Zweig eines Apfelbaums auf einer Streuobstwiese mit reifen Äpfeln (Foto: imago images, Jochen Tack)

Alte Apfelsorten: welche es gibt und warum sie so gesund sind

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Wintergoldpamäne, Herrgottsapfel und Weinröschen statt Elstar, Jonagold oder Gala: Alte Apfelsorten sind viel gesünder als die typischen Äpfel aus dem Supermarkt. Unsere Expertin erklärt, warum das so ist und woher Sie die alten Sorten bekommen.

Der Geschmack der Menschen hat sich verändert

Früher kam der Apfel von der Streuobstwiese, wurde eingelagert und bekam eine schrumpelige Schale. Es gab unzählige Sorten von Äpfeln. Heute reduziert sich der Hauptmarkt auf wenige Sorten. Die müssen nämlich direkt verzehrbar und schön knackig sein und dazu noch leicht süß-säuerlich schmecken.

Frau beißt in einen Apfel. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Ralf Hirschberger)
Der Apfelgeschmack hat sich bei uns geändert. picture alliance / dpa | Ralf Hirschberger

Mehr Vitamine in alten Apfelsorten

Heute ist der Apfelmarkt vor allem Massenproduktion: Die Äpfel sollen einheitlich aussehen und gut zu transportieren sein. Diese Bedingungen erfüllen nur wenige Sorten. Dabei haben die alten Apfelsorten viele Vorteile: vielfältige Geschmacksrichtungen und mehr Vitamine und Mineralstoffe. Der Apfel, der direkt von der Streuobstwiese kommt ohne lange Transportwege in Containerschiffen, ist frischer und gesünder. Das ist der Mehrwert, gegenüber Äpfeln, die in Massen produziert werden, findet Gartenexpertin Heike Boomgaarden. Letztere müssen nachreifen und werden vor dem Transport auch noch mit Pflanzenschutzmitteln besprüht.

Alte Apfelsorte im Korb: der rote Winterrambur (Foto: imago images, imagebroker)
Alte Apfelsorten in Rheinland-Pfalz: der Winterrambur imagebroker

Wo gibt es noch alte Apfelsorten?

Alte Apfelsorten gibt es auf dem Wochenmarkt, bei manchen Biobauern und bei vielen Streuobstwiesen-Initiativen im ganzen Land. Wer Platz im Garten hat, kann sich natürlich auch einen Baum kaufen. Es gibt Gärtnereien, die sich auf alte Sorten spezialisiert haben. Aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit, seinen Lieblingsapfel selbst zu vermehren - und zwar auf die alte, traditionelle Weise:

"Einfach den Kern nehmen, in den Boden stecken und warten, bis ein Bäumchen rauskommt."

So veredeln Sie einen Apfelbaum

Wer nicht warten möchte, bis der selbst gezogene Baum trägt, der veredelt einen vorhandenen Baum: Man nimmt einen Reiser von der alten Sorte und verbindet diesen mit dem Baum, der als Unterlage dient. Der Reiser ist ein einjähriger, unverzweigter, etwa bleistiftstarker Neutrieb der alten Sorte, der dann mit dem bestehenden Baum verwächst. Wenn alles klappt, wird er später die gewünschte Apfelsorte tragen. Dabei ist es wichtig, dass die Schnittflächen genau auf einander passen. Beide Zweige an der Schnittfläche auf einander legen und mit einem Folienband umwickeln. Der Reiser kann so mit dem Baum verwachsen und wird dann später die gewünschten Früchte tragen. Bester Zeitpunkt für diese Veredelungstechnik ist Anfang März, in milden Wintern Ende Februar.

Ein Apfelbaum wird veredelt (Foto: imago images, epd)
Alte Apfelsorten - Baum veredeln epd

Alte Apfelsorten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg - eine Auswahl

  • der stark wachsende Herrgottsapfel aus der Westpfalz
  • die Wintergoldpamäne, ein wohlschmeckender Tafelapfel, ist zudem auch noch ein sehr guter Pollenspender
  • der süße Kobertsapfel für Mus und Dörrobst
  • der starkwüchsige Leistadter Rotapfel mit seinen großen roten Früchten aus dem Raum Bad Dürkheim
  • das Weinröschen, ein kleiner rot gestreifter Spätsommerapfel
  • die anspruchslose Rheinische Schafnase für Most und Saft
  • der ertragreiche Rheinische Winterrambur mit seiner großen Baumkrone - eine der häufigsten traditionellen Sorten in Rheinland-Pfalz
  • die typisch schwäbische Sorte Gewürzluike aus Nordwürttemberg
  • die saftig, aromatisch und feinsäuerliche Sorte Jakob Fischer aus dem Landkreis Biberach
  • der saftige Sonnenwirtsapfel mit seinem hohen Säure- und Zuckergehalt aus Backnang bei Göppingen
  • der locker-saftige Transparent von Croncels mit seinen mittelgroßen bis sehr großen Früchten

Heike Boomgaardens Tipp: der Sternapfel

Zwei Sternäpfel liegen nebeneinander, der eine ist zur Hälfte durchgeschnitten (Foto: picture-alliance / Reportdienste, WILDLIFE)
Sternäpfel WILDLIFE

Der Sternapfel ist eine uralte Apfelsorte, wächst unkompliziert im Garten. Er wird bis zu drei Meter hoch. Mit diesem Apfel lässt es sich gut backen und einkochen. Oder aber man lässt ihn etwas liegen und verzehrt ihn direkt. Besonders schön ist der Apfel für Weihnachten, denn mit seinen fünf statt vier Kammern sieht er aufgeschnitten aus wie ein Stern.

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