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"Hallo, guten Morgen Deutschland" machte ihn zu Deutschlands Country-Star Nummer 1. Auf mehr als 700 eigene Songs und rund 4 Millionen verkaufte Tonträger kann Tom Astor inzwischen zurückblicken.

Die besten Plattencover von Tom Astor

Plattencover Tom Astor (Foto: SWR, Derby Records (Coverscan))
Der Einstand auf dem Plattenmarkt datiert von 1965: "Sabrina" - auf seinem Plattendebüt stand noch sein bürgerlicher Name auf dem Cover: Will Bräutigam. Derby Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1967 stellte sich der erste kleinere Schallplattenerfolg mit "Sag warum gingst Du fort". Der Titel konnte sich auf den hinteren Rängen der Hitparade platzieren. Als Vorlage diente der italienische Titel "Non son degno di te", den Gianni Morandi 1965 im gleichnamigen Film gesungen hatte. Acandor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Musicalmelodien aus "My fair lady", "Mary Poppins" oder "Kiss me, Kate" gesungen von Tom Astor? "Blowin' in the wind" oder "What a wonderful world" in deutscher Sprache gesungen vom deutschen Country-Star Nr. 1? Das hat es alles gegeben, allerdings bis 2010 unter Verschluss. All diese Titel wurden 1966 bis 1969 als "Will Bräutigam" aufgenommen. Die CD "Wunderbar ist die Welt" vereint 15 nahezu unbekannte Schätze aus dem frühesten Schaffen. Ranger Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zu Beginn der 1970er Jahre konnte man erstmals "Tom Astor" auf einem Plattencover lesen. 1971 stand der Neil Diamond-Hit "Sweet Caroline" Pate für eine deutsche Cover-Version. Musikexperten beschrieben ihn als deutschen Neil Diamond. Ein weiterer Hit des amerikanischen Superstars brachte 1972 den ersten Auftritt in der ZDF-Hitparade: "Song Sung Blue" als "Komm', komm', komm', Mädchen meiner Träume". Bellaphon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Ein großes Talent aus Europa" urteilte die "Evening Post" in Chicago und der italienische "Sabato Sera" schrieb: "Una bellissima interpretazione" - seine Auftritte im Ausland fanden viel Zuspruch. Hierzulande ging er mit der deutschen Version des Paul Anka-Hits "Lonely Boy" an den Start. Im selben Jahr - 1973 - wurde Tom Astor Inhaber eines eigenen Musikverlages. CBS (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Grand Prix" stand 1976 in den Geschäften. Der Titel seiner ersten LP hatte nichts mit dem Eurovision Song Contest zu tun. Vielmehr handelte es sich um ein buntes Programm - darunter z. B. "La Paloma" und deutsche Versionen internationaler Hits wie "Taka Takata" oder "Can't help falling in love". Fast schon kurios mutete der Stimmungsschlager "Dass Du mich liebst, das weiß ich" an. Diese Platte ist insofern eine Rarität, da es die einzige Schlager-LP ist, die Tom Astor je veröffentlichte. Colonia (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre hatte sich Tom Astor ganz der Country-Music verschrieben, welche im eigenen Studio im heimischen Schmallenberg im Sauerland produziert wurde. Das etwas skurrile Duett "Fuzzy, das war der Größte" kam 1978 auf den Markt. Crystal (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Seine erste Country-LP "Asphalt Cowboy" kam 1980 heraus. Ein Jahr später veröffentlichte er "Hallo Trucker", das neben eigenen Kompositionen ("Kopf hoch, Mann", "Ein richtiger Mann ist immer unterwegs") auch etliche deutsche Versionen großer Country-Hits beinhaltete, beispielsweise "Wer hat ein Herz, das nie bricht" (Some broken hearts never mend) oder "Der Feigling des Jahrhunderts" (Coward of the county). Aladin (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Blick auf die Autorenangabe dieser Single-Schallplatte mag Erstaunen: "Hör' mal zu, Herr Minister - ich brauch' 'nen Job" fiel jemandem ein, der im Bereich der Country- und Westernmusik eher seltener tätig war: Dieter Bohlen! Aladin (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit "Hallo, guten Morgen Deutschland" gelang ihm 1984 der längst fällige endgültige Durchbruch. Auf speziellen Wunsch erstellte er von dem Song zahlreiche Versionen, in denen er "Deutschland" durch einzelne Bundesländer oder bestimmte Städte ersetzte. Papagayo (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Titelsong des 1990er-Albums "Junger Adler" wurde zum Evergreen. Drei Jahre später verhalf ihm das Lied zum Sieg in der ZDF-Jahreshitparade. Damit stand er auch mehrmals auf dem Siegertreppchen in der "Deutschen Schlagerparade" der ARD und gewann ein breites Publikum über die deutsche Country- und Truckerszene hinaus. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die ZDF-Sendung "Schlager '91" sollte die Tradition der "Deutschen Schlager-Festspiele" wiederbeleben. 15 Ensembles und Solisten traten in der Deutschlandhalle in Berlin zum Wettstreit an, der von Wencke Myhre, Pit Weyrich und Uwe Hübner moderiert wurde. Auf dem 3. Platz landete Tom Astor mit seinem Beitrag "Ich bin kein Dichter - kein Poet". Als Backgroundchor wirkten bei dieser Aufnahme die legendären "Jordanaires" mit, der Chor zahlreicher Elvis-Aufnahmen. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Herbst 2003 veröffentlichte Tom Astor diese Maxi-CD als Hommage an "The man in black", den verstorbenen Johnny Cash. Ergänzt wurde die CD mit zwei Duetten, die er mit der Country-Legende bereits 1996 aufgenommen hatte. Er war bis zuletzt der einzige Country-Künstler Europas geblieben, mit dem Johnny Cash einige Duette im Studio eingesungen hat. Track 1 beinhaltete ein sehr persönliches Statement von Tom Astor und Track 2 beginnt mit den Worten des Meisters Johnny Cash höchstpersönlich. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Mit den großen Stars, Legenden und Vorbildern gemeinsam einen Song aufzunehmen" war ein großer Traum von Tom Astor, der in Erfüllung ging. "Follow your dream sagen die Amerikaner - ich habe es getan. Auch wenn es dazu viel Geduld und jahrelanger Arbeit bedurfte." Ob Emmylou Harris, Wanda Jackson, Kenny Rogers oder John Denver - sie alle nahmen zusammen mit ihm auf. Auf den Alben "Meilensteine" (1995) und - hier im Bild -"Duette" (2007) sind die gemeinsamen Songs nachzuhören. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Wenn Tom Astor "Ich bin, wie ich bin" singt, so ist dies authentisch. Mit seinem Gespür, welche Lieder beim Publikum ankommen, konnte er über die Jahre hinweg Hit an Hit aneinanderreihen. Mit diesem Album galt es, den 75. Geburtstag und das 55-jährige Bühnenjubiläum zu feiern. Hier gibt es ein Wiederhören mit seinem langjährigen Freund Wolfgang Petry, der bei einigen Songs als Background-Sänger zu hören ist. Telamo (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Auch wenn sein Name nicht explizit draufsteht, so ist doch Tom Astor "drin": vornehmlich in der Schweiz hatten die "Romanticas" Erfolge. Trotz Sonnenbrille ist es eindeutig: Tom Astor war mit von der Partie und beim Auflegen der Platte identifiziert man ihn sofort als Lead-Sänger. Ausnahmslos alle Titel dieser Langspielplatte stammten aus seiner Hitfabrik, die in Zusammenarbeit mit seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Klaus Löhmer entstanden. Koch Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Wie viele andere Jugendliche beeindruckte den jungen Tom Astor der Rock'n'Roll. Im ortsansässigen Schallplattengeschäft kaufte er die neuesten Scheiben. "Blue Suede Shoes" von Elvis Presley war seine erste, aber sein Vater teilte diese Begeisterung nicht, denn der warf die Platte erbost aus dem Fenster, nachdem sein Sohn diese lautstark im Wohnzimmer abgespielt hatte.

Dean-Martin-Cover aus dem Sauerland

Eine Wette um sechs Flaschen Sekt war schuld daran, dass der Junge aus Schmallenberg im Sauerland im Kölner "Weindorf" auf der Bühne stand und bei einem Gesangswettstreit teilnahm. Seine Freunde hatten ihn dazu überredet, nachdem er ihnen einige Lieder zur Gitarre vorgesungen hatte. Er stellte sich der Herausforderung, sang eine deutsch-italienische Version des Dean Martin-Songs "Tik-A-Tee, Tik-A-Tay" und gewann.

Nach Dienstschluss trat der gelernte Hotelkaufmann häufig auf "Bunten Abenden" als Schlagersänger auf und erhielt eine für damalige Verhältnisse beachtliche Gage in Höhe von 50 Mark. Bedeutender war, dass er hierbei wichtige Kontakte knüpfen konnte. Bald erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und 1965 stand sein Debüt "Sabrina" in den Geschäften. Schon mit seiner zweiten Platte konnte er 1967 seine Fernseh-Premiere in der ZDF-Drehscheibe feiern.

Die ersten Schallplatten erschienen unter seinem bürgerlichen Namen Will Bräutigam (abgeleitet von Wilhelm Bräutigam). Später legte die Plattenfirma ein Veto ein: "Der Name ist für einen Sänger nicht zu vermarkten."

Tom Astor kommt in die Hitparade von Dieter Thomas Heck

Tom Astor mit seiner Frau in Schmallenberg (Foto: dpa Bildfunk, dpa/picture alliance - Foto: Horst Ossinger)
Tom Astor mit seiner Frau in Schmallenberg (Sauerland) dpa/picture alliance - Foto: Horst Ossinger

Anfang der 1970er Jahre verpasste ihm sein Produzent den Künstlernamen Tom Astor. Er richtete ein eigenes Studio ein, gründete seinen eigenen Musikverlag und begann, selbst Aufnahmen zu produzieren. In dieser neuen Rolle entschied er sich für eine deutsche Version des Neil Diamond-Hits "Song Sung Blue" und lag damit richtig: "Komm', komm', komm'" wurde 1972 ein Hit, der ihn zum ersten Mal zu Dieter Thomas Heck in die "ZDF-Hitparade" führte.

Als die nachfolgenden Platten zunehmend flopten, nahm er sich Mitte der 1970er Jahre eine Auszeit und legte die Gesangs-Karriere vorerst auf Eis. Das Blatt wendete sich, als der leidenschaftliche Musiksammler eines Tages einen Sampler mit dem Titel "Hillbilly Music" bestellte. Diese Stilrichtung war ihm bislang völlig fremd - aber das was er hier hörte, faszinierte ihn und in ihm reifte die Idee, Country in deutscher Sprache aufzunehmen.

Mit "Hallo, guten Morgen Deutschland" gelang Tom Astor der Durchbruch

Die ersten Platten in diesem Genre machte er 1977 und vier Jahre später erfüllte sich sein Wunsch, das Mekka der Country-Music, Nashville/Tennessee, zu besuchen. Wenig später half ihm dort der Zufall auf die Sprünge: im Fernsehen sah er die Show "Good Morning America". Dies war die Inspiration für sein Lied "Hallo, guten Morgen Deutschland", mit dem er ins Schwarze traf und 1984 seinen endgültigen Durchbruch schaffte.

Radio Luxemburg war begeistert und spielte die Platte täglich am Anfang und am Ende der Sendung "Guten Morgen Deutschland". Mehr Werbung ging nicht, aber gleichzeitig war dies auch ein Hemmschuh: Es hatte den Anschein, der Song sei von RTL in Auftrag gegeben. Daher spielte die Platte kein Sender in der ARD. Um diesen Irrtum aufzuklären, klapperte ein Promoter alle Rundfunkstationen ab und zudem nahm Tom Astor über 30 Versionen des Songs auf, die speziell abgestimmt wurden. Je nach Region sang er z. B. "Hallo, guten Morgen Hamburg" oder "Hallo, guten Morgen Frankfurt".

Nashville wird zu Tom Astors zweiten Heimat

Tom Astor live bei einem Auftritt (Foto: dpa Bildfunk, Foto Thomas Frey)
Tom Astor 2010 am Nürburgring Foto Thomas Frey

Mit dem Lied "Junger Adler" gelang ihm etwas später mehr als ein würdiger Nachfolger. Das Lied wurde zum Renner und ist bis heute nicht aus seinem Repertoire wegzudenken. Es war ihm gelungen, Country-Music in deutscher Sprache erfolgreich zu etablieren und damit auch ein breites Publikum anzusprechen. Dabei stellt er sich die höchsten Ansprüche: um authentisch zu klingen, nimmt er seine Titel seit vielen Jahren in Nashville auf. "Dort sind die besten Studiomusiker, die modernsten Studios, Songschreiber, Produzenten und Musikverlage" erläuterte er.

In all den Jahren ist diese Stadt so etwas wie eine zweite Heimat für ihn geworden. Bei seinen vielen Aufenthalten hat er zahlreiche Größen der Country-Music kennengelernt. Dort gilt er als einer von ihnen und genießt deren Respekt. Mit vielen Superstars arbeitete er zusammen und die lange Liste reicht von Wanda Jackson und Dolly Parton über die Bellamy Brothers bis hin zu Don Williams oder Bobby Bare. Ein besonders herzliches Verhältnis entstand zu Johnny Cash und seiner Familie.

Tom Astor ist der einzige Künstler, der mit allen vier "Highwaymen" (Johnny Cash, Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson) ein Duett aufgenommen hat.

Der Auftritt in der "Grand Ole Opry" von Tom Astor

Tom Astor zeigt auf seine Plattencover, die an der Wand hängen (Foto: dpa Bildfunk, Foto Heinz Unger)
Tom Astor zuhause vor seiner Plattenwand Foto Heinz Unger

Ein Traum wurde wahr, als er am 25. August 2000 als erster deutscher Sänger in der "Grand Ole Opry" auftreten durfte und mit Standing Ovations gefeiert wurde. 4000 Zuschauer vor Ort und Millionen Zuhörer an den Radiogeräten verfolgten seinen Auftritt in dem heiligen Musentempel der Country-Music. "Mir lief es heiß den Rücken runter, als mein Name genannt wurde. Ich hab' schon viel erlebt, aber für einen Country-Sänger ist es etwas ganz Besonderes, dort aufzutreten" erzählte er in einem Interview.

Für Tom Astor ist Country Music nicht nur ein Beruf, sondern sie ist Berufung, ja ein Lebensgefühl. Nach wie vor tritt er zusammen mit seiner Band auf deutschen Country-Festivals auf. Die Stimmung eines dieser Konzerte hat er für seine jüngste CD "Live am Nürburgring" eingefangen. Bei all seinen großen Erfolgen ist er ein bodenständiger Typ geblieben. So ist es durchaus möglich, dass man ihn beispielsweise als "Kumpel von nebenan" bei Reitturnieren trifft, denn seit früher Jugend gehört den Vierbeinern seine Zuneigung.

"Man wird älter, das spürt man. Möglichst lange gesund zu bleiben und Musik zu machen, das wünsche ich mir."

Tom Astor, Country-Sänger

Tom Astor und sein Steckbrief

Geboren27.02.1943 in Schmallenberg, Sauerland als Wilhelm Bräutigam
PreiseBekam als erster deutscher Country-Sänger "Gold" für 250.000 verkaufte Tonträger.
KuriosHeino hörte "Hallo, guten Morgen Deutschland" in einer Demo-Version und hatte Interesse, den Song einzuspielen. Tom Astor gab ihn aber nicht aus der Hand.

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