Sehnsucht nach Licht So beugen Sie einer Winterdepression vor

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Winterzeit - Zeit für Trübsinn und Depression? Das kann so sein, sagt Professor Rainer Spessert von der Uni Mainz. Aber dann ist wahrscheinlich die innere Uhr nicht richtig eingestellt.

Der Chronobiologe Professor Rainer Spessert von der Uni Mainz (Foto: SWR, SWR - Inga Liebe)
Prof. Rainer Spessert SWR - Inga Liebe

Als Chronobiologe beschäftigt sich Rainer Spessert damit, wie sich die Zeit auf unseren Körper auswirkt. "Praktisch alle Lebewesen vom Bakterium bis zum Menschen sind Rhythmen unterworfen. Sie unterscheiden sich vor allem in der Länge" sagt Rainer Spessert. Gemeint sind zum Beispiel tageszeitliche Rhythmen - die dauern 24 Stunden, klar. Aber es gibt auch jahreszeitliche Rhythmen, die man vor allem in der Tierwelt beobachten kann: "Wenn bestimmte Säugetiere im Winter eine weiße Fellfarbe haben und im Sommer eine braune Fellfarbe, dann sind sie gut getarnt und werden nicht so leicht zur Beute für Raubtiere."

Warum brauchen wir diese Rhythmen?

Professor Rainer Spessert: "So ein Schlaf-Wach-Rhythmus ist wichtig für unser Zusammenleben. Menschen treffen sich in der Regel am Tag, nehmen soziale Kontakte auf. Nachts schlafen sie. Auch das Gehirn arbeitet nach Rhythmen. Am Tag lernt es Neues. Das wird dann in der Nacht vertieft - wir Wissenschaftler sagen es wird "konsolidiert".

Die innere Uhr steuert alles

Eine menschliche Holzfigur lehnt sitzend an einem Wecker (Foto: Imago, Imago -)
Imago Imago -

Die meisten Rhythmen werden durch eine sogenannte innere Uhr gesteuert. "Diese Uhr hat ein Zifferblatt, das dem Körper anzeigt, wie viel Uhr es ist", erklärt Rainer Spessert. "Das passiert mit dem Hormon Melatonin. Während der Nacht wird im Körper Melatonin ausgeschüttet. Dann wissen alle Zellen, aha, jetzt ist Nacht. Tagsüber wird dieses Hormon nicht ausgeschüttet. Hier ist also die Information an alle Zellen: Es ist Tag!" Für unsere innere Uhr gebe es verschiedene Taktgeber: Licht, Temperatur, soziale Kontakte. Aber am wichtigsten sei das Licht.

Gibt es so etwas wie eine Winterdepression?

Schlechte Stimmung im Winter haben viele schon gehabt. Aber gibt es auch eine echte Winterdepression? Der Chronobiologe nickt. "Es gibt auf jeden Fall Menschen, die zu bestimmten Jahreszeiten immer wieder depressiv werden, in der Regel im Winter oder im Herbst. Man hat festgestellt, dass bei diesen Menschen anscheinend die innere Uhr nicht mehr richtig funktioniert, dass sie anscheinend mit den langen Wintern, also mit den langen Dunkelphasen nicht mehr richtig eingestellt ist."

Kann man gegen Winterdepression etwas tun?

Eine Frau sitzt deprimiert in einer Winterlandschaft (Foto: Imago, Imago -)
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Man kann vorbeugen. Rainer Spessert empfiehlt, möglichst viel nach draußen zu gehen - auch wenn keine Sonne scheint. "Selbst an einem trüben Wintertag kann man beim Spaziergang 8.000 Lux abbekommen. Zum Vergleich: In einem gut beleuchteten Raum sind nur 500 Lux! So eine Lichtdusche pro Tag hilft auf jeden Fall unserem Gemüt", ist sich der Wissenschaftler sicher.

Sollte man im Winter viel Haut zeigen?

Hier hat Professor Spessert eine überraschende Antwort: "Nein, das ist gar nicht nötig, denn das Licht, das die innere Uhr braucht, wird über das Auge wahrgenommen, also über die Netzhaut."

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