Mary Roos 1972 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste - Dieter Klar)

Schlagerlegende

Mary Roos, die "Valente vom Mäuseturm"

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Was haben "Schlafe, mein Kindchen" oder "Weißt Du, wieviel Sternlein stehen" gemeinsam? Alle diese "Abendlieder" wurden von Mary Roos auf ihrer ersten LP gesungen, die 1968 herauskam.

Das Hotel der Eltern in Bingen war die erste Bühne, auf der sich die kleine Rosemarie Schwab hin und wieder in Form von Amateurauftritten dem Publikum zeigen durfte. Ein Schallplattenproduzent wurde auf sie aufmerksam und so entstanden 1958 - im Alter von 9 Jahren - bereits ihre ersten Schallplatten als "Rosemarie". Bereits Anfang der 1960er Jahre erfolgte die Umbenennung in "Mary Roos". Eine rege Aufnahmetätigkeit und zahlreich veröffentliche Schallplatten auf fast genauso zahlreichen diversen Schallplattenlabels verschafften ihr erste Anerkennung und brachten ihr den Beinamen "die Valente vom Mäuseturm" ein.

Schlager, Jodler und Duette

Mary Roos in den 1960er Jahren (Foto: imago images, Imago - Roba/Siegfried Pilz)
Mary Roos in den 1960er Jahren Imago - Roba/Siegfried Pilz

Zu ihrem damaligen Repertoire zählten neben Schlagerliedchen etliche Coverversionen großer Hits wie z. B. "Ich will nen Cowboy als Mann", "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" oder auch "Zwei kleine Italiener". Selbst mit volkstümlichem Einschlag durfte es sein - mehrfach stellte sie unter Beweis, dass sie sogar das Jodeln beherrschte. Erstmals 1959 auf ihrer Single "Jodel-Rosemarie" und zwei Jahre später auf der Platte "Bergsteiger Franz / Wenn in Oberammergau der Kuckuck ruft". Ein weiteres (kurzzeitiges) volkstümliches Intermezzo gab sie in den Folgejahren unter dem Pseudonym "Herz-Duo", ihr Duettpartner hierbei war Fred Bertelmann.

Immer wieder mit Niveau

1963 fand Mary Roos erste internationale Beachtung bei einem Nachwuchswettbewerb im belgischen Seebad Knokke. Sie nahm regelmäßig an Wettbewerben und Festivals teil, um ihre Position auszubauen und zu festigen. In Deutschland erntete sie mit ihrem Titel "Wie der Wind" viel Lob und wohlwollende Kritiken nach ihrem Auftritt bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden im Jahr 1966. Dieser Titel belegte, dass Mary Roos’ musikalische Heimat eher im Chanson und im Schlager mit Niveau als bei musikalischen Banalitäten zu suchen war.

Abendlieder mit dem Dresdner Mozartchor

Mary Roos (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa/picture alliance - Dieter Klar)
Mary Roos vor Schloss Charlottenburg dpa/picture alliance - Dieter Klar

Im Jahr 1968 kam schließlich ihre erste eigene Langspielplatte in die Geschäfte. Zwar war sie bereits mit Einzeltiteln auf verschiedenen Kopplungen vertreten, eine Solo-LP fehlte bis dato. Zusammen mit dem Dresdner Mozart-Chor, in welchem sie ebenfalls zeitweise mitgesungen hatte, entstand die Produktion "Die kleine Stadt will schlafen geh’n". Genau genommen kann man sogar von einem Konzept-Album sprechen, denn es fanden ausschließend Abendlieder Eingang. Ein recht "erwachsenes" Thema für eine Sängerin, die zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade mal 19 Jahre jung war.

Eine wahre Fundgrube für Fans

Kurze Erwähnung soll auch ihre zweite Langspielplatte - 1969 unter dem Titel "Golden Love" erschienen - finden. Hier fand sich ein Dutzend der Aufnahmen, die Anfang bis Mitte der 1960er Jahre entstanden. Darunter beispielsweise die Cover-Versionen von Peter Hinnen’s "Siebentausend Rinder", Connie Francis’ "Barcarole in der Nacht" oder der San Remo-Hit des Jahres 1962 "Quando Quando" im Original von Tony Renis. Aus heutiger Sicht eine wahre Fundgrube an frühen Aufnahmen, die als Single auf kleinen Schallplattenlabels veröffentlicht wurden und in nur geringen Stückzahlen in die Geschäfte kamen.

Der erste Schlager mit Synthesizer

Mary Roos Ende der 1960er Jahre in einer Fernsehsendung (Foto: imago images, Imago -)
Mary Roos Ende der 1960er-Jahre Imago -

Zu diesem Zeitpunkt stand Mary Roos unmittelbar vor ihrem Durchbruch, der ihr schließlich 1970 gelang. "Arizona Man" - von Giorgio Moroder geschrieben und von Michael Holm produziert - kletterte bis auf Platz 9 in den Hitparaden empor. Mit diesem Titel betrat sie gewissermaßen sogar Neuland, denn erstmalig in der Geschichte des deutschen Schlagers kam hierbei ein Synthesizer zum Einsatz, was bislang unbekannt war und somit für entsprechende Aufmerksamkeit sorgte.

Von nun an ging es in rascher Abfolge von einem Highlight zum nächsten. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ihre Erfolgsstory dauert nunmehr seit mehr als fünf Jahrzehnten fast ohne Unterbrechung an und ein Ende ist nicht in Sicht. "Wahnsinn, was alles geht..."

Besondere Plattencover von Mary Roos

Plattencover Mary Roos (Foto: SWR, Victoria (Coverscan))
Das "Tipfelchen auf dem i" - ein Schunkelwalzer von 1963, der sich auch prima für die 5. Jahreszeit eignete. Victoria (Coverscan)
Plattencover Mary Roos (Foto: SWR, EMI (Coverscan))
1968 kam ihre erste LP in die Geschäfte, die - aus heutiger Sicht - allen Musikinteressierten eine reizvolle Facette der "jungen" Mary Roos eröffnet. Die zwölf Titel setzten sich aus acht Solo-Aufnahmen von Mary Roos, dreien vom Dresdner Mozart-Chor und einer gemeinsamen Aufnahme "Schlafe, mein Kindchen" zusammen. Traditionelle Abend- und Schlaflieder wie "Abend wird es wieder", "Der Mond ist aufgegangen" oder "Über allen Wipfeln ist Ruh’" wechselten sich mit anderen Schlagern ab. EMI (Coverscan)
CD Box Cover Mary Roos Jugendsünden (Foto: SWR, Bear Family (Coverscan) -)
Die 3 CDs umfassende Kopplung „Jugendsünden“ entfällt fast alle ihre Aufnahmen, die zwischen 1958 und 1969 auf den Markt kamen - vollgepackt mit unzähligen Raritäten, die bislang kaum erhältlich waren. Ein wahres Eldorado für alle Sammler und Mary Roos-Fans. Bear Family (Coverscan) -

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