Tom Jones (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Ingo_Wagner)

Schlagerlegende

Tom Jones ist der "Tiger"

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

Man sagt, Leute aus Wales können das Singen nicht lassen. Gemessen daran verwundert es nicht, dass dem dort geborenen Tom Jones eine Weltkarriere als Sänger und Entertainer gelang, die bis heute anhält.

Seine musikalische Ausbildung genoss er beim Chorleiter der Kirche seines Geburtsortes, dem südwalisischen Pontypridd. Thomas Jones Woodward, so sein bürgerlicher Name, sang nicht nur im Schul- und Kinderchor, sondern auch bei allen sich bietenden Anlässen. Seine erste, eigene Bühne baute er sich zuhause mit den Wohnzimmergardinen. Schon kurz nach seiner Schulzeit heiratete er im Alter von 16 Jahren und ein Jahr später kam sein Sohn Mark zur Welt. Um den Lebensunterhalt der jungen Familie zu bestreiten, arbeitete als Handschuh-Zuschneider, Vertreter von Staubsaugern und Bauhilfsarbeiter.

"... größte Sänger der Welt"

Nach der Arbeit widmete er sich jedoch seiner wahren Liebe: der Musik. Rock’n’Roll, Soul und Blues waren seine Vorlieben. Er sang für Kleingeld und zwischendurch herunter gekippte Drinks und spielte Schlagzeug in verschiedenen Arbeiterclubs von Süd-Wales. 1963 schaffte er es, mit der eigenen Band "Tommy Scott & The Senators" eine lokale Berühmtheit zu werden. Eines Abends saß der erfolgreiche Musikmanager und Songwriter Gordon Mills im Publikum, der das Potential des jungen Mannes erkannte: "Mir war schon nach den ersten Takten klar, dass diese Stimme den Mann zum größten Sänger der Welt machen würde."

Tom Jones (Foto: IMAGO, Imago/Stock&People -)
Es ging steil bergauf: Tom Jones bei den Aufnahmen zum James-Bond-Soundtrack (1965) Imago/Stock&People -

Die Stimme ist zu rau...

Bei Gordon Mills war er in besten Händen. Er erfand den Künstlernamen "Tom Jones" und ging mit ihm nach London. Eine Plattenfirma zu finden war jedoch ein schwieriges Unterfangen, denn die Bosse lehnten ab: die Stimme passe nicht zum Trend der Zeit, der Gesang sei zu rau und zu kräftig, seine Show viel zu sexbetont. Nach langer Suche gelang es doch noch, einen Plattenvertrag abzuschließen. Doch die erste Single "Chills and fever" (1964) wurde ein Reinfall. Aber bereits ein Jahr später gelang mit "It’s not unusual" - aus der Feder seines Entdeckers - ein Sensationstreffer.

"It’s not unusual" war ein Erfolg mit Anlaufschwierigkeiten: die BBC lehnte den Titel als "zu heiß" ab - der Piratensender "Radio Caroline" jedoch bewarb die Platte, was zum Durchbruch führte.

Elvis wünschte sich sein "Green green grass of home" im Radio

Seine Schallplatten traten weltweit einen Siegeszug an. Nicht zuletzt seine Auftritte in mehreren Ed Sullivan-Shows in den USA untermauerten diese Popularität, auch in Kollegenkreisen. Jerry Lee Lewis und Elvis Presley, die sich Tom Jones in frühen Tagen zum Vorbild nahm, zählten nun zu seinen Verehrern. Besonders mit Elvis verband ihn eine großartige Freundschaft. Vor seinen eigenen Auftritten wärmte er seine Stimme mit Tom’s "Delilah" auf und als 1966 "Green green grass of home" erschien, rief Presley persönlich bei Rundfunkstationen an, um sich dieses Lied zu wünschen.

Volle Brustbehaarung...

1967 führten ihn seine Wege erstmals nach Las Vegas. Die Auftritte im "Flamingo-Hotel" oder "Caesar’s Palace" wurden legendär. Seine Bühnenshows mit viel Sex-Appeal brachten das weibliche Publikum in Hitzewallungen. Beim Anblick seines Outfits in hautengen Hosen und weitgeöffneten Hemden, die Einblicke auf eine volle Brustbehaarung gewährten, sahen sich manche Damen zum Ausdruck ihrer Bewunderung veranlasst, nicht nur Blumen, sondern auch Dessous und den Schlüssel ihres Hotelzimmers auf die Bühne zu werfen.

Reiß Dich vor der Queen zusammen...

Eine besondere Auszeichnung bedeutete für ihn, als bei seinem Auftritt im Londoner Palladium am 13. November 1967 die königliche Familie im Publikum saß. "Schwinge nicht zu sehr mit den Hüften! Du musst Dich zusammenreißen, wenn Du vor unserer Queen erscheinst" mahnte ihn vor dem Auftritt sein Manager. Er trug einen Smoking, zeigte sich wie ein Gentleman und Queen Elizabeth applaudierte. 1999 verlieh sie ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die Musik den "Order of the British Empire" und adelte ihn 2006 mit dem Ritterschlag.

In den 70ern wurde es ruhiger

In den 1970er Jahren wurden seine Plattenumsätze rückläufig, so dass Tom Jones seinen Schwerpunkt auf Clubauftritte verlegte. Er kaufte das ehemalige Anwesen von Dean Martin, zog in die Vereinigten Staaten und wurde eine der größten Shownummern im Spielerparadies. Parallel arbeitete er mit berühmten Songwritern wie z. B. Johnny Bristol zusammen und begann in den 1980er Jahren, Country-Music aufzunehmen. Ein schwerer Verlust war 1986 der Tod seines langjährigen Managers Gordon Mills.

Das Comeback mit "Sex Bomb"

Das Comeback in Europa begann 1987. TV-Auftritte in London waren Motor für die Renaissance seiner alten Hits, die wieder in die Charts gelangten. Durch die Zusammenarbeit mit aktuellen Künstlern gelang ihm der Zugang zu neuen Publikumsschichten. Sein musikalisches Image wurde auf die Höhe der Zeit gebracht und als einer der größten Fans entpuppte sich Robbie Williams, der ihn als "absolute Legende" bezeichnete. Spätestens seit dem Welthit "Sex Bomb" weiß auch die heutige Generation, dass der Tiger von einst immer noch scharfe Krallen hat und bestens bei Stimme ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Besondere Plattencover von Tom Jones

Plattencover von Tom Jones (Foto: SWR, Decca (Coverscan))
Der Country-Song "Green green grass of home" wurde zu einem der größten Hits von Tom Jones. Das romantisch klingende Lied handelt von einem Mann, der im Traum noch einmal die Stätten seiner Kindheit besucht, hierbei auf alte Freunde und seine verstorbenen Eltern trifft. Das Erwachen in der Gegenwart ist rau: er befindet sich in einer Gefängniszelle und es ist der Tag seiner Hinrichtung. Decca (Coverscan)
Plattencover von Tom Jones (Foto: SWR, Decca (Coverscan))
In der Zeitung stand "mit 29 Jahren ist Tom Jones 'the hottest entertainer' in Amerika. 1969 tummelten sich sechs von neun seiner Langspielplatten in den Billboard-Charts und die letzten vier Veröffentlichungen wurden alle vergoldet.“ - darunter „Live in Las Vegas“. Im Rahmen einer Amerika-Tournee waren 32 Auftritte in Stadien und Theatern geplant. Allein zwei Vorstellungen bestritt Tom Jones im riesigen New Yorker Madison Square Garden. Hinzu kamen seine Shows in Las Vegas. Decca (Coverscan)
Plattencover von Tom Jones (Foto: SWR, V2 (Coverscan))
"Reload" wurde die erfolgreichste Produktion seiner Karriere. Mehr als sechs Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft. Das Album beinhaltete 15 Cover-Versionen, die er als Duette mit populären aktuellen Künstlern wie z. B. Natalia Imbruglia, Robbie Williams oder Van Morrison aufnahm. Mit diesem Konzept gelang es Tom Jones, auch junge Publikumsschichten zu erreichen. Fünf Singles wurden ausgekoppelt: die erfolgreichsten waren "Mama told me not to come" mit den Stereophonics. V2 (Coverscan)

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