Schlagerlegende

James Last - der Erfinder des Party-Sounds

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Seine Klavierlehrerin hielt ihn für unmusikalisch. Irren ist menschlich, denn aus dem vermeintlich mäßigen Schüler von einst wurde der Erfinder eines sensationellen Orchestersounds, der um die Welt ging.

Viele Millionen Schallplatten und CDs haben ihm einen Bekanntheitsgrad beschert, um den ihn viele beneiden. Diese Bilanz lag noch in weiter Ferne, als der kleine Hans (so sein eigentlicher Name) 1939 seine ersten Klavierstunden erhielt. Dies geschah ganz und gar nicht zu seinem Vergnügen, denn Fußballspielen war weitaus faszinierender.

Der Funke sprang erst über, als er mit 14 Jahren auf die Heeresmusikschule Bückeburg kam und sein Lieblingsinstrument der Bass wurde. Gleich nach Kriegsende schlug Hans Last den Weg des Berufsmusikers ein und spielte zunächst in US-Clubs. 1946 erhielt er als Bassist im Tanz- und Unterhaltungsorchester des neu gegründeten Radio Bremen eine Anstellung.

Die Karriere nahm weiter Fahrt auf, als Fachjournalisten ihn 1950 erstmals zum besten deutschen Jazz-Bassisten wählten - eine Auszeichnung, die er drei Jahre in Folge erhielt. Er kannte sich, was damals noch nicht die Regel war, im modernen Jazz (Bebop und Cool Jazz) besonders gut aus und  war der meistgesuchte Bassist der deutschen Szene.

Der Liebe wegen nach Hamburg

James Last spielt in den 1950er Jahren Bass (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Siegfried Pilz)
James Last spielt in den 1950er Jahren Bass dpa Bildfunk - Siegfried Pilz

Mitte der 1950er Jahre funkte es im doppelten Sinne: er begegnete seiner ersten Frau Waltraud, heiratete sie und verlegte sein Domizil der Liebe wegen nach Hamburg. Dort wurde ihm eine Stelle als Bassist im Tanzorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks angeboten. Vor allem seine Arrangements machten ihn zu einem gefragten Mitarbeiter bei namhaften deutschen Showgrößen. Er schrieb u. a. für Caterina Valente, Margot Eskens, Freddy Quinn oder Helmut Zacharias. Durch diese Tätigkeit wurde die Schallplattenfirma Polydor auf ihn aufmerksam, die ihren Sitz in der Nähe des NDR-Funkhauses hatte.

Beispielsweise war er bei der Produktion des Film-Musicals "Heimweh nach St. Pauli" als Arrangeur und Dirigent mit von der Partie: Freddy Quinn sang "Junge, komm‘ bald wieder" und Hans Last leitete das begleitende große Musical-Orchester.  

Der Bandleader erinnerte sich: "Als ich im Jahr 1964 eines Tages vom Norddeutschen Rundfunk meine Festanstellung in Händen hielt, dachte ich nochmal über mein Leben nach. Ich fuhr am NDR-Pförtner vorbei, aber nicht stolz nach Hause, sondern links herum zur Polydor." Diese Entscheidung beeinflusste seinen weiteren Werdegang maßgeblich. Er ließ sich beim Funk beurlauben und unterzeichnete stattdessen bei der Schallplattenfirma seinen ersten Vertrag als Exklusivproduzent, was für beide Vertragspartner eine überaus fruchtbare - bis zum heutigen Tag andauernde - Zusammenarbeit werden sollte. Der erste durchschlagende Erfolg kam ein Jahr später, nachdem er eine geniale Idee entwickelt hatte…

Geburtsstunde des "Party-Sound"

James Last und sein Orchester (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa)
James Last und sein Orchester bei einem Auftritt in der ZDF-Starparade. picture-alliance / dpa

Das partyfrohe Ehepaar Last hatte auf vielen Feiern dieselbe Situation vorgefunden: die Gäste kamen nur schwer in Schwung und es dauerte lange, bis Stimmung aufkam. Dies kann nicht an den Leuten, das muss an der Musik liegen, kombinierte James Last. So schritt er zur Tat, stellte aus den Hits der aktuellen Charts kurze Potpourris - meist bestehend aus drei Titeln - zusammen, auf die sich gut tanzen ließ und unterlegte alles mit Partygeräuschen. In seiner Autobiographie gewährte er einen Blick hinter die Kulissen: zuerst wurde im Studio die Musik aufgenommen, im zweiten Schritt sang der Chor die Texte.

Um die Partystimmung so authentisch wie möglich zu machen lud er später Freunde ins Studio ein, ebenso den Chor und seine Musiker und alle gemeinsam veranstalteten eine ausgelassene Feier mit leckerem Essen und entsprechenden Getränken. Dazu wurde die bereits aufgenommene Musik abgespielt, zu der die Gäste nun ausgelassen sangen und klatschten. Der Toningenieur mischte alles zusammen und das Ergebnis auf Schallplatte gebracht. Damit schlug die Geburtsstunde des "Party-Sound" und der Erfolgsserie "Non Stop Dancing"...

Internationaler Durchbruch

Wenige Tage später bekam der Bandleader das Belegexemplar seiner Produktion zugeschickt und staunte, als er auf dem Cover den Namen "James" Last entdeckte. Ohne sein Wissen hatte sich die Plattenfirma diese Namensänderung ausgedacht. Die Verantwortlichen in der Chefetage hatten den Plan einer Vermarktung jenseits der deutschen Grenzen und so machten sie kurzerhand aus dem deutschen Hans den internationalen James. Das Tanzprogramm ohne Pause im "Happy Sound" wurde - auch international - zum Volltreffer und stellte alle bislang bekannten Hitparaden-Rekorde in den Schatten.

James Last (Foto: SWR, picture-alliance / dpa -)
picture-alliance / dpa -

Der Durchbruch auf dem ausländischen Musikmarkt kam auch für James Last überraschend. Seit den Legenden Glenn Miller oder Mantovani war es keinem Bandleader mehr gelungen, mit seiner Orchestermusik ein weltweites Publikum zu faszinieren: "Ich bin selbst erstaunt, aus welchen Ecken ich Honorare bekomme".  Ihm gelang das seltene Meisterstück, einen eigenen, unverwechselbaren Sound zu kreieren. Der Name James Last wurde in allen Stilrichtungen - von Klassik über die Folklore bis hin zum Pop - zum Markenzeichen.

Bis zum Schluss voller Tatendrang

In den 1980er-Jahren verlegte James Last seinen Wohnsitz nach Palm Beach in Florida. Hier produzierte er auch seine Alben, nachdem er sich dort ein eigenes Tonstudio eingerichtet hatte. Auch im fortgeschrittenen Alter dachte die Orchestercheflegende nicht an den Ruhestand. So standen Plattenaufnahmen und Tourneedaten bis zuletzt in seinem Terminkalender. Am 9. Juni 2015 verstarb James Last friedlich im Kreise seiner Familie in Florida im Alter von 86 Jahren. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in Hamburg-Ohlsdorf beigesetzt.

"Musik kennt keine Grenzen" - so lautete sein Credo. Möchte man sein Lebensmotto in Zahlen ausdrücken, ergibt dies 110 Alben, die sich zwischen 1965 und 2009 in den offiziellen Hitlisten platzierten. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er im Laufe seiner Karriere erhielt, zählen 208 goldene und 17 Platin-Schallplatten. Anlässlich seines 90. Geburtstags erscheinen nun in einer aufwändig gestalteten - insgesamt 25 CDs umfassenden - Box rund 40 seiner legendären Langspielplatten neu.

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