Rex Gildo auf einem Sofa. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Katja_Lenz)

Schlagerlegende

Rex Gildo - die leichte Kunst ist die schwerste

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Mit "Hossa" schrieb Rex Gildo Schlagergeschichte. Die Schlagerlegende wäre jetzt 85 Jahre alt geworden.

Plattencover von Rex Gildo (Foto: SWR, Electrola (Coverscan))
"Va bene" wird wohl in erster Linie mit Peter Kraus identifiziert. Aber nicht ohne Grund fiel die Wahl seines Produzenten auf diesen Titel: Die Plattenfirma plante, Rex Gildo mit Conny Froboess als neues Teenager-Traumpaar zu vermarkten. Er wollte aber nicht als Peter Kraus-Ersatz gelten, sondern seinen eigenen Weg verfolgen. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Das Ende der Liebe" brachte ihm zum Jahreswechsel 1960/61 seine erste Notierung in den Top Ten. Die Cover-Version des Ray Peterson-Hits "Tell Laura I love her" hielt sich dort ganze acht Wochen. Neben seinen Rollen in etlichen Kino-Kassenschlagern kamen nun auch erste Fernsehangebote hinzu. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Speedy Gonzales" war für ihn der Hit des Jahres 1962. Lediglich das Original von Pat Boone verwehrte ihm den Spitzenplatz. Im Frühjahr 1963 gelang mit "Maddalena" der Anschluss-Treffer, erneut ein Titel mit südamerikanischem Einschlag. Das Cover zeigt deutlich seine Vorliebe, sich zu verkleiden und in verschiedene Kostüme zu schlüpfen. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zwei TV-Shows, sechs Single-Schallplatten und der Spielfilm "Jetzt dreht die Welt sich nur um Dich" - so lautet die Bilanz von Gitte & Rex, dem beliebtesten Schlagerpärchen der 1960er Jahre. Darüber hinaus standen die beiden auch für Musical-Aufnahmen ("Kiss me Kate", "South Pacific" und "My fair Lady") im Schallplatten-Studio. Die Volksplatte (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Konstant gute Umsatzzahlen machten den Künstler für andere Plattenfirmen interessant. Mit einem hoch dotierten Vertrag schaffte es die Ariola, ihn abzuwerben. Dort setzte sich seine Hitserie nahtlos fort: "Augen wie zwei Sterne", "Sommerblau" oder "Dondolo", mit dem er in der Auftakt-Sendung der ZDF-Hitparade auftrat. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Musical-Fantasyfilm "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" von 1968 steckte viel James Bond: "007"-Autor Ian Fleming schrieb das Buch und Albert R. Broccoli produzierte den Film. Die Musik kam von Robert und Richard Sherman, die bereits "Mary Poppins" erdacht hatten. Rex Gildo nahm die deutsche Version des lustigen Titelliedes auf. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Album "Ich geh‘ mit Dir" aus dem Jahr 1970 beinhaltete seine Hit-Singles des Jahres: "Love a little bit" und "Keine Macht auf Erden". Beide erreichten bei der ZDF-Hitparade die Spitzenposition. Darüber hinaus interpretierte er auf dieser LP zwei aktuelle Pop-Hits in deutscher Sprache: "Ma belle amie" und "El Condor Pasa". Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Karriere durch Können" schrieb ein namhafter Musik-Kritiker über ihn. 1971 bestimmte Vielseitigkeit seinen Terminkalender: im ZDF war er in einer Neubearbeitung der Operette "Die Blume von Hawaii" zu sehen. Auf seiner neuen LP bot er Melancholisches mit "Memories" oder Temperamentvolles in Form der Geschichte vom störrischen Esel "Borriquito". Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im Laufe der Jahre hatte Rex Gildo immer wieder mit spanisch-mexikanischem Sound große Erfolge. 1972 folgte der Volltreffer: "Fiesta Mexicana" wurde sein Markenzeichen. Kaum bekannt ist, dass der Titel auch international erfolgreich war. In Spanien war er mit der von ihm gesungenen spanischen Version wochenlang in den Hitparaden. Die... Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
..."Fiesta" war Vorbote zum Album "Mein Autogramm", das die Zusammenarbeit mit Ralph Siegel begründete. Er schrieb für ihn eine ganze Reihe von Hits: "Hasta la vista", "Der Sommer ist vorbei", "Marie, der letzte Tanz ist nur für Dich"… Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…oder "Der letzte Sirtaki". Ralph Siegel erinnerte sich: "Die Freundschaft mit Rex wurde immer enger und wir trafen uns oft. Er wohnte in einem der schönsten Bauernhäuser, die ich jemals gesehen habe. Alles nach Maß gebaut, mit herrlichen Schnitzereien, gemacht wohl von den besten Holzschnitzern und Schreinern Bayerns." Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"So klingt’s mit Rex" war eine Überraschung: "Das ist die Antwort auf unzählige Anfragen, weshalb man diese Musik nicht auf Platte erhält, die nach einer Fernsehsendung eintrafen, in der ich eine Polka gesungen habe." Volkstümliche Hits wurden schwungvoll, teils mit südländischem Temperament und mit eigens für ihn entwickelter Instrumentierung, neu aufgenommen. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Viva la Fiesta" - die Musikaufnahmen für diese Platte wurden zum großen Teil in Rio de Janeiro gemacht. Zwanzig Musiker aller Hautfarben aus vier südamerikanischen Ländern waren daran beteiligt. Der Produzent Hans-Georg Moslener kommentierte: "Rex Gildo ist ein außergewöhnlich einfühlsamer Interpret für diese Musik." Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1981, inmitten der "Neuen Deutschen Welle", gelang ihm mit "Wenn ich je Deine Liebe verlier" ein Top 20-Erfolg: "Ich laufe nicht den modischen Trends in der Musik hinterher, aber das Publikum hat sich an andere Klangbilder gewöhnt, an modernere Rhythmen und an zeitgemäße Arrangements. Dieser Tatsache möchte ich in meinen neuen Liedern Rechnung tragen." Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Gestatten, Rex Gildo" flimmerte am 15. Oktober 1981 über die Bildschirme. Schon bei der Aufzeichnung gab es Szenenapplaus und das übereinstimmende Urteil der Musiker und Arrangeure lautete: "Hier zeigt Rex Gildo, was er wirklich kann." Zu den Highlights gehörte das Duett "Sag‘ nochmal ich liebe Dich" mit seinem Stargast Lena Valaitis. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Bereits 1976 hatte sich Rex Gildo schon einmal bei einem Grand Prix-Erfolg bedient und eine erfolgreiche deutsche Version aufgenommen ("Küsse von Dir"). 1983 coverte er den jugoslawischen Beitrag "Julie", mit dem der Sänger Daniel einen viel beachteten 4. Platz belegte und einen internationalen Hit landete. (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zu seinen späten Hits zählt der im griechischen Kolorit gehaltene Titel "Andrea", der 1988 zuerst für den Markt in den Niederlanden produziert wurde. Drei Jahre später nahm Rex Gildo eine deutsche Fassung davon auf. Hier im Bild das in holländischer Sprache gesungene Original. AKM (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
In den 1990er Jahren wurden kurzzeitig die "Deutschen Schlager-Festspiele", die in den 1960er Jahren breites Interesse fanden, wiederbelebt. Rex Gildo war mehrmals in diesem Rahmen aufgetreten, zuletzt 1998 mit "Die Stimme Deines Herzens". Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Film und Theater, Errol Flynn und Tony Curtis, das war die Welt des jungen Ludwig Franz Hirtreiter. Schauspieler wollte er werden, einer der spielen, singen und tanzen kann. Die Managerin Ada Tschechowa wurde auf den jungen Mann aufmerksam, verpasste ihm den Künstlernamen „Alexander Gildo“ und verhalf ihm zu seinem ersten Filmauftritt.

Hauptrolle im Film mit Conny Froboess

Ein Jahr später sah man ihn bereits in seiner ersten Hauptrolle neben Conny Froboess. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner musikalischen Karriere. „Der stille Draufgänger“, wie er bald von der Filmpresse genannt wurde, pflegte während der Dreharbeiten immer vor sich hin zu singen. Dies blieb nicht unbemerkt und er erhielt eine Einladung zum Schlagerpapst Kurt Feltz zum Vorsingen.

Rex Gildo als Cowboy (Foto: imago images, Imago/United Artists -)
Rex Gildo als Cowboy Imago/United Artists -

"Können Sie nicht stottern?"

"Können Sie nicht etwas stottern?" Dieser Gesangsstil à la Elvis Presley oder Paul Anka war damals groß in Mode. Er konnte und bald stand seine erste Schallplatte "Caféteria Santa Lucia" in den Geschäften - ein Flop. Das Gesangstalent war auch dem Produzenten Nils Nobach aufgefallen. Er suchte für die Plattenfirma Electrola nach einem Sänger für das Teenager-Publikum und nahm ihn unter Vertrag. Damit schlug die Geburtsstunde von "Rex Gildo". Bereits Anfang 1960 erreichte er mit "Sieben Wochen nach Bombay" die Hitparaden.

"Sexy Rexy" und Gitte - das Traumpaar des Schlagers

Bei einem Casting für die deutsche Erstaufführung des Musicals "My fair lady" schlug er 1961 über 100 Bewerber aus dem Rennen. Er war stolz darauf, zur Premierenbesetzung zu gehören. 110-mal stand er als Freddy im Berliner "Theater des Westens" auf der Bühne. Der gefürchtete Kritiker Friedrich Luft schrieb: "Rex Gildo ist eine Vitaminspritze für das unterernährte deutsche Musical und Showbusiness." Auch die Schallplattenaufnahme wurde der Renner und Rex Gildo erhielt hierfür die seltene Auszeichnung der "Diamantenen Schallplatte".

Rex Gildo mit Gitte (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Traumpaar - Rex Gildo mit Gitte picture-alliance / dpa -

In den 1960er Jahren lieferte "Sexy Rexy" Hit auf Hit, darunter auch einige erfolgreiche Duette mit der Dänin Gitte. Sie avancierten zum "Traumpaar des deutschen Schlagers" und bescherten der Plattenindustrie zwei Jahre lang gewaltige Umsätze und der Regenbogenpresse manche - mitunter frei erfundene - Story.

"Wir haben damals aber immer Wert darauf gelegt, dass jeder Solist bleibt."

"Hossa" wird zum Segen und Fluch zugleich

Rex Gildo mit Elke Sommer in "Musik aus Studio B" (Foto: imago images, Imago/United Artists -)
Rex Gildo mit Elke Sommer (1962) Imago/United Artists -

1972 erdachten Ralph Siegel und Michael Holm den Titel "Fiesta Mexicana", der für Rex Gildo Segen und Fluch zugleich bedeutete: "Ich könnte es niemals weglassen. Egal, ob bei einem Filmball oder im Festzelt - spätestens nach dem fünften oder sechsten Lied wird aus dem Publikum "Hossa" geschrien. Das gehört einfach dazu." Auch in Spanien und Mexico erklomm der Kult-Song die Hitparaden.

"Nicht ein einziges Mal schlecht gelaunt"

Die Branche schätzte ihn nicht nur als vielseitigen Künstler, sondern auch als harten und disziplinierten Arbeiter, der sich stets an die Devise "Die leichte Kunst ist die schwerste" hielt. 1974 wählten ihn Deutschlands Show-Journalisten zu ihrem Favoriten. Dafür wurde er mit der "Rose", dem "Sympathiepreis der deutschen Presse", ausgezeichnet. "Mehr als hundertmal habe ich ihn getroffen, aber ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass er schlecht gelaunt war. Extrem höflich und freundlich im Umgang - ein Gentleman" berichtete der Starfotograf Didi Zill.

Rex Gildo mit Ehefrau Marion 1284 (Foto: imago images, Imago -)
Rex Gildo mit Ehefrau Marion (1984) Imago -

In seiner Karriere arbeitete er stets mit den Besten aus dem Musikbusiness zusammen. Für ihn lag darin der Grund für seinen langanhaltenden Erfolg. Sein adrettes Auftreten und sein jungenhafter Charme machten ihn zum Publikumsliebling bei allen Altersgruppen und in allen Gesellschaftsschichten.

"Ich hatte immer das Glück, gute Produzenten zu haben und das Publikum stand immer auf meiner Seite."

Ab Mitte der 1980er Jahre wurde es ruhiger um ihn und er konnte mit seinen neuen Liedern an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Er trat weiterhin live auf, mitunter in Möbelhäusern und blieb nach außen immer der jugendliche Strahlemann. Er wurde im Laufe der Zeit zur Marionette seiner selbst. Die Autorin Ulrike Bremer schrieb zu ihrem Film "Legenden - Rex Gildo" treffend: "Am Ende konnte er nicht mehr anders, als mit Perücke und viel Make-up den ewig jungen Beau zu geben, den Frauenschwarm, den 'Sexy Rexy' auch noch mit 63 Jahren."

Was verbarg sich hinter der Fassade?

Rex Gildo in der Garderobe (Foto: imago images, Imago/ZUMA/Keystone -)
Rex Gildo bei der Schuhauswahl Imago/ZUMA/Keystone -

Eine Auseinandersetzung wegen eines nicht eingehaltenen Vertrags und Gerüchte über Alkohol- und Tablettensucht gingen durch die Presse. Die Medien stürzten sich auf vermeintliche Ungereimtheiten in seiner Biografie, manches vom Künstler selbst frei erfunden. Gerüchte und Spekulationen kursierten, die sein integeres Erscheinungsbild ins Wanken brachten. Was war Dichtung, was Wahrheit? Welcher Mensch verbarg sich wirklich hinter der schönen Fassade? Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben, denn am 26. Oktober 1999 verstarb er an den Folgen eines Fenstersturzes. Die Staatsanwaltschaft ging von Selbstmord aus.

Das war Rex Gildo
Das war Rex Gildo
Geboren2. Juli 1936 in Straubing
Gestorben26. Oktober 1999 in München
Bürgerlicher NameLudwig Franz Hirtreiter
Theaterdebüt1956 in "Peterchens Mondfahrt" an den Münchener Kammerspielen
HitsUnzählige. Am längsten in den Hitparaden notiert waren "Fiesta Mexicana" (29 Wochen), "Speedy Gonzales, "Vom Stadtpark die Laternen" und "Wenn ich je deine Liebe verlier'" (alle je 24 Wochen).

SWR4 Experte Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger ist SWR4 Experte für seltene Schlager und das Leben der Schlagerlegenden, von Peter Alexander bis Catarina Valente.  mehr...

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