Shirley Bassey auf der Bühne (1968) (Foto: imago images, Imago/Zuma/Keystone -)

Schlagerlegende

Shirley Bassey: James Bond, Skandale und die Queen

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Für immer wird ihr Name mit dem James Bond-Song "Goldfinger" verbunden bleiben, mit dem ihr der internationale Durchbruch gelang. Doch wussten Sie, dass Udo Jürgens ihr auch einen Nummer-1-Hit schrieb? Nun wird die Pop-Primadonna 85 Jahre alt.

Shirley Bassey Plattencover (Foto: SWR, Jasmine (Coverscan))
Gleich ihre erste Single „Burn my candle“ vom Januar 1956 fiel bei der BBC wegen eines angeblich unzüchtigen Textes in Ungnade. Ein Jahr später gelang ihr mit der Cover-Version des Belafonte-Hits „The Banana Boat Song“ ihre erste Top Ten-Platzierung. 1959 folgte der Sprung auf den Hitparaden-Thron mit „As I love you“. Zwei Jahre später erreichte sie mit „Reach for the stars”, komponiert von Udo Jürgens, erneut den Spitzenplatz. Alle Titel dieser Ära sind auf dieser CD-Sammlung nachzuhören. Jasmine (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der Komponist John Barry sah in Shirley Bassey die Idealbesetzung für den Titelsong zum James Bond-Thriller „Goldfinger“. Er spielte ihr die Melodie vor, zu der es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Text gab. „Ich bekam sofort eine Gänsehaut“ erinnerte sich Shirley Bassey. Die Aufnahmen am 20. August 1964 gestalteten sich schwierig und es benötigte ungefähr 15 Takes, bis der Titel im Kasten war. „Goldfinger“ verhalf ihr endgültig zum internationalen Durchbruch. Columbia (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im September 1967 veröffentlichte sie den Titel „Big Spender“ aus dem Musical „Sweet Charity“ und landete damit in Großbritannien einen Hit. Der Song wurde zu einer ihrer Erkennungsmelodien und sie sang ihn auf zahllosen Veranstaltungen - allen voran in der Royal Albert Hall anlässlich des 80. Geburtstags von Prinz Philip. Bild in Detailansicht öffnen
Über 900 geladene Gäste feierten bis in die frühen Morgenstunden: für ihren Auftritt beim „Bal Pare ‘70“ in München kam sie direkt vom „Midem“-Festival aus Cannes angereist. Ihre Stimme, ihre Show und ihre Person wurden zum Gütesiegel für das Faschingsereignis 1970. Ein Blumenregen vom Parkett und von den Rängen für den Stargast des Abends - Shirleys perfekter Auftritt wurde stürmisch gefeiert. Auf diesem Ball wurde sie vom SWF-Orchester unter der Leitung von Rolf Hans Müller begleitet. United Artists (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem ihre Karriere in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre etwas rückläufig war, gelang ihr 1970 mit dem Album „Something“ ein glanzvolles Comeback. Nicht nur die LP sondern auch der von „Beatle“ George Harrison komponierte und auf Single ausgekoppelte Titelsong galten über einige Jahre als ihre erfolgreichsten Platten in Großbritannien. Parlaphone (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
„Love Story“ - sowohl das Buch als auch der Film waren ein grandioser Erfolg. Die erste weibliche Interpretin des Titelsongs war Shirley Bassey. Der Komponist Francis Lai bezeichnete ihre Fassung als „musikalischen Leckerbissen“ und die beste Version dieser vielbesungenen Melodie. United Artists (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
James Bond zum Zweiten: für das Sean Connery-Comeback als James Bond 1971 sang Shirley Bassey die Titelmusik „Diamonds are forever“ und landete damit erneut einen Hit. Im Gegensatz hierzu ihr dritter Einsatz in Sachen „007“: „Moonraker“ stand 1979 von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach Absagen von Johnny Mathis und Kate Bush trat man an Shirley Bassey heran. Zu wenig Vorbereitungszeit und die mangelnde Promotion waren u. a. die Gründe dafür, dass die Nummer nur wenig Aufsehen machte. United Artists (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Musicalmelodien waren stets fester Bestandteil ihres Repertoires. 1972 erschien in Deutschland unter dem Titel „Broadway - Bassey’s Way“ eine Sammlung mit Songs aus der „West Side Story“, „Funny Girl“, „Camelot“ oder „My fair lady“. Zum Jahresende zeigte die ARD unter dem Titel „All about Shirley“ eine knapp einstündige Dokumentation über die Künstlerin. Der Film war eine britisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion und wurde in Hamburg und in ihrem damaligen Domizil auf Sardinien gedreht. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1973 trat sie im Mekka aller Unterhaltungskünstler, der New Yorker Carnegie Hall, auf und ihr ausverkauftes Konzert wurde für die Schallplatte aufgezeichnet. Auf dieser Gala präsentierte sie ihre ganze Bandbreite: das Programm startete mit „Goldfinger“ und führte über „Big Spender“ und „Something“ bis hin zu „This is my life“, mit welchem sie meist ihre Auftritte beendete. United Artists (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Shirley Bassey-Fieber in Deutschland: ausverkaufte Hallen und Superumsätze prägten das Bild dieser Tournee. In einem Interview bekannte sie: „Panische Angst hatte ich, als ich das erste Mal vor deutschem Publikum singen sollte. Ich glaubte, man würde meine Gags nicht verstehen. Aber dann ging alles gut.“ Besonders bejubelt wurde ihre neue Single „Never never never“, bereits 1973 in England erfolgreich. Der von Tony Renis komponierte Titel wurde zu einem ihrer bekanntesten Songs. Parlaphone (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Für ihr Album „Love, life and feelings“ von 1976 lieferten Komponisten wie Neil Sedaka, Gilbert O’Sullivan oder Marvin Hamlisch einige ihre besten Arbeiten. Auch Udo Jürgens war vertreten - von ihm stammte die Komposition „If I never sing another song“. Dieses Lied hatte er bereits 1968 für Alexandra geschrieben und wurde bei uns unter dem Titel „Illusionen“ populär. United Artists (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem Album „Yesterdays“ präsentierte Shirley Bassey 1978 Evergreens und Swing-Standards aus den 1930er und 40er Jahren. Die Palette reichte von „As time goes by“ über „Over the rainbow“ bis hin zu „I’ve got you under my skin“ - Songs, die aus dem Repertoire von beispielsweise Peggy Lee, Judy Garland oder Frank Sinatra stammten. Die Auswahl gerade dieser Titel hatte vermutlich einen guten Grund: in einem Interview zählte sie diese Stars zu ihren Lieblingssängern. United Artists (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Schon einmal brachte Alain Delon seine unverwechselbare Stimme im Sprechgesang mit einer namhaften Künstlerin zu Platte: „Paroles, Paroles“ mit Dalida. 1983 gab es zusammen mit Shirley Bassey ein ähnliches Projekt: die englisch-französische Aufnahme „Thought I’d ring you“ konnte sich allerdings nur in Holland und Belgien in den Hitparaden platzieren. Ein Jahr später nahm sie den Titel mit dem US-Schauspieler Al Corley nochmals auf - erneut mit nur mäßigem Erfolg. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer fünfjährigen Schallplattenpause brachte sie im November 2014 ein von vielen lang erwartetes neues Album heraus. „Hello like before“ bestand vor allem aus Coverversionen und beinhaltete Songs von u. a. Sting, den Beatles oder Donna Summer. Zugleich feierte sie das 50-jährige Jubiläum ihres Welterfolgs „Goldfinger“. Aus diesem Anlass nahm sie den Bond-Klassiker zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra neu auf. RCA (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Für "Goldfinger" musste der Büstenhalter weg

Der internationale Durchbruch gelang Shirley Bassey 1964 mit der Titelmusik zum James Bond-Film "Goldfinger". Die Aufnahmen dauerten die ganze Nacht und es benötigte ungefähr 15 Takes, bis der Titel im Kasten war. Im Finalteil des Liedes musste sie eine Note sehr lange halten, was ihr aber nicht gelang. Plötzlich knisterte es im Studio und ein Büstenhalter flog durch die Luft.

Die Anpassung ihrer Garderobe war die Lösung des Problems und lachend erinnerte sie sich in einem Interview: "Ich trug einen einengenden Büstenhalter." Und dann kam das Ende mit dieser Note: "Ich hielt und hielt sie, schaute zu John Barry, wurde schon ganz blau im Gesicht und er deutete, noch eine Sekunde länger zu halten. Als es endlich zu Ende war, verlor ich beinahe das Bewusstsein. Aber trotzdem fand ich es aufregend und hätte nie gedacht, dass es solch ein Hit werden würde."

Szene aus dem Film: "Goldfinger" mit Gerd Fröbe (Foto: imago images, Imago/Fotograf XY -)
Filmbösewicht Gerd Fröbe (r.) als "Goldfinger" Imago/Fotograf XY -

Die "Tigerin" von Cardiff

Der Gesang war von Anfang an ihre Passion. Im englischen Cardiff erblickte Shirley Bassey das Licht der Welt, einer Hafengegend, die auch "Tiger Bay" genannt wurde. Später titulieren sie daher die Zeitungen liebevoll als die "Tigerin von Tiger Bay". Die finanziellen Verhältnisse der Familie waren alles andere als rosig. Mit Auftritten in ärmlichen Arbeiterkneipen und als Packerin musste sie zum Lebensunterhalt beitragen.

"Ich war ein schrecklich schüchternes Kind. Meine ersten Lieder habe ich buchstäblich unter dem Tisch gesungen."

1953 bekam sie ihr erstes festes Engagement als Sängerin im Chor einer Musikshow, mit der sie durch England tourte. Zwei Jahre später wurde der Bandleader Jack Hylton auf sie aufmerksam und verschaffte ihr einen Vertrag im Londoner West End. Dort entdeckte sie ihr späterer Manager Mike Sullivan, der sie zu einem internationalen Star aufbauen wollte. Anfang 1956, gerade mal 19 Jahre alt, unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag.

Gleich ihre erste Single "Burn my candle" vom Januar 1956 fiel bei der BBC in Ungnade und wurde wegen eines angeblich unzüchtigen Textes auf den Index gesetzt. Rund ein Jahr später gelang ihr mit der Cover-Version des Harry Belafonte-Hits "The Banana Boat Song" ihre erste Top Ten-Platzierung.

Shirley Bassey mit zwei weiteren Personen bei einem Springspiel (1944) (Foto: imago images, Imago/Zuma Press -)
1944 daheim in Cardiff - Shirley Bassay (links) Imago/Zuma Press -

Die britische Presse grätscht dazwischen

Nach den ersten Erfolgen machte auch die internationale Karriere Fortschritte. Doch dann berichtete die englische Presse über Shirleys uneheliche Tochter. Zu jener Zeit ein Skandal sondergleichen, der ihr Ansehen in England erheblich schädigte. Doch vollkommen unerwartet wendete sich das Blatt. Sie bekam die Möglichkeit, innerhalb einer angesehenen TV-Show aufzutreten. Sie bestand darauf, ihren bereits einige Monate alten Titel "As I love you" zu singen und Bassey hatte das richtige Gespür, denn mit ihrem Auftritt stahl sie allen die Show. Augenblicklich setzte eine immense Nachfrage nach dieser Platte ein und wenig später konnte sie damit ihren ersten Nummer 1-Hit verbuchen. Eine wahre "Shirleymania" brach aus.

Gut angesehen im britischen Königshaus

In den 1960er und 1970er Jahren reihte sich Erfolg an Erfolg, sie sang vor dem US-Präsidenten John F. Kennedy im Weißen Haus und mehrfach vor der englischen Königsfamilie, deren Bewunderung sie genießt. Von Königin Elisabeth II. wurde sie 1999 für ihre besonderen Verdienste in der Unterhaltung zur "Dame Commander of  the British Empire" erhoben.

Shirley Bassey bei Queen Elisabeth II (1961) (Foto: imago images, Imago/United Archives -)
In London trifft Shirley Bassey mit der Queen zusammen... Der Herr links ist Maurice Chevalier Imago/United Archives -

Sprunghafte Persönlichkeit

"Ich habe ein beträchtliches Temperament, aber nur wenn es um meine Arbeit geht. Hier habe ich keine Geduld, da muss es vorangehen. Ich kümmere mich um alles, das ist mein Beruf, mein Leben." Und wer mit ihr gearbeitet hat kann bestätigen, dass dies nicht immer angenehm und einfach war. Ihr zweiter Ehemann Sergio Novak beschrieb sie als sprunghafte Persönlichkeit: "Man kann nichts vorhersehen, immer geschieht etwas Neues."

Bodenständig und auf der Höhe der Zeit

Während der 1980er Jahre konzentrierte sich Bassey auf Wohltätigkeitsveranstaltungen und gelegentliche Konzerttouren. Ende der 1990er Jahre gewann sie im Rahmen der Zusammenarbeit mit der britischen Band Propellerheads auch ein jüngeres Publikum. Sie blieb auf der Höhe der Zeit und arbeitete mit aktuellen Popgrößen wie Chris Rea, Gary Barlow oder den Pet Shop Boys zusammen. Nicht aus Notwendigkeit, sondern einzig und allein aus ihrer Liebe zum Beruf und zum Publikum hat sie damit ein neues Kapitel ihrer langjährigen Karriere aufgeschlagen.

Das große Finale

In den vergangenen Jahrzehnten war sie eine absolute Konstante: seit den 50er Jahren konnte sie sich in jedem Jahrzehnt mit mindestens einem Album in den Top 40 platzieren. Sie ist die erste Künstlerin, die dies erreicht hat. 2020 nahm sie mit der Produktion "I owe it all to you" Abschied von der Bühne und der Musikwelt. Sie selbst bezeichnete dieses Album als "das große Finale". In letzter Zeit war Dame Shirley Bassey, die in Monaco lebt, in der Öffentlichkeit kaum noch zu sehen und machte sich auch auf ihren Social-Media-Kanälen rar.

Shirley Bassey besucht die Premiere des James-Bond-Films "No time to die". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / abaca | Aventurier Patrick/ABACA)
Shirley Bassey besucht die Premiere des James-Bond-Films "No time to die". picture alliance / abaca | Aventurier Patrick/ABACA
Steckbrief von Shirley Bassey
Geboren8. Januar 1937 in Cardiff (Wales)
ElternDer Vater war Seemann mit nigerianisch und west-indischer Abstammung, die Mutter war Engländerin.
Ehrungen1999 von Queen Elisabeth II zur Dame erhoben. Dafür singt Shirley Bassey bei den Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum der Königin (2012) und 2016 zum 90. Geburtstag der Monarchin.
FilmShirley Bassey ist die einzige Künstlerin, die gleich für drei "James Bond-Filme" den Titelsong vortragen durfte.

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