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Die Wahl bei uns Wo bleibt die Lust auf Kommunalpolitik?

Er ist 94 Jahre alt und war 56 Jahre im Amt. Josef Rüddel, der älteste Bürgermeister Deutschlands, ist jetzt in Rente gegangen. Unsere Moderatorin Anna Lena Dörr hat ihn in Windhagen im Norden von Rheinland-Pfalz besucht. Was hat Rüddel motiviert, den Job bis ins hohe Alter zu machen?

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Anna Lena Dörr in Windhagen

Der älteste Bürgermeister Deutschlands

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Willkommen beim Bürgermeister in Windhagen! Unsere Moderatorin Anna Lena Dörr hat Josef Rüddel kurz vor seiner Rente einen Besuch abgestattet. Er "regierte" den kleinen Ort im Norden von Rheinland-Pfalz 56 Jahre lang!

Willkommen beim Bürgermeister in Windhagen! Unsere Moderatorin Anna Lena Dörr hat Josef Rüddel kurz vor seiner Rente einen Besuch abgestattet. Er "regierte" den kleinen Ort im Norden von Rheinland-Pfalz 56 Jahre lang!

Anna Lena Dörr knuddelt die Katze im Hause Rüddel. Ihr Name ist Mäuschen!

Herrn Rüddel kann man wirklich alles fragen. Und unsere Moderatorin möchte einiges wissen!

Was hier fehlt: Plakate von Männern und Frauen, die sich gerne ins Kommunalparlament wählen lassen möchten.

Warum war Rüddel so lange Bürgermeister? Weil er es gut gemacht hat - und weil sich einfach kein Nachfolger gefunden hat.

Lässt das Engagement in der Kommunalpolitik nach?

Ja, vor allem bei den ehrenamtlichen Stellen, also zum Beispiel Ortsbürgermeister. Da ist es manchmal recht schwer, Kandidaten zu finden. Derzeit hat sich für 465 Gemeinden in Rheinland-Pfalz kein geeigneter Bewerber gefunden. Die Bewerbungsfrist ist nun abgelaufen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass die Stellen nach der Wahl besetzt werden. Dann wählt der Gemeinderat. 2014 blieben nach der Wahl noch 405 Stellen unbesetzt. Im Laufe der Folgemonate haben Gemeinderäte dann immer einen Bürgermeister bestimmt. Bis heute ist überhaupt nur eine Gemeinde ohne Bürgermeister geblieben.

Warum möchten die Leute in Rheinland-Pfalz nicht Politik machen?

Das ist schwer zu sagen. Aber es ist zu vermuten, dass es auch weiterhin schwierig sein wird. Auch an anderen Stellen, wie in Sportvereinen, der Freiwilligen Feuerwehr usw. lässt das freiwillige Engagement nach. Viele Menschen sind heutzutage angespannter im Beruf. Und viele, die in Dörfern wohnen, arbeiten dort nicht. Durch das tägliche Pendeln fehlt die Zeit, sich noch zu engagieren. Aber man muss auf der anderen Seite sagen: Es gibt auch viele, die sich einbringen und bereit sind politische Ämter zu übernehmen.

Ein Thema ist sicher auch, dass viele Menschen sich nicht mehr so sehr für Politik interessieren. Das sieht man auch schon an der Wahlbeteiligung. Bei der vergangenen Kommunalwahl 2014 sind gerade mal 55 Prozent aller Rheinland-Pfälzer zu den Urnen gegangen. Das sind deutlich weniger als bei einer Landtagswahl. Da lag die Beteiligung vor drei Jahren bei 70 Prozent.

Haben Frauen keine Lust auf Kommunalpolitik?

Frauen tun sich schwerer als Männer in die Kommunalpolitik einzusteigen. Die Gründe sind unterschiedlich. Unter anderem gehen viele Frauen arbeiten und kümmern sich oft noch stärker um die Kinder. Da bleibt wenig Zeit. Derzeit ist nicht mal eines von fünf Mandaten von einer Frau besetzt. Es sieht allerdings aus, als ob das bei dieser Kommunalwahl anders wird. Insgesamt stellen sich laut Statistischem Bundesamt bei dieser Kommunalwahl mit 29 Prozent ein Prozent mehr Frauen zur Wahl als beim letzten Mal.

Die SPD hat, was die Kreise und kreisfreie Ebene angeht, nach eigener Aussage die weiblichste Liste, die es bei Kommunalwahlen je gab. Vielerorts stehen da genau so viele Frauen wie Männer zur Wahl. Auf der Ebene darunter, also zum Beispiel bei Ortsbeiräten, gibt es noch keinen Überblick. Bei der CDU ebenfalls nicht. Lediglich die Grünen haben laut eigener Aussage immer auch schon genug weibliche Bewerber gehabt. Bei CDU und SPD kann man sagen, dass es beide Parteien durch verschiedene Aktionen tatsächlich geschafft haben, mehr Frauen dazu zu bringen, sich in den Städten und Gemeinden zur Wahl zu stellen.

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