Mann flüstert Frau ein Geheimnis ins Ohr (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Geheimnisse - warum es richtig sein kann, sie zu teilen

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Felicitas Heyne
Psychologin Felicitas Heyne vor einer Backsteinwand in rotgemusterter Bluse, mit Brille (dkl.blaues Gestell) (Foto: privat)

Geheimnisse hat jeder von uns. Sie zu bewahren ist wichtig - aber nicht immer richtig. Unsere Psychologin Felicitas Heyne verrät, warum es manchmal besser ist, ein Geheimnis nicht für sich zu behalten.

Wann sollte man ein Geheimnis bewahren?

Hierzu gibt es eine einfache Faustregel: Ich sollte ein Geheimnis für mich behalten, wenn es mir nicht selber gehört.

"Immer dann, wenn es einen anderen Menschen betrifft, sollte ich besser meinen Mund halten. Meine eigenen Geheimnisse kann ich natürlich offenbaren, wem ich will."

Beispiel: Ist jemand an Krebs erkrankt, gehört demjenigen auch dieses "Geheimnis". Der Erkrankte ist der einzige, der entscheiden darf, wem er diese Information anvertraut und wem nicht.

Geheimnis bewahren und schweigen: Mann hält seinen Finger vor den Mund (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Übrigens kann es gute Gründe geben, warum jemand sein Geheimnis nicht preisgibt und lieber schweigt - zum Beispiel bei sexuellem Missbrauch. Manchmal werden wohl gehütete Familiengeheimnisse sogar von Generation zu Generation weitergegeben.

Wann kann ein Geheimnis zur Belastung werden?

Kompliziert wird es, wenn man ein schlechtes Gewissen bekommt, nachdem einem etwas anvertraut wurde. Grund: Das Geheimnis betrifft jemand anderen, der dadurch zu Schaden kommen könnte. Beispiele:

  • Der Bruder hat seiner Schwester anvertraut, dass er einen Einbruch begangen hat. Kann oder darf sie das für sich behalten?
  • Die Freundin erzählt einem, dass sie eine Affäre hat - obwohl sie weiß, dass man auch mit dem betrogenen Ehemann gut befreundet ist. Wie geht man damit um?

"Da ist man dann immer das Ventil oder die Abladestelle für den Betroffenen. Der- oder diejenige fühlt sich erleichtert, aber man selber spürt die Belastung."

Geheimnisse bewahren oder teilen: Mann telefoniert und hält dabei die Hand an den Mund (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Das Erzählte bringt einen selbst in einen Loyalitätskonflikt. Am Ende muss man sogar lügen oder schauspielern, damit das Geheimnis nicht herauskommt - das ist dann ein Riesenstress. Dazu kommt, dass wir alle gerade in Krisenzeiten wie diesen besonders viele Belastungen haben. Hier sollte jeder von uns auf sein eigenes Seelenheil achten.

Welche Geheimnisse sollte man besser teilen?

Es gibt ein paar Geheimnisse, die man nicht hüten, sondern besser teilen sollte. Auch hier ein paar Beispiele, um es zu veranschaulichen:

  1. Wenn man Kindern gegenüber tragische Ereignisse in der Familie wie zum Beispiel eine Fehlgeburt verschweigt: Die Kinder spüren das trotzdem und es ist für sie viel schwerer, als wenn man ihnen das altersgerecht erklären würde.
  2. Suchterkrankungen bzw. wenn sich jemand selber schädigt: Da kann es auch wichtig sein, das Geheimnis nicht zu bewahren, weil man sonst dabei hilft, dass der andere damit weitermachen kann.
  3. Geheimnisse, bei denen es um Gewalt gegenüber anderen Menschen geht.
Geheimnisse bewahren oder teilen: Eine Frau flüstert einer anderen etwas ins Ohr (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Was tun, wenn man ein Geheimnis nicht für sich behalten kann?

Zunächst einmal muss ich für mich selber herausfinden: Warum fällt es mir so schwer, das Geheimnis zu bewahren? Schließlich gibt mir diese Information auch ganz viel Macht über den anderen oder es ist eine Möglichkeit, mich interessant zu machen - nach dem Motto: "Ich weiß etwas, was ihr nicht wisst." Das ist natürlich ein immenser Vertrauensbruch, wenn ich ein solches Geheimnis weitererzähle.

Wenn ich das Gefühl habe, dass mich das Geheimnis belastet oder dass sich jemand selbst oder anderen schadet, dann sollte man das bei dem Betreffenden ansprechen und sagen: "So geht es mir damit und ich würde dich bitten, dieses Geheimnis zu lüften. Ich gebe dir so und so viel Zeit dafür." Dann kann man nur hoffen, dass der andere sagt, dass er das hinbekommt.

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