Neil Diamond (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/ZUMA Press)

Pop-Legende

Neil Diamond - Musiker mit Haut und Haaren

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Hans-Jürgen Finger
Hans-Jürgen Finger (Foto: SWR, Alexander Kluge)

Elvis Presley, Cliff Richard oder Frank Sinatra interpretierten seine Songs. Mit Liedern wie "Song Sung Blue" oder "I am…I said" schrieb Neil Diamond selbst Popgeschichte.

Nichts sprach für eine Karriere als Superstar. Der Vater war dauernd pleite, die Familie zog ständig um. Dem Schuljungen Neil half die Musik, die bedrückende Realität für einen Augenblick zu vergessen. Er begann, eigene Songs zu schreiben, meist die ganze Nacht hindurch:

"Ich schrieb meine Einfälle auf die verschiedensten Papierschnipsel."

Selbst auf der Universität schrieb er während des Unterrichts Schlagertexte: "Die Lehrer dachten, ich machte mir Notizen."

"I'm a believer" wird sein erster Hit

Die Künstlerszenerie von Greenwich Village faszinierte ihn. Das Medizinstudium warf er hin für das Angebot, für 50 Dollar pro Woche Songs zu schreiben. Doch diese Jobs waren nicht von Dauer: die Musikverleger heuerten und feuerten ihn. Zusammen mit einem High School-Klassenkameraden gründete er Anfang der 1960er Jahre das Gesangs-Duo "Neil & Jack". Nach zwei erfolglosen Platten trennten sie sich und er machte solo weiter. Erste Erfolge als Songwriter stellten sich ein. Für die Monkees schrieb er den Millionenseller "I'm a believer". Die Produzenten Ellie Greenwich und Jeff Barry wurden auf ihn aufmerksam und vermittelten ihm einen Plattenvertrag.

"Ich kann unmöglich alle meine Songs selbst bringen, deshalb gebe ich sie Leuten, die das Beste daraus machen."

Neil Diamond (Schwarz-weiß-Foto) (Foto: IMAGO, Imago -)
Neil Diamond

Mit Gesang zum Mietwagen

Gleich bei der ersten Aufnahmesitzung im Jahr 1966 kamen drei Hits auf einen Schlag zustande: "Solitary Man", "Cherry Cherry" und "I got the feeling". Über Nacht war er ein gefragter Star.

"Am Anfang war ich ganz auf mich allein gestellt. An jedem neuen Konzertort musste ich mit einer neuen Band üben. Ich hatte sogar selbst mein Hotelzimmer zu buchen. Es war schon hart. In San Francisco versuchte ich, ein Auto zu mieten. Ich hatte keine Kreditkarte und das Mädchen am Schalter lehnte meine Anfrage ab. Zufällig lief gerade der "Solitary Man" im Radio. Ich konnte sie davon überzeugen, dass ich der Sänger sei. Ich sang ihr sogar einige Takte vor und bekam das Auto."

Neil Diamond und Elton John (Foto: IMAGO, Imago/Fotograf XY -)
Pop-Giganten: Neil Diamond mit Elton John

Erfolgreich mit dem Film über eine Möwe

Nach den engen Dreiminuten-Grenzen der Singles wandte er sich thematischen Langspielplatten zu, die alle mit Edelmetall ausgezeichnet wurden. Amerikas Disc-Jockeys wählten ihn zusammen mit Frank Sinatra zum besten Sänger der Vereinigten Staaten. Dann schrieb er die Musik zu dem Film "Jonathan Livingston Seagull." Das Album brach alle Rekorde. Tourneen durch die USA und Europa, bald um den ganzen Globus füllten seinen Terminkalender: "Auftritte machen mir riesigen Spaß. Je größer das Publikum, umso mehr Erwartungen, umso mehr Aufregung."

"Ich habe in München das erste Mal Bier genossen und war ganz begeistert. In den USA schmeckt mir das Bier nicht. Da trinke ich lieber Wein."

Mann kniet in Hollywood (Foto: IMAGO, Imago -)
Neil Diamond bekommt seinen Stern in Hollywood

Für immer Songwriter

Zahlreiche Auszeichnungen hat er im Laufe seiner Karriere empfangen dürfen. Beispielsweise ehrte ihn die "Songwriters Hall of Fame" im Jahr 2000 für sein Lebenswerk, er wurde in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen und 2011 erhielt er den "Kennedy-Preis" für "außergewöhnliche Beiträge zur amerikanischen Kultur". Ein Jahr später folgte ein Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood. Darüber hinaus entdeckten viele junge Interpreten sein Repertoire für sich.

Im Januar 2018 machte er seine Parkinson-Erkrankung publik und teilte in diesem Zusammenhang mit, dass er keine Konzerte mehr geben würde. Auf Studioaufnahmen hat diese Entscheidung jedoch keinen Einfluss, denn nach wie vor ist Musik sein Lebensinhalt:

"Ich werde immer ein Songwriter sein. Ich bin es mit Haut und Haaren."

Jüngstes Beispiel ist die Produktion "Classic Diamonds", für die er anlässlich seines 80. Geburtstags eine Auswahl seiner größten Hits zusammen mit dem London Symphony Orchestra in den legendären Abbey Road Studios in London neu aufgenommen hat.

Besondere Plattencover von Neil Diamond

Plattencover von Neil Diamond (Foto: SWR, Capitol (Coverscan) -)
1980 übernahm Neil Diamond die Hauptrolle des Jess Robin in einem Remake des ersten Tonfilms aller Zeiten "The Jazz Singer". Gilbert Bécaud war als Mitkomponist am Soundtrack beteiligt: "Wir arbeiteten zusammen mit meiner Band in unserem Studio in Los Angeles. Gilberts Lieblingsgetränk war "Scotch on the rocks" und ich begann mit ein paar gleichlautenden Textfragmenten herumzualbern." Daraus entstand der Song "Love on the rocks", der als Single ausgekoppelt wurde.
Plattencover von Neil Diamond (Foto: SWR, UNI (Coverscan) -)
"Touching me, touching you" war sein fünftes Studio-Album und hier interpretierte er seit 1966 erstmals wieder Material auch von anderen Künstlern, zum Beispiel "Mr. Bojangles" oder "Both sides now". Der Hit des Albums war seine Eigenkomposition "Holly Holy". Daran knüpften sich für ihn besondere Erinnerungen: "Ich schrieb den Song, während mein kleiner Sohn Jesse im Zimmer nebenan schlief. Das war ein aufregendes Gefühl, das sich auch auf das Lied übertrug."
Plattencover von Neil Diamond (Foto: SWR, Sony (Coverscan) -)
Auf "Dreams" trat er nicht als Songschreiber in Erscheinung sondern erfüllte sich einen langgehegten Wunsch: ein Album mit den besten Songs der Rock-Ära. Er wählte hierfür Songs aus, die ihm persönlich viel bedeuteten. Neben Musik von den Beatles, Gilbert O'Sullivan oder Leonard Cohen war auch "I'm a believer" dabei - jenes Lied, das er für die "Monkees" einst schrieb und mit dem der Grundstein für seine eigene Weltkarriere als Singer-Songwriter gelegt wurde.

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SWR4 Team Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger

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Hans-Jürgen Finger ist jede Woche auf der Suche nach Schlager-Juwelen. Hier geht es nicht nur um Evergreens und Ohrwürmer - sondern auch um echte Raritäten.