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Ein Karnevalslied als Nationalhymne? So eine Verrücktheit kann es doch nur zu den tollen Tagen geben, oder? Weit gefehlt! Hinter heiterem Schunkeln und eingängigem Refrain verbirgt sich ab und an ein tieferer Sinn, wie uns die Schlagergeschichte lehrt.

Plattencover von Karnevalshits (Foto: SWR, Polydor (Coverscan) -)
"Lass' die Puppen tanzen" - dieses Motto machten sich James Last und sein Sohn Ron zu Eigen und schrieben gemeinsam diesen Titel als Opener zur gleichnamigen LP, auf der sich Stimmungshit an Stimmungshit reihte: "Du darfst mich lieben für drei tolle Tage", "Du kannst nicht treu sein", "Wir kommen alle in den Himmel" oder auch der "Ententanz". Beim Auflegen dieser Scheibe, damals (1982) wie heute, ist Partystimmung garantiert! Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Tony Marshall präsentierte "Hits, die Stimmung machen", von denen es in der langen Discographie des studierten Opernsängers wahrlich viel Auswahl hat. Von der "Schönen Maid" über "Ich fang' für Euch den Sonnenschein" bis hin zu "Ach, lass' mich doch in Deinem Wald der Oberförster sein" sind sie hier alle versammelt - nonstop. Lebensfreude, Vitalität, Frohsinn und Humor auf zwei LP-Seiten - Tony, Tony, noch einmal! Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Charly Niessen schrieb für sie "Am Rosenmontag bin ich geboren, in Mainz am Rhein". In Interviews dementierte Margit Sponheimer dies immer wieder: "Ich bin gebürtige Frankfurterin und ein Sonntagskind." "'s Margitsche" startete ihre Karriere Mitte der 1960er Jahre, Hits wie "Gell, Du hast mich gelle gern" oder "Schorsch, ach Schorsch" machten sie zur Ikone der Mainzer Fastnacht. Beim Karnevalslieder-Wettbewerb "Schlagerkonfetti '71" war sie mit "Zupft Euch mal am Öhrchen" dabei. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 1952 hatte Ernst Neger mit "Heile Heile Gänsje" seinen Durchbruch. Der singende Dachdeckermeister begegnete zwei Jahre später dem blinden Komponisten und Texter Toni Hämmerle. Die Zusammenarbeit brachte eine Fülle an Stimmungshits hervor. Der populärste Wurf war der Marschfox "Das Humbta-Tätärä", dessen Uraufführung 1964 im Fernsehen unter den Narren solche Begeisterungsstürme auslöste, dass die Live-Übertragung deswegen um eine ganze Stunde überzogen wurde. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Jupp Schmitz war prägend für den Kölner Karneval. Seine Lieder zählen zum Allgemeingut und werden bis heute immer noch gesungen. Über vier Jahrzehnte lang hat er Generationen mit seinen ver'schmitz'ten Kompositionen erfreut. 1994 wurde auf dem nach ihm benannten Jupp Schmitz-Platz in der Kölner Innenstadt ein Denkmal enthüllt. EMI Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
In zahlreichen Unterhaltungssendungen des Deutschen Fernsehens war der Schauspieler, Kabarettist und Sänger Ernst H. Hilbich zu Gast. Dazu zählten auch viele Veranstaltungen im Rahmen des Kölner Karneval, bei denen er häufig zusammen mit seiner Frau Lotti Krekel auftrat. Es war Kult, wenn er, immer zur Karnevals-Zeit, in der Show "Zum Blauen Bock" auftrat und "Heut' ist Karneval in Knieritz an der Knatter" schmetterte. Teldec (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Ein Hit, der nie eine offizielle Verkaufs-Hitparade von innen gesehen hat: die französische Sängerin Séverine trat mit dem von Hans Blum komponierten Stimmungs-Hit "Jetzt geht die Party erst richtig los" beim "Deutschen Schlager-Wettbewerb 1973" auf. Obwohl sie damit damals nur auf dem 6. Platz landete, entwickelte sich die Nummer zum Evergreen und Dauerbrenner auf Schlager-Feten. Hansa (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Hans Marquardt, Benno Pohlmann, Harald Wolff und Jürgen von der Lippe knackten als "Gebrüder Blattschuss" 1978 die Hitparade und kletterten mit den "Kreuzberger Nächten" bis auf Platz 2. Dass nicht nur in Berlin sondern auch im Schwabenland mitunter die Nächte zum Tag werden, stellte die schwäbische Sängerin Brigitte Hennrich ein Jahr später fest: "Stuttgarter Nächte sind lang". Hansa (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Jetzt geht es los mit ganz großen Schritten" - im norddeutschen Akzent lud Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals zur Polonäse Blankenese ein. Neun Wochen lang thronte das Stimmungslied auf Platz 1 der deutschen Charts. Rund eine Viertelmillion Exemplare der Single fanden neue Besitzer. 1982 führte Wendehals eine aus 250.000 Menschen bestehende Party-Polonäse an, die nicht nur rund um die Binnenalster in Hamburg führte, sondern auch zu einem Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde". Teldec (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Klingelingeling, hier kommt der Eiermann! Hätten Sie es gewusst? Die Erfolgsnummer von Klaus & Klaus gab es auch in einer "Oridschinel inglisch Wörschen": "Ringedingeding, Willies from Germany - Girls go crazy sittin' on a German knee…". Vom Eierlieferanten… Teldec (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… zum Pizzaboten: die Höhner kredenzten 1987 eine kölsch-italienische "Pizza wundaba". Frische Zutaten gab es in jenen Tagen auch in der Besetzung der Gruppe: Henning Krautmacher trat an die Stelle des bisherigen Frontmannes Peter Horn. EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Wir bleiben beim Thema: "Pizza Hut" war ein Titel der "Rabaue", den DJ Ötzi als "Burger Dance" äußerst erfolgreich im Jahr 2003 coverte. Bereits bei ihrer Gründung - zwei Jahre zuvor - konnten die fünf "Raufbolde" - so die Übersetzung des niederrheinischen Begriffs - mit "Auf die Stühle, fertig, los" ihren ersten Erfolg verbuchen. 2005 gelang der Band aus Grevenbroich mit dem Stimmungslied "Ich möcht' so gern mit Dir allein auf einer kleinen Insel sein" ein absoluter Ohrwurm. Pavement (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
"Sie war das schönste Girl am Strand von Neheim-Hüsten, alo-ahe, alo-ahe, sogar der Mond verschwand, wenn wir uns zärtlich küssten, alo-ahe, alo-ahe…" Rund vierzig Jahre lang gehörte das Eilemann-Trio fest zum Kölner Karneval. 1974 transportierten sie einen Hauch Hawaii in das Städtchen im Hochsauerland, das heute zu Arnsberg gehört. Viele Jahre später inspirierte dieser Song die Geschäftsleute dazu, in der Ferienzeit inmitten der Stadt einen Strand einzurichten. Nach einem "lecker" Mädchen… Electrola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… kommen wir zu einem feschen Herr'n: "Anton aus Tirol" verhalf DJ Ötzi hierzulande zu seinem großen Durchbruch. Die Nummer schallte schon monatelang durch alle Bars, Kneipen und Diskotheken, bevor die Aprés-Ski-Saison das Ihrige dazu beisteuerte und zum Jahrtausendwechsel den Titel in die Hitparaden katapultierte - in Österreich und Deutschland sogar Platz 1. Von Anton… EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… zu Adelheid, die durch den Stimmungsschlager von Christian Bruhn Popularität erlangte. Im Sommer 1962 nahm der Engländer Billy Sanders den Gartenzwerg-Marsch auf. Bei der Veröffentlichung hatte die Plattenfirma die Karnevalisten als Zielgruppe im Visier. Die Rechnung ging auf: "Adelheid, Adelheid, schenk' mir einen Gartenzwerg" wurde ein Verkaufserfolg und von den Jacob-Sisters gecovert. Ganz in Vergessenheit geriet, dass Billy Sanders bereits in den 1950er Jahren deutschen Rock'n'Roll sang. Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Von der Gartenzwerg-Zipfelmütze zum Markenzeichen von Markus Becker, dem "roten Cowboyhut". Édith Piaf hätte es sich wohl nicht vorstellen können, dass ihr "Milord" Jahrzehnte später Vorlage für einen Stimmungshit wird. Die "Mallorca-Cowboys", zwei Disc-Jockeys aus Mülheim an der Ruhr, brachten "Das rote Pferd" im Original heraus, Markus Becker schlug vor, den Titel als gemeinsames Projekt nochmals herauszubringen. Der Rest ist Geschichte: das rote Pferd galoppierte 2007 in die Single-Charts. EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Noch ein Klassiker: "Mer losse d'r Dom en Kölle" entwickelte sich zu einer der größten Karnevals-Hymnen. De Bläck Fööss hatten damit 1973 ihren ersten großen Hit. Jahrelang verwendeten sie es beim Einzug in die Karnevalssitzungen. Polydor (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Chronisten berichteten 1957, dass der Schauspieler Yul Brynner den Karnevalsschlager "Plätekopp" gerichtlich verbieten ließ. Offensichtlich fühlte sich der glatzköpfige Mime persönlich getroffen. Solche Maßnahmen brauchen "De Räuber" nicht zu befürchten, denn deren Feststellung "Da wa ja ma Ha da" (Da war ja mal Haar da) nimmt heute keiner mehr krumm. Die Herren brachten es auf den Punkt: "Männer mit Glatze sind einfach top, och ohne Hoore om Kopp". Das Fazit "es gibt ein Leben ohne Fön"… Pavement (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
… trifft auf Tim Toupet keinesfalls zu. Wenn er grade mal nicht in der Partywelt auf Mallorca Verpflichtungen hat, greift der singende Friseurmeister im eigenen Salon zur Schere. Mit "Du hast die Haare schön" gelang ihm 2005 erstmals der Sprung in die Hitparaden. Seinen bisher größten Hit konnte er 2009 verbuchen: "Heut' ist so ein schöner Tag…" EMI (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen
Die ultimative Partyscheibe: 1988 war es die "Super-Stimmungs-Hitparade" mit Mike Krüger, Frank Zander, Stephan Remmler und vielen anderen mehr. Und für alle Tanzbegeisterten präsentierten "Die Paradiesvögel" nonstop die Hits von früher. Von "Die kleine Kneipe" bis "Steig' in das Traumboot der Liebe" oder von "Eviva Espana" bis zu "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei". Ariola (Coverscan) - Bild in Detailansicht öffnen

Deutschland lag in Trümmern, die Menschen hatten kaum das Notwendigste zum Leben. 1948 änderte sich vieles von einem Tag auf den anderen. Schaufenster, die am Vortag nichts außer gähnender Leere präsentierten, zeigten Waren in Hülle und Fülle. Dieses Wunder hatte einen Namen: Währungsreform! Der Kölner Komponist Jupp Schmitz und der Textdichter Kurt Feltz griffen dieses Ereignis auf und erdachten einen Schlager, der in der Karnevalssaison 1949/50 zum beliebtesten Gassenhauer wurde: "Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke Pinke, wer hat so viel Geld?".

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Wer hat so viel Pinke Pinke?

Mit diesem Schunkellied trafen die beiden Autoren den Nerv der Zeit. Die humorvolle Geschichte über die Ehefrau, die ihren Mann nach dem Stammtischbesuch zuhause mit allerlei Neuerwerbungen in punkto Wäsche, Schuhe und Strümpfe überraschte, spiegelte die Auswirkungen der Währungsreform wieder. In Anbetracht des nur spärlich zur Verfügung stehenden Taschengeldes war das Entsetzen des Göttergatten mehr als verständlich. Trotz allseits klammer Kassen kurbelte der Ohrwurm die Umsätze an. Für vier Mark (neue D-Mark!) war die Platte damals zu haben. Auch wenn der Ursprung weit zurückliegt, blieb die bange Frage immer aktuell. Das Lied überdauerte alle musikalischen Moden und wird heute noch gesungen - die Titelzeile wurde zum geflügelten Wort.

Das Beste vom "Karneval anno dazumal"

Plattencover Karneval anno dazumal (Foto: SWR, Electrola (Coverscan) )
"Wir machen durch bis morgen früh und singen Bums Valdera" feierte 1948 seine Premiere und zählt heute zu den Dauerbrennern dieses Genres. Auf der hier gezeigten Langspielplatte, die Ende der 1950er Jahre auf den Markt kam, sang Werner Preuss den eingängigen Text. Stimmung und Frohsinn verbreiteten zudem Willi Hofmann und Horst Muys. Im Angebot waren Klassiker wie "Kornblumenblau", "Du kannst nicht treu sein" oder "Einmal am Rhein". Letzteres stammte aus der Feder des Komponisten und Sängers... Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
... Willi Ostermann, einem Urgestein des Kölner Karnevals. 1907 gelang ihm der Durchbruch mit "Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt." Er sang sich in die Herzen des Publikums und jedes Jahr zum Karneval wartete Köln mit Spannung auf einen "neuen Ostermann". Sein Leben gehörte dem Frohgesang und kurz vor seinem Tod im Jahr 1936 - er wurde nur 60 Jahre alt - verfasste er sein wohl berühmtestes Lied "Heimweh nach Köln" mit dem wehmütigen Text "Ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn". Odeon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Die Lieder von Karl Berbuer werden heute noch gesungen. Zu den bekanntesten zählen "Heidewitzka, Herr Kapitän", "Das kannst Du nicht ahnen" und der "Trizonesien-Song". Als in den 1950er Jahren der Camping-Urlaub in Mode kam, nahm er diesen ebenso auf die Schippe und sang "Do laachst do Dich kapott, dat nennt mer Cämping". Seit 1924 hatte sich Berbuer aktiv am Kölner Karneval beteiligt. Electrola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Willy Schneider sollte zunächst Metzger werden. Nebenbei ließ er seine Stimme ausbilden und sang im Kirchenchor. 1936 erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und bald wurde er mit seinen Liedern im Volkston, die meist vom Rhein, dem Wein oder dem Karneval handeln, berühmt: "Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär'" war sein Hit des Jahres 1950. Dieser darf bei dieser Sammlung, auf der er "Stimmung vom Faß" präsentiert, nicht fehlen. Rein ins Vergnügen! Telefunken (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Drei tolle Tage" - diese Produktion mit buntem Covermotiv aus der Saison 1957/58 teilten sich Trude Herr und Kurt Adolf Thelen. U. a. befassten sich die Narren dabei mit einem hochaktuellen Thema: Die ganze Welt brach in Erstaunen aus, als 1957 "Sputnik 1", der erste künstliche Erdsatellit, ins All geschossen wurde. So schunkelte man "Schwör' mir nicht Treue beim Mondenschein, der Mond, der könnt‘ ein Sputnik sein." Kuriosum am Rande: Die Orchester leiteten die Herren A.-Laaf und H.-E.-Lau. Philips (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Hier ist was los"! Willy Millowitsch und die Mainzer Hofsänger präsentierten "Jubel, Trubel, Heiterkeit" und brachten mit Gassenhauern wie "Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen", "Hätten wir lieber das Geld vergraben" oder "Ich hab' den Vater Rhein in seinem Bett gesehen" Hochstimmung in alle Räume. Rechtzeitig zur Karnevalssaison 1963 kam die Platte in die Läden. Polydor (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Toni Steingass, Kölner von Geburt und Passion, gründete 1946 das "Steingass-Terzett" und war bald von karnevalistischen Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Im Laufe seiner langjährigen Karriere schrieb er über 400 Lieder und viele davon sind Evergreens geworden: "Hurra, Hurra, der liebe Jung' ist wieder da", der "Leckerchen-Walzer" und allen voran der Schunkelwalzer "Der schönste Platz ist immer an der Theke", der ihm 1951 einfiel. Hier kommen noch einige... Odeon (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
... fröhliche Herren: "Der flotte Franz und seine Bierbrummer" sorgte mit Stimmungs-Potpourris für volle Kassen. "So leben wir" oder "Wenn das so weitergeht" standen 1961 hoch in den Hitparaden. Die Platten gab es sogar in Amerika zu kaufen. Bei den "Bierbrummern" sang u. a. der Chorleiter Günter Kallmann mit. Kopf der Gruppe war der in Karlsruhe gebürtige Trompeter des Max Greger-Orchesters Fredy Brock, der als Solist und Spaßmacher äußerst populär war. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Billy Mo schuf 1963 mit "Ich kauf' mir lieber einen Tirolerhut" einen wahren Evergreen. Das Lied war für den auf der Karibikinsel Trinidad geborenen Peter Mico Joachim - so sein bürgerlicher Name - Segen und Fluch zugleich. Denn er war bedeutend mehr als der "Stimmungssänger", für den ihn viele hielten. Der Doktor der Musikwissenschaften spielte eine Vielzahl von Instrumenten, allen voran die Trompete. Rock'n'Roll, Jive, Swing, Jazz und vieles mehr zählten zu seiner breit gefächerten Palette. Decca (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
Dass die Hits der Narren durchaus nachdenklich sein können, bewies die Sängerin und Schauspielerin Lotti Krekel. 1970 nahm sie das Lied "Mir schenke der Ahl e paar Blömcher" auf, welches zu einem ihrer größten Erfolge wurde. Die Geschichte über die liebenswürdige alte Frau, die ein großes Herz für Kinder hat, erdachte der Komponist Hans Knipp, der später zahlreiche Titel für die Bläck Fööss schrieb. Cornet (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
"Heut' hauen wir auf die Pauke!" Noch ein Jahr bevor Tony Marshall mit der fast identischen Textzeile einen seiner größten Stimmungshits landen konnte, führte der Handel unter diesem Titel eine Zusammenstellung der aktuellen Faschingsproduktionen des Jahres 1970. Beim großen Stimmungsreigen waren u. a. Margit Sponheimer und Ernst Neger mit von der Partie. Die beiden Faschingsikonen waren ebenfalls bei den... Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen
... "20 großen Stimmungsknallern" vertreten. Aufmerksame Betrachter des Plattencovers werden darauf Udo Jürgens entdeckt haben: In seinem heute nahezu vergessenen Schunkel-Song "Du trinkst zuviel" übernahm er die Rolle eines Familienvaters, der einen Hang zu Hochprozentigem hatte und dadurch zum gehörnten Ehemann wurde. Willy Millowitsch brachte es schon Jahre zuvor auf den Punkt: "Schnaps, das war sein letztes Wort". Der Karnevalsoldie fand Mitte der 70er Jahre auch auf dieser Kopplung Eingang. Ariola (Coverscan) Bild in Detailansicht öffnen

Die Nationalhymne von Trizonesien

Bereits ein Jahr zuvor entstand ein Karnevalsschlager, der ebenso treffend den Zeitgeist widerspiegelte. Damals war Westdeutschland in eine französische, englische und amerikanische Zone eingeteilt und wurde salopp als "Trizonesien" bezeichnet. Der singende Bäckermeister Karl Berbuer machte sich in einem Lied darüber lustig und nahm die Besatzungsmächte gehörig auf die Schippe. Der "Trizonesien-Song" entwickelte sich zu einem Gassenhauer, der den Menschen im kriegszerstörten Deutschland wieder ein wenig Selbstbewusstsein gab. Die unglaubliche Popularität des Liedes führte dazu, dass es bei mehreren offiziellen Anlässen als Nationalhymne gespielt wurde, nachdem das Deutschlandlied damals noch verboten war und erst 1952 (ohne die ersten beiden Strophen) wieder verwendet werden durfte.

Falsche Monde und grüne Ampeln

Filmszene aus "Im schwarzen Rössl" mit Trude Herr (Foto: Imago, Imago -)
Gute Stimmung mit Trude Herr (hier in einer Filmszene) Imago Imago -

Auch in späteren Jahren boten aktuelle Ereignisse Stoff für karnevalistische Schlager. 1952 wurden in Köln die ersten Verkehrsampeln eingeführt und Günter Eilemann dichtete die passenden musikalischen Verhaltensregeln. "Etz kütt et rut, rut, rut, da musste stonn. Dann kütt et jrön, jrön, jrön, da darfste jonn" geriet auf Anhieb zum Riesenhit. Für weltweiten Gesprächsstoff sorgte 1957 "Sputnik", der erste Satellit im All. Prompt reagierten darauf die Musikschaffenden und in der nachfolgenden Karnevalssaison schunkelten die Narren zu dem Schlager von Trude Herr und Kurt Adolf Thelen "Schwör' mir nicht Treue beim Mondenschein, der Mond, der könnt' ein Sputnik sein - und so 'nem Satellit, dem trau' ich lieber nit."

Stadtpolitik mit dem Karnevalshit

Junge Männer mit langen Haaren und Gitarren vor einer Mauer (Foto: Imago, Imago -)
Bläck Fööss 1974 Imago Imago -

Wie passt man die Redewendung "die Kirche im Dorf lassen" am besten auf Kölner Verhältnisse an? Diese Fragestellung tat sich Anfang der 1970er Jahre auf, als die Stadt Köln in der Bevölkerung heftig umstrittene Sanierungspläne bekannt gab. Der Texter Hans Knipp und Hartmut Priess, Bassist der Bläck Fööss, hatten mit "Mer losse d'r Dom en Kölle" die zündende Idee. Die Vorstellung, dass der Kreml auf dem Ebertplatz stehen würde oder der Louvre am Rhein, spiegelte überspitzt die angedachten Veränderungen im Kölner Stadtbild wieder. Das Lied voller Humor und Witz wurde in der Karnevalssaison 1973/74 der erste große Hit für die Bläck Fööss.

Nonsens in Noten

Faschingströte (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Heute bieten andere Anlässe Vorlagen für Songs zum Schmunzeln. Beispielsweise Casting-Shows wie "Germany's next Topmodel", die Comedian Chris Boettcher in seinem Lied "Zehn Meter geh'n" durch den Kakao zog. Wenn auch nicht jeder Nonsens in Noten mit solch einer Geschichte aufwarten kann, so haben sie - ob "Kornblumenblau" oder "Hulapalu" - eines gemeinsam: Sie verbinden Menschen, lassen sie gemeinsam feiern, singen, tanzen, lachen und die Sorgen des Alltags vergessen. Mit entwaffnendem Humor wider den tierischen Ernst - idealerweise nicht nur in der fünften Jahreszeit.

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