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Eine amerikanische Geisha aus München - so beschrieb sie eine Plattenfirma sehr treffend. Quasi über Nacht eroberte die Schlagersängerin als Teenager-Star das Publikum und wurde in kurzer Zeit zur internationalen Showgröße.

Gesungen hat sie schon von Kindesbeinen an und da ihr Vater keine halben Sachen mochte, sorgte er für Gesangsunterricht. Margret Annemarie Battavio (so ihr bürgerlicher Name) sang auf Wettbewerben, war Mitglied einer Country Band und trat als Dauergast in einer Kindershow im amerikanischen Fernsehen auf. Bei all diesen Aktivitäten war die Zeit gekommen, für die Tochter einen ordentlichen Manager zu engagieren. Dieser tatkräftige Mann organisierte ein Vorsingen in der Chefetage der Plattenfirma RCA.

Plattencover Peggy March (Foto: SWR, RCA/Victor (Coverscan))
Die meisten ihrer frühen Schlagererfolge stammten aus der Feder des Komponisten Henry Mayer, so auch 1964 „Wenn der Silbermond auf die Reise geht“. RCA/Victor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Kino verpflichtete den jungen Import aus Amerika für eine ganze Reihe von Schlagerfilmen, darunter u. a. „Tausend Takte Übermut“ oder „Das Spukschloss im Salzkammergut“. Im 1964 gedrehten Streifen „Die lustigen Weiber von Tirol“, in dem auch Hannelore Auer und Gus Backus mit von der Partie waren, sang sie „Der Schuster macht schöne Schuhe“. RCA / Victor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die beiden Teenager-Stars Peggy March und Bennie (auch „Benny“) Thomas standen 1965 für die LP „In our fashion - Songs styled for Teens“ in den RCA Victor Studios. Die Idee dazu hatte ihr gemeinsamer Manager Russell Smith. Peggy March machte diese Aufnahmen nur widerwillig und als Smith weitere Duette aufnehmen wollte, lehnte sie ab. 1966 kam noch eine gemeinsame deutschsprachige Single auf den Markt („Die Antwort weiß ganz allein der Wind“ / „Tausend Steine“). RCA/Victor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1965 gelang ihr bei den "Deutschen Schlager-Festspielen" hierzulande der endgültige Durchbruch. Aus diesem Wettbewerb ging sie mit ihrem Titel „Mit 17 hat man noch Träume“ als strahlende Siegerin hervor. Das Lied nahm sie in mehreren Sprachen auf - hier im Bild beispielsweise die französische Version „Quand on n’a que dix-sept ans“. RCA/Victor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Ihre LP „Hello Boys“ kam 1967 in die Geschäfte und viele ihrer damaligen Hits fanden sich auf diesem Album: "Romeo und Julia", "Memories of Heidelberg", "Das ist Musik für mich", "Canale Grande Number One" oder "Telegramm aus Tennessee". RCA/Victor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Chris Roberts machte 1969 "Die Maschen der Mädchen" zum Thema und Peggy March hatte die passende Antwort darauf parat: "Die Maschen der Männer". Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Falling in love with love" von Richard Rodgers, "Sitting on the dock of the bay" von Otis Redding oder "Rain" von José Feliciano: diese Langspielplatte zeigte 1970 die neue Welt der Peggy March - das internationale Showbusiness. Sie konnte damit ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Als besonderen Dank für dieses Album erhielt sie von einem Fan eine Weltkugel als Schmuckanhänger. Dieser hatte darauf den Satz "Du bist meine Welt" eingravieren lassen. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Mein Lied für Peggy" - zwölf internationale Erfolgskomponisten widmeten Peggy March ihre Songs. Darunter vertreten waren z. B. James Last, Christian Bruhn, Lee Hazlewood, Bert Kämpfert, Gilbert Bécaud, Hans Blum oder Michael Holm. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Doppelalbum "Lady Music" kam 1972 auf den Markt und zeigte Peggy March einmal mehr als vielseitige Künstlerin. Sie interpretierte nicht nur ihre neuesten Schlager und Erfolge aus ihren Anfangstagen, sondern auch Titel von Bob Dylan und den Beatles. Eine komplette Langspielplatten-Seite wurde Musical-Erfolgen aus beispielsweise „Hair“, „West Side Story“ oder „Mary Poppins“ gewidmet. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1975 erschien ein Album, das insgesamt zwölf bedeutenden Männern der Geschichte gewidmet war. Persönlichkeiten wie James Dean, Pele, Al Capone, Gary Cooper oder auch Sigmund Freud wurden für diese Produktion von Ralph Siegel (Musik) und Kurt Hertha (Text) bedacht. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die internationale Funkausstellung in Berlin nahm so etwas wie eine Schlüsselstellung in ihrer Karriere ein. 1963 startete sie dort ihre deutsche Karriere und 1975 unterzeichnete sie im Rahmen dieser Veranstaltung einen Exklusivvertrag bei einer neuen Plattenfirma. Einstand war die Single "Du, mach’ mich nicht an", gefolgt von dem sommerlichen Schlager "Costa Brava", der auch Titelgeber für das nachfolgende Album war. EMI Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit „Fly away pretty flamingo“ gelang ihr 1977 ein großer kommerzieller Erfolg - 400.000 Exemplare der Single gingen über die Ladentische. Drafi Deutscher hatte den Titel unter seinen Pseudonymen Jack Goldbird bzw. Renate Vaplus komponiert, allerdings für seine Jugendliebe Tina Rainford. Diese sang auch das Original, konnte damit aber keine Lorbeeren ernten. Eine gewisse Ähnlichkeit mit deren „Silver Bird“ war nicht zu leugnen. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Eine neue Mar(s)ch-Richtung: 1979 präsentierte sie gehobenen Disco-Sound und ausschließlich englische Texte. "Electrifying" entstand in München. Für das von Ralph Siegel produzierte Album schrieb sie "I gotta dance". Auf Single ausgekoppelt wurde allerdings "I will follow him", das sie nach 16 Jahren im zeitgemäßen Gewand neu aufgenommen hatte. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Dreh’ die Uhr zurück zum Anfang“ hatte am 22. Juni 1980 bei der Bekanntgabe der Gewinner der Deutschen Fernsehlotterie in der ARD TV-Premiere. Die Musik zu dem kommerziellen Schlager stammte aus ihrer eigenen Feder. Emi Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem sie Anfang der 1980er Jahre in die USA zurückkehrte, wurde es bei uns stiller um Peggy March. Das änderte sich erst Anfang der 1990er Jahre, als sie in Deutschland einen neuen Plattenvertrag unterzeichnete. Ihr gelang ein kleineres Comeback. Das Doppel-Album „Meine Liebe ist stark genug“ von 2008 beinhaltete einen Querschnitt durch ihr Repertoire der jüngeren Zeit, darunter ein Duett mit ihrer Tochter Sande Harris. Koch Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Es ist ein wunderschönes Gefühl kreativ zu sein. Zum ersten Mal habe ich Texte für ein ganzes Album geschrieben und hatte eine tolle Zeit dabei." Das bereits 2010 produzierte englischsprachige Album „Always and forever“ erschien 2012 auch hierzulande. Darauf fand sich auch der Hit „When the rain begins to fall“ - hier von der Autorin zusammen mit Andreas Zaron interpretiert. Den Titelsong widmete Peggy March ihrem Ehemann Arnie Harris. DA Records (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Als der zu diesem Treffen engagierte Pianist durch Abwesenheit glänzte, sang die Kleine einfach a cappella. Die Produzenten schlossen sofort einen Vertrag und gaben ihr den Künstlernamen "Little Peggy March". Wenn "Little Peggy" den Titel "Little me" singen würde, müsse dies beim Publikum ankommen. Diese "gute Idee" war eine glatte Fehleinschätzung - die Plattenpremiere ging gründlich daneben.

Mit 15 Jahren die jüngste Sängerin mit einem Nummer-1-Hit

Das richtige Lied kam kurze Zeit später. Ein erfahrener Textdichter schlug den in Frankreich erfolgreichen Petula Clark-Titel "Chariot" vor, der neu arrangiert und mit einem englischen Text versehen wurde. Noch im Januar 1963 kam "I will follow him" heraus. Kurze Zeit später war der Titel auf Platz 1 der amerikanischen Charts. Damit war sie mit 15 Jahren die jüngste Sängerin der Pop-Geschichte, welche die Spitze der US-Hitparade erreichte. Die freudige Nachricht erfuhr sie aus dem Radio, als sie gerade zuhause mit dem Abwasch beschäftigt war.

Ihre Plattenfirma hatte großes Interesse daran, dass Peggy March auch Aufnahmen in anderen Ländern machte. Dazu zählten z. B. Italien, Japan oder Deutschland. "Die deutsche und die japanische Karriere verliefen parallel" erinnerte sie sich Jahre später im Gespräch. Ihre erste hierzulande verdiente Gage trug sie wie eine Trophäe nach Hause - in einer Plastik-Tüte! Bald darauf kehrte sie zurück, sang "Lady Music" und trat in der Show von Caterina Valente auf. "Mit 17 hat man noch Träume" verhalf ihr 1965 zum Sieg bei den Deutschen Schlager-Festspielen in Baden-Baden.

Zu spät und doch genau richtig...

Die Freude war von kurzer Dauer, denn als sie nach Amerika zurückkehrte, hatte sich ihr Manager mit dem verdienten Geld aus dem Staub gemacht. Mit den restlichen 500 Dollar zog sie nach New York. An ihrem 19. Geburtstag wurde sie von ihrer Schallplattenfirma zu Verhandlungen eingeladen. Bei dieser Gelegenheit sollte sie einen neuen Manager bekommen. Lust darauf hatte sie überhaupt keine und kam deswegen eine Stunde zu spät. Ihr neuer Manager, Arnold "Arnie" Harris, hasste Unpünktlichkeit und war gerade im Begriff zu gehen. Glücklicherweise blieb er…

Peggy March mit Ehemann Arnie und Tochter Sandy zu Hause (Foto: Imago, Imago -)
Peggy March mit Ehemann Arnie und Tochter Sandy zu Hause Imago Imago -

"Das Mädchen sah eigentlich nach nichts aus. Na schön, es ist ihr Geburtstag, aber das ist noch lange kein Grund, sich ein unmögliches Kleid anzuziehen". Die Gedanken von Arnie Harris waren eindeutig. Als sie ins Studio gingen und Peggy March sang, stand sein Entschluss fest: das Mädchen war in Ordnung. "Die paar Kleinigkeiten ließen sich ändern." Die Änderungen waren dann doch so einschneidend, dass die beiden am 19. Mai 1968 sich vor dem Traualtar das "Ja-Wort" gaben.

Der Umzug nach Deutschland

Zwischenzeitlich pfiffen die sprichwörtlichen Spatzen ihre Hits von den Dächern und ihre Schallplatten verkauften sich glänzend. Als die 3-Millionen-Grenze erreicht wurde, gab es die erste "Goldene Schallplatte". Ob dieser Erfolge hatte Harris einen Vorschlag: "Ich denke, wir sollten nach Deutschland ziehen". Die Zeitungen schrieben über die Nachricht von ihrem Umzug, bevor sie sich entscheiden hatte. "Warum nicht", dachte sich Peggy March und München wurde ihr neues Zuhause.

picture alliance  Fischerdpa (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die amerikanische Schlagersängerin Peggy March beim Deutschen Schlagerfestival auf. Sie belegte mit ihrem Hit «Mit 17 hat man noch Träume» den ersten Platz. Picture Alliance

Auch künstlerisch zeichnete sich zu dieser Zeit ein Umbruch ab. Die Masche, deutsche Lieder mit englischem Akzent zu singen, zog nicht mehr. Außerdem wollte sie das Teenager-Image ablegen, das ihr deutscher Produzent am liebsten beibehalten hätte. Sie lernte Ralph Siegel kennen, der das Lied "Einmal verliebt, immer verliebt" für sie geschrieben hatte. Der damalige Newcomer übernahm wenig später die Produzententätigkeit und unter seiner Regie konnte sie ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen: "Es hat mir wirklich wieder richtig Spaß gemacht, etwas zu probieren, was nichts mit Routine zu tun hatte."

Nach zwölf Jahren Wahlheimat Deutschland fasste sie den Entschluss, nach Amerika zurückzukehren. "Ich hatte viel, was ich machen wollte. Die "Neue Deutsche Welle" kam und ich passte nicht rein" erinnerte sie sich im Interview. Der Hauptgrund war jedoch ihre 1974 geborene Tochter Sande Ann: "Ich wollte, dass sie eine amerikanische Schule besucht und dort aufwächst."

Dann kam der Superhit "When the rain begins to fall"

Zurück in den Staaten besuchte sie die Schauspielschule: "Das war eine schöne Zeit. Ich habe wahnsinnig viel gelernt." Außerdem begann sie zu texten und zu komponieren. Sie schrieb für Audrey Landers den Hit "Manuel goodbye" und ein unerwarteter Riesenerfolg wurde ihr Lied "When the rain begins to fall", das von Pia Zadora und Jermaine Jackson gesungen wurde: "Ich hatte eine Band und wir haben dieses Lied Jack White vorgespielt, der den Song produzieren wollte. Dass es so ein Riesenhit werden würde, hätten wir nie gedacht. Es ist immer mein Traum gewesen, einen Hit zu schreiben, der nicht von mir gesungen wird."

Peggy March bei einem TV-Auftritt in 1980er Jahren (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Keystone)
Peggy March bei einem TV-Auftritt in 1980er Jahren picture alliance / Keystone

Als in den 1990er Jahren der deutsche Schlager boomte, war Peggy March wieder mit dabei. 1993 gelang ihr ein Comeback. Nachdem ihr Hit "I will follow him" durch den Film "Sister Act" in der Interpretation von Whoopi Goldberg wieder höchst populär wurde, bekam auch in den USA ihre Karriere wieder frischen Wind. Heute lebt Peggy March in Florida, kehrt jedoch regelmäßig zu Auftritten nach Deutschland zurück.

So war sie 2016 neben Ireen Sheer, Lena Valaitis, Graham Bonney und Michael Holm erstmals bei der „Schlagerlegenden“-Tournee  mit von der Partie, die in den darauffolgenden Jahren auf Grund des überwältigenden Erfolgs wiederholt wurde. Außerdem veröffentlichte sie 2019 nach vielen Jahren mit „Man ist nie zu alt für Träume“ ein neues Album. Einige der hier enthaltenen Titel hat sie ihrem verstorbenen Mann gewidmet.

Peggy March "Man ist nie zu alt für Träume" (Foto: SWR)

Seit fast sechzig Jahre ist sie nun im Showbusiness als Sängerin, Schauspielerin und Autorin mit dabei und glücklicherweise ist ein Ende noch lange nicht in Sicht. Im Dezember 2020 wurde sie für ihr Lebenswerk von SWR4 Rheinland-Pfalz mit dem “SWR4 Musikpreis 2020“ ausgezeichnet.

Peggy March - der Steckbrief
Geboren8. März 1948 in Lansdale, USA, als Margaret Annemarie Battavio
Grand-PrixZweimal nahm sie an den deutschen Vorentscheidungen zum Grand Prix d'Eurovision teil: 1969 und 1975. Beide Male verpasste sie nur knapp den Einzug ins Finale und wurde jeweils Zweite.
ErfolgJüngste Sängerin, der bis dahin ein Nummer-1-Hit gelang
FamilieHeiratete am 19. Mai 1968 ihren Manager Arnold "Arnie" Harris, der 2013 an Krebs starb. Die beiden haben eine Tochter, Sande Ann, die 1974 geboren wurde.

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