Vicly Leandros auf der Bühne (Foto: IMAGO, Imago -)

Vicky Leandros, ihr "Theo" und die Liebe zum Leben

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

Vicky Leandros ist nicht nur eine wahre Schlager-Legende, die in ihrer langen Karriere sensationelle Erfolge feiern konnte. Sie setzt sich auch für gemeinnützige Projekte ein. Neben diesem Engagement und der Musik hat die Sängerin noch eine weitere private Leidenschaft, über die sie ein Buch geschrieben hat.

Vicky Leandros - eine Schlager-Legende im Katzenkostüm

55 Millionen verkaufte Schallplatten, die in mehr als 55 Ländern auf den Markt kamen, sind eine stolze Bilanz. Seit mehr als einem halben Jahrhundert steht Vicky Leandros auf der Bühne und ist dabei immer auf der Höhe der Zeit geblieben. Eindrucksvoll belegte dies 2020 ihre Mitwirkung in der TV-Show "The Masked Singer". Über mehrere Sendungen hinweg wurde gerätselt, wer im Katzenkostüm-Klassiker von Gloria Gaynor, Cher oder Lionel Richie sang. Erst im Halbfinale musste sie ihre Identität preisgeben und begeisterte nach der Enthüllung das Publikum mit ihrer Interpretation des Hits von Tom Jones "Sexbomb".     

Vicky Leandros (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SWR, picture alliance/dpa/ProSieben | Willi Weber)
Vicky Leandros in der Show "The Masked Singer" 2020 mit dem Moderator Matthias Opdenhövel picture alliance/dpa/ProSieben | Willi Weber

Vicky Leandros und ihr Vater Leo

Bereits als Kind stand für sie fest, dass sie Sängerin werden wollte. Ihr Vater Leo, selbst erfolgreicher Komponist und Sänger, förderte sie sehr. Sie bekam Gesangs-, Ballett- und Gitarrenunterricht und noch als Gymnasiastin drängte sie ihren Vater, sie ins Plattenstudio mitzunehmen. 1965 produzierte er ihre erste Single "Messer, Gabel, Schere, Licht". 

Plattencover Vicky Leandros (Foto: Philips (Coverscan) -)
Der Startschuss für die Jahrzehnte andauernde erfolgreiche Welt-Karriere erfolgte im Frühsommer 1965. Ihre erste Single "Messer, Gabel, Schere, Licht" konnte sich auf Anhieb für zweieinhalb Monate in den Hitparaden platzieren und kletterte bis auf Platz 16. "Vicky", wie sie sich damals nannte, gewann die Herzen der Teenager und wurde - neben Manuela, Gitte Haenning oder France Gall - deren Idol. Philips (Coverscan) -

Publikum und Kritiker nahmen die Debütantin wohlwollend auf. 1966 kürte sie das Magazin "Bravo" zur "Newcomerin des Jahres". Erste Auftritte im Fernsehen und ihre erste Langspielplatte legten Zeugnis von ihrem Talent und ihrer Vielseitigkeit ab. Von Anfang an reichte ihre musikalische Bandbreite vom Schlager über Folklore bis hin zum Chanson und Popsong. Hinzu kam, dass sie ihre Titel in mehreren Sprachen sang.

Erfolgreich für Luxemburg im Grand Prix d'Eurovision de la Chanson

Luxemburg wurde auf die junge Sängerin aufmerksam und verpflichtete sie, das Land 1967 beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson zu vertreten. Mit "L’amour est bleu" schaffte sie einen respektablen vierten Platz und sorgte für ein Aufhorchen in der Branche.

Fünf Jahre später trat sie erneut für Luxemburg an und entschied mit "Après toi" den Wettbewerb für sich. Ihr gelang damit ein weltweiter Hit, der in vielen Ländern die Hitparaden anführte. Eine luxemburger Fluggesellschaft ehrte sie auf besondere Weise, indem sie ein Flugzeug auf den Namen "Vicky" taufte.

Plattencover Vicky Leandros (Foto: Philips (Coverscan) -)
Es war Samstag, der 25. März 1972, als in der Usher Hall in Edinburgh der 17. "Grand Prix d’Eurovision de la Chanson" ausgetragen wurde. Im schlichten Abendkleid und mit aristokratischen Gesten trug sie "Aprés toi" vor und siegte mit insgesamt 128 Punkten deutlich vor der populären englischen Band "New Seekers" ("Beg, steal or borrow"). Philips (Coverscan) -

Vicky Leandros singt Mikis Theodorakis

Ebenfalls 1972 legte Vicky Leandros mit dem Millionenhit "Ich hab' die Liebe geseh'n" nach. Das Lied aus der Feder von Mikis Theodorakis kletterte in der Hitparade bis auf den 2. Platz und blieb für 19 Wochen in den Top Ten notiert. Ein Jahr später folgte "Die Bouzouki klang durch die Sommernacht". Mit großem Erfolg flimmerte ihre Fernsehshow "Portrait Vicky Leandros" über die Bildschirme und erstmals unternahm sie eine große Europa-Tournee. Sie startete in Hamburg und das "Abendblatt" berichtete: "Vicky begeisterte ihre 2.000 Fans mit anspruchsvollen Liedern ebenso, wie mit etablierten Schlagern. Aber auch "Summertime" und andere Titel mit Niveau lösten donnernden Beifall aus."

Und dann kam der Theo

Unter dem Pseudonym "Mario Panas" schrieb ihr Vater Leo Leandros für sie einen maßgeschneiderten Hit nach dem anderen. Doch 1974 regte sich Widerstand: die Plattenfirma wollte ein Lied nicht veröffentlichen. Es entspreche weder dem Zeitgeist noch dem Image der Sängerin. Entgegen der Vorbehalte setzte er seinen Willen durch. Vicky erinnerte sich:

"Das war ein Lied! Als wir es produziert hatten, fragten mich viele Disc-Jockeys ob ich noch bei Trost sei. Das würde kein Mensch hören wollen."

Irren ist menschlich, denn der vermeintliche Zankapfel "Theo, wir fahr’n nach Lodz" wurde ein sensationeller Erfolg.

Plattencover Vicky Leandros (Foto: Philips (Coverscan) -)
Das Lied mit dem durchdringenden "Theeee-o" erklang ebenso auf ihrer Langspielplatte "Mein Lied für Dich". Philips (Coverscan) -

Familie statt Karriere

Mitte der 1970er Jahre versuchte sie vergeblich in den USA Fuß zu fassen. Es folgte der Rückzug ins Privatleben und 1980 wurde sie zum ersten Mal Mutter. Sie stellte ihre Karriere zugunsten des Familienlebens zurück und nutzte die Zeit, um sich künstlerisch fortzuentwickeln. Zunehmend trat sie als Autorin und Produzentin ihrer Lieder in Erscheinung.

Große Auftritte in Griechenland und die Olympischen Spiele

Neben Deutschland feierte sie vor allem in Griechenland Erfolge. 2003 hatte sie beispielsweise die Ehre, im ehrwürdigen Herodes Atticus, am Fuße der Akropolis, aufzutreten. Begleitet wurde sie von 300 Chorstimmen und einem großen Philharmonischen Orchester. Ein Jahr später moderierte sie im Rahmen der Olympischen Spiele in Griechenland für das deutsche und griechische Fernsehen die "Olympia-Gala".  Besondere Freude empfand sie, als sie bei der Eröffnungs-Feier der in Athen ausgetragenen "Paralympics" die griechische Nationalhymne sang.

Vicky Leandros wird mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Bis heute setzt sie ihre Popularität bei zahlreichen Benefiz-Veranstaltungen ein. Sie ist Schirmherrin der in Hamburg ansässigen gemeinnützigen GmbH "Mamalies", die sich für die Vermittlung von Deutschsprachkenntnissen bei migrierte Frauen und deren Kindern einsetzt. Zudem unterstützt sie die "Hamburger Regenbogenstiftung", welche zum Ziel hat, die Lebensbedingungen von Menschen mit HIV und AIDS zu verbessern. Für ihr langjähriges karitatives Engagement wurde sie 2015 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

2015 erhielt Vicky Leandros das Bundesverdienstkreuz für ihre karitativen Bemühungen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Carsten Rehder)
2015 erhielt Vicky Leandros das Bundesverdienstkreuz für ihre karitativen Bemühungen. picture alliance / dpa | Carsten Rehder

Kochen ist ihr großes Hobby

Lange Zeit blieb weitgehend unbekannt, dass Vicky Leandros eine leidenschaftliche Köchin ist: "Kochen ist seit Jahrzehnten meine Leidenschaft, mein Hobby und mein Beruhigungsmittel." 2021 erschien unter dem Titel "Ein Hoch auf das Leben" ein Kochbuch, das sie zusammen ihrer Tochter Sandra und ihrem Sohn Leo geschrieben hatte.

Vicky Leandros mit ihrer Tochter Sandra und ihrem Sohn Leandros von Ruffin (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / | -)
Vicky Leandros hat 2021 ein Kochbuch mit ihrer Tochter Sandra und ihrem Sohn Leandros von Ruffin veröffentlicht. picture alliance / | -

"Ich liebe es, meine Familie und meine Freunde um mich zu haben. Ich liebe es, wenn alle Generationen an einem Tisch sitzen, wenn es laut ist und wild, wenn Geschichten erzählt werden. Das ist für mich der Kern des Lebens."

Ich liebe das Leben

1975 tönte aus allen Lautsprechern ihr Lied "Ich liebe das Leben" - nicht nur in Deutschland, sondern auch beispielsweise in Frankreich als "J’aime la vie" oder im englisch-sprachigen Raum als "I enjoy living". Im Laufe ihrer Karriere hat sie es immer wieder neu aufgenommen, zum Beispiel 2012 als Duett mit Andrea Berg. Nun hat Vicky Leandros ihr ganz persönliches Jubiläumsjahr unter dieses Motto gestellt, in dem einige exklusive Konzerte geplant sind. Ein Lied wird dabei bestimmt nicht fehlen, denn von all ihren Erfolgen ist ihr "Le moulins de mon coeur - Wie sich die Mühlen dreh'n im Wind" aus der Feder von Michel Legrand eines der liebsten.

Vicky Leandros Plattencover (Foto: Scan Plattencover (Philips))
Nur ganz unscheinbar steht am linken oberen Bildrand der Titel "Ich liebe das Leben" zu lesen. Das Album aus dem Jahr 1975 beinhaltete zudem die Hit-Singles "Ja, ja, der Peter, der ist schlau", "Drehorgelmann" und "Weißt Du, woraus die Träume sind". Scan Plattencover (Philips)

Auf die Frage, ob sie etwas in ihrer künstlerischen Vergangenheit bereut, antwortete sie einmal in einem Interview:

"Nein. Ich glaube, dass alles so richtig war, wie ich es anfangs mit meinem Vater und später allein entschieden habe. Wir verbanden Qualität mit Kommerz. Das hat den Erfolg gebracht. Wären wir nur kommerziell gewesen, hätte ich diese Karriere bestimmt nicht gemacht."

Steckbrief von Vicky Leandros
Geborenam 23. Aug. 1952 als Vassiliky Papathanassiou auf Korfu
VaterLeo Leandros, Musiker, übersiedelte 1955 nach Deutschland.
WelthitFür "Aprés toi" erhielt sie von der amerikanischen Zeitschrift "Billboard" 1972 den Preis für den größten Verkaufserfolg einer Single: Sechs Mio. Exemplare gingen über die Ladentische.
EhenErste Ehe mit Ivan Zissiadis, der auch Vater ihres Sohnes ist. In zweiter Ehe war sie  mit Enno Freiherr von Ruffin verheiratet, mit dem sie zwei Töchter hat. Das Paar trennte sich 2005. Tochter Sandra von Ruffin ist Schauspielerin.
PolitikFür zwei Jahre stellvertretende Bürgermeisterin und Stadträtin für Kultur in Piräus (Griechenland)

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