Lena Valaitis (2010) bei Fernsehaufnahmen (Foto: IMAGO, imago images / Christian Schroedter)

Schlagerlegende

Lena Valaitis - "würde alles genauso wieder machen"

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

Seit über 50 Jahren steht sie auf der Bühne, mit "Johnny Blue" schrieb sie Grand Prix-Geschichte und mit "Ein schöner Tag" berührte sie Millionen von Menschen.

Immer noch auf Tour

Das klingt gemütlich, vom Rentnerdasein ist Lena Valaitis aber weit entfernt, So geht sie demnächst mit den Kollegen Peggy March, Ireen Sheer, Graham Bonney und Michael Holm auf Tournee. Außerdem erscheint nach längerer Zeit ein neues Album ("Meine Sprache ist die Musik"), auf dem, neben aktuellen Liedern und der Single-Auskopplung "Frei", auch einige ihrer großen Hits zu hören sind. Von Stress mag sie in dem Zusammenhang nicht reden, immer noch Angebote zu erhalten, wertet sie als "Riesenkompliment des Publikums."

Schlager statt Klassik

Lena Valaitis stammt aus Litauen. Der Vater war als Soldat gefallen, die Mutter floh mit den beiden Kindern in den letzten Kriegstagen nach Deutschland. In Memmingen fand die Familie ein neues Zuhause. Lena besuchte dort die Volksschule, später das Litauische Gymnasium im hessischen Hüttenfeld. Die Mutter ermöglichte ihr Gesangs- und Klavierunterricht bei einem Privatlehrer. Er sah in seiner Schülerin eine zukünftige Altistin, Lena hingegen sah sich immer als Schlagersängerin.

Erst die Zahlen, dann die Noten

Zwei Jahre vor dem Abitur brach sie die Schule ab, ging zur Post nach Frankfurt und arbeitete dort 18 Monate lang in der Buchhaltung. Zu dieser Zeit nahm sie auch an einem Gesangswettbewerb teil, den sie prompt gewann. Lena schloss sich den "Frederik Brothers" an. Als sie mit der Band beim Après-Ski am Arlberg auftrat, wurde sie für die Schallplatte entdeckt.

Hitparade und Schweizer Käse

Durch die Zusammenarbeit mit Jack White kam ihre Karriere in den 1970er Jahren richtig auf Erfolgskurs, er zeichnete für die Hits verantwortlich, mit denen Lena Valaitis Stammgast in der ZDF-Hitparade war. Als "Sternstunde" ihrer Karriere sieht die Künstlerin allerdings ihren Auftritt beim "Grand Prix d’Eurovision de la Chanson" 1981 in Dublin. Mit dem von Ralph Siegel geschriebenen "Johnny Blue" punktete sie bei vielen Ländern. Zum Schluss wertete die Schweiz, allerdings ohne den deutschen Beitrag zu bedenken. Mit lediglich vier Punkten Abstand zum Sieger landete Lena Valaitis auf dem zweiten Platz. Das verleitete sie zu der Äußerung, sie würde nie wieder Schweizer Käse kaufen. Weil ihr das die Eidgenossen übelnahmen, stellte sie später klar, dies sei mit einem Augenzwinkern gemeint gewesen.

"Klimbim" mit Folgen

Horst Jüssen und Lena Valaitis (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa - Dieter Klar)
Horst Jüssen und Lena Valaitis picture alliance / dpa - Dieter Klar

Lena Valaitis war aber nicht nur die Sängerin, sie hatte auch immer wieder Gelegenheit, ihr Talent als Moderatorin und als Schauspielerin mit durchaus komödiantischer Ader zu zeigen. So präsentierte sie 1976 die letzte Ausgabe der legendären Sendung "Musik aus Studio B" mit Gästen wie Daliah Lavi oder Tony Marshall.

"Folgenreich" war ein Jahr später ihr Auftritt in der ARD-Sendung "Klimbim", denn während der Dreharbeiten lernte sie den Schauspieler Horst Jüssen kennen und lieben. 1979 wurde geheiratet und die beiden waren nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Traumpaar. Horst Jüssen schrieb Liedtexte für seine Ehefrau, darunter "Ich spreche alle Sprachen dieser Welt". Bereits ihr Debüt als Komponistin im Jahr 1977 war eine Gemeinschaftsarbeit des Paares, denn für die Lieder "Anelyte" und "Spiel’ mit dem Glück nicht vabanque" verfasste der Gatte die passenden Worte. 1983 kam Sohn Don zur Welt und Lena Valaits zog sich dann Anfang der 1990er-Jahre von der Bühne zurück.

Lena Valaitis mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1982 (Foto: IMAGO, imago images / Horstmüller)
Lena Valaitis mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1982 (von oben links: Trainer Erich Ribbeck, Klaus Fischer, Klaus Allofs, Wilfried Hannes, Hans Peter Briegel, Bundestrainer Jupp Derwall; Mitte: Hansi Müller, Ronald Borchers, Wolfgang Dremmler, Sängerin Lena Valaitis, Manfred Kaltz, Horst Hrubesch, Karl Heinz Rummenigge, Paul Breitner; vorn: Bernd Förster, Karl Heinz Förster, Felix Magath, Torwart Bernd Franke und Harald Toni Schumacher) imago images / Horstmüller

Musik als Therapie

Doch für das Publikum blieb sie unvergessen, ein 2001 gestartetes Comeback glückte, Lena Valaitis konnte an die früheren Erfolge anknüpfen. Alle Planungen waren allerdings im November 2008 passé, als Horst Jüssen an einem Krebsleiden starb. In dieser schweren Zeit fand Lena Valaitis Halt in der Familie und bei guten Freunden, zu denen auch Jack White gehört. Er bot ihr nach Jüssens Tod einen Vertrag an, der sie den Zeitpunkt für die Rückkehr ins Rampenlicht und die Anzahl der Auftritte frei wählen ließ. "Musik hat etwas Therapeutisches und das hat mir sehr geholfen", sagt sie dazu im SWR4 Gespräch.

Zu ihrem 75. Geburtstag

"Einfach verschwinden", das wäre ihr lieber gewesen. Und doch feierte Lena Valaitis im kleinen Kreis mit einem Glas Wein und etwas Kuchen. Denn nur, wenn man das am Geburtstag macht, werde das neue Lebensjahr gut, hat jemand in der Familie gesagt. "Das würde für mich bedeuten, dass alles so schön bleibt, wie es jetzt ist", sagt die Künstlerin zu ihrem 75. Geburtstag (2018) im Interview mit SWR4 und outet sich als Familienmensch.

Stars halten die "4" bei "Immer wieder Sonntags" (Foto: SWR, Foto: Andreas Braun)
Lena Valaitis beehrte "Immer wieder Sonntags" mit ihrem Besuch Foto: Andreas Braun

Die Nähe zu den beiden Söhnen, die Schwiegertochter, die prima kocht und oft zum Essen einlädt, dazu das knapp einjährige Enkelkind, das sie gerne und häufig bespaßt, sind wesentliche Pfeiler ihres Alltags. Der spielt sich mitten in München ab, für die Einkäufe nutze sie den nahen Viktualienmarkt, für die Freizeit sind Theater, Kino und der Park ums Eck. "Mein Auto habe ich meinem ältesten Sohn gegeben, weil ich es kaum benutze", lässt sie uns wissen.

Nichts würde Lena Valaitis anders machen


Gefragt, ob sie rückblickend etwas anders machen würde, kommt die Antwort ganz spontan: "Ich würde alles so wiederholen, mit allen Fehlern und mit allen Erfolgen, denn bei der Bilanz von 50 Bühnenjahren kann ja nicht alles verkehrt gewesen sein."

Steckbrief von Lena Valaitis
geborenbürgerlich Anelė Luise Jüssen, geb. 7. September 1943 in Memel als Anelė Luise Valaitytė
Familiezwei Söhne Marco (geb. 1973, aus erster Ehe), Don (geb. 1983)
Soziales EngagementLena Valaitis unterstützt u. a. die José Carreras-Leukämie-Stiftung
HobbySie hat eine Ader für Antiquitäten und sammelt u. a. Meißner Porzellan

Besondere Plattencover von Lena Valaitis

Lena Valaitis Plattencover (Foto: SWR, Philips (Coverscan))
Am 13. Juli 1970 stand ihre erste Platte in den Geschäften: "Halt’ das Glück für uns fest" - eine Cover-Version des Milva-Titels "Le stagioni dell’amore". Wenig später hatte sie in der ZDF-Drehscheibe ihren ersten Fernseh-Auftritt. Philips (Coverscan)
Plattencover Lena Valaitis (Foto: SWR, Philips (Coverscan) -)
Mit ihrem Produzenten Jack White gelang mit "So wie ein Regenbogen" ein Hit, der bereits vor der Veröffentlichung von der Fachwelt großes Lob erhielt. Weitere erfolgreiche Schlager der Jahre 1973/74 waren "Bonjour mon amour" oder "Wer gibt mir den Himmel zurück". Alle waren auf der gleichnamigen LP zu finden, der als Bonus ein farbiges Lena Valaitis-Riesenposter beigelegt war. Philips (Coverscan) -
Plattencover Lena Valaitis (Foto: SWR, Bellaphon (Coverscan) -)
Apropos Männer - dass diese ’ne verrückte Erfindung sind, stellte sie 1987 augenzwinkernd fest. Den Text zu der flotten Melodie hatte sie selbst geschrieben. Ihren Einstand als Texterin gab sie ein Jahr zuvor mit dem Titel "Mein Schweigen war nur Spiel". Bellaphon (Coverscan) -

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