Pop-Legende

Dieter Bohlen - Die schweren Anfänge des Pop-Titans

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AUTOR/IN
Hans-Jürgen Finger

Was er anpackt, wird zum Hit. Seine musikalische Spürnase entdeckte unter Abertausenden von mehr oder weniger Talentierten den deutschen Superstar von morgen. Doch Dieter Bohlen, der Pop-Titan von heute, hat auch mal bescheiden angefangen. Und das sogar unter einigen Pseudonymen.

Die Plattenkarriere von Dieter Bohlen begann bereits 1978 und zwar mit damals zeitgemäßen deutschen Schlagerrhythmen. Zusammen mit Holger Garbode bildete er die Formation "Monza", die (laut Plattenfirma) zu diesem Zeitpunkt bereits schon seit Jahren als einer der erfolgreichsten Live-Acts im norddeutschen Raum galt. Dem Debüt "Hallo Taxi Nummer 10" waren allerdings wenig Fahrgäste vergönnt.

Dieter Bohlen steht auf der Bühne (Foto: IMAGO, Imago)
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Bald folgte die Veröffentlichung "Heiße Nächte in der City". Als Vorlage dazu diente der US-Top-Hit "Hot child in the city" der seinem Sänger und Komponisten Nick Gilder in Amerika nicht nur Platz eins der Hitparaden sondern auch Platin bescherte. Dieter Bohlen übertrug den Titel ins Deutsche und hoffte vergebens auf einen auch nur annähernden Erfolg. Damit war das Ende (auf Vinyl) für das offenbar bis dato erfolgsgewohnte Duo besiegelt und verschwand auf Nimmerwiederhören.  

Steve Benson alias Dieter Bohlen

Erste solistische Aufnahmen kamen 1980 auf den Markt. Diesmal in englischer Sprache und unter einem neuen Pseudonym: Steve Benson veröffentlichte im Wonnemonat Mai seine Vinyl-Premiere "Don't throw my love away". Die Plattenfirma erklärte dem interessierten Käufer auf der Cover-Rückseite, dass Steve Benson sich als Komponist für Bernhard Brink und "The Teens" bereits einen Namen gemacht habe - damit kein Neuling war - und der blonde Komponist und Produzent auch singen könne.

Eine alte Single von Dieter Bohlen. Damals war er noch unter dem Pseudonym Steve Benson bekannt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Carmen Jaspersen)
picture alliance / dpa | Carmen Jaspersen

Bis die nächste Single erschien, verging fast ein Jahr. Im April 1981 kam "Love takes time" heraus. Die übliche Plattenfirma-Prosa begann mit dem einleitenden Worten "ob Erfolg oder Liebe - alles braucht seine Zeit". Wie wahr, denn das Erstlingswerk hatte keine Hitparade von innen gesehen. Trotz aller Preisungen als Allround-Talent, welches zeigt, dass er nicht nur als Komponist beziehungsweise Produzent, sondern auch als Interpret Erfolgspotential hat, floppte Single Nummer zwei ebenso.

Der Sänger Dieter Bohlen war Teil der Band Modern Talking. (Foto: IMAGO, IMAGO / Sven Simon)
IMAGO / Sven Simon

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Zum Jahreswechsel 1981/82 erschien
"(You're a devil with) Angel Blue Eyes". Erneut bewarb das Label mit den wärmsten Empfehlungen diese Single und stellte fest, dass diese gut tanzbare Musik alle Voraussetzungen für einen Hit mitbringen würde. Dennoch reichte es nicht aus, daraus einen Meilenstein in der Popgeschichte zu machen. Das Ende vom Lied (im wahrsten Sinne des Wortes): das Gesangs-Projekt "Steve Benson" wurde nach der dritten Veröffentlichung eingestellt.

Alle Tage ist kein "Sunday" für Dieter Bohlen

Parallel zur international angestrebten Gesangskarriere versuchte es Dieter Bohlen kurzzeitig auch wieder mit deutschem Zungenschlag. Bereits 1976 wurde das Berliner Vokalensemble "Sunday" vom Produzenten Peter Wagner (langjähriger Produzent u. a. von Udo Jürgens oder Roland Kaiser) gegründet. Dieses hatte eine wechselvolle Geschichte, da sich die Besetzung in relativ kurzer Zeit mehrmals änderte. Das einzige Mitglied, welches in den fünf Jahren der Gruppen-Existenz von Anfang bis Ende dabeiblieb, war Silvia Gehrke, die selbst als Komponistin und Textdichterin sich einen Namen gemacht hatte. Beispiele finden sich im Repertoire von Roland Kaiser, Tom Astor, Roger Whittaker oder den Wildecker Herzbuben.

Dieter Bohlen steht mit seiner Band auf der Bühne und spielt Gitarre. (Foto: IMAGO, Imago)
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1981 fand sich neben Silvia Gehrke und Doris de Vries, der Ex-Leadsängerin der DDR-Gruppe "Wir", auch Steve Benson auf der Besetzungsliste von "Sunday". Mit der Feststellung "Alle Tage ist kein Sonntag, aber Sunday kann man jeden Tag haben" brachte die Plattenfirma den Titel "Jung und frei" heraus. Die beiden niederländischen Erfolgskomponisten "Janschen en Janschens" (aus deren Hitwerkstatt auch beispielsweise "You're the greatest lover" mit dem Mädchentrio "Luv'" stammt), ein Pseudonym von Hans van Hemert und Piet Souer, schrieben die flotte, frische Sommernummer, die aber auch nicht zum großen Wurf werden sollte. Auf der B-Seite zeichnete Steve Benson als Komponist verantwortlich, kreierte mit "Heut' hält mich nichts zu Haus" jedoch keinen Evergreen.

Der Erfolg kam für Ricky King

Noch kurzlebiger war seine Aktivität als René d'Angelo. 1980 kam die Instrumentalsingle "Rainbow to paradise" heraus. Als Komponist ist Dieter Bohlen vermerkt, der sich unter dem genannten klangvollen Pseudonym auch - einmalig - als Solist am Klavier präsentierte. Tony Holiday hatte 1982 einen Text zu der Melodie geschrieben und ging mit "Die selben Sterne leuchten auch für Dich" an den Start. Produziert wurde diese Vokalfassung von Dieter Bohlen, die immerhin für sechs Wochen in den Top 50 der Airplay-Charts notiert war und sich bis Platz 21 "hochspielte". 1988 wurde "Rainbow to paradise" erneut aufgelegt und zwar als Musik zu dem ZDF-Film "Spätes Glück nicht ausgeschlossen" (unter anderem mit Inge Meysel und Carl-Heinz Schroth), hier gespielt von dem italienischen Pianisten Gino Castelli und Anthony Ventura's Orchester.

Das Popduo Modern Talking - Thomas Anders und Dieter Bohlen. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa/dpaweb | Wulf Pfeiffer)
Thomas Anders, Dieter Bohlen picture-alliance/ dpa/dpaweb | Wulf Pfeiffer

So steinig wie die Karriere von Dieter Bohlen begann, so kometenhaft sollte sie bald auf eine überaus erfolgreiche Bahn gelangen. Der Grundstein hierfür war in der Zusammenarbeit mit Thomas Anders bereits gelegt, für den Dieter Bohlen Anfang der 1980er Jahre eine Handvoll deutschsprachiger Singles geschrieben hatte. Mit deren beider Formierung zum Duo "Modern Talking" sollte sich dann sehr bald der weltweite Erfolg einstellen. Der Rest ist Geschichte.

Besondere Plattencover von Dieter Bohlen

Dieter Bohlen Plattencover (Foto: CBS (Coverscan))
"Hallo Taxi Nr. 10" - schon zu Beginn im Jahr 1978 wusste Dieter Bohlen, dass es sich zu zweien besser singt und firmierte als Duo "Monza". CBS (Coverscan)
Dieter Bohlen Plattencover (Foto: Hansa (Coverscan))
Sein Debüt als Solokünstler - Steve Benson alias Dieter Bohlen. Hansa (Coverscan)
Dieter Bohlen Plattencover (Foto: Sony Music (Coverscan))
Die ersten Singles von Dieter Bohlen unter den verschiedensten Pseudonymen sind heute gesuchte Raritäten. Eine Freude für die Fans war die Initiative der Plattenindustrie, diese auf einer CD zu bündeln, welche jedoch mittlerweile vergriffen ist. Sony Music (Coverscan)

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SWR4 Team Hans-Jürgen Finger

Hans-Jürgen Finger

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