern der Veranstalter Ihrer Reise.

Wichtig: Bei Pauschalreisen müssen Sie von Ihrem Anbieter einen Sicherungsschein bekommen, der im Ernstfall Ihre Zahlung abdeckt. Fragen Sie nach diesem Schein und bezahlen Sie Ihre gebuchte Pauschalreise erst, wenn Sie ihn erhalten haben.

Späte Zahlung und langer Stornierungszeitraum

Wählen Sie Angebote, die eine möglichst späte Zahlung ermöglichen oder keine Vorkasse verlangen. Achten Sie darauf, dass ihr Angebot eine kostenlose Stornierung bis möglichst kurz vor dem Termin des Reiseantritts umfasst. Prüfen Sie auch, dass Ihre Reiseversicherungen im Falle von Pandemie und Reisewarnung greift.

Aufpassen bei Flex-Tarifen

Wenn keine kostenlose Stornierung in Ihrem Angebot enthalten ist, dann achten Sie zumindest darauf, dass Sie den Termin der Reise flexibel umbuchen können. Hierbei sollten Sie sich vor der Buchung bei Ihrem Reiseanbieter informieren, ob Zusatzkosten entstehen, wenn eine Umbuchung vorgenommen wird. Solche Mehrkosten stehen oft im Kleingedruckten.

Faustregel: Werden bei einer Umbuchung von der Neben- in die Hauptsaison Zusatzkosten berechnet, so kann man als Kunde im umgekehrten Fall bei einem Wechsel von der Haupt- in die Nebensaison eine Preissenkung verlangen.

Örtliche Vorschriften checken

Wer für den Sommer eine Reise plant sollte sich mit den örtlichen Vorschriften, etwa bezüglich Maskenpflicht oder Ausgangsbeschränkung, vertraut machen. Denn eine Stornierung aufgrund solcher Einschränkungen ist zwar möglich, aber nur, wenn es sich um unvorhersehbare Hindernisse handelt. Was zum Zeitpunkt der Buchung schon bekannt war, zählt da natürlich nicht.

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