Bernhard Brink, deutscher Schlagersänger, singt während der Aufzeichnung "50 Jahre ZDF Hitparade" auf der Bühne in der Baden Arena. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Schlagertitan

Bernhard Brink: "Mein Leben könnte auch die Überschrift sorgenfrei tragen"

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Bernhard Brink kann "Alles außer Tanzen", wie er seine Autobiographie betitelte. Er ist ein Mann der souverän viele Betätigungsfelder bespielt und heute als "Schlagertitan" gilt.

Schlagersänger statt Architekt

Schlageraffin war Bernhard Brink schon von Anbeginn und die "ZDF-Hitparade" befeuerte seinen Gedanken, selbst in das Schlagergeschäft einzusteigen. Zwar sah sein Vater, der als Architekt tätig war, den Sohn als Nachfolger, stand aber den Ambitionen des Sprösslings nicht im Weg. Auch seine Mutter ließ ihn gewähren. Als er Gesangsunterricht bei einer Opernsängerin nahm, half sie bei der Finanzierung, erzählte Bernhard Brink im SWR4-Interview.

Ein Demo-Band im Schwimmbad

Im Schwimmbad des elterlichen Hauses in Nordhorn entstand Brinks erstes Demo-Band, das er wie einen Schatz hütete. Er nahm es sogar auf eine Klassenfahrt nach Tirol mit. In einem Kaffeehaus gab es ein Abspielgerät und was zu hören war, beeindruckte sogar den Kellner, der zufällig Branchenkontakte hatte und Brink das Band abschwatzen konnte.

Von Null auf Hundert

Der Kellner hatte Wort gehalten und gab das Tonband in die richtigen Hände: Bernhard Brink erhielt per Postkarte eine Einladung nach Berlin zum Vorsingen. Die Verantwortlichen erkannten das Potential und der Produzent Thomas Meisel bot ihm einen Zweijahresvertrag an. Wenig später entstand seine erste Single "Bombenfest", an welcher der  zuständige Redakteur der "ZDF-Hitparade" Gefallen fand. Am 15. März 1972 konnte der Newcomer dort sein Plattendebüt vorstellen. Wenige Tage nach der Sendung fuhr der Postbote in Nordhorn mit dem Auto - statt wie gewohnt mit dem Fahrrad - vor, um rund dreißigtausend Fanbriefe zuzustellen.

Coverabbildung Bernhard Brink "Bombenfest". (Foto: Coverscan Hansa)
"Bombenfest" konnte sich in der ZDF-Hitparade zwar nicht qualifizieren, aber der Anfang war gemacht. Die Rückseite der Plattenhülle verriet: "Weil er Leistungssportler ist, ernährt er sich vorzugsweise von Steaks und Apfelsaft." Coverscan Hansa

Tagsüber Studium, abends Bühne

Aufgrund dieser Entwicklungen fiel die Entscheidung, nach Berlin umzuziehen. Dort schrieb er sich nach dem Abitur an der Uni für ein Jura-Studium ein. "Ich war ein ganz normaler Jurastudent, war viel unterwegs, tat, was junge Leute in einer so faszinierenden Stadt wie Berlin so tun, besuchte viele Partys", schrieb Bernhard Brink in seiner Biographie. Bei SWR4 erzählte er im Gespräch über seine Anfangszeit: "Ich war sehr unbeholfen. 1973 bekam ich meinen ersten Manager - Gerhard Kämpfe - zur Seite gestellt. Er zeigte mir, was Sache ist."

"Singen kann er, aber er muss noch viel lernen."

Sex und Rock’n’Roll, aber keine Drugs

Der Student mit Lockenpracht wurde Schritt für Schritt aufgebaut: "Die Auftritte in Diskotheken und bei anderen Veranstaltungen häuften sich mehr und mehr, kurz gesagt, es lief." Buchstäblich in Scharen sind ihm die weiblichen Fans nachgelaufen und diese sahen sich in ihren Illusionen bestärkt, als er den Titel "Ich bin noch zu haben" auf den Markt brachte. Damit erreichte er im Januar 1976 erstmals den ersten Platz in der "ZDF-Hitparade". Bis 2000 ist er über sechzig Mal in der Sendung auftreten. Die Universität sah ihn übrigens nur noch selten, bis er schließlich exmatrikuliert wurde.

Schlagersänger Bernhard Brink bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade in den 1970er Jahren. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa | Walter Becher)
Schlagersänger Bernhard Brink bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade in den 1970er Jahren. picture-alliance/ dpa | Walter Becher

"Die 1970er Jahre waren eine wilde Zeit, eine einzige Party."

Bernhard Brink am Ballermann

In dieser Zeit setzte man immer wieder auf Adaptionen englischer Popsongs aus der Feder von Nicky Chinn und Mike Chapman. "Ich wär’ so gern wie Du", "Frei und abgebrannt" oder auch "Alles braucht seine Zeit" zählen dazu. Seine Hits führten ihn nicht nur quer durchs Land, sondern verschafften ihm zwischen 1974 und 2019 zudem zahlreiche Auftritte auf Mallorca: "Ich denke, dass ich der Sänger mit der längsten Auftrittszeit auf der Baleareninsel bin."

"Ich probte stundenlang in meinem Appartement für meine Show. Vor einem großen Spiegel übte ich zu meinen Songs passende Bewegungen ein, was bei meiner Größe von 1,80 Metern gar nicht so einfach ist."

Coverabbildung Bernhard Brink "Say you want me". (Foto: Coverscan Aladin)
1975 hatte Bernhard Brink mit "Crying time is here again" versucht, in englischer Sprache einen Hit zu landen. 1982 folgte sein zweiter und zugleich letzter Anlauf: aus "Du natürlich" wurde "Say you want me". Auch in diesem Fall blieb die erhoffte Aufmerksamkeit aus. Coverscan Aladin

Die Zeiten ändern sich

Mit seinem Album "Ein Schritt nach vorne", das durchaus auch im übertragenen Sinne verstanden werden konnte, startete Bernhard Brink in die 1980er Jahre. Durch die Einflüsse der "Neuen Deutschen Welle" war es schwerer geworden, sich auf dem Schlagermarkt zu behaupten. Für ihn begann eine Zeit, in der er von einer Plattenfirma zur nächsten ziehen musste, da deren Augenmerk hauptsächlich den neuen musikalischen Moden gehörte. Zunehmend wandelte er sich vom Teenie-Idol zum vielseitigen Unterhalter.

Bernhard Brink als Quotenbringer

Thomas Gottschalk öffnete ihm die Tür in die Radiowelt: Anfangs moderierte Brink bei RTL, dann einige Jahre lang bei verschiedenen Berliner Rundfunkstationen. Auch das Fernsehen entdeckte sein Talent auf diesem Gebiet. Kurz nach seiner ersten Testsendung 1983 begann er, Kindersendungen für den Bayerischen Rundfunk zu präsentieren. 1990 startete er schließlich als Fernsehmoderator beim MDR ("Das deutsche Schlagermagazin", heute "Die Schlager des Monats").

Der Sänger und Moderator Bernhard Brink, aufgenommen während der Generalprobe zur Fernsehsendung "Schlager des Jahres" am 12.11.2010. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Andreas Lander)
Sänger und Moderator Bernhard Brink. picture alliance / dpa | Andreas Lander

"Moderation im TV ist eine Kunst für sich und auch ich habe meine Vorbilder. Hans-Joachim Kulenkampff war ein ganz Großer. Für mich war der Auftritt in seiner Sendung "Einer wird gewinnen" einzigartig. Mit einer lebenden TV-Legende zusammenarbeiten zu dürfen, fand ich großartig."

Coverabbildung Bernhard Brink "Von Casablanca nach Athen". (Foto: Coverscan Musicolor)
"Von Casablanca nach Athen" kam 1988 auf den Markt. Matthias Reim und Ingo Hennemann hatten den Titel gemeinsam komponiert und getextet. Coverscan Musicolor

Unterstützung für Matthias Reim

Von G.G. Anderson über Howard Carpendale bis hin zu André Franke und Joachim Horn-Bernges, um nur einige wenige zu nennen - Bernhard Brink hatte stets erfolgreiche Autoren an seiner Seite. Ende der 1980er Jahre begann die Zusammenarbeit mit Matthias Reim, in dessen Studio damals der Song "Verdammt, ich lieb‘ Dich" in einer Schublade lag. Reim erzählte ihm, dass er niemanden finden würde, der den Titel singen wollte. So hatte er den Entschluss gefasst, es selbst zu versuchen. Brink redete ihm zu, nutzte seine Kontakte und verhalf Matthias Reim zu einem ersten Fernsehauftritt. Der Rest ist Geschichte.

"Matze, wenn Du jemals Erfolg haben willst als Sänger, dann musst Du genau mit diesem Lied antreten. Wenn der Titel nicht laufen sollte, dann glaube ich an gar nichts mehr."

Kein Grand Prix für den Schlagertitan

Zudem war Matthias Reim als Autor bei dem Lied "Komm‘ ins Paradies" beteiligt, das Bernhard Brink zusammen mit der Sängerin Gilda aufnahm. Der Titel sollte ihm 1988 den Weg zum Eurovision Song Contest ebnen. Bei der deutschen Vorentscheidung reichte es jedoch nur für den dritten Platz. Zwischen 1979 und 2002 hatte "Brinki" insgesamt sechs Mal vergeblich versucht, Deutschland beim internationalen Musikwettbewerb vertreten zu dürfen. Es blieb ein unerfüllter Traum.

Sport als Lebenselixier

Viele Jahre hat er Fußball gespielt, aber noch weit mehr ist er dem Tennissport verbunden. So war er sogar Jugend-Landesmeister in Niedersachsen und hat später in seinem Heimatort etliche Jahre eine Tennis-, Squash- und Kegelanlage betrieben.

"In Zusammenhang mit meinem Lieblingssport Tennis spielte ich zweimal mit Björn Borg. Wir schlugen aber nur ein paar Bälle hin und her. Seitdem erzähle ich immer voller Stolz: "Ich habe zweimal mit Björn Borg Tennis gespielt, aber nie verloren!""

Coverabbildung Bernhard Brink "Heute habe ich an Dich gedacht". (Foto: Coverscan Electrola)
Zwei "blonde Wunder" auf einer CD: anlässlich des 25. Bühnenjubiläums von Bernhard Brink erschien die Produktion "Mitten im Leben". Darunter fand sich diese Duett-Aufnahme mit Audrey Landers: "Heute habe ich an Dich gedacht". Coverscan Electrola

Die Frauen des Bernhard Brink

Im Laufe seiner Karriere hatte er aus künstlerischer Sicht viele Frauen an seiner Seite. Die Liste reicht beispielsweise von Simone über Audrey Landers bis hin zu Ireen Sheer und Sonia Liebing. Im Privatleben hingegen hat er bereits 1981 die Frau seines Lebens getroffen. Seither dreht sich alles um Ute, die er 1987 heiratete. "Mein Leben könnte auch die Überschrift sorgenfrei tragen", stellte Bernhard Brink fest. So war ihm neben einer behüteten Kindheit und Jugend auch ein Leben ohne ernste Erkrankungen vergönnt.

Bernhard Brink mit Frau Ute (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Mika Schmidt)
Bernhard Brink mit Frau Ute. picture alliance / Mika Schmidt

Viele Gründe zum Feiern

Das Jahr 2022 hält für den Schlagertitan einige Gründe zum Feiern bereit. Neben seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum und dem 35. Hochzeitstag ist es aktuell sein 70. Geburtstag. Diesen bezeichnete er gegenüber SWR4 als gewaltigen Einschnitt, der ins Bewusstsein ruft, dass die verbleibende Zeit endlich ist. An Ruhestand denkt er dennoch nicht: "Ich fühl‘ mich toll, bin gut drauf und es macht mir noch Spaß."

Steckbrief

Geboren17. Mai 1952 in Nordhorn
WahlheimatBerlin
Markenzeichen
  • Eine Zahnlücke, die seine Schwester zu verantworten hat. Sie stellte ihm ein Bein und er stürzte schwer, wobei er sich den halben Zahn ausschlug.
  • Seine Naturlocken.
Auszeichnungen
  • Goldene Schallplatte für die Produktion "Das Beste"
  • Goldene Stimmgabel
Autor
  • Hörbuch: "Bohlen...mein Fahrer"
  • "Von hier bis zur Unendlichkeit" - In diesem Ratgeber berichtete er über die Demenz-Erkrankung, an der sein Vater litt. 
  • "Alles außer Tanzen" - Autobiographie
Soziales Engagement
  • Seit 2004 Schirmherr der "Kids Küche" (eine Initiative für sozial-schwache Kinder in Berlin)
  • Botschafter der José Carreras-Leukämie-Stiftung
  • "Daheim im Leben" - eine Initiative des Deutschen Roten Kreuzes zur Schaffung würdiger Lebensverhältnisse für alte, pflegebedürftige und behinderte Menschen.

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