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Das Lied kann eigentlich jeder mitsingen oder mitsummen, die Namen der Musiker kennt dagegen fast keiner mehr. Das sind die typischen Merkmale eines sogenannten "One-Hit-Wonders", musikalische Eintagsfliegen.

Für nur kurze Zeit standen die Interpreten im Scheinwerferlicht und begeisterten Millionen von Musikfreunden. Doch so schnell wie sich der Ruhm einstellte, genauso rasch waren sie wieder in der Versenkung verschwunden.

SWR4 Baden-Württemberg hat sich auf die Suche nach solchen Raritäten gemacht. Wir wurden fündig bei Film und Fernsehen, beim Kramen in Urlaubserinnerungen an den sonnigen Süden oder ganz simpel beim Stöbern in alten Schallplatten. In unserer Cover-Galerie erzählen wir die Geschichte zum Song. Viel Vergnügen beim "Durchklicken"!

Plattencover von "musikalischen Eintagsfliegen" (Foto: SWR, Bear Family Records (Coverscan))
Eigentlich hieß er Rolf Müller, stammte aus Essen und war schon als Teenager ein echter Lokalmatador, der mit seinen Rock’n’Roll-Interpretationen die Leute verzückte. Produzent Heinz Gietz verpasste ihm den Künstlernamen Benny Quick. Gleich die erste Single wurde sein größter Erfolg: "Motorbiene" schallte 1962 aus allen Musik-Boxen. Trotz seiner Jugendlichkeit und präsenter Stimme blieben weitere große Erfolge aus. Später arbeitete er als Disc-Jockey. 1999 nahm sich Rolf Müller das Leben. Bear Family Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Wini-Wini, Wana-Wana, die Trommel ruft zum Tanz" - diese leicht einprägsame Liedzeile war im Frühjahr 1963 der Ohrwurm schlechthin, der sämtliche Hitparaden anführte. Die "Tahiti-Tamourés" mit der Leadsängerin Manuela wurden eigens für die Interpretation des aus Tahiti stammenden Titels gegründet. Obwohl sämtliche nachfolgende Titel nach dem gleichen Muster produziert wurden, ergab sich kein nennenswerter Nachfolgehit. Nach insgesamt vier Single-Veröffentlichungen war Schluss. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Ab Herbst 1967 war der gebürtige Stuttgarter Roland Wächtler alias "Roland W." 13 Wochen lang in den Top Ten mit "Monja" notiert. Das Original kam von der Pfälzer Band "Cry’n Strings", deren Gitarrist Gerhard Jäger das Lied auch komponiert hatte. Jedoch machte die Cover-Version das Rennen (Höchstplatzierung Rang 4). Auch wenn später die Flippers oder Camillo Felgen das Lied ebenfalls sangen, bleibt "Monja" für immer mit Roland W. verbunden, dem danach kein weiterer größerer Hit mehr gelang. Cornet (Coerscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der 1967er Millionenseller "I was Kaiser Bill’s Batman" wurde von Roger Greenaway und Roger Cook konzipiert. "Whistling Jack Smith", der Künstler hinter diesem Riesenerfolg, war reine Fiktion. Die Aufnahme entstand mit anonymen Studiomusikern, einem ungenannten Produzenten und den Mike Sammes-Singers, einem damals populären Background-Chor. Als die Nummer wie eine Bombe einschlug, wurde eilends ein Sänger namens Billy Moeller rekrutiert, um dem pfeifenden "Jack Smith" ein Gesicht zu geben. Deram (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Der erfolglosen Denny Zager und Richard Evans schlossen sich 1968 zu einem Folk-Duo zusammen. Evans zog das Lied "In the year 2525" aus der Schublade, das er bereits vier Jahre zuvor geschrieben hatte. Das Publikum nahm den düsteren Song über die Bedrohung der Menschheit begeistert auf, eine große Plattenfirma bekam Wind davon und nahm sie unter Vertrag. "In the year 2525" wurde weltweit ein Millionenseller. Als kein Anschlusstreffer gelang, trennten sich Zager & Evans später. RCA (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Im ZDF-Krimi „Der Kommissar“ lieh Daisy Door der Schauspielerin Sylvia Lukan bei dem Lied "Du lebst in Deiner Welt" ihre Stimme. Noch während der Sendung fragten die Zuschauer nach dem Song. Über Nacht kam die Platte heraus und verkaufte sich 1971 über eine halbe Million mal. Zu dieser Zeit war Daisy Door kein unbeschriebenes Blatt: In den 1960er-Jahren sang sie mit ihrer Schwester als "Li & Eve", arbeitete solo und war Mitglied im Botho Lucas-Chor. Trotzdem gelang ihr nur dieser einzige Hit. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
In Spanien und in Lateinamerika war Peret ein sehr populärer Sänger und Gitarrist, zeitweilig auch Schauspieler. 1971 nahm er ein fröhliches Lied mit einem eingängigen Refrain auf. Spanienurlauber brachten den Ohrwurm nach Hause mit und bald war die Geschichte vom "Eselchen" europaweit ein Riesenhit. Bei uns erreichte Peret den 1. Platz der Hitparade. Es blieb ein einmaliges Gastspiel. Rex Gildo nahm eine deutsche Version von "Borriquito" auf, die es allerdings in keine Hitparade schaffte. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Bei einem Spaziergang durch die Zürcher Fußgängerzone wurde der Geiger Mario Feurer von einem Akkordeonspieler inspiriert, der das Volkslied "Grüezi wohl, Frau Stirnimaa" zum Besten gab. Feurer beschloss, es gemeinsam mit seinen Musikerkollegen der "Minstrels" aufzunehmen. Die Version der langhaarigen und bärtigen Musiker in Hippieklamotten ging durch die Decke. 1974 löste sich die Formation auf - ohne einen weiteren Hit dieses Ausmaßes. EMI (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Ein elfjähriger Lausbub singt Rock-Songs" schrieb damals die Plattenfirma: Mischa aus Elversberg gelang 1975 mit "Ich und Rocky Waschbär" zwar kein Einzug in die Hitlisten, jedoch ein heute noch beliebter Ohrwurm. Anthony Monn und Frank Farian produzierten den Song mit der jungen "Blues-Röhre", der eine typische Eintagsfliege war - eine weitere Platte hat es nie gegeben. Ende Dezember 2017 kam die Nachricht, dass Mischa im Alter von nur 54 Jahren verstorben ist. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Der Fun-Hit aus England", heißt es zurecht auf der Plattenhülle. Denn "Egyptian Reggae" war der größte Erfolg, den der Musiker und Songwriter Jonathan Richman verbuchen konnte. In England landete der Titel auf Platz 5 und hierzulande schaffte das eigenwillige Instrumental den Sprung bis auf den 13. Platz. Auch bei ihm gilt: umfangreiche Discographie, jedoch nur ein nachhaltiger Hit, der in Erinnerung geblieben ist. Beserkley (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Achim Rodewald sang im Chor der "Die Sonntagskinder". Seine Sopranstimme fiel Heinz Gietz und Kurt Feltz auf und so sang er die Kantilene im Lied "Manuel" von Caterina Valente. Das klappte gut und man wollte den Jungen als Solisten unter dem Namen "Manuel" aufbauen. Mit dem "Lied von Manuel" gelang 1979 ein Top Ten-Hit, bei dem er von der Kinderband "Pony" begleitet wurde. In dieser sang zeitweise Anke Engelke mit. Der Stimmbruch setzte der Plattenkarriere von Manuel ein Ende. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Serie "The life and times of Grizzly Adams" lief in Amerika erfolglos, die Titelmelodie "Maybe" wurde zunächst nicht veröffentlicht. Erst mit dem Verkauf nach England wurde die Serie über den vollbärtigen Einsiedler in den Rocky Mountains erfolgreich. Bald war sie auch hierzulande unter dem Titel "Der Mann in den Bergen" zu sehen. Den Zuschauern gefiel "Maybe" und im November 1979 stand die Single auf Platz 1. Nachdem der Hype vorbei war, verschwand auch Thom Pace wieder in der Versenkung. RSO Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

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