Animation des Coronavirus in der Lunge (Foto: Imago, imago images / Science Photo Library)

Coronavirus aus China So gefährlich ist die neue Lungenkrankheit

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Über tausend Menschen sind am neuen Corona-Virus erkrankt und gestorben. Mehr als 40 tausend haben sich infiziert. Der Schwerpunkt der Erkrankungen liegt in der chinesischen Provinz Hubei.

Das neuartige Coronavirus ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO eine weltweit ernste Bedrohung. Zwar sind 99 Prozent der Infektionsfälle auf China begrenzt, doch das Virus stellt auch eine sehr ernste Bedrohung für den Rest der Welt dar, so WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus

Die Ausbreitung soll gestoppt werden

Das Wichtigste ist, die Ausbreitung aufzuhalten und Leben zu retten. Der WHO-Chef forderte alle betroffenen Länder erneut auf, ihre medizinischen und wissenschaftlichen Daten zu teilen. Forscher arbeiten derzeit an einem Impfstoff und gehen den Verbreitungswegen der Atemwegserkrankung auf den Grund.

Wie groß ist die Gefahr für uns?

Mittlerweile werden auch in Deutschland infizierte Patienten behandelt. Das Robert-Koch-Institut bleibt jedoch bei der Einschätzung, dass die Gefahr für Menschen in Deutschland gering ist. Die Coronapatienten liegen derzeit im Krankenhaus auf der Isolierstation, sind aber gesundheitlich stabil.

Es war zu erwarten, dass in Einzelfällen das Virus auch zu uns eingeschleppt wird, sagt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die chinesische Provinz Hubei ab.

Wie kann das Virus übertragen werden?

Wie alle Coronaviren wurde der neue Erreger zunächst zwischen Tier und Mensch übertragen. Klar ist aber auch, dass das Virus von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen oder Schmierinfektion übertragbar ist.

Der neue Erreger sitzt tief in den Atemwegen, das dürfte die Übertragung erschweren. Deshalb ist das Virus vermutlich deutlich weniger ansteckend als ein Schnupfen, der sich mit jedem Niesen verbreitet. Ob auch eine Übertragung zum Beispiel durch Blut, Urin oder Fäkalien möglich ist, ist unklar. Chinesische Forscher schätzen im Moment, dass ein Infizierter etwa zwei weitere Menschen ansteckt – zum Vergleich: bei den Masern steckt ein Patient 18 Personen an.

Wie gefährlich ist der neue Erreger?

Mehrere hundert Todesfälle konnten in China bisher auf das neue Coronavirus zurückgeführt werden. Bisher sind meist ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen an der Virus-Lungenkrankheit gestorben. Mit weiteren Todesfällen wird aber gerechnet, da sich zahlreiche Erkrankte in den Kliniken befinden. In China wurde das Virus an vielen tausend Kranken nachgewiesen. Unabhängige Forscher gehen allerdings davon aus, dass deutlich mehr Menschen infiziert sind.  

China reagiert mit der Isolierung ganzer Städte

China reagiert auf die Ausbreitung des Corona-Virus mit radikalen Maßnahmen wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für mehr als 50 Millionen Menschen in Zentralchina, verlängerte Ferien, Fieberkontrollen, abgesagte Veranstaltungen und die Aufforderung an alle Bürger Atemschutzmasken zu tragen und häufig die Hände zu waschen.

In vielen asiatischen Ländern versuchen sich die Menschen jetzt mit Schutzmasken vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. (Foto: Imago, imago images / Panthermedia)
In vielen asiatischen Ländern versuchen sich die Menschen jetzt mit Schutzmasken vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Imago imago images / Panthermedia

Gibt es bald ein Medikament gegen das neue Virus?

Die chinesischen Behörden wollen das Virus schnell erkennen, um die Patienten isolieren zu können. Es gibt einen verlässlichen Test mit dem die Krankheit diagnostiziert werden kann. Bei betroffenen Patienten können allerdings nur die Symptome behandelt werden, es gibt kein Heilmittel und keine Impfung gegen das Virus.

Derzeit wird getestet, ob Medikamente, die bei der SARS-Epidemie 2003 eingesetzt wurden, auch bei dem neuen Virus anschlagen. Häufig ist der Krankheitsverlauf aber nicht dramatisch; es ist auch möglich sich anzustecken, ohne Symptome zu entwickeln.

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WHO hat Gesundheitsnotstand ausgerufen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat entschieden, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Die größte Sorge ist laut WHO, dass sich das Virus in Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen ausbreiten könnte.

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16:05 Uhr
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SWR2

Was ist das neue Coronavirus?

Der neue Erreger gehört zum Stamm der Coronaviren. Harmlose Typen führen oft nur zu leichten Erkältungen. Das neue Coronavirus kann dagegen zu schweren Atembeschwerden, Lungenentzündungen und hohem Fieber führen. Viele Mediziner vergleichen das neue Virus mit dem SARS-Erreger. Die beiden Erreger sind sich zu 80 Prozent genetisch identisch. Der SARS-Erreger führte vor rund 18 Jahren zu einer großen Pandemie. Damals starben laut Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit 774 Menschen.

MERS Coronavirus (Illustration) (Foto: Imago, imago/Science Photo Library)
MERS Coronavirus (Illustration) Imago imago/Science Photo Library

Woher kommt das Virus?

Im Normalfall lebt das Virus in Tieren. Als Ursprungsort der Krankheit steht ein großer Fischmarkt in Wuhan in Verdacht. Auf dem Markt werden Wildtiere lebend oder auch frisch nach der Schlachtung verkauft. Anfang Januar haben die chinesischen Behörden den Markt desinfiziert und geschlossen. Welche Tierart dem Virus als Wirt gedient hat, ist immer noch offen. Man vermutet allerdings, dass es über Fledermäuse übertragen werden könnte.

Auf diesem Fischmarkt in WuhanChina gab es die ersten Infektionen mit dem neuen Corona-Erreger. Der Markt ist bis auf Weiteres geschlossen. (Foto: Imago, imago images/Kyodo News)
Auf diesem Fischmarkt in Wuhan/China gab es die ersten Infektionen mit dem neuen Corona-Erreger. Der Markt ist bis auf Weiteres geschlossen. Imago imago images/Kyodo News
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SWR Wissen