Schlagerlegende

Die Karriere von Udo Jürgens

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

"Udo gehört für mich zu der ganz kleinen Familie der ganz großen Künstler auf dieser Welt", lobte Sammy Davis Jr. Wir blicken zurück auf die einzigartige Karriere von Udo Jürgens.

Udo Jürgens, 1966 (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Ducklau/dpa)
Udo Jürgens beim "Grand Prix d'Eurovision de la Chanson" 1966 in Luxemburg picture-alliance / dpa - Ducklau/dpa

Der kleine Udo musizierte bereits seit frühester Kindheit. Nicht etwa mit dem Klavier, wie man vermuten möchte, sondern mit einer Mundharmonika. Man erzählt, dass er im Alter von fünf Jahren als erstes sein Lieblingslied "Die blauen Dragoner, die reiten" spielte. Das heiß ersehnte Akkordeon bekam er wenige Jahre später, mit dem er auch seine ersten Auftritte nach Ende des zweiten Weltkriegs in Kiel absolvierte. Auf dem Plakatanschlag war vom "vielversprechenden Nachwuchsstar Udo Jürgen Bockelmann" zu lesen und seine aus alten Säcken bestehende mexikanische Verkleidung kam beim Publikum an.

"Ich gestehe offen, dass unter Udos Lieder einige sind, die ich gern selbst komponiert hätte. Die musikalische Galanterie, die viele seiner Lieder auszeichnet, hat Seltenheitswert im deutschen Liederschaffen." 

Für 83 Pfennige gab's Polka oder Jazz

Als er nach dem Krieg in seine Heimat Kärnten zurückkehrte, drückte er zunächst die Schulbank und unternahm 1947 seine ersten Versuche auf dem Klavier. Ein Jahr später begann er sein Musikstudium am Landeskonservatorium Klagenfurt und belegte die Fächer Klavier, Harmonielehre und Komposition. Hinzu kam der Gesang, allerdings nur, weil es ein Pflichtfach war. Nebenbei tingelte er durch zahlreiche Lokale und spielte in britischen Soldatenclubs. Er legte sich den Künstlernamen Udo Bolan zu und gründete seine erste eigene Kapelle. Die Auftritte waren günstig zu haben: für einen Stundenlohn von 83 Pfennig spielte er Jazz und Polka, je nach Anforderung.

"Ob er ein Idol ist, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er etwas kann und gut ist, verdammt gut sogar. Das ist mehr wert, als ein Idol zu sein." 

Mit 16 Jahren zum ersten Erfolg

Der Österreichische Rundfunk schrieb 1950 einen Kompositions-Wettbewerb aus, an dem er teilnahm. Von den rund 400 Einsendungen  fand sein Beitrag "Je t'aime"  bei der Jury den meisten Zuspruch und die gestandenen Komponisten staunten nicht schlecht, als ein Sechzehnjähriger ihnen den ersten Preis wegschnappte. Fortan war er Dauergast im ORF und im Programm als Sänger, Pianist und als Leiter der Funk-Combo zu hören. Werner Müller lud ihn nach Berlin ein und vermittelte ihm seinen ersten Schallplattenvertrag in Deutschland. Aus Udo Bolan wurde Udo Jürgens und 1954 stand sein Debüt in den Plattengeschäften: "Es waren weiße Chrysanthemen".

"Wenn ich bei meiner Arbeit Udo Jürgens‘ Platten höre, habe ich die besten Ideen."

Banale Schlagerfilme in Frauenkleidern

Udo Jürgens (Foto: IMAGO, imago stock & people -)
Udo Jürgens imago stock & people -

Der Start klang vielversprechend, zumal er Max Greger und sein Orchester auf einer Russland-Tournee begleiten konnte, doch seine Singles lagen wie Blei in den Regalen. Die Produzenten hatten keine Idee, wie man den jungen Künstler auf dem Markt erfolgreich hätte platzieren können. Alle Versuche schlugen fehl und sein Wunsch, eigene Kompositionen zu singen, stieß bei den Verantwortlichen auf taube Ohren. Daran änderte auch sein Erfolg mit dem Titel "Jenny" beim Songfestival im belgischen Knokke nichts. Während er auf internationalem Parkett als Komponist Anerkennung fand - für Shirley Bassey schrieb er den Welthit "Reach for the stars" - drehte er in Österreich banale Schlagerfilme in Frauenkleidern.

"Wenn es Udo Jürgens nicht gäbe, müsste man den Schlagermachern wirklich glauben, dass nur banale Texte und primitive Musik beim großen Publikum ankommen."

Die Wende kam beim Grand Prix

Die Wende kam erst mit seiner Teilnahme am Grand Prix d'Eurovision de la Chanson. Insgesamt dreimal vertrat er sein Heimatland Österreich mit zunehmendem Erfolg. 1966 schließlich trug er die Siegertrophäe für "Merci Chérie" nach Hause und schaffte damit seinen endgültigen Durchbruch, der sich auch weltweit in den Hitparaden platzieren konnte. Er trat im Pariser "Olympia" auf, unternahm zahlreiche Tourneen im In- und Ausland und die Schallplattenhits folgten.

Von "Sonja, wach auf" zum "Griechischen Wein"

Udo Jürgens am 02.09.2014 vor einer Preview der ARD-Dokumentation "Der Mann, der Udo Jürgens ist" in Hamburg (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Joachim Fuchsberger war nicht nur ein begabter Schauspieler und Autor, sondern schrieb auch so manchen Schlagertext - unter anderem für Udo Jürgens. "Was ich Dir sagen will" stammt zum Beispiel aus der Feder von Fuchsberger. Auch für seine erste Frau, Gitta Lind, schrieb Fuchsberger einige Songs. picture-alliance / dpa -

Ein Griechenland-Urlaub war es, der ihm als Inspiration für einen Hit diente, der zu einem Nummer 1-Verkaufshitparaden Erfolg werden sollte. Seine Ferien hatte er vorzeitig beendet und die Familie im Urlaubsdomizil zurückgelassen. Bei Regenwetter trat er den Heimflug an, fühlte Melancholie und trug die Bouzouki-Klänge, die er dort gehört hatte, in seinen Gedanken mit. Am heimischen Klavier setzte er diese Eindrücke in eine Melodie um. "Sonja, wach‘ auf" - so der Vorschlag des Texters Michael Kunze - könnte die Refrainzeile lauten. Doch Udo Jürgens war hiervon nicht überzeugt. Erst als eine große Orchesterfassung aufgenommen wurde kam die zündende Textidee: "Griechischer Wein" - ein Welthit war geboren.

Besondere Plattencover von Udo Jürgens

Plattencover Udo Jürgens (Foto: SWR, Heliodor (Coverscan))
Udo Jürgens stand in den 1950er Jahren bei der Polydor unter Vertrag, seine Platten kamen zunächst auf dem Sub-Label „Heliodor“ heraus. Dort fand er sich mit Bert Kaempfert oder Jimmy Makulis in guter Gesellschaft. 1958 erschien seine erste Single beim renommierten Polydor-Label, allerdings stand dort der Name "Die Trocaderos" zu lesen, eine Gesangsgruppe, die Udo Jürgens als Lead-Sänger verstärkte. Begleitet vom Orchester Werner Müller sang er zwei amerikanische Hits in deutscher Sprache. Heliodor (Coverscan)
Plattencover Udo Jürgens (Foto: SWR, Vogue (Coverscan))
"Siebzehn Jahr, blondes Haar" - 1965 konnte er sich damit über 15 Wochen in den Top Ten platzieren, im Dezember gelang die Bestnotierung mit Rang 4. Ein Jahr später wurde er dafür von Radio Luxemburg mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet. Das Lied wurde zu einem seiner Markenzeichen. Anfang der 1970er Jahre nahm er es erneut auf - das Original blieb jedoch unerreicht. Vogue (Coverscan)
Plattencover Udo Jürgens (Foto: SWR, Ariola (Coverscan))
Mit „Griechischer Wein“ gelang Udo Jürgens 1975 der Hit des Jahres, der im Ausland ebenso erfolgreich war. Die englische Fassung („Come share the wine“) sang Bing Crosby - es war seine letzte Studioaufnahme vor seinem Tod. In Griechenland wurde es unter dem Titel „Kerna Krassi“ zu einem Art Volkslied. Auf Einladung seiner Regierung empfing Griechenlands Ministerpräsident Karamanlis Udo Jürgens in Athen, um ihnen für dies Lied über griechische Gastarbeiter in Deutschland zu danken. Ariola (Coverscan)

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