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Die Preise für Obst und Gemüse sind seit Beginn der Corona-Krise massiv gestiegen, weil die Nachfrage wegen der Corona-Hamsterkäufe steigt und der Nachschub ins Stocken gerät.

Wer am Wochenende auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt war, dürfte sich ziemlich gewundert haben. Nicht nur über die Menschen, die gerade massenhaft Klopapier einkaufen. Sondern auch darüber, dass die Preise für Obst und Gemüse massiv gestiegen sind.

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Warum steigen die Preise?

2,40 Euro für eine Salatgurke, 1,00 Euro für eine einzelne Orange – solche Preise waren noch vor ein paar Wochen undenkbar. Doch die Menschen kaufen derzeit nicht nur viel Klopapier, Konserven und Tiefkühlprodukte, sondern auch frische Waren. Das betrifft bei Obst und Gemüse alles, was sich ganz gut für ein paar Tage lagern lässt: beispielsweise Äpfel und Kartoffel, aber auch Lauch, Möhren oder Zwiebeln. Diese gesteigerte Nachfrage lässt die Preise steigen. So ist Blumenkohl auf den Großmärkten im Laufe der letzten drei Wochen um 75 Prozent teurer geworden.

Warum werden sogar leicht verderbliche Waren teurer?

Auch Salatgurken oder Kopfsalate sind stark nachgefragt. Der Preis von Salatgurken hat sich beispiesweise verdoppelt. Experten schätzen, dass durch die vielen Berufstätigen, die derzeit wegen Homeoffice und Kinderbetreuung zu Hause sein müssen, mehr als sonst üblich gekocht wird und viele dabei wohl auch verstärkt auf gesunde Ernährung achten.

Wird es Nachschub-Probleme bei Obst und Gemüse geben?

Ja, das könnte passieren. Wir sind zwar in einer Jahreszeit, in der viel Obst und Gemüse aus dem Ausland zu uns kommt. Doch das kommt vor allem aus Spanien und Italien. Da diese Länder besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen sind, führt das zu einer ganzen Reihe von Problemen. Es fehlen dort – ebenso wie in Deutschland – wegen der Corona-Krise Erntehelfer. Außerdem fehlt es an Transport-Kapazitäten, weil beispielsweise LKW-Fahrer krank sind.  Dazu kommen noch die langen Staus an vielen Grenzen. Das bedeutet: Viele Waren sind länger unterwegs als sonst. Das alles führt dazu, dass der Nachschub an Obst und Gemüse derzeit ins Stocken gerät.

Ist eine Besserung in Sicht?

Das ist schwer zu sagen. Ein Marktbeobachter hat dem SWR am Telefon gesagt, er gehe davon aus, dass sich die Preise wieder einpendeln. Allerdings meinte er auch: So eine Situation wie im Moment gab es noch nie. Deswegen kann das niemand seriös vorhersagen. Was man aber sagen kann: Es gibt einen ganz entscheidenden Faktor, von dem die weitere Preisentwicklung abhängen wird: Und das ist die Situation und die Ernte in Deutschland.

Warum ist die Ernte in Deutschland jetzt so wichtig?

In den nächsten Wochen wird das erste Obst und Gemüse von heimischen Feldern erntereif: Spargel, Erdbeeren oder Radieschen beispielweise aus der Pfalz oder aus Baden. Wenn von dort Nachschub käme, würde das die Situation sicher etwas entspannen. Aber das wird nur funktionieren, wenn die Bauern genug Erntehelfer finden. Ob das funktioniert, ist im Moment schwer absehbar. Deshalb ist klar: Sollten sie nicht genügend Arbeitskräfte finden, dann würde sich das Nachschub-Problem weiter verschärfen. Dann würden die Preise bestimmt weiter steigen.

Vermittlungsportal: "Das Land hilft"

Damit die Ernte in Deutschland klappt, wurde in Kooperation mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Aktion "Das Land hilft" ins Leben gerufen. Die Internetseite soll eine Plattform sein, auf der Menschen, die wegen der Corona-Krise Arbeit suchen, in die Landwirtschaft vermittelt werden können.