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Wencke Myhre wusste schon früh, was sie will. Zum Beispiel das Hamburger Nachtleben erleben oder den Freund in Kopenhagen besuchen. Der besorgte Vater wurde liebevoll ausgetrickst.

Viele große Karrieren haben bei Amateurwettbewerben ihren Anfang genommen. Das Osloer Revuetheater „Chat Noir“ war der Schauplatz solch eines Wettbewerbs, aus dem Wencke Myhre 1960 als Siegerin hervorging und als 1. Preis einen Schallplattenvertrag erhielt. Kurz darauf erschien ihre erste Platte. Drei Jahre später war sie Norwegens populärste Sängerin.

Die deutschen Plattencover

1 Plattencover von Wencke Myhre (Foto: SWR, Polydor  (Coverscan))
1966 konnte Wencke Myhre bereits auf eine Handvoll Single-Veröffentlichungen und erste Erfolge in Deutschland zurückblicken. Obwohl "Weißes Tuch im blauen Jacket" sich nicht in der Reihe der ganz großen Evergreens wiederfand, konnte sich der Titel immerhin sieben Wochen in den Hitparaden halten. Der endgültige Durchbruch sollte zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr lange auf sich warten lassen… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
… denn dieser gelang am 25. Juni 1966: "Beiß' nicht gleich in jeden Apfel" ließ bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden alle hinter sich und die frisch gebackene Abiturientin Wencke Myhre landete auf dem 1. Platz. Wie es sich anfühlt, am Ende auf dem Siegertreppchen zu stehen, kannte sie ansatzweise bereits aus dem Vorjahr. 1965 glückte ihr mit "Sprich nicht drüber" der 2. Platz bei diesem Wettbewerb. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Langspielplatten-Premiere folgte 1966. Wencke Myhre schrieb in ihrem Grußwort: "Dies ist meine erste deutsche Langspielplatte. Dass ich sie machen durfte, verdanke ich vor allem Euch, denn Ihr alle habt mit Euren Stimmen mitgeholfen, dass ich bei den letzten Schlagerfestspielen so gut platziert war..." Die neueste Single fand sich ebenfalls auf dem Album: "Einsamer Boy". James Last begleitete sie bei allen Aufnahmen, unter der sich auch eine norwegische Volksweise fand. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Wer konnte da schon "nein" sagen: "Komm' allein, wenn Du Dich einsam fühlst - ich küss' Dich einmal, zweimal, dreimal, mmmh"…. Uraufgeführt wurde der Titel in der TV-Show "Gala-Abend der Schallplatte". Dies war am 26. August 1967 die erste Live-Fernsehsendung der ARD in Farbe; einen Tag zuvor hatte der damalige Bundesaußenminister Willy Brandt auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin den berühmten Knopf gedrückt, der das Fernsehen fortan bunt gestaltete. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Sing' ein Lied mit Onkel Bill" - 1967 eine Platte der besonderen Art. Wencke Myhre, Bill Ramsey, Willy Hagara und Peter René Körner sangen Volks- und Kinderlieder und "Onkel Bill" sprach die verbindenden Worte dazu: "Liebe Kinder, wisst Ihr was, ich hab' eine ganze Menge Lieder ausgesucht, von denen ich hoffe, dass sie Euch Spaß machen ... ". Mittlerweile eine echte Rarität, denn kaum jemand wird sich z.B. "Droben auf der rauhen Alb" als Duett von Wencke Myhre & Bill Ramsey vorstellen können… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit "Abendstunde hat Gold im Munde" hatte Wencke Myhre 1969 nicht nur eine neue Single am Start sondern auch die gleichnamige LP. Für 19 DM konnte man eine Platte mit einer beachtlicher Bandbreite erstehen: Von "Yesterday" von den Beatles, Bob Dylan's "Blowin' in the wind", deutschen Evergreens wie "Kalkutta liegt am Ganges" oder "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n" bis hin zum Musical-Hit "Ich bin gewöhnt an Dein Gesicht" - diese Produktion ließ keine musikalischen Wünsche offen. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen
Nicht nur der "Apfel-Ratschlag" stammte aus der Feder von Hans Blum sondern auch die Geschichte vom "Mann auf dem Zehn-Markschein". Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Fünf Jahre nach ihrem ersten deutschen Nr. 1-Hit kam die "Ra-ta-ta" heraus. Beim Anhören traf man alte Bekannte: "Ich schau" Dich an", jenes Lied von ihrer ersten LP, bei dem sie lacht und lacht und lacht. Oder den Werner Bochmann-Evergreen "Mir geht's gut", den das Ehepaar Hertha Feiler und Heinz Rühmann bereits 1940 im Film "Lauter Liebe" sang. Ein Lied wurde zu einem kleinen Wunschkonzert-Renner: "Max, der Regenwurm". 1971 kroch er erstmals aus dem Lautsprecher... Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Superstars auf einer Schallplatte und dazu ganz viele Hits aus deren Repertoire: Wencke Myhre in der Rolle des süßesten Mädels der Welt und Peter Alexander als bestes Pferd im Stall. Zwar lässt die Produktion eine gemeinsame Aufnahme vermissen, jedoch wechseln sich die beiden präzise wie ein Schweizer Uhrwerk in der Präsentation ihrer Erfolge ab. Insgesamt 22 Schlagererfolge kamen - zum Großteil als Medley verpackt - zum Zuge. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Begleittexte zu den Platten sind immer lesenswert. Zu „Baden mit und ohne“ (1973) las man: „Was ... Mungo Jerry mit „In the summertime“ ... gelang, hat Norwegens reizvollster Show-Export bereits jetzt geschafft: Baden mit und ohne - wo Amsel, Drossel und Fink auf verregneter Wiese nach den ersten Käfern suchen, die Frühjahrsstürme die Nordsee aufpeitschen und in den Alpen noch die letzten Brettlartisten über Harsch schlittern, da hat Wencke Myhre bereits den Hit der Saison im Kasten“. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Von den Lesern der deutschen Jugendzeitschrift "Bravo" wurde Wencke Myhre wie ein internationaler Superstar verehrt. Sie bekam in den Jahren 1966 bis 1970 zahlreiche "Ottos", mal in Bronze, in Silber und sogar in Gold. Trotz der vielerlei Auszeichnungen waren offensichtlich nicht alle Wünsche erfüllt - frisch und frech sang sie: "Kasimir, ich wünsch' mir was von Dir, das ahnst Du nicht…" Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Wencke '77" im dezenten Country-Stil - , Gunter Gabriel schrieb zwei Titel für dieses Album, darunter "Ein Sonntag im Bett", welcher zum Evergreen wurde. Darüber hinaus gab es interessante Cover-Versionen internationaler Erfolge zu hören. Olivia Newton-John, Adriano Celentano oder auch Paul Simon standen mit ihren Hits Pate. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Damals ein Hit und heute ein Evergreen: "Eine Mark für Charly". Mit dem berühmten Augenzwinkern in ihrer Stimme erzählte Wencke Myhre in diesem sehr eigenwillig arrangierten Song die lustige Geschichte von Charly, der beinahe reich geworden wäre. In dieser Hinsicht stand die Interpretin mehr auf der Sonnenseite des Glücks: für den Song ließen 1977 die Tantiemen nicht auf sich warten und darüber hinaus wurde sie als beliebtester weiblicher Showstar mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der meist bargeldlose Charly bekam einen kecken Nachfolger namens Joe. "Lass' mein Knie, Joe" war die deutsche Fassung des Bonnie Tyler-Hits "It’s a heartache". Den deutschen Text hatte sich Wolfgang Hofer ("Trödler Abraham") einfallen lassen. Die andere Plattenseite war ebenfalls "geborgt". Aus dem Karen & Richard Carpenter-Hit "Sweet sweet smile" wurde "Der Mann auf dem Seil". Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Verschenkter Sommer" - die Geschichte eines Sommerurlaubs ohne Partner. "Das passiert mir nie mehr, ich lieg' einsam am Strand, keiner hält meine Hand und mich küsst nur die Sonne". Nomen est omen: zu der Zeit als sich diese Single als Novität auf den Plattentellern drehte, stand bei Wencke Myhre die Scheidung von ihrem ersten Mann Torben Friis-Møller ins Haus. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit frech-fröhlichen Worten kanzelte Wencke Myhre einen Verehrer ab, dessen falsches Spiel sie auf Anhieb durchschaut hatte: "Oh No No". Dabei handelte es sich um die deutsche Originalaufnahme des gleichnamigen englischsprachigen Top-Hits von Bernie Paul, der auch gleich selbst den deutschen Text zu seinem Hitparaden-Renner geschrieben hatte. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach fast einjähriger Plattenpause meldete sich Wencke Myhre 1980 mit "Die Nacht, in der ich mich verlor" beim Publikum zurück. Die Single war Vorbote zur LP "Leben", welche in Paris produziert wurde und kurze Wege brachte. Die Stadt der Liebe war nämlich nach ihrer Scheidung für kurze Zeit ihr neues Domizil. An dem etwas nachdenklich anmutenden Album arbeiteten so profilierte Komponisten und Textautoren wie Ralph Siegel, Michel Sardou, Michael Kunze oder Bernd Meinunger mit. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1983 war Veronika Fischer mit zwei Titeln bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix d’Eurovision de la Chanson qualifiziert. Nachdem eine Entscheidung zwischen den beiden Songs getroffen werden musste, entschied sie sich für "Unendlich weit". Der andere Titel "Wir beide gegen den Wind" wurde Wencke Myhre angeboten. Zusammen mit ihrem Sohn Dani trug sie das Lied vor, welches schließlich auf dem 5. Platz landete. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Dass Wencke Myhre sich auf die Umsetzung englischsprachigen Hitmaterials in überzeugende und kommerziell erfolgreiche deutsche Fassungen verstand, hatte sie mehrfach bewiesen. 1985 wartete sie mit der Cover-Version des Laura Branigan-Hits "Spanish Eddie" auf: "Die Nacht, als der Himmel Feuer fing". Für die B-Seite dieser Single nahm sie Musik aus "Starlight Express" von Andrew Lloyd Webber auf: "Da ist ein Lichtschein am Ende des Tunnels". Bellaphon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
2002 erfüllte sich Wencke Myhre nach drei Jahren Studioabstinenz mit dem Album "Viva la diva" einen lang gehegten Traum. Der Tonträger war, wie sie sagte, "eine ihrer größten künstlerischen Herausforderungen". Lieder von drei großen Diven - Marlene Dietrich, Zarah Leander und Hildegard Knef - standen auf dem Programm. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Anders Eljas interpretierte sie zeitlose Lieder wie "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin" oder "Kann denn Liebe Sünde sein" neu. Plattenfirma (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Wencke Myhre heute: "Eingeliebt, ausgeliebt". Erstmals erschien diese CD 2010 und wurde im Sommer 2011 um zwei neue Titel ergänzt. Dazwischen lag eine für Wencke Myhre schwere Zeit, die von einer Krebserkrankung überschattet war. So lag ihr das neu hinzugefügte Lied "Wir haben uns" besonders am Herzen. Im Grußwort an ihre Fans schrieb sie: "Meine Gedanken und Gefühle zu vielem, was sich in den letzten Monaten in meinem privaten Umfeld und in der Welt ergeben hat, spiegeln sich darin wieder." Plattenfirma (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Bobby Schmidt war der Mann, der viele der großen Hits von Wencke Myhre komponierte. Schmidt arbeitete zunächst als Artist und Komiker in Westdeutschland, dann wurde er Schlagzeuger in Kurt Edelhagens Orchester. 1958 wurde er als Produzent bei der Polydor sesshaft. Zusammen mit James Last bildete er das Team, welches für Wencke Myhre maßgeschneiderte Nummern schrieb. Hier und da nannte er sich auch "Peter Zeeden" oder "Leo Suckman". Plattenfirma (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Dieses Talent erregte auch in Deutschland Aufmerksamkeit. Der Produzent Bobby Schmidt wurde nach Oslo geschickt, um mit Wencke Myhre die entsprechenden Aufnahmen vorzubereiten. Über diesen Karrieresprung war ihr Vater jedoch alles andere als erfreut. Als er hörte, dass seine 17-jährige Tochter zu Plattenaufnahmen nach Hamburg reisen sollte, nahm er dem Produzenten das Versprechen ab, das Mädchen nie allein zu lassen und gut auf es aufzupassen.

Mit James Last ins Hamburger Nachtleben

Diese Auflage passte Wencke Myhre überhaupt nicht. Sie wollte dorthin wo das Leben spielt, Spaß haben, Tanzen gehen und die Reeperbahn kennenlernen. Das Produktionsteam, zu dem auch Orchesterleiter James Last gehörte, zeigte Wencke Myhre all das, was sie sich vorgenommen hatte zu sehen - bis in den frühen Morgen. Wenige Stunden später stand sie munter im Aufnahmestudio, um ihre erste Langspielplatte aufzunehmen.

Wencke Myhre (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa / Foto: Wilhelm Bertram)
Fesches Gelb: Wencke Myhre bei einem Auftritt auf einer Jugendmesse picture-alliance/ dpa / Foto: Wilhelm Bertram

Den strengen Papa ausgetrickst

Wencke Myhre erinnerte sich in einem Interview gerne an diese Zeit, denn ihr Produzent war an ihrer ersten Ehe nicht ganz unbeteiligt: „Als ich mich schwer in einen jungen Dänen verliebt hatte, bat ich Bobby, unsere Aufnahmezeiten sehr, sehr großzügig einzuplanen.“ Der strenge Papa sollte nichts davon wissen. „Ich flog nach Hamburg, fuhr vom Flughafen raus ins Studio, sang und flog schon wieder weiter nach Kopenhagen, wo ich mich heimlich mit meinem Freund traf“. 1969 läuteten schließlich die Hochzeitsglocken. 

Wencke Myhre (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / United Archives/Pilz)
Wencke Myhre mit Bill Ramsey im Musical "Eine Chance für Karin" (1967) picture alliance / United Archives/Pilz

Beiß nicht gleich in jeden Apfel

Der Erfolg verhinderte Wencke Myhres Berufsziel: Sie wäre gerne Ärztin geworden. Eine Kinderklinik im Gaza-Streifen trägt übrigens ihren Namen. Zusammen mit nordischen Fans hatte sie diese 1965 eingerichtet. Bei der Eröffnung hatte sie ihren späteren ersten Mann Torben Friis-Møller kennengelernt.

Der Durchbruch in Deutschland gelang Wencke Myhre 1966 bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden mit „Beiß’ nicht gleich in jeden Apfel“. Seitdem war die charmante Osloerin ständig in den deutschen Hitparaden. „Komm’ allein“, „Er steht im Tor“ oder „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ - Erfolg reihte sich an Erfolg, so dass ihr 1968 die MIDEM-Trophäe (für den höchsten Plattenumsatz aller Sängerinnen) verliehen wurde.

In Norwegen übernahm sie andere Rollen

Ausschnitt aus dem Film "Unsere Pauker gehen in die Luft" (1970) (Foto: Imago, Imago -)
Wencke Myhre und Chris Roberts im Film Imago Imago -

In Skandinavien ging sie andere Wege: dort profilierte sie sich als ernsthafte Schauspielerin und als Kabarettistin ersten Ranges. So war sie Star der schwedischen Musikshow „Povel og Wencke“, in der sie zusammen mit dem Komiker Povel Ramel sang, tanzte, parodierte und jeden Abend zwölfmal das Kostüm wechselte. Die Zeitungen schrieben begeistert: „Hier tritt plötzlich ein vollendeter Revue-Artist ins Rampenlicht. Intelligent, hübsch wie die Sünde, akademisch klug, mit wunderbarer Stimme, rassigen Tanzbeinen und ergötzlich komisch“. Andere Blätter meldeten kurz und bündig: „Wencke - eine Sensation!“

Die norwegischen Plattencover

Plattencover von Wencke Myhre (Foto: SWR, Plattenfirma (Coverscan))
Wie alles begann: Ihre erste Schallplatte erschien 1960 - die norwegische Fassung des Country-Hits „Oh lonesome me“. 500 Exemplare wurden von ihrem Debüt verkauft. Zwei Jahre später hatte sie ihren ersten Hit mit „Katta vår“, dahinter verbarg sich ein etablierter Titel: „Alley Cat“ - in Deutschland als „Schwarzer Kater Stanislaus“ mit Siw Malmkvist sehr populär. 1963 folgte schließlich "Gi meg en Cowboy til mann" (Ich will ''nen Cowboy als Mann). Plattenfirma (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die deutsche Premiere „Ja ich weiß, wen ich will“ von 1964 gab es auch in Norwegen: „Jeg vet hva jeg vil“. Plattenfirma (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Auch in Schweden stand „er“ im Tor: „Slå upp din dörr“. Plattenfirma (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Horst Jankowski ließ sich 1968 den deutschen Beitrag zum Grand Prix d’Eurovision de la Chanson einfallen, der in jenem Jahr in London ausgetragen wurde: „Ein Hoch der Liebe“. Das Endergebnis war ein respektabler 6. Platz für Deutschland. Der musikalische Export in den hohen Norden funktionierte auch in diesem Fall: „Säg ja till kärleken“. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die B-Seite der deutschen Single „Jägerlatein“ gleich mit ins Schwedische übertragen: „Du diktar så bra“. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Aus „Komm’ allein“ wurde „Kom till mej“: man nehme das Original-Playback mit dem Orchester James Last, singe den übersetzten Text darauf und fertig ist die neue Schwedenplatte! „Ensamme vän“ war übrigens die Cover-Version von „Einsamer Boy“, den sie 1966 bei uns für eine Schallplattenseite lang besungen hatte. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mode ist bekanntlich auch international - das „Flower Power Kleid“ geriet ebenfalls zur Exportware… Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer großen dreimonatigen Norwegen-Tournee unter dem Motto „Keep smiling“ wurde der bereits dort sehr erfolgreiche gleichnamige Titel auch hierzulande in deutscher Sprache veröffentlicht. Nach wie vor ist „Keep smiling“ häufig im Rundfunk zu hören. Unsere Abbildung zeigt das Cover zur Platte „Made in Oslo“ - das Bildmotiv wurde übrigens unverändert für die deutsche Auflage verwendet. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1976 sang Wencke Myhre zusammen mit der Puppe „Titten Tei“ und der heutigen Königin Sonja von Norwegen innerhalb einer Fernseh-Sendung das Kinderlied „Vi har ei tulle Med Øyne Blå“. Innerhalb der ersten Woche nach dem Erscheinen dieser Single waren bereits 50.000 Exemplare abgesetzt. Die Sache diente einem guten Zweck: der Erlös der Schallplatte kam dem „H.K.H. Prinsesse Märtha Louises Fond“ zugute, der sich für behinderte Kinder einsetzt. Plattenfirma (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Termine und familiäre Pflichten sorgten dafür, dass Wencke Myhre sich in Deutschland etwas rar machte. Zu ihren kurzen Stippvisiten, die oft nur ein paar Tage dauerten, traf sie aber stets gut vorbereitet ein. Sie konnte sich auf ihr Team verlassen: Bobby Schmidt hatte ihre neuen Lieder auf Tonband eingesungen und ihr die Aufnahmen geschickt. Ihre simple Arbeitsmethode lautete:„Wenn ich morgens die Hausarbeit mache, stelle ich das Gerät an und singe mit“. Mit ihrer Personality-Show im ZDF „Das ist meine Welt“ erreichte sie zwischen 1974 und 1976 Spitzenquoten. Show-König Peter Alexander urteilte: „Sie ist das größte Showtalent deutscher Sprache“.

Das ansteckende Lachen ist ihr geblieben

In Norwegen heißt sie Wenche Synnøve Myhre. Der schwierigen Aussprache wegen wurde in Deutschland daraus „Wencke“ Myhre. „Wencke“ bedeutet kleines Mädchen, Synnøve ist eine Romanfigur von Henrik Ibsen und Myhre heißt „altes Moos“…

Wencke Myhre am Strand (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / radio tele nord)
Wencke Myhre bei Dreharbeiten für ihre erste deutsche TV-Show (1970) picture-alliance / radio tele nord

Das Energiebündel aus dem sonst recht "kühlen" Norwegen ist nach wie vor in der Showbranche tätig und begeistert ihr Publikum. Trotz Turbulenzen im Privatleben und nicht zuletzt durch ihre mittlerweile überstandene Krebserkrankung ist sie stets eine Powerfrau geblieben. Die notwendige Kraft hierfür bekommt sie aus ihrer Familie. Seit über zwanzig Jahren ist der schwedische Musiker Anders Eljas ihr Lebenspartner. Zudem ist sie mehrfache glückliche Großmutter und ihre Enkelkinder sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Sie sind häufig bei ihr zu Gast, wenn sie sich in ihr Ferienhaus bei Lillehammer zurückzieht, um Abstand vom Alltag zu finden oder an neuen Projekten zu arbeiten. 

2020 erschien in Deutschland zu ihrem 60-jährigen Plattenjubiläum eine 3 CD-Box mit zahlreichen Hits und Raritäten. So enthält diese Zusammenstellung beispielsweise ihren „Apfel-Biss“ nicht nur in der deutschen, sondern auch in der schwedischen Version. Außerdem stellt sie ihr breit gefächertes Können in Liedern von u.a. James Last, den Gibb-Brüdern, Stevie Wonder oder George Gershwin unter Beweis. Wencke Myhre hat einfach das „gewisse Etwas“ - das entscheidende Stückchen mehr an Talent, Fleiß, Instinkt und Intelligenz. Und ein Lachen, das unbedingt ansteckend wirkt…

Wencke Myhre (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa / Foto: Miguel Villagran)
Gitte Haenning (M), Wencke Myhre (r) und Siw Malmquist vor einem gemeinsamen Auftritt (2006) picture-alliance/ dpa / Foto: Miguel Villagran
Steckbrief von Wencke Myhre
Geboren15. Februar 1947 in Oslo
Erster AuftrittMit sieben Jahren zusammen mit ihrem Vater und mit ihrem Bruder
HitparadePlatz 4 für "Er steht im Tor" (1969) und Platz 6 für "Beiß nicht gleich in jeden Apfel" (1966)
EheWencke Myhre war von 1980 bis zu dessen Freitod 1991 mit dem Regisseur Michael Pfleghar verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe mit einem dänischen Zahnarzt und der Ehe mit Pfleghar hat sie ingesamt vier Kinder.
Krankheit2010 erkrankt sie an Brustkrebs. Über ihre Krankheit schreibt die Künstlerin in ihrer Autobiografie "Die Wencke" (Schwarzkopf-Verlag).

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