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Wo käme der "entwaffnenden Humor" besser zur Geltung als in der 5. Jahreszeit. Auch der "Karneval von anno dazumal" brachte viele närrische Gassenhauer hervor. Die passenden Lieder sind voller Witz, Fröhlichkeit und manche haben sogar ein ernsthaften Hintergrund, welcher mit einem Augenzwinkern auf die Schippe genommen wurde.

Plattencover Karneval anno dazumal (Foto: SWR, Electrola (Coverscan) )
"Wir machen durch bis morgen früh und singen Bums Valdera" feierte 1948 seine Premiere und zählt heute zu den Dauerbrennern dieses Genres. Auf der hier gezeigten Langspielplatte, die Ende der 1950er Jahre auf den Markt kam, sang Werner Preuss den eingängigen Text. Stimmung und Frohsinn verbreiteten zudem Willi Hofmann und Horst Muys. Im Angebot waren Klassiker wie "Kornblumenblau", "Du kannst nicht treu sein" oder "Einmal am Rhein". Letzteres stammte aus der Feder des Komponisten und Sängers... Electrola (Coverscan)
... Willi Ostermann, einem Urgestein des Kölner Karnevals. 1907 gelang ihm der Durchbruch mit "Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt." Er sang sich in die Herzen des Publikums und jedes Jahr zum Karneval wartete Köln mit Spannung auf einen "neuen Ostermann". Sein Leben gehörte dem Frohgesang und kurz vor seinem Tod im Jahr 1936 - er wurde nur 60 Jahre alt - verfasste er sein wohl berühmtestes Lied "Heimweh nach Köln" mit dem wehmütigen Text "Ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn". Odeon (Coverscan)
Die Lieder von Karl Berbuer werden heute noch gesungen. Zu den bekanntesten zählen "Heidewitzka, Herr Kapitän", "Das kannst Du nicht ahnen" und der "Trizonesien-Song". Als in den 1950er Jahren der Camping-Urlaub in Mode kam, nahm er diesen ebenso auf die Schippe und sang "Do laachst do Dich kapott, dat nennt mer Cämping". Seit 1924 hatte sich Berbuer aktiv am Kölner Karneval beteiligt. Electrola (Coverscan)
Willy Schneider sollte zunächst Metzger werden. Nebenbei ließ er seine Stimme ausbilden und sang im Kirchenchor. 1936 erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und bald wurde er mit seinen Liedern im Volkston, die meist vom Rhein, dem Wein oder dem Karneval handeln, berühmt: "Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär'" war sein Hit des Jahres 1950. Dieser darf bei dieser Sammlung, auf der er "Stimmung vom Faß" präsentiert, nicht fehlen. Rein ins Vergnügen! Telefunken (Coverscan)
"Drei tolle Tage" - diese Produktion mit buntem Covermotiv aus der Saison 1957/58 teilten sich Trude Herr und Kurt Adolf Thelen. U. a. befassten sich die Narren dabei mit einem hochaktuellen Thema: Die ganze Welt brach in Erstaunen aus, als 1957 "Sputnik 1", der erste künstliche Erdsatellit, ins All geschossen wurde. So schunkelte man "Schwör' mir nicht Treue beim Mondenschein, der Mond, der könnt‘ ein Sputnik sein." Kuriosum am Rande: Die Orchester leiteten die Herren A.-Laaf und H.-E.-Lau. Philips (Coverscan)
"Hier ist was los"! Willy Millowitsch und die Mainzer Hofsänger präsentierten "Jubel, Trubel, Heiterkeit" und brachten mit Gassenhauern wie "Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen", "Hätten wir lieber das Geld vergraben" oder "Ich hab' den Vater Rhein in seinem Bett gesehen" Hochstimmung in alle Räume. Rechtzeitig zur Karnevalssaison 1963 kam die Platte in die Läden. Polydor (Coverscan)
Toni Steingass, Kölner von Geburt und Passion, gründete 1946 das "Steingass-Terzett" und war bald von karnevalistischen Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Im Laufe seiner langjährigen Karriere schrieb er über 400 Lieder und viele davon sind Evergreens geworden: "Hurra, Hurra, der liebe Jung' ist wieder da", der "Leckerchen-Walzer" und allen voran der Schunkelwalzer "Der schönste Platz ist immer an der Theke", der ihm 1951 einfiel. Hier kommen noch einige... Odeon (Coverscan)
... fröhliche Herren: "Der flotte Franz und seine Bierbrummer" sorgte mit Stimmungs-Potpourris für volle Kassen. "So leben wir" oder "Wenn das so weitergeht" standen 1961 hoch in den Hitparaden. Die Platten gab es sogar in Amerika zu kaufen. Bei den "Bierbrummern" sang u. a. der Chorleiter Günter Kallmann mit. Kopf der Gruppe war der in Karlsruhe gebürtige Trompeter des Max Greger-Orchesters Fredy Brock, der als Solist und Spaßmacher äußerst populär war. Ariola (Coverscan)
Billy Mo schuf 1963 mit "Ich kauf' mir lieber einen Tirolerhut" einen wahren Evergreen. Das Lied war für den auf der Karibikinsel Trinidad geborenen Peter Mico Joachim - so sein bürgerlicher Name - Segen und Fluch zugleich. Denn er war bedeutend mehr als der "Stimmungssänger", für den ihn viele hielten. Der Doktor der Musikwissenschaften spielte eine Vielzahl von Instrumenten, allen voran die Trompete. Rock'n'Roll, Jive, Swing, Jazz und vieles mehr zählten zu seiner breit gefächerten Palette. Decca (Coverscan)
Dass die Hits der Narren durchaus nachdenklich sein können, bewies die Sängerin und Schauspielerin Lotti Krekel. 1970 nahm sie das Lied "Mir schenke der Ahl e paar Blömcher" auf, welches zu einem ihrer größten Erfolge wurde. Die Geschichte über die liebenswürdige alte Frau, die ein großes Herz für Kinder hat, erdachte der Komponist Hans Knipp, der später zahlreiche Titel für die Bläck Fööss schrieb. Cornet (Coverscan)
"Heut' hauen wir auf die Pauke!" Noch ein Jahr bevor Tony Marshall mit der fast identischen Textzeile einen seiner größten Stimmungshits landen konnte, führte der Handel unter diesem Titel eine Zusammenstellung der aktuellen Faschingsproduktionen des Jahres 1970. Beim großen Stimmungsreigen waren u. a. Margit Sponheimer und Ernst Neger mit von der Partie. Die beiden Faschingsikonen waren ebenfalls bei den... Ariola (Coverscan)
... "20 großen Stimmungsknallern" vertreten. Aufmerksame Betrachter des Plattencovers werden darauf Udo Jürgens entdeckt haben: In seinem heute nahezu vergessenen Schunkel-Song "Du trinkst zuviel" übernahm er die Rolle eines Familienvaters, der einen Hang zu Hochprozentigem hatte und dadurch zum gehörnten Ehemann wurde. Willy Millowitsch brachte es schon Jahre zuvor auf den Punkt: "Schnaps, das war sein letztes Wort". Der Karnevalsoldie fand Mitte der 70er Jahre auch auf dieser Kopplung Eingang. Ariola (Coverscan)
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