"Ich wäre so gerne Oma" - der Wunsch nach einem Enkel und seine Folgen

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AUTOR/IN
Wulf Piella

Wer Kinder hat, hätte auch gerne ein Enkelchen. Ein nachvollziehbarer Wunsch - doch was, wenn er die eigenen Kinder unter Druck setzt? Unsere Psychologin verrät, wie beide Seiten ohne Streit mit diesem heiklen Thema umgehen können.

Die ehemalige Schlagersängerin Mary Roos ("Aufrecht geh'n") sitzt bei bei der Aufzeichnung der WDR-Talkshow 'Kölner Treff' im WDR (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Sängerin Mary Roos würde gerne Oma werden. Picture Alliance

"Mein Sohn Julian hat mir seine bezaubernde Freundin vorgestellt. Da kam mir so der Gedanke: Ich würde mich schon freuen, bald mal Oma zu werden!"

Für die Psychologin Felicitas Heyne ist der Wunsch von Mary Roos durchaus nachvollziehbar. Dass man gerne für Kinder sorge, habe man ja schon dadurch bewiesen, dass man Eltern wird. "Dann ist es natürlich ein Traum, dass man sich um die nachfolgenden Kinder auch kümmern möchte."

Woher kommt der Wunsch nach einem Enkelkind?

Oma und Opa sind ja eigentlich fein raus, weil sie sich um die alltägliche Kindererziehung gar nicht kümmern müssen. Sie helfen zwar bei der Betreuung mit und entlasten dabei vor allem die Mütter, trotzdem:

"Als Großeltern darf man sich sozusagen die Rosinen rauspicken. Da muss man nicht mehr erziehen, sondern darf verziehen und kann verwöhnen, wie man mag."

Die Freuden der Großmutter: Oma und Enkelin kochen zusammen (Foto: Colourbox)

Beim Enkelwunsch spiele aber auch der Fortpflanzungstrieb eine Rolle, so die Psychologin. Denn bewusst oder unbewusst wünschten wir uns, unsere Gene weiterzugeben. Dazu komme die Vorstellung, dass mit dem eigenen Tod nicht alles vorbei ist und man sozusagen in den Enkeln "weiterleben" kann.

Setzt der laut geäußerte Wunsch nach Enkeln die Kinder unter Druck?

Den Wunsch nach einem Enkel sollten Sie lieber direkt bei ihren Kindern ansprechen als ständig nur Anspielungen zu machen. Letzteres vergiftet die Atmosphäre noch mehr, ist Felicitas Heyne überzeugt.

Streitthema Enkel: Oma und Tochter im Gespräch - eine blonde Frau diskutiert mit ihrer Mutter (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Ideal wäre, es käme zu einem offenen und ehrlichen Gespräch zwischen Mutter und Kind. Darin dürfe die Mutter ruhig sagen, dass sie sich über ein Enkelchen freuen würde, müsse dann aber auch zuhören. Sie dürfe ihre Tochter oder ihren Sohn nicht zum Kinderkriegen überreden wollen und sollte auch deren Entscheidung nicht in Frage stellen.

"Kinder sind nicht dazu da, nach den Wünschen ihrer Eltern zu leben. Kinder schulden ihren Eltern nichts - also auch keine Enkelkinder."

So können sich die "Wunsch-Großeltern" um andere Kinder kümmern

Wenn der Enkelwunsch nicht erfüllt wird, ist die Enttäuschung vielleicht erstmal groß. An dieser Stelle empfiehlt die Psychologin weiterzudenken. Denn was man gerne mit dem eigenen Enkelkind gemacht hätte, kann man auch mit anderen Kindern machen. Man sollte sich von der Vorstellung lösen, dass es unbedingt die eigenen Enkel sein müssen, um die man sich kümmert.

Leihopa: Wer keine leiblichen Großeltern hat, kann sich über Vermittlungsstellen einen Leihopa oder eine Leihoma besorgen.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Es gibt eine Menge Kinder, die von zusätzlicher Fürsorge und Liebe sehr profitieren würden. Um die zu finden, muss man sich nur ein bisschen umschauen. Wer Kinder betreuen möchte, kann zum Beispiel...

  • ... in der Schule Hausaufgabenhilfe anbieten
  • ... auf Kinder in der Nachbarschaft aufpassen
  • ... bei Vermittlungsstellen wie einer Ehrenamtsbörse nachfragen, ob man nicht als "Wunsch-Großeltern" einspringen kann. Wer keine leiblichen Großeltern hat, freut sich manchmal über einen Leihopa oder eine Leihoma.

"Wenn man sich darauf einlässt, kann das sehr beglückend sein. Denn man tut etwas Sinnvolles, man pflegt auch neue soziale Kontakte für sich selber - und auch der Beziehung zum eigenen Kind tut es gut, weil man keinen Druck mehr ausüben muss."

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Wulf Piella