Teddy Parker verstorben (Foto: imago images, Imago/Scherf)

Teddy Parker verstorben - es fuhr nie ein Nachtexpress nach St. Tropez

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1963 eroberte er mit dem "Nachtexpress nach St. Tropez" die Hitparade und dann als Moderator den Rundfunk. Der beliebte Sänger verstarb am 17. Juni 2021 im Alter von 83 Jahren.

Plattencover Teddy Parker (Foto: SWR, Philips (Coverscan) -)
Im Hotel Esplanade - mit "direktem Blick auf die Berliner Grenze" - entstanden seine Aufnahmen für die Plattenfirma Philips, erinnerte sich Teddy Parker im Gespräch. 1960 erzählte er unter seinem bürgerlichen Namen zwei Cowboy-Geschichten und bediente damit die damals sehr populäre Wildwest-Welle im deutschen Schlager. "Mein Pony und ich" ist die deutsche Cover-Version des Dean Martin-Hits "My rifle, my pony and me" aus dem Film "Rio Bravo". Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Anfang der 1960er Jahren war er in Nebenrollen in mehreren Schlagerfilmen zu sehen und verkörperte hierbei den Typ des jungen Musikers, wie beispielsweise - neben Heidi Brühl und Hans Söhnker - in "Immer will ich Dir gehören". Die Musik für diesen Streifen schrieb Charly Niessen, darunter "Dort, wo der Südwind weht". Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nils Nobach, einer der geschäftstüchtigsten Produzenten jener Zeit, holte ihn für ein kurzes Gastspiel zur Plattenfirma Ariola, das mit der Single "Piano de Paris" begann. Obwohl damit kein nennenswerter Hit gelang, gehört diese Platte zu seinen persönlichen Favoriten, verriet uns Teddy Parker. Im September 1962 folgte die hier gezeigte Christian Bruhn-Komposition „Angela“. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die Aufnahmesitzung für den "Nachtexpress nach St. Tropez" war auf 18 Uhr terminiert. Allerdings war das Studio belegt und wurde erst morgens um halb vier frei. Teddy Parker erinnerte sich, dass er ganz schlaftrunken vor dem Mikrofon stand. Damals ahnte er nicht, welch ein Riesenhit gelingen sollte: 1963 war er 21 Wochen lang mit der Henry Mayer-Komposition in den Hitparaden platziert. Er nahm davon sogar eine spanische Version auf (siehe Bild). Außerdem stellte er den "Nachtexpress"… Bear Family Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…im Film „Übermut im Salzkammergut“ vor, in dem Hannelore Auer, die spätere Ehefrau von Heino, eine der Hauptrollen spielte. Zusammen mit ihr entstanden in den Jahren 1964 und 1965 insgesamt fünf Duette, darunter "Was man von den Sternen so alles lernen kann". Decca (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Wie eine Ladung Dynamit" konnte sich 1971 bei Dieter Thomas Heck in der "ZDF-Hitparade" in der Spitzengruppe platzieren. Die gleichnamige LP stand kurze Zeit später in den Geschäften. Die Fotos für das Plattencover schoss Hans-Günther Kaufmann, der Bruder der Schauspielerin Christine Kaufmann: sie zeigen Teddy Parker als "Easy Rider". "Über 30 Jahre bin ich Motorrad gefahren" erzählte er uns in diesem Zusammenhang: Aus dem Album… Pop Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…wurde im Herbst die Single "Du, ich habe mein Herz verloren" ausgekoppelt, mit der ein Anschluss-Erfolg gelang. Erneut stammte der Titel aus der Feder von Henry Mayer, der - auf ausdrücklichen Wunsch von Teddy Parker - die meisten seiner Lieder schrieb. Pop Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Ich war immer ein Live-Künstler und Anfang der 1970er Jahre hatte ich neben meinem Job als Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk im Durchschnitt bis zu 25 Auftritte pro Monat." Als Entertainer deckte er ein breites Spektrum ab: anfänglich Rock’n’Roll, später Twist und Bossa Nova und 1972 war sogar eine Nummer der britischen Glam Rock-Band "The Sweet" dabei, von der er die deutsche Cover-Version aufnahm: „Wig Wam Bam“. Der Song diente auch als Opener… Pop Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…für dieses Album, das 1973 als eine Art "Best of" in den Regalen stand und einige seiner Titel der frühen 1970er Jahre bündelte. Manche davon fanden bereits auf seiner LP "Wie eine Ladung Dynamit" Eingang, wie beispielsweise "Mondschein macht Mädchen schön". Dieses Lied liegt Teddy Parker besonders am Herzen, wie er uns im Gespräch erzählte. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Ihr Name war Carmen" zählt zu seinen bekanntesten Liedern und ist auch heute noch hin und wieder im Rundfunk zu hören. 1973 hatte der Titel seine Premiere, den er 1994 in einer Neuaufnahme nochmals herausbrachte. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Am 19. September 1973 wurde in Berlin der „Deutsche Schlager-Wettbewerb“ ausgetragen. Neben Lena Valaitis, Ireen Sheer und Peggy March war auch Teddy Parker unter den zwölf Teilnehmern. Sein Beitrag "In der Bodega von Mexiko" landete auf dem letzten Platz. Diese Wertung lässt jedoch keine Rückschlüsse auf den weiteren Erfolg des Liedes zu, denn selbst der chansonhafte Siegertitel "Das Lied" von Olivia Molina schnupperte keine Hitparadenluft und ist heute nahezu vergessen. Metronome (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Meine Ski, meine Ski, ja die woll’n net so wie i" - 1974 jodelte Teddy Parker erstmals auf Platte: "Die Nummer ist wahnsinnig gut gelaufen". Was lag also näher, als ein ganzes Album ("Berge, Schnee und Sonnenschein") mit Ski-Liedern aufzunehmen. Auch dieses war ein voller Erfolg, wusste Teddy Parker zu berichten: "gut die Hälfte der Titel schaffte es in die ZDF-Sendung 'Lustige Musikanten'". Pop Music (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Wechsel zur volkstümlichen Musik folgte in den 1980er Jahren. Seine Version der Volksweise vom "Frauenkäferl" kam 1984 auf den Markt. Über viele Jahre war das Lied ein Renner in den Wunschkonzerten. Gleiches gilt für… Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
…seinen Titel „So weit von daheim“. Das gleichnamige Album von 1990 beinhaltete mit "Jeder Tag ist ein Geschenk" einen weiteren Dauerbrenner der volkstümlichen Musik. Der unvergessene Musiker und Komponist Peter Aschberger hatte die Titel für ihn geschrieben. Heimat-Express (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Kontinuierlichen Erfolg und Beständigkeit finde ich viel wichtiger, als einmal ganz oben zu sein und dann schnell abzustürzen. Ich bin mit meinen Erfolgen sehr zufrieden." 1994 erschien ein Album mit den Hits aus jüngerer Zeit. Dazu zählten "Ein Mutterherz soll niemals weinen", "Eine Tür steht immer offen" oder "Kleine Fische werden groß". Abgerundet wurde die Zusammenstellung mit Neuaufnahmen seiner Evergreens "Nachtexpress von St. Tropez" und "Wie eine Ladung Dynamit". Koch Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Melodien zum Träumen - Teddy Parker singt Welthits" - dieses Album lag ihm besonders am Herzen. Damit wollte er sich bei allen Fans bedanken, die ihm seit Jahren die Treue hielten. Die Palette der 1999er-Produktion reichte von „Weit, so weit“ (Original: Elvis Presley "Can’t help falling in love"), "Zwei weiße Wolken" (Original: Neil Diamond "September Morn") über „Unsere Zeit“ (Original: Kris Kristofferson "For the good times") bis hin zu "Es geht vorbei" (Original: "As time goes by"). Jupiter Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Als Claus Herwig im Englischen Garten sang

Schulfreunde meldeten Claus Herwig, so sein bürgerlicher Name, 1957 bei einem Gesangswettbewerb in München an, den er prompt gewann. "120 Teilnehmer waren damals im Englischen Garten angetreten." In dieser Zeit wurde auch die Schallplattenindustrie auf ihn aufmerksam: "Doch bevor ich den ersten Vertrag bekam, musste ich mich erst bei einer öffentlichen Veranstaltung beweisen." Die Stars der Zeit wie Christa Williams oder Willy Hagara traten dort auf und "mein Name stand ganz klein in einer Ecke des Plakats". Doch der Newcomer war es, der mit seiner Rock’n’Roll-Show den Saal zum Kochen brachte.

"Die großen Stars bekamen je 800 Mark für ihren Auftritt und ich 50 Mark" Eine enorme Verbesserung im Vergleich zu seinen Verdiensten als Hilfsarbeiter am Bau oder Aushilfs-Kranführer in den Ferien. "Damals bekam ich 1,32 Mark, später 1,50 Mark".

Das "Nachsingen" wird zum zweiten Standbein

Claus Herwig (Teddy Parker) (Foto: imago images, Imago/United Archives -)
"Wenn die Musik spielt am Wörthersee" mit Claus Herwig... Imago/United Archives -

Ende der 1950er Jahre hatte er gleich zwei Plattenverträge in der Tasche. Einerseits sang er Rock‘n’Roll und bei einer Münchner Firma unter wechselnden Pseudonymen (u. a. Bernd Andersson, Jimmy Fields oder Bobby Stern) aktuelle Tagesschlager. Hierbei half ihm sein Talent, andere Stimmen nachzuahmen: "Alles musste klingen wie das Original." Die Aufnahmetätigkeit als "Nach-Sänger" führte er bis in die 1960er Jahre fort. Es entstanden rund 120 Einspielungen: "Die Cover-Version der "Silver Dollars" von Martin Lauer war besonders gut", erinnerte er sich.

"Du musst singen..."

Beim 1961 von Radio Luxemburg veranstalteten "Deutsche Schlager-Festival" heimste er den Publikumspreis ein und ließ sogar Caterina Valente hinter sich: "Das war für mich als Anfänger ein großer Erfolg. Ich gegen die Valente, die heute noch für mich eine der ganz Großen ist." Dennoch trug er sich mit dem Gedanken, die Karriere aufzugeben. "Meine Produktionsfirma meinte jedoch, Du musst singen, Du hast Erfolg gehabt" erzählte er gegenüber SWR4.

Vico Torriani war sein großes Vorbild, denn "er hat so schön klar gesungen. Jeder Ton war sauber getroffen." Er lernte viele seiner Lieder und als Teddy Parker ihn Jahre später persönlich kennenlernte, sang er ihm einige davon vor. Torriani war beeindruckt, denn manche dieser Schlager kannte er selbst schon nicht mehr.

Teddy Parker ließ sich besser vermarkten

Teddy  Parker Hannelore Auer (Foto: imago images, Imago/United Archives - Foto: Siegfried Pilz)
Teddy Parker mit Hannelore Auer Imago/United Archives - Foto: Siegfried Pilz

Neue Plattenfirma, neues Lied und ein neuer Name: in den Chefetagen war man der Ansicht, "der Name Claus Herwig ließe sich nicht vermarkten." Die Verantwortlichen erfanden Teddy Parker, der erstmals auf der Platte "Nachtexpress nach St. Tropez" in Erscheinung trat. Glücklich war er damit nicht, "der "Teddy" hat mir nicht gefallen". Inzwischen ist er sogar im Personalausweis eingetragen, da ihm das Pseudonym anfangs noch ganz andere Schwierigkeiten bereitete: so wurde er z. B. im damaligen Jugoslawien bei Dreharbeiten verhaftet, weil im Pass ein anderer Name stand, als auf den übrigen Dokumenten.

Saint Tropez verfügt über keine Zuganbindung. Dass dort nur Busse verkehren, wusste damals niemand. Ein Franzose, der Jahre später zufällig der Produktionsfirma einen Besuch abstattete, machte auf diesen Fehler aufmerksam.

Beim Bayerischen Rundfunk teilt er sich das Büro mit Thomas Gottschalk

Teddy Parker (Foto: dpa Bildfunk, dpa/Picture Alliance -)
Teddy Parker beim Rundfunk dpa/Picture Alliance -

Mitte der 1960er Jahren legte er seine Gesangskarriere auf Eis und begann, Jura zu studieren. Nach dem ersten Staatsexamen war damit jedoch Schluss, denn Richter oder Anwalt wollte er nie werden. Er lernte dies den Eltern zuliebe, denn "der Bub braucht eine Ausbildung". 1969 ergab sich die Möglichkeit, eine Anstellung beim Bayerischen Rundfunk zu bekommen. Schmunzelnd erinnerte er sich an seinen ersten Arbeitstag: "Da fand der Betriebsausflug statt." Jetzt waren seine beiden großen Leidenschaften, Musik und Rundfunk, unter einen Hut gebracht.

Als 1971 "Bayern 3" aus der Taufe gehoben wurde, war er eines der Gründungsmitglieder. Sein Büro teilte er mit Thomas Gottschalk. "Es war eine sehr fröhliche Zeit." Damals konnten noch Schulklassen das Funkhaus besuchen und alle strömten nachmittags zu Gottschalk. Im Büro ging es hoch her und da traf es sich gut, dass Parker morgens um 7 Uhr bereits startete und dann Feierabend machen konnte, bevor der Rummel begann.

1983 wechselte er zur Bayerischen Rundfunkwerbung und war dort bis zur Pensionierung als Programmchef beschäftigt. Weiterhin blieb er vor dem Mikrofon tätig und holte darüber hinaus noch viele hochkarätige TV-Moderatoren, wie z. B. Karl Moik, Max Schautzer oder Elmar Gunsch hinzu. Musikalisch wandte er sich verstärkt der volkstümlichen Musik zu.

Mit 60 war die "Show" zu Ende

Teddy Parker mit Ehefrau Ingrid (Foto: Teddy Parker -)
Aus dem Privatarchiv der Parkers: Teddy und Ehefrau Ingrid Teddy Parker -

Seinen Entschluss, mit 60 Jahren sich von alledem zurückzuziehen, hat er konsequent umgesetzt. "Man sollte immer aufhören, wenn es am Schönsten ist" resümierte er in unserem Gespräch. Exakt am Tag seiner Verabschiedung stand er in den "Musikmarkt"-Charts mit seinem Titel "Keine Rose zuviel" auf Platz 1. Einen schöneren Abschied konnte er sich nicht wünschen.

Teddy Parker - der Steckbrief

Geboren17. April 1938 in Brünn, Tschechoslowakei, als Claus Herwig. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Herwigs nach Bamberg und dann nach München.
Erste SchallplatteSeine erste Schallplatte unter seinem bürgerlichen Namen nahm er im April 1959 auf: "Baby, ich hol‘ Dich von der Schule ab"/"Unser Geheimnis" - die Cover-Version des Paul Anka-Hits "All of a sudden".
Zitat"Ich freue mich, dass der Schlager wieder einen Stellenwert bekommen hat. Ich finde nur, dass es ein bisschen eintönig geworden ist."
VerstorbenTeddy Parker verstarb am 17. Juni 2021 im Alter von 83 Jahren.

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