Frank Sinatra trägt Hut und sein Jackett über der Schulter.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Globe-ZUMA | g49)

Frank Sinatra - Sänger, Ladykiller und Geschäftsmann

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Vom Zeitungsjungen zur amerikanischen Institution. Mit Songs wie "Strangers in the night" oder "My way" wurde er berühmt und als "The Voice" ging er in die Musikgeschichte ein.

Von Bing Crosby war er sehr beeindruckt und Frank Sinatra entschloss sich früh, ein ebenso erfolgreicher Sänger zu werden wie er. Der Einstieg gelang mit den "Hoboken Four", dann verpflichtete ihn der renommierte Bandleader Harry James. Doch schon bald wechselte Sinatra zu Tommy Dorsey, weil der ihn besser bezahlte. Bis Ende 1942 trat er höchst erfolgreich zusammen mit dem Orchester auf, dann wurde der Vertrag gelöst. Zwischenzeitlich galt Sinatra als eine eigenständige Größe im Showbiz. Mehr noch: er war zum Superstar geworden, zum ersten Teenager-Idol.

Plattencover von Frank Sinatra (Foto: SWR, CBS (Coverscan))
Seine Anfänge als Solist wurden auf diesem Doppel-Album festgehalten: Aufnahmen der Jahre 1943 bis 1951, die im Original auf zerbrechlichen Schellack-Platten herauskamen. CBS (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Für ein Jahrzehnt lang zählte Frank Sinatra zu den Superstars Amerikas, dann begann sein Stern zu sinken. Sein Comeback gelang 1953 mit dem Film "Verdammt in alle Ewigkeit". Das Titellied sang er auf Schallplatte und das Trompetensignal aus dem Film wurde weltberühmt. Hier ein Szenenfoto: der Hauptdarsteller Montgomery Clift spielte Trompete und Frank Sinatra beobachtete ihn dabei. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Hallo, Frankie" hieß es im Frühjahr 1953 auch bei seiner neuen Plattenfirma "Capitol Records", wo er für die nächsten acht Jahre unter Vertrag stand. Mit Hilfe von exzellenten Arrangeuren wie Billy May, Gordon Jenkins oder Nelson Riddle gelangen eine ganze Reihe von Hits, darunter "Young at heart" (1954) oder "Learnin‘ the blues" (1955). Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"In the wee small hours" von 1955 war eines der ersten Konzept-Alben überhaupt und nutzte die technische Weiterentwicklung der Langspielplatte: bisher war sie in einem kleineren Format (Durchmesser: 25 cm) auf dem Markt etabliert. Nun konnte sie mit einer neuen Größe (Durchmesser: 30 cm) und somit längerer Spieldauer aufwarten. Es war das erste Sinatra-Album mit insgesamt 16 Titeln. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Theaterstück "Our town" von Thornton Wilder wurde 1938 in den USA uraufgeführt und 1955 für das Fernsehen verfilmt. In dieser Produktion übernahm Frank Sinatra zwei Funktionen: er agierte als Erzähler und Sänger. Bis heute daraus populär ist "Love and marriage", das Jahre später in der US-Sitcom-Serie "Eine schrecklich nette Familie" als Titelsong nochmals Verwendung fand. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"High Society" kam 1956 in die Kinos und zeigte Grace Kelly in ihrer letzten Rolle, bevor sie heiratete und "Fürstin Gracia Patricia von Monaco" wurde. In den weiteren Hauptrollen sah man Bing Crosby und Frank Sinatra. Der Film wurde ein Kassenerfolg und zweimal für den "Oscar" nominiert. Die von Cole Porter geschriebene Musik genießt Evergreen-Status. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Frank Sinatra sings for only the lonely" war nach Aussage des Künstlers sein Lieblingsalbum und gilt als Meilenstein. Als es im Herbst 1958 auf den Markt kam, belegte es kurze Zeit später den Spitzenplatz der Hitparade. Es wurde mit einem Grammy für das "beste Album-Cover" des Jahres ausgezeichnet. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1957 arbeitete Frank Sinatra erstmals mit Billy May zusammen. Daraus entstand eine Art Trilogie: "Come fly with me" (1958)… Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
…"Come swing with me" (1961) und "Come dance with me" (1959), das zu den erfolgreichsten Sinatra-Alben zählt. Die Platte wurde über zweieinhalb Jahre in den Billboard Charts notiert und 1960 mehrfach mit dem Grammy ausgezeichnet. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1961 verließ er "Capitol Records", um seine eigene Plattenfirma "Reprise Records" zu gründen. Er nahm Bing Crosby, Dean Martin und Sammy Davis jr. unter Vertrag und sein persönlicher Einstand auf dem eigenen Label war das Album "Ring-A-Ding-Ding". Ein weiteres Mal handelte es sich um ein Konzept-Album, diesmal mit der Vorgabe "ohne Balladen" und beinhaltete ausnahmslos flotte Swing-Nummern. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Bereits 1963 hatte Frank Sinatra ein Album mit dem Orchester Count Basie ("Sinatra-Basie") eingespielt. Ein Jahr später folgte "It might as well be swing". Es war die erste Studio-Produktion zusammen mit Quincy Jones, der die Titel arrangierte und das Orchester dirigierte. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Sleep warm" erschien erstmals 1959 und war ein Konzept-Album von Dean Martin, bei dem alle Lieder das Thema "Schlaf" bzw."Träume" zum Inhalt hatten. Bemerkenswert war, dass Frank Sinatra hier als Orchesterleiter mitwirkte. Bei den Wiederveröffentlichungen des Albums im Jahr 1965 bzw. 1973 kam dies im Titel zum Ausdruck: "Dean Martin sings! Frank Sinatra conducts!". Pickwick Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag kam die Produktion "September of my years" auf den Markt, die 1966 als "Album des Jahres" mit einem Grammy prämiert wurde. Bei der Aufnahme des Titels "It was a very good year" waren Kameras anwesend, welche die Studioarbeit filmten. Das bearbeitete Resultat wurde in einer Sondersendung anlässlich seines runden Geburtstags im Fernsehen gezeigt. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Was Frank Sinatra bis dato fehlte, war ein Millionenhit, eine goldene Schallplatte. So bekam sein Produzent Jimmy Bowen den Auftrag, Material zu beschaffen, mit dem sich schnell ein hoher Absatz erzielen lässt. Das Ergebnis war "Strangers in the night" von Bert Kämpfert: der Titel verhalf ihm zu seiner ersten "goldenen Schallplatte" und zu seinem ersten Nummer 1-Hit seit elf Jahren. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Es blieb nicht bei dieser einen Komposition aus der Feder von Bert Kaempfert, die Sinatra Erfolg bescherte: wenig später folgte "The world we knew". Sein Produzent Jimmy Bowen nahm den Song als Aufhänger für eine komplette LP, die auch das überaus erfolgreiche Vater/Tochter-Duett "Somethin‘ stupid" beinhaltete. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"My way" stammt im Original aus Frankreich ("Comme d’habitude") und war dort mit dem Sänger Claude Francois, der auch als Co-Autor daran mitwirkte, recht erfolgreich. Paul Anka lernte das Lied während eines Frankreich-Besuches kennen, schrieb dazu einen englischen Text und bot den Song Frank Sinatra an. Der Titel wurde zu seinem Markenzeichen, obwohl er ihn nicht ertragen konnte und ihn verabscheute. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Das Album "A man alone" hatte der Songwriter Rod McKuen 1969 speziell für Frank Sinatra geschrieben. Ein Rezensent bezeichnete die Songs als lyrisch leichte und musikalisch substanzlose Kompositionen, die das Ziel, den Sänger zu würdigen, verfehlten. Nur der überzeugenden Darbietung von Frank Sinatra und den ausgefeilten Arrangements von Don Costa sei es zu verdanken, dass die Produktion nicht gänzlich missglückte. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
1970 gab er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt. Schon kurz nach seinen Abschieds-Galaveranstaltungen im Sommer 1971 stand im "Spiegel" zu lesen: "Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, ob Sinatra den Abgang ernst gemeint hat, wohl nicht einmal er selbst." Im Oktober 1973 verkündete eine LP "Ol‘ Blue Eyes is back". Einer der neuen Songs hieß "Let me try again" - es wurde eine triumphale Rückkehr. Universal (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer sechsjährigen Plattenpause brachte er 1980 "Trilogy" auf den Markt. Die Produktion bestand aus drei Langspielplatten, die thematisch in "Past - Present - Future" gegliedert waren. Das Thema zum Film "New York, New York", das ursprünglich von Liza Minelli gesungen wurde, kam als Single-Auskopplung in die Geschäfte und wird seither eng mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Reprise (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Zwanzig Jahre gingen ins Land, bis Frank Sinatra wieder mit Quincy Jones zusammenarbeitete: "L. A. is my lady" war auch gleichzeitig sein letztes Studio-Album als Solist. Die Aufnahmesitzungen wurden gefilmt und als "Portrait of an album" veröffentlicht. Die Dokumentation zeigte u. a. das erste Zusammentreffen zwischen Frank Sinatra und Michael Jackson. Universal (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Projekt-Idee "Duets" entstand bereits 1992: Barbra Streisand, Luther Vandross oder Charles Aznavour waren u. a. daran beteiligt. Für die Aufnahmen ging Frank Sinatra nach über dreißig Jahren erstmals wieder in die Studios von Capitol Records. Die Produktion stellte einen großen kommerziellen Erfolg dar: es war das einzige Sinatra-Album, das dreifach mit Platin ausgezeichnet wurde. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Frank Sinatra während eines Konzertes zu erleben ist eine Erfahrung. Die Zuschauer wussten, dass sie etwas Besonderes zu sehen bekamen" sagte sein langjähriger Pianist Bill Miller. Zu Sinatras 80. Geburtstag erschien eine CD mit Konzertausschnitten aus den Jahren 1987/88:"Die schöne Musik auf diesem Album ist meiner Frau Barbara gewidmet, der Liebe meines Lebens" schrieb er im Begleittext. Capitol Records (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Tumulte bei Sinatra-Auftritt

Der US-Entertainer Jack Benny schilderte einen Auftritt von Frank Sinatra im "Paramount Theatre" in New York:

"Ich dachte, das gottverdammte Gebäude würde einstürzen. Ich hatte noch nie solch eine Aufregung erlebt. Und das alles wegen einem Typen, von dem ich noch nie gehört hatte."

Als Sinatra im Oktober 1944 erneut dort auftrat, verursachten 35.000 Fans außerhalb des Veranstaltungsortes einen Aufruhr, weil sie nicht mehr eingelassen werden konnten. Zu dieser Zeit zählten die Vereinigten Staaten 2.000 Sinatra-Fan-Clubs mit rund 40 Millionen Mitgliedern.

Der "Ladykiller" stürzt ab

Anfang der 1950er Jahre fand die Glückssträhne ihr Ende. Sinatras Lebenswandel blieb seinen Fans nicht verborgen. Sein Ruf als Ladykiller, die Trennung von seiner ersten Frau Nancy Barbato, die Ehe mit der Schauspielerin Ava Gardner und lebensfrohe Nächte sorgten für Schlagzeilen und bei Frank Sinatra für gesundheitliche Probleme. Nervenzusammenbrüche und das Versagen der Stimme waren die Quittung. Hinzu kam, dass sich der Publikumsgeschmack gewandelt hatte und seine Platten wie Blei in den Regalen lagen.

Comeback mit "Verdammt in alle Ewigkeit"

Frank Sinatra (Foto: imago images, Imago -)
Frank Sinatra mit seiner Frau, der Schauspielerin Mia Farrow. Imago -

Der Film "Verdammt in alle Ewigkeit" verhalf ihm 1953 zu einem fulminanten Comeback und auch die Schallplattenerfolge kamen zurück. Capitol Records nahm ihn unter Vertrag und schon die erste Platte "Young at heart" wurde ein Bombenerfolg. Sein unerschöpfliches Repertoire an Talenten war wieder gefragt. In diesem Zusammenhang überraschte manche, dass er erstaunliche Kenntnisse im Bereich der klassischen Musik vorweisen konnte. Peter Tschaikowsky zählte zu seinen Lieblingskomponisten.

Frank Sinatra war ein cleverer Geschäftsmann

Frank Sinatra mit Ronald und Nancy Reagan (Foto: imago images, Imago/Fotograf XY -)
Frank Sinatra mit Ronald und Nancy Reagan Imago/Fotograf XY -

In den 1960er Jahren wurde Frank Sinatra zum Entertainer schlechthin: Er war in zahlreichen TV-Specials zu sehen, absolvierte Tourneen rund um die Welt und spielte in unzähligen Filmen mit, die er zum Teil selbst produzierte bzw. in denen er Regie führte. Als Showman trat er bereits seit den frühen 1950er Jahren in Las Vegas auf und die Vorstellungen zusammen mit Dean Martin und Sammy Davis jr. als "Rat Pack" wurde legendär. Er war ein cleverer Musikaktivist, der Unsummen verdiente und in Hotels, Spielkasinos und Rennbahnen investierte. Aber er wusste auch zu geben: Von Anfang an unterstützte er wohltätige Zwecke und zeigte ein hohes soziales Engagement, wofür er eine Vielzahl von Auszeichnungen erhielt.

Eine Größe des Jazz verlässt die Bühne

Edition Frank Sinatra (Foto: SWR, SWR - Foto: Werner Volmari)
Echt-Leder-Köfferchen mit Frank Sinatra-Werken SWR - Foto: Werner Volmari

Anlässlich seines 80. Geburtstags stand Frank Sinatra letztmalig auf der Bühne. "The final curtain" fiel für ihn am 14. Mai 1998 im Alter von 83 Jahren. Er, der niemals Gesangsunterricht genommen hatte und auch Noten nur in Ansätzen lesen konnte, hat die Geschichte der Popmusik nachhaltig geprägt. Um es in Anlehnung an seinen von Paul Anka getexteten Welthit zu sagen: He did it his way.

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