Musiklegende

Ray Conniff war der König der Tanzmusik

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„Ein neuer Klang begeistert die Welt“ - dieser Slogan war Programm. Ray Conniff war nicht nur ein hervorragender Arrangeur, Posaunist, Komponist und Orchesterleiter, sondern er verstand es auch, grandiose Sound-Effekte auszutüfteln.

Plattencover Ray Conniff (Foto: SWR, Philips (Coverscan) -)
„Die ganze Welt tanzt mit Ray Conniff“ stand Ende 1960 hierzulande in den Geschäften. Das Motto war keine Übertreibung, denn seine Aufnahmen erschienen von Anfang an rund um den Globus. Die Eigenkomposition „Walkin‘ and whistlin‘“ von 1957 eröffnete diese Langspielplatte im 25 cm-Format und war ein heimlicher Conniff-Hit, der in Deutschland auch unter dem Titel „Der pfeifende Wandersmann“ lief. Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Filmstars in Hollywood galt der Grundsatz: „Eine Party ohne Ray Conniff-Platten ist wie eine Geburtstagsfeier ohne Champagner.“ Hier ein kleiner Überblick über seine Veröffentlichungen aus den Jahren 1955 bis 1962. Masterworks/H'Art (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1957 schrieb Marty Robbins den Titel „A white sport coat“ und wollte, dass Conniff ihm hierzu das Arrangement schreibt. Aus gutem Grund: Ein Jahr zuvor nahm Robbins den Song „Singin‘ the blues“ auf, von dem 600.000 Exemplare verkauft wurden. Die Cover-Version seines Sangeskollegen Guy Mitchell dagegen, bei der Ray Conniff mitwirkte, war weit erfolgreicher. Dank dessen Arrangements und der Begleitung seines Orchesters gelang ein Volltreffer. Bilanz: zwei Millionen verkaufte Platten. Bear Family (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der amerikanische Jazztrompeter Billy Butterfield begleitete mit seinem Spiel maßgeblich die Karriere von Ray Conniff. Die beiden Musiker kannten sich bereits seit den frühen 1940er Jahren, als sie noch gemeinsam in der Band von Artie Shaw spielten. 1959 stand der Trompeter bei „Conniff meets Butterfield“ erstmals als Solist im Mittelpunkt. Eine Fortsetzung dieses Konzepts folgte 1963 mit dem Album „Just kiddin‘ around“. Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Der Arrangeur und Bandleader war zugleich ein perfekter Techniker. Gut drei Jahre lang studierte er im Schallplattenstudio die Tontechnik und galt als der König der Stereo-Mischung. Er kannte die ausgefallensten Tricks und Gags, aus den schwarzen Rillen die raffiniertesten Klangeffekte herauszuholen. 1960 spielte „Ray Conniff für Verliebte“. Man beachte auf dem Plattencover den Zusatz „Hi-Fi Stereo“ - damals hierzulande noch eine Besonderheit. Philips (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„Man nehme eine ansprechende Melodie, versetze sie in rhythmischen Swing, setze einen sehr guten Chor als Instrumentengruppe ein, nehme alles zusammen in hervorragender Klangqualität auf und der Ray Conniff-Sound ist fertig“, so erläuterte der Orchesterleiter sein Erfolgsrezept. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Seinen zunächst achtköpfigen Chor erweiterte er zu den „Ray Conniff-Singers“, die er dem Publikum 1964 auf der Rückseite der LP „Speak to me of love“ namentlich vorstellte. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die kommerziell erfolgreichste Aufnahme aus dem gesamten Ray Conniff-Katalog ist seine Einspielung der berühmten Musik aus dem Film „Doktor Schiwago“, für die er mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. „Lara’s Theme“ erreichte 1966 nicht nur den neunten Platz in den Billboard Hot 100 der USA, sondern platzierte sich auch in anderen Ländern - u. a. Japan, Australien, Großbritannien oder Deutschland - hervorragend. Hier im Bild die französische Ausgabe der Hit-Single. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1966 nahm er eine weitere Filmmusik von Maurice Jarre auf: „The world will smile again“ war das Thema zu dem Krimi „Die Nacht der Generale“, der zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielte.  Bei der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Hellmut Kirst, in dem ein sadistischer Mörder in der Wehrmacht sein Unwesen trieb, wirkten Peter O’Toole und Omar Sharif sowie die französische Sängerin Juliette Gréco in einer Nebenrolle mit. Das Cover zeigt Joanna Pettet und Tom Courtenay. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
1969 besuchte Ray Conniff im Rahmen einer ausgedehnten Europa-Tournee erstmals Deutschland und machte hierzulande in 14 Städten Station. Die Presse war voll des Lobes: „Ray Conniff - Magier der Musik - rief und alle kamen. Die Höchster Jahrhunderthalle sah ein Publikum, das begeistert mitging und am Ende Zugabe um Zugabe erzwang“ schrieb beispielsweise die „Frankfurter Rundschau“. Das Erlebnis des „Concert in Stereo“ wurde auf einem Doppelalbum festgehalten. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Während auf vielen Plattenhüllen der 1950er und 1960er Jahre tanzende Paare oder namenlose Fotomodelle abgebildet waren, zeigte sich auf einigen Veröffentlichungen der 1970er Jahre die komplette Conniff-Familie auf dem Cover. Seine aus der Schweiz stammende Ehefrau Vera und Tochter Tamara unterstützten ihn bei seiner Arbeit, denn „ohne deren Geduld, Liebe und Verständnis wäre meine berufliche Karriere nie so erfolgreich“, bekannte der Orchesterchef in einem Interview. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"The Nashville Connection" aus dem Jahr 1982 war ein besonderes Album: eine Mischung aus Standard- und Country-Songs, bei der neben den Ray Conniff-Singers namhafte Solisten aus der amerikanischen Country-Szene mitwirkten. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Anfang der 1980er Jahre feierte er nach der Ausstrahlung einer eigenen Fernseh-Show in Südamerika große Erfolge und konnte dafür Gold-Ehrungen in Empfang nehmen. Solch einen Coup bereitete der Band-Leader auch für Deutschland vor. In Zusammenarbeit mit dem RIAS-Tanzorchester nahm er ein Album mit überwiegend deutschen, volkstümlichen Liedern in seinem unverkennbaren Sound auf. Die dazu gehörende Personality-Show „Musik für Millionen“ strahlte das ZDF am 17. September 1983 aus. CBS (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
„30 Jahre Ray Conniff“ - obwohl er 1996 finanziell ausgesorgt hatte, veröffentlichte er weiterhin neue Produktionen: „Es macht mir einfach Spaß, mich musikalisch auszudrücken. Und jetzt hoffe ich, dass vielleicht auch die jüngere Generation an meiner Musik noch etwas findet.“ Sogar ein Disco-Album hat er gemacht, aber das war nicht sein Ding: „Man sollte das tun, was man am besten kann. Wenn mich jemand nun für altmodisch hält, kann ich das nicht ändern.“ CBS(Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Ray Conniffs Vater leitete das städtische Orchester und spielte Posaune, seine Mutter Klavier. Der Sohn hatte das Talent geerbt und entschloss sich 1937, seine musikalischen Träume wahr werden zu lassen. In seinem Heimatort Attleboro, Massachussetts, stieg er mit seiner Posaune, einem Lunch-Paket der Mutter und 200 Dollar in der Tasche in den Bus, um nach New York City zu fahren.

Sein Metier war der Big-Band-Swing

Cover von Ray Conniff (Foto: SWR, Jasmine (Coverscan) -)
Jasmine (Coverscan) -

Den ersten bezahlten Job als Posaunist und Arrangeur fand er in der Band von Bunny Berigan. In Bigband-Kreisen sorgte das Können des jungen Mannes für Gesprächsstoff und bald wurde er von Bob Crosby, später von Artie Shaw abgeworben. Nach einem zweijährigen Intermezzo bei der Armee als Militärmusiker engagierte ihn Harry James 1946 als Arrangeur. Doch bald änderten sich die musikalischen Geschmäcker und der „Be-Bop“ beherrschte die musikalische Szene. Nichts für Ray Conniff: „Es wurde nur noch Lärm und keine Musik mehr gemacht“, erinnerte er sich in einem Interview.

Mit dem Be-Bop kamen harte Zeiten

Harte Zeiten für den Musiker, sowohl emotional als auch musikalisch. Als Gelegenheitsarbeiter auf dem Bau versuchte er sich und seine junge Familie über Wasser zu halten. Doch die Musik ließ ihn nicht los und er dachte darüber nach, wie er sich musikalisch verbessern konnte. Er baute einen Schuppen im Hinterhof seines Hauses und dort brachte er sich mit Hilfe eines Spiegels und eines Buches bei, wie man dirigiert. Darüber hinaus studierte er sehr aufmerksam die aktuellen Hitlisten und wollte verstehen, was einen Song zum Hit macht.

Neuer Sound durch den Chor

Schwarzweiß Foto von Ray Conniff und Familie (Foto: imago images, Imago/ZUMA/Keystone -)
Ray Conniff mit Familie Imago/ZUMA/Keystone -

Die Begegnung mit Mitch Miller, dem Hausproduzenten von Columbia Records, brachte 1953 die Wende. Er verhalf ihm zu einer Anstellung bei der Plattenfirma als Arrangeur. Bald stellten sich die ersten Erfolge ein. Der große Durchbruch kam mit dem Titel „Band of gold“ des Sängers Don Cherry, bei der Ray Conniff selbst die Begleitung spielte. Hierbei benutzte er erstmals Stimmen als Instrumente. Innerhalb kürzester Zeit verkauften sich über eine Million Exemplare und jedermann sprach von dieser sensationellen Aufnahme.

Conniff schrieb für die ganze Künstler-Elite der Plattenfirma die Arrangements, wie beispielsweise Rosemarie Clooney, Johnnie Ray, Frankie Laine oder Johnny Mathis.

1956 kam der Durchbruch für Ray Conniff

„Es ist höchste Zeit, dass Sie Ihr Glück und Talent selbst in die Hand nehmen“ sagte Mitch Miller und gab ihm die Chance, seine Arrangements mit eigenem Orchester zum Erfolg zu führen. 1956 erschien die erste Ray Conniff-LP „‘S Wonderful“. Neun Monate lang rangierte sie unter den Top 20 in Amerika und machte ihn zum führenden Tanzmusiker der Welt. Es war der Anfang einer über vier Jahrzehnte andauernden Weltkarriere und der Gershwin-Titel „‘S Wonderful“ blieb über all die Jahre seine Erkennungsmelodie.

Ray Conniff (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa/dpaweb)
Ray Conniff picture-alliance / dpa/dpaweb

Ray Conniff probierte ständig neue Effekte

Was war sein Geheimnis? Er inszenierte eine perfekte Klangzauberei, indem er einen Chor instrumental einsetzte und ihn wie eine Instrumentengruppe handhabte. Das Rezept funktionierte bei aktuellen Hits genauso wie bei klassischen Themen oder Broadway-Songs. Außerdem erzeugte er nahezu avantgardistische Klänge mit einfachsten Mitteln, z. B. durch das Aneinanderreiben von zwei Sandpapierblöcken vor dem Mikrofon, das er hundertfach verstärkte. Weitere Utensilien waren zwei Fingerhüte, mit denen Ray Conniff über ein Waschbrett strich oder einmal mussten die Sänger alte Schuhe über die Hände ziehen und damit auf einer Steinplatte entlang streichen. Dieser Einfall brachte einen Sound, der an schlürfende Schritte erinnerte.

"Dieser Magier von Melodie und Rhythmus prägte einen Sound wie Sphärenklang, den ich für ebenso genial halte wie die Erfindung der Schallplatte." (Leonard Bernstein)

Ein Vorreiter des Stereo-Sounds

Seine Arrangements und Sound-Effekte erfand er übrigens oft auf einer kleinen transportablen Orgel, die er stets dabei hatte, wenn er auf seiner stolzen Segeljacht vor der kalifornischen Küste kreuzte. Mit seinen Ideen hat er mehr für die Stereotechnik in der Schallplattenindustrie getan als jeder andere Arrangeur vor ihm. Bereits am 12. Juni 1959 gab er im Santa Monica Auditorium das erste „Konzert in Stereo“ außerhalb eines Tonstudios. Hierfür ließ er sich nach eigenen Entwürfen für 30.000 Dollar eine Anlage bauen und zauberte mit Verstärkern, Lautsprechern und Hall-Anlagen den von den Schallplatten her bekannten Sound in die Konzertsäle. Kritiker schrieben begeistert von dem „musikalischen Ereignis der 1960er Jahre“.

Südamerikaner blieben sein treuestes Publikum

Als Mitte der 1970er Jahre Disco- und Rock-Rhythmen die Hitparaden stürmten, ging die Nachfrage nach Conniff-Platten zurück. Doch in Südamerika fand er weiterhin ein treues Publikum. Alljährlich nahm er eine neue Langspielplatte auf und ging erfolgreich auf Tournee - bis zu seinem Schlaganfall im März 2002, an dessen Folgen er am 12. Oktober 2002 im Alter von 85 Jahre verstarb. Sein musikalisches Vermächtnis umfasst über 100 Langspielplatten, von denen mehr als 70 Millionen Exemplare weltweit verkauft wurden. Noch heute bereitet er vielen Menschen mit seiner unvergänglichen und zeitlosen Musik Freude.

Steckbrief von Ray Conniff
Geborenam 06.11.1916 in Attleboro / Massachusetts
Jugendbereits 1933 gründete er auf seiner Hochschule ein Orchester
Zahlenüber 100 LP-Veröffentlichungen, rund 70 Millionen verkaufte Tonträger weltweit
Hits's wonderful, Besame Mucho, Brazil, Lara's Theme
Letzter öffentlicher Auftrittim März 2002 bei der Hochzeit von Liza Minnelli.

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