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Französische Spuren in der Fastnacht Wie viel Frankreich steckt in der Fastnacht?

Die Farben der Trikolore, die Mütze der Jakobiner, die Elf als Abkürzung von "egalité, liberté, fraternité" – gibt es französische Wurzeln in der Mainzer Fastnacht? Was stimmt wirklich und was ist nur eine Legende?

Feiernde mit Narrenkappen auf den Köpfen

Traditionelle Narrenkappe

Als die Mainzer 1838 ihre Fassenacht organisierten, entschieden sie sich für eine besondere Form der Narrenkappe. Sie entsprach zuerst jener Mütze, die die Jakobiner der Französischen Revolution von 1789 trugen. Diese war ursprünglich die Kopfbedeckung der Leibeigenen und Sträflinge und wurde bei den Bastille-Stürmern zum Symbol der "Liberté". Jetzt bedienten sich ihrer die nach "Narren-Freiheit" strebenden Bürger im Rheinland.

Ohne Übertreibung, kein Karneval: die Mainzer Schwellköppe

Die Meenzer Schwellköpp

Die Wurzeln der Meenzer Schwellköpp

Die "geschwollenen Köpfe" sind grell geschminkt, bunt gekleidet und haben die verrücktesten Hüte auf dem Kopf. Seit 1927 sind die Schwellköpp fester Bestandteil der Mainzer Fastnacht. Heute gibt es insgesamt 30 Stück. Wer die Schwellköpp tragen will, braucht übrigens Kondition: Sie sind rund 25 Kilo schwer und der Einsatz beim Rosenmontagszug dauert mindestens vier Stunden. Die ersten Exemplare schuf der Mainzer Bildhauer Ludwig Lipp. Vorbild für seine überdimensionalen Pappfiguren waren vermutlich die "Grosses Têtes" vom Karneval in Nizza.

Auftakt der Mainzer Fastnachtskampagne

Mainzer Fastnachtsfarben

Tricolore und Die Fastnachtsfarben

Die vier Farben Rot-Weiß-Blau-Gelb sind in Mainz die traditionellen Fastnachtsfarben. Sie sind seit den ersten Fastnachtsjahren nachweisbar, aber wo genau diese Farbkombination herkommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine vielverbreitete Deutung weist auf die Trikolore der französischen Revolution mit den Farben Blau-Weiß-Rot hin, die um die Farbe Gelb, die für die außerhalb der Gesellschaft Stehenden steht, erweitert wurde. Dagegen spricht allerdings, dass die Farbreihenfolge zweimal verkehrt wäre, nämlich von quer nach längs und von oben nach unten. Unter Fastnachtsexperten gilt diese Vermutung daher nicht als besonders plausibel.

Rosenmontagszug 2010

Die närrische Elf

Die närrische Elf

Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist die Elf ein Symbol der Eintracht, als Ziffer demonstriert sie die Gleichheit aller Narren. Denn schließlich gleichen sich die beiden Einsen der Elf bis aufs Haar. Möglicherweise sitzen aus diesen Gründen genau elf Narren im Elferrat. Eine Deutung besagt, dass das Wort Elf ein Verweis sei auf die Parolen der Französischen Revolution: E-galité (Gleichheit), L-iberté (Freiheit) und F-raternite (Brüderlichkeit). Da es aber im Original Liberté, Egalité, Fraternite heißt, ist diese Herkunft wenig wahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist die mittelalterlich-christliche Interpretation der Zahl Elf. In der christlichen Zahlenmystik gilt die Elf als Zahl der Maßlosigkeit und der Sünde. Sie ist teuflisch, da sie das überschreitet, was anhand der zehn Finger menschlicher Hände und der gottgegebenen Zehn Gebote fassbar ist. Wer die Zahl Elf feiert, bricht mit den göttlichen und weltlichen Gesetzen. Der Bezug zur Fastnacht als einem Fest, bei dem es ausgelassen und nicht immer gerade sehr christlich zugeht, ist insofern leicht herzustellen.

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