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Die Corona-Pandemie macht Angst. Die Ausnahmesituation belastet viele Menschen psychisch. Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Alexandra Rick aus Mainz gibt Tipps, wie wir mit der Krise umgehen können.

Angst und Wut sind normale Reaktionen auf die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie und die Angst vor ihren Auswirkungen betrifft uns alle. Es handelt sich um eine "sehr ungewöhnliche, nicht normale Situation", sagt Psychotherapeutin Alexandra Rick aus Mainz. "Das Auftreten von Emotionen wie Angst oder Furcht, Desorientierung, Traurigkeit, aber auch Wut oder Ärger sind zunächst mal eine ganz normale Reaktion auf dieses Geschehen." Das muss noch nicht heißen, dass wir als psychisch gesunde Menschen Hilfe bei der Bewältigung dieser Gefühle brauchen. Anders sieht es in der psychotherapeutischen Praxis aus.

Junge Frau sitzt mit Mundschutz im Zug und guckt aus dem Fenster (Foto: Imago, Michael Weber)
Imago Michael Weber

Richtige Informationen können die Corona-Angst mildern

Die Corona-Krise kann für die Patienten in der Psychotherapie eine zusätzliche Belastung sein. Denn sie haben ja sowieso schon ihr "Päckchen" zu tragen. Bei ihrer Arbeit hat Alexandra Rick festgestellt, dass viele Patienten vor allem erst einmal Informationen brauchen. Dementsprechend versuche sie, Fakenews zu korrigieren und die Menschen mit Hilfe von richtigen Informationen zu beruhigen.

"Die Pandemie, das social Distancing und jetzt auch die Maßnahmen zur Lockerung des Lockdowns lösen Belastungen bei den Menschen aus. Und darüber müssen wir mit den Patienten immer wieder reden."

Psychotherapeutin Alexandra Rick

Daraus können wir auch Empfehlungen für Menschen ableiten, die nicht psychisch krank sind. In der Corona-Krise sind einige Falschmeldungen im Netz unterwegs, auf die einige hereinfallen. Hier sollte jeder für sich schauen, dass er nicht gleich alles glaubt und sich richtig informiert. Dadurch könnte sich die ein oder andere Befürchtung als unbegründet herausstellen. Dabei können Quellen wie z.B. der Faktenfinder der Tagesschau helfen.

Woran merke ich, dass ich Hilfe von außen brauche?

Folgende Punkte könnten nach der Erfahrung der Psychotherapeutin Anzeichen sein, dass Menschen professionelle Hilfe benötigen:

  • Ich kann mir selbst nicht mehr helfen oder kann auf nichts mehr von außen reagieren.
  • Es gelingt mir nicht, mich abzulenken und die dauernd kreisenden Gedanken bzw. das Grübeln abzustellen.
  • Ich wache mehrfach nachts auf und kann vor lauter Grübelei nicht mehr richtig einschlafen.
  • Ich kann mich nicht mehr darauf einlassen, dass Menschen mich im Gespräch auf andere Gedanken bringen oder mir einfach mal etwas anderes erzählen möchten.
  • Meine Stimmung geht runter, ich habe generell keine Lust mehr oder ziehe mich zurück.

Welche Hilfe können Betroffene in Anspruch nehmen?

Bevor man professionelle Hilfe z.B. von einem Therapeuten in Anspruch nimmt, sollte man erst einmal mit anderen Menschen reden. Das können gute Freunde sein, die Familie oder Menschen, die einem nahestehen. "Einfach mal das Gespräch suchen und fragen: Wie geht es euch denn?", rät Alexandra Rick. "Um auch mal einen Abgleich zu haben: Was machen die anderen und wie machen die anderen das?" Erst wenn auch das nicht mehr hilft und man nur an den negativen Gedanken "klebt", kann ein nächster Schritt professionelle Hilfe sein.

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