Wolfgang Petry (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Ulli_Deck)

Wolfgang Petry wird 70 - Wuschelkopf und Armbänder

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Wuschelmähne, Schnauzbart, Holzfällerhemd und ganz viele Freundschaftsbändchen - so kannten Fans ihren Wolfgang Petry jahrzehntelang. Heute sind die Haare grau und die Armbänder weg. Der Schlagerstar ist aber immer noch da und feiert jetzt seinen 70. Geburtstag.

Plattencover Wolfgang Petry (Foto: SWR, Hansa (Coverscan) -)
Mit der Startnummer 11 präsentierte er am 31. Juli 1976 seine Debüt-Single "Sommer in der Stadt" in der ZDF-Hitparade, die mit großem Beifall aufgenommen wurde. "Das war ganz viel Glück! Ich bekam einen Anruf und man sagte mir, Du bist in der Hitparade. Dabei kannte ich die Sendung bis dahin nicht einmal", erzählte er Jahre später in einem Interview. Hansa (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Zu seiner ersten LP "Ein Freund - ein Mann" schrieb die Presse: "Sein Solostart auf LP enthält eine vortreffliche Mischung eigener und internationaler Songs. Seine Stimme ist eine Bereicherung." Zum Angebot zählten unter anderem "You’ve lost that lovin‘ feeling" der Righteous Brothers oder "Hey Jude" von den Beatles in englischer Sprache gesungen. Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit der Auswahl des Italo-Songs "Gianna" von Rino Gaetano, der beim San Remo-Festival den dritten Platz erreichte, lagen seine damaligen Produzenten Karin Hartmann und Tony Hendrik richtig: Die deutsche Cover-Version mit dem etwas pikanten Text über Tücken bei der "Liebe im Auto" bescherte Wolfgang Petry 1978 einen Sommerhit. Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Eine Notierung in den Hitparaden gelang 1980 mit der Ballade "Mein Zuhaus" zwar nicht, dennoch genießt der Titel eine große Popularität. Viele Zuhörer assoziierten mit dem Lied die Teilung Deutschlands, obwohl es im Text keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür gab. 1999 nahm Wolfgang Petry eine Fortsetzung davon auf, der diese Annahme bestätigte. Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zum Hit "Ten o‘ clock postman" der schwedischen Pop-Band "Secret Service" schrieb Bernd Meinunger den deutschen Text "Ganz oder gar nicht". Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der gleichnamigen LP äußerte Wolfgang Petry: "Wenn ich was mache - dann ganz oder gar nicht." Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Tu's doch" - der Opener seines 1981er Albums "Einfach leben" war wegweisend: Erstmals trat er als Komponist in Erscheinung und steuerte eigene Titel bei. "Ich mache seit fünf Jahren sowohl Cover-Versionen als auch Titel, die für mich geschrieben wurden. Obwohl alle Stücke gemeinsam ausgesucht wurden, hat es mich doch irgendwie nicht befriedigt. Ich wollte weiterkommen, mehr machen. Ich glaube, man muss unzufrieden sein, bevor man sich selbst hinsetzt und was macht." Coconut (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Frühsommer 1983 rockte er mit "Wahnsinn" über die bundesdeutschen Bildschirme, begleitet von der gleichnamigen LP. Der Titel hatte zu jener Zeit noch nicht den heutigen Stellenwert. Erst durch die Cover-Version der "Lollies" mit dem Ausruf "Hölle, Hölle, Hölle" und dem Remix von Wolfgang Petry aus dem Jahr 1996 erreichte er Kultstatus. Coconut (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Mehr Rock, differenzierter ausgearbeitete Texte und moderne Arrangements", so fasste der Künstler seine Vorstellungen 1984 zusammen. Er wechselte das Team und Stefan Waggershausen übernahm die Produzententätigkeit. Die Single "Hallelujah mach’s gut" und das Album "Rauhe Wege" waren die ersten Ergebnisse der Zusammenarbeit. Intercord (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Kuriosum der Schallplattengeschichte: Kurzzeitig gab es die "A-Single" - halbe Single zum halben Preis. Auf der A-Seite ein Hit, auf der B-Seite Infos zum Produkt und Künstler. Wolfgang Petry war der erste nationale Künstler, der auf dieser Art Tonträger vertreten war. "Manche mögen’s heiß" war der Vorbote zur gleichnamigen LP, die 1988 im Studio der Bläck Fööss entstand. EMI (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach den Hits kam die Flaute: Das Publikum nahm Wolfgang Petry und seine neuen Lieder kaum wahr. "Auf den Mond schießen", "Einmal mit Dir" oder "Nur ein kleines Stück Papier" waren allesamt angenehm anzuhören, bedeuteten aber keine nennenswerte kommerzielle Erfolge. Diese hier gezeigte Sammlung bündelte einige der Aufnahmen jener Zeit. EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Presseabteilung seiner Plattenfirma teilte mit: "Wolfgang Petry gehörte zu Beginn der 80er Jahre zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Sängern. Nach einer längeren kreativen Ruhepause meldet er sich jetzt mit dem absoluten Supertitel "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n" zurück." Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Du bist ein Wunder", "Sieben Tage, sieben Nächte" und viele mehr versammelte 1996 sein Best of-Album "Alles". Im selben Jahr veröffentlichte er die erste "längste Single der Welt" und schaffte damit sogar einen zweifachen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde: Als tatsächlich längste Single der Welt und wegen der 81 Wochen langen Präsenz in den deutschen Top 100-Charts. Apropos... Hansa (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
..."Die längste Single der Welt - Teil 5" eröffnete das Album "Ich bin ene Kölsche Jung", das Wolfgang Petry komplett in kölscher Mundart aufnahm. Zugleich war es eine Hommage an die "Bläck Fööss", von denen er zahlreiche Lieder für diese Produktion coverte. Dazu zählten "Frankreich, Frankreich" oder "Langer Samstag en d’r City", mit dem es auch ein... Sony Music (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
...Wiederhören auf der CD "Seine Lieblingslieder" gab. Zu ihnen gehörten auch unter anderem "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Original: Drafi Deutscher) oder "Ohne Dich" (Original: Münchener Freiheit) - alle neu interpretiert im typischen Wolfgang Petry-Sound. Aber auch Unerwartetes fand sich, beispielsweise "Für Gaby tu' ich alles" (Original: Gerd Böttcher). Das Album, das im Sommer 2006... Sony Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…auf den Markt kam, war seine letzte Produktion vor seinem vorläufigen Abschied: "Bei Heck habe ich angefangen, dort will ich auch wieder aufhören". Bei der Verleihung einer Platin-Stimmgabel anlässlich seines 30-jährigen Bühnenjubiläums gab er seinen Rücktritt bekannt und bedankte sich bei seinen Fans mit "Die Jahre mit Euch war'n die schönsten für mich." Sony Music (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Einmal noch" - unter dem Motto "Alles neu, alles tanzbar" erschienen 2014 seine Hits in Neuinterpretationen, 2020 folgte die Fortsetzung. Der Schlager hatte sich verändert, war schneller und moderner geworden. Daher kam er der Anfrage gerne nach, seine Erfolge nochmals neu einzusingen. Otto Waalkes konnte für die Covergestaltung gewonnen werden. Sony (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Titelsong seiner 2018er CD brachte er seine Lebenseinstellung genau auf den Punkt: "Ich will schnell und lange leben. Ich will laut und länger lachen. Wenn ich will, mach' ich 'ne Pause und dann lass‘ ich’s wieder krachen. Genau hier, genau jetzt!" Zudem gab es hier die Solo-Version des Liedes "Ich atme" zu hören, welches er mit Heino für dessen Abschieds-CD im Duett sang. Sony Music (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Eine Würdigung der besonderen Art erfuhr Wolfgang Petry im Jahr 2016. Einige namhafte Kollegen haben sich an seinem Songbook bedient und wohlbekannte Hits unter dem Titel "Die Jahre mit Dir" neu aufgenommen. Stephan Remmler, Reinhard Mey, Truck Stop und viele andere waren mit dabei. Auch sein Sohn Achim durfte in diesem Reigen nicht fehlen. Sony Music (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Vom „Whisky Bill“ in die Hitparade

Wolfgang Petry 1981 (Aufnahmedatum geschätzt) (Foto: imago images, Imago/United Archives -)
Um 1981 - Wolfgang Petry in der ZDF Hitparade Imago/United Archives -

In Rösrath in Nordrhein-Westfalen fing alles an. Bei einem Auftritt in der Discothek "Whisky Bill" im Stadtteil Forsbach wurde Wolfgang Petry von den Produzenten Karin Hartmann und Tony Hendrik entdeckt. Die beiden hatten ein sicheres Gespür dafür, was beim Publikum ankam. Gleich die erste Single "Sommer in der Stadt" zündete und die Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang: "Gianna", "Wenn ich geh'", "Ganz oder gar nicht", "Der Himmel brennt" oder "Wahnsinn".

Vorbei waren die Zeiten hinter der Ladentheke in einem Düsseldorfer Musikgeschäft. Und wenn er da nicht gestanden hatte, war Wolfgang Petry auf der Bühne zu finden gewesen. Die Musik-Bühne war seine Leidenschaft. Schon in der Schulzeit hatte er seine erste Band gegründet. Nach dem Auftritt im "Whisky Bill" sorgte sein Produzenten-Team bis 1984 dafür, dass sich Wolfgang Petry auf dem Schlagermarkt fest etablieren konnte und Hit auf Hit folgte.

Genug vom Schlager-Tralala

Doch dann kam der Bruch. Wolfgang Petry hatte er genug vom vermeintlich seichten Schlager-Tralala.

"Irgendwie befriedigte mich diese Dünnbrett-Kiste nicht mehr. Ich sehe mich irgendwo im Feld differenzierter Popmusik, die Aussage hat. Ich will den Grönemeyer links überholen."

Dabei hatte er die Rechnung ohne das Publikum gemacht, denn kaum jemand wollte seine neuen Lieder hören. Obwohl er viel Herzblut in seine Produktionen legte und sie "200prozentig seine ureigenen Vorstellungen" trafen, blieben die Hits über Jahre hinweg aus.

Mit "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n" zurück in die Erfolgsspur

"Ich hatte meinen Tiefpunkt" - auch die Plattenfirma hatte sich von ihm getrennt, wollten "alle Deutsch-Winsler raushaben." Da tauchte eines Tages der Produzent Helmuth Rüssmann bei ihm auf: "Ich habe hier ein Lied. Du bist der Mensch, der das singen kann". "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n" wurde zuvor schon Jürgen Drews angeboten, der jedoch ablehnte. Auch Wolfgang Petry war zunächst davon nicht besonders angetan, nahm es aber dennoch auf. Der Song brachte ihn auf die Siegerstraße zurück:

"Man kann es nicht erklären, was es immer ist. Die Leute entscheiden, ob einer funktioniert oder nicht. Man kann es selber nur so gut machen, wie es geht."

Wolfgang Petry auf der Bühne (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Herbert Spies)
Wolfgang Petry auf der Bühne picture-alliance / dpa | Herbert Spies

"Das Kleine erleben, um das Große zu achten"

Simple, geradlinige Texte, tanzbar und zum Mitsingen einladend - das neue Konzept erwies sich als überaus erfolgsträchtig. Seine Platten liefen im Radio rauf und runter, verkauften sich wie warme Semmeln und im Fernsehen war er Dauergast. 1996 gründete er seine eigene Band, mit der er auf ausgedehnte Tourneen ging und mühelos ganze Fußballstadien mit seinen zahllosen Anhängern füllte:

"Es ist egal, vor wie viel Leuten ich spiele, seien es 500 oder 50.000. Man muss das Kleine erlebt haben, um das Große achten zu können."

Wolfgang Petry wird von seinen Fans gefeiert. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Herbert Spies)
Wolfgang Petry wird von seinen Fans gefeiert. picture-alliance / dpa | Herbert Spies

Armbänder werden zum Markenzeichen

Er liebte es auf der Bühne zu stehen und es entstand eine enge Bindung zu seinen Fans. Stundenlang schrieb er Autogramme, fand für jeden ein persönliches Wort, war nie abgehoben. Unzählige Armbänder legten davon Zeugnis ab, die er, als das Tragen mehr Last als Freude wurde, zugunsten eines guten Zwecks versteigern ließ. Bereits 1993 trat er für die gute Sache ein. Damals hatte er die Aktion "Mut zur Menschlichkeit" ins Leben gerufen, bei der er zusammen mit 32 Kollegen eine CD produzierte und ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzte.

Wolfgang Petry und seine Freundschaftsbänder (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Jörg_Schmitt)
Wolfgang Petry und seine Freundschaftsbänder picture alliance / dpa | Jörg_Schmitt

Dieter Thomas Heck sagte dazu: "Seit Jahrzehnten ist unser Land Zufluchtsort für viele Menschen aus aller Welt geworden. Deutsche und Ausländer wohnen Tür an Tür und arbeiten Hand in Hand. Und das muss auch so bleiben. Wir alle sind aufgerufen zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen. Weil Zivilcourage und der Mut, Menschlichkeit zu praktizieren, für mich erste Bürgerpflicht sind, übernehme ich gern die Schirmherrschaft dieser Aktion."

Ende der Karriere und neues Album

Am 16. September 2006 gab Wolfgang Petry im Rahmen der Aufzeichnung der Sendung zur Verleihung der "Goldenen Stimmgabel" das Ende seiner Karriere bekannt. Doch 2014 ließ er mit einer Neuauflage seiner alten Hits wieder von sich hören. Das gewählte Motto "Einmal noch" war nicht wörtlich zu nehmen, denn ein Jahr später folgte mit "Brandneu" das erste "richtige" Album seit langer Zeit. Kurz darauf startete er als "Pete Wolf" ein neues Projekt und schlug eine völlig andere Richtung ein, sang nun in englischer Sprache und präsentierte Pop-, Rock- und Blues-Songs gewürzt mit einer Prise Country.

Das Musical "Wahnsinn"

2018 schafften die Hits von Wolfgang Petry schließlich den Sprung auf die Musical-Bühne. Das Werk „Wahnsinn“ mit einer Laufzeit von über zweieinhalb Stunden beinhaltet über 25 seiner unvergänglichen Lieder und sorgt für eine grandiose Partystimmung. Anfang 2022 geht das Musical auf Tournee und macht voraussichtlich am 11. Februar auch in Stuttgart Halt.

"Ich finde es großartig, was hier aus meiner Musik gemacht wird. Ich habe gelacht, sogar geweint und bin begeistert."

Das Musical "Das ist Wahnisnn" mit seinen Darstellern (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Jörg_Schmitt)
Das Musical "Wahnisnn" mit seinen Darstellern picture alliance / dpa | Jörg_Schmitt

70. Geburtstag und neues Schlageralbum

Bodenständig, sympathisch, ehrlich und das Herz am rechten Fleck - so ist Wolfgang Petry bis heute geblieben. "Musik bedeutet mir alles", bekennt er auf seiner Homepage. "Darum fällt es mir leicht, immer weiterzumachen. Für mich gibt’s nichts Schöneres, als Töne aneinanderzuhängen in Verbindung mit den Worten, die dann alles zum Leben bringen." So bringt er anlässlich seines 70. Geburtstag ein neues Schlageralbum in limitierter Buch-Edition mit unveröffentlichten Fotos und Anekdoten heraus. Er macht sich damit nicht nur sich selbst, sondern auch seiner großen Fangemeinde ein Geschenk. Dass der Sänger noch immer Lust an der Musik hat, beweist auch der Titel "Auf das Leben!“.

Achim Petry und Vater Wolfgang Petry (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wolfgang Petry (l.) und Sohn Achim in einer Show. picture-alliance / dpa -
Steckbrief von Wolfgang Petry
Geboren22.09.1951 in Köln als Franz Hubert Wolfgang Remling
Preise3 Multi-Platin-Auszeichnungen, 5 Echos, 10 Goldene Stimmgabeln und mehrere goldene Schallplatten
ZitatDie FAZ schrieb: "'Wolfgang Petry', sagt das langjährige Petry-Double Armin Eichenhart, 'hat die Spuren der Straße in die Schlagermusik gebracht. Ein Lied, das mit der Zeile beginnt 'Beschissen war die Nacht' hätte Roy Black nie gesungen.'"
Gewusst?Reinhard Mey schrieb zum Abschied von Wolfgang Petry einen Song "Wolle". Darin die Zeile "Der größte im Land ist der Mann mit dem Holzfällerhemd."

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