Brünette Frau hält die Hand vors Gesicht (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Stress und seine Folgen Wie kommen wir aus der Burn out-Falle?

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Familie, Beruf, Erwartungen anderer: Viele von uns stehen pausenlos unter Druck. Wenn die Kräfte nicht mehr ausreichen, sind wir erschöpft und "brennen aus". Um gut geholfen zu bekommen, müssen wir umdenken.

Wir brennen für die Familie, für den Beruf, jeden Tag. Oft überschätzen wir unsere Kräfte, muten uns zu viel zu. Die Arbeitswelt und die Gesellschaft scheinen das aber auch immer mehr zu fordern. Dem Druck standzuhalten, ist schwierig. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir auch mal erschöpft sind, kraft- und ziellos werden. "Burn out" steht dann auf der Krankmeldung. Die Zahlen steigen.

Stressfolgen werden gerne mit Medikamenten bekämpft

Ein liegende offene Verpackung mit bunten Pillen (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Untersuchungen zeigen, dass hinter 50 bis 75 Prozent aller Arztbesuche Stress steht. Die meisten Medikamente in der westlichen Welt zielen darauf ab, Störungen durch Stress zu beseitigen: zum Beispiel Bluthochdruckmittel, Magensäurehemmer, Antidepressiva, Beruhigungs- und Schlafmittel. Doch nicht alle Menschen sind gleich anfällig für Dauerstress und Erschöpfungsspiralen. Belastende Erlebnisse und Erfahrungen in der Kindheit können uns so prägen, dass später schon durchschnittliche Belastungen eine erhebliche Überforderungsreaktion hervorrufen.

Stress in der Kindheit wirkt sich aufs spätere Leben aus

Früher Stress im Leben hinterlässt eine "biologische Narbe" im Hormonsystem, die es überempfindlich macht. Menschen mit traumatischen Kindheitserfahrungen haben zum Beispiel ein geringes Selbstwertgefühl, sind schneller gekränkt und geben sich häufig die Schuld an Misserfolgen. Ihr emotionales Gedächtnis hat die Gefühle in der Vergangenheit gespeichert und reagiert bis in die Gegenwart hinein gestört. Deshalb betonen Psychologen, Burn out sei keine Diagnose, sondern ein emotionaler Zustand. Und auf den habe man selbst Einfluss.

Unterschiede zwischen Burn out und Depression

Ein Mann redet im Büro auf eine Frau ein (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Stress im Büro picture-alliance / dpa -

Burn out wird schnell mit Depression gleich gesetzt. Die Überschneidungen sind tatsächlich deutlich: Energie- und Motivationsverlust, Antriebsmangel, körperliche Beschwerden, bedrückte Stimmung, Selbstmordgedanken. Doch der Unterschied ist klar: Burn out entsteht immer in Zusammenhang mit belastenden Verhältnissen im Arbeits- oder Berufsumfeld. Dabei sind es meist nicht die konkreten Anforderungen, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz, die die Seele überfordern und damit schädigen.

Was tun gegen Burn out?

Frau liegt bei einer Behandlung, eine Hand fasst unter ihren Rücken (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
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Vorübergehend können Antidepressiva oder Beruhigungsmittel eingesetzt werden, aber nur unter ärztlicher Überwachung. Nahezu ohne Nebenwirkungen kann man Stress auch durch alternative Behandlungsmethoden in den Griff bekommen. Naturheilkunde, Traditionelle Chinesische Medizin und Ayurveda (traditionelle indische Heilkunde) zum Beispiel sind inzwischen anerkannte wichtige Ergänzungen der westlichen Schulmedizin. Eine Auszeit aus der belastenden (Arbeits-)Situation kann bei Burn out helfen. Eingesetzt werden auch Psychotherapie und Verhaltenstherapie.

Die eigene Überforderung muss erkannt werden

Bei der Verhaltenstherapie lernt der Burn out-Patient, frühzeitig innere Signale der Überforderung wahrzunehmen. Männern fällt es oft schwer, sich mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen. Frauen dagegen tappen zu häufig in die "Nettigkeitsfalle": Sie wollen es allen und jedem rechtmachen. Viele Menschen müssen das Wort "Nein" erst wieder buchstabieren lernen. Die Aufstellung eines detaillierten Stundenplans oder eines "Stresskuchens" kann helfen, die eigene Überforderung sichtbar zu machen und dann über Veränderungen nachzudenken. Arbeit in Gruppen kann hilfreich sein, weil man voneinander lernt und Beziehungsmuster überdenkt.

Ein Problem bleibt

Wir können unser Verhalten ändern, aber oft nicht die Verhältnisse. Deshalb müssen Gesellschaft und Arbeitswelt immer wieder dafür sensibilisiert werden, wie sie mit Menschen umgehen und welche verheerenden Folgen mangelnde Wertschätzung oder Mobbing haben können.

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