Drei Frauen genießen eine schöne Aussicht bei Frühlingswetter. (Foto: SWR)

Wandern von der Vitus-Kapelle in Gruol zum Kloster Kirchberg

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Im Stunzachtal gelegen

Gruol ist ein Dorf im Hohenzollerischen, es liegt bei Haigerloch in einem kleinen Tal, dem Stunzachtal. Weil die Stunzach hinüber nach Heiligenzimmern fließt, sagen viele auch Zimmerner Tal. Von Gruol aus kann man zum Kloster Kirchberg wandern. Und von dort über das frühere Kloster Bernstein zurück nach Gruol. Wer's schattig mag, geht im Wald, im Tal dagegen läuft man in der vollen Sonne.

Die Himmelsleiter hinauf

Ein möglicher Abstecher zwischen Gruol und dem Kloster Kirchberg führt die Himmelsleiter hinauf, über 200 Holzstufen, die in den 70er Jahren als Teil eines Trimm-dich-Pfads angelegt wurden. Lohn für die Anstrengung ist ein breiter Panoramablick auf das blaue Band der Alb mit der Burg Hohenzollern. Keine 200 Meter weiter sieht man die uralten Grabsteine eines jüdischen Waldfriedhofs, auf dem im Jahr 1884 zuletzt jemand beigesetzt wurde.

Ziel der kleinen Wanderung, die in Haigerloch-Gruol im Zollernalbkreis beginnt: Das Kloster Kirchberg. (Foto: SWR, Jörg Heinkel)
Ziel der kleinen Wanderung, die in Haigerloch-Gruol (Zollernalbkreis) beginnt: Das Kloster Kirchberg. Es liegt auf der Gemarkung von Renfrizhausen, einem Ortsteil von Sulz am Neckar. Das Berneuchener Haus ist ein Tagungs- und Einkehrhaus, das zum Diakonischen Werk Württemberg gehört. Das Gelände ist offen, und ohne Lockdown kann man in der Klosterschenke auch einkehren. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Unterhalb des Klosterhügels, am Waldweg Richtung Gruol gelegen, kommt man an mehreren Teichen vorbei. Einige liegen auf der Gemarkung des Klosters. Die Teiche jenseits der Kreisgrenze Rottweil-Zollernalb gehören entweder dem Fischereiverein von Gruol oder sind in Privatbesitz. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Diese Ansicht von Kloster Kirchberg bekommt man, wenn man von Gruol aus durch den Wald und an den Teichen vorbei geht. Es geht leicht bergauf, dann verlässt man den dichten Forst und sieht die Anlage auf der Anhöhe. Als früheres Kloster eines Bettelordens besitzt die Kirche keinen stattlichen Glockenturm, sondern nur einen überschaubaren Dachreiter für ursprünglich zwei Glocken. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Das Westportal der Klosterkirche aus dem Jahr 1749. Die ganze Klosteranlage ist ringsum von Mauern umgeben. Das Gebäude links im Bild war lange die württembergische Ackerbauschule. Sie stellte ihren Betrieb 1941 ein. Seit den fünfziger Jahren nutzten die Berneuchener Gemeinschaften einige Gebäude, seit 1970 das gesamte Kloster. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Wer alte Gemäuer mag, ruhig und einsam gelegen, der ist im Kloster Kirchberg richtig. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster gegründet. Lange lebten dort Dominikanerinnen. 1806 wurde es aufgelöst und ist seither Staatsbesitz. Im April 1851 wurde in den Gebäuden eine der vier Ackerbauschulen des Landes als staatliche Fachschule zur Ausbildung von Landwirten eröffnet. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Ein Zeugnis längst vergangener Zeiten: ein schmiedeeisernes Kreuz auf dem Nonnenfriedhof. Als das Kloster 1806 aufgelöst wurde, durften die Nonnen vorerst dort wohnen bleiben. Die letzte Nonne verließ 1855 das Kloster, die meisten starben dort. Mehrere Gräber haben solche eisernen Grabkreuze. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Nadelwald in seiner schönsten Form. Der Wald zwischen Gruol und Kirchberg ist zwar nicht nur natürlich gewachsen, sondern das Ergebnis einer alten Aufforstung, aber er hat viel natürlichen Charme – bei Nebel genauso wie bei Sonnenschein. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Bernstein - einst Kloster, heute ein Bauernhof mit Ferienwohnungen. An Bernstein, das sehr idyllisch liegt, kommt man vorbei, wenn man die Runde Gruol – Kirchberg – Zimmerner Tal wählt. Das Kloster wurde 1805 aufgelöst. Heute ist das ehemalige Klosterhaus auch Wohnhaus der Besitzerfamilie. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Die Vitus-Kapelle in Gruol im Abendlicht. Am Horizont sieht man die Schwäbische Alb und auf dem Kegelberg die Burg Hohenzollern. Der Turm der Friedhofskapelle hat tausende grüne Ziegel. Die Architekten haben ihren Anteil und ihre Verteilung genau am Computer ausgerechnet. Unten sind es weniger grüne Ziegel, nach oben hin gibt es dann immer mehr. Dadurch entsteht ein schönes Farbspiel. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Die Vitus-Kapelle von innen. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und hat mehrere Sanierungen hinter sich. Dennoch ist einiges aus der Ursprungskirche erhalten geblieben. Dachstuhl und Tonnendecke stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die drei Barock-Altäre wurden erst im 18. Jahrhundert gekauft und der Fußboden - ornamentale Zementfliesen - wurde, wie die bemalten Glasfenster, bei der großen Renovierung 1880 eingebaut. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen
Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert - eine Kostbarkeit. Bei der jetzigen Sanierung fand man sie auf einer Innenseite der Empore, hinter der Orgel. Eine Restauratorin hat sie aufwändig freigelegt. Dargestellt ist außer dieser Frauen auch die Kreuzabnahme Christi. Otto Schneider vom Förderverein geht, wie das Landesdenkmalamt, davon aus, dass hinter dem Wandverputz auch im Kirchenraum noch solche Freskenreste vorhanden sind. Jörg Heinkel Bild in Detailansicht öffnen

Wandmalereien freigelegt

Am Ortseingang in Gruol steht eine Kapelle, deren Turm im Sonnenlicht grün leuchtet. Im Inneren entdeckt man mittelalterliche Fresken. Die Decke ist farbig bemalt, die Altäre stammen aus der Barockzeit, die Ornamentfliesen im Fußboden wurden erst vor 140 Jahren verlegt. Die neuen Dachziegel auf dem spitzen Turm entsprechen dem modernsten Stand der Technik. Ihre Farbgebung wurde am Computer berechnet.

Unterwegs Mit dem Rad das Land erkunden

Sabine Gronau auf den Spuren der Tipps unserer Hörerinnen und Hörer. Schauen Sie, wo sie schon war und schicken Sie selbst einen Tour-Vorschlag.  mehr...

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