Jack White  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / ZB /Foto: Kalaene Jens)

Musikproduzent Jack White - der Schlager-Macher

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Hans-Jürgen Finger
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Cedric Franke

"Schöne Maid", "Looking for Freedom" oder "Gloria" - diese und viele anderen Hits stammen aus der Feder von Jack White. Mit den Songs des Produzenten wurden über eine Milliarde Tonträger verkauft. Am 2. September feiert er seinen 82. Geburtstag.

Für diese Schlagerstars hat Jack White Hits geschrieben

Vicky Leandros, Tony Marshall, Nina & Mike, Lena Valaitis, die Geschwister Leismann, Jürgen Marcus und einige andere landeten mit den Songs von Jack White viele Hits. Auch bis dato unbekannte Künstler*innen schafften dank des Erfolgsproduzenten den Sprung ins Scheinwerferlicht: "Mit Hilfe der ZDF-Hitparade hatte man auch die Chance, noch neue Künstler ins Fernsehen zu bekommen", erläuterte er uns im Interview. Doch wie wurde aus Jack White ein Hit-Macher?

Jack White heißt eigentlich Horst Nussbaum

Eine schöne Kindheit hat der in Köln geborene Horst Nussbaum, so der bürgerlicher Name von Jack White, nicht gehabt. Früh wurde er mit den Härten des Lebens konfrontiert und trug bereits während der Schulzeit als Verkaufshilfe an Marktständen zum Unterhalt der Familie bei.

"Diese Zeit hat mich geprägt und hat dafür gesorgt, dass ich immer auf dem Boden geblieben bin."

Nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann machte er sein Dolmetscher-Examen in Englisch und lernte während des Grundwehrdienstes noch die italienische Sprache - bis zur Korrespondentenprüfung.

Jack White wurde von Hennes Weisweiler für den Fußball entdeckt

An den Wochenenden machte er Musik und spielte gerne Fußball: "Ich hatte das große Glück aus der Jugendabteilung heraus vom damals legendären Fußballtrainer Hennes Weisweiler für die Vertragsspielermannschaft von Viktoria Köln entdeckt zu werden" erzählte Jack White im SWR4 Interview.

Jack White und Rudi Gutenberg (Foto: IMAGO, Imago -)
Jack White als Fußballer bei Tennis Borussia Berlin mit seinem Trainer Imago -

Seine weitere Fußballkarriere führte ihn bis zum holländischen Spitzenverein PSV Eindhoven. Während dieser Zeit wurde er auch als Sänger entdeckt.

"Ich habe stets die Gitarre dabei gehabt, ich wollte immer gerne singen. Im Bus, während der Fahrt zu den Spielen, wurde immer gesungen."

Jack White gelangt vom Skat-Club zum Probesingen

Hennes Weisweiler war es, der den Kontakt zur Musikbranche knüpfte. In seinem Skat-Club war der berühmte Trompeter Heinz Schachtner mit von der Partie und eines Tages empfahl er ihm den jungen Mann, der "ganz gut singen konnte". Schachtner hatte gute Verbindungen zu dem Produzenten Hans Bertram, der den singenden Fußballer zum Probesingen einlud.

"Als ich im Vorzimmer wartete, sagte mir die Sekretärin ganz nebenbei: Übrigens, wissen Sie schon, wie Sie heißen? Sie heißen jetzt Jack White."

Hans Bertram hatte sich diesen Namen einfallen lassen - nachdem er bereits Roy Black unter Vertrag hatte, kam nun noch Herr White hinzu.

Jack White und der musikalische Umbruch

Die erste Zeit als Sänger war eine Enttäuschung und bald erfolgte die Trennung von Hans Bertram. Eher zufällig wurde Jack White Disc-Jockey, ging nach Berlin und traf eine weitreichende Entscheidung:

"Die Leute wollen mich nicht als Sänger und so bin ich auf die andere Seite gegangen".

Ende 1968 wagte er es zum ersten Mal, einen anderen Sänger zu produzieren und ein halbes Jahr später gelang der erste große Wurf: Roberto Blanco gewann mit "Heute so, morgen so" den "Deutschen Schlagerwettbewerb". "Und dann hat mir der liebe Gott den Tony Marshall geschickt und es ging so richtig los" erzählte uns Jack White.

Jack White mit Tony Marshall und Jürgen Marcus (Foto: IMAGO, Imago -)
Jack White mit Tony Marshall und Jürgen Marcus, Ende der 70er Jahre Imago -

Jack White und Tony Marshall gehen gemeinsame Wege

Ein neuseeländisches Volkslied hatte es Jack White angetan, das für Tony Marshall als "Schöne Maid" zur Visitenkarte werden sollte. Die Aufnahmen hierzu blieben in guter Erinnerung.

"Wir haben alles live im Studio gemacht - das war so eine irre Stimmung".

Das fertige Produkt an die Firma zu bringen, gestaltete sich jedoch etwas schwierig: "Ich hab' da was mit Tony Marshall gemacht, ist so ein bisschen wie John Lennon und 'Give peace a chance'" erklärte er seiner Plattenfirma.

Doch diese glaubte nicht so recht an das, was sich Jack White ausgedacht hatte. Die Platte wurde zwar veröffentlicht, allerdings zunächst nur in einer weißen Neutralhülle, was Jack White verärgerte: "Die gaben nicht mal Geld für eine bunte Hülle aus."

Jack White ist ein "Sound-Gigant"

Dann kam seine Entscheidung, nach Amerika zu gehen und wurde deswegen von vielen belächelt: "Was will dieser Klatschmusik-Produzent in Amerika?" Die Zweifler wurden eines besseren belehrt, denn sein Doppelleben zwischen Berlin und Los Angeles trug bald Früchte: Ein Jahr später hatte er mit Laura Branigan und "Self Control" den ersten großen Welthit.

Jack White und Engelbert (Foto: IMAGO, Imago -)
Jack White und Engelbert Imago -

Nach diesem Erfolg führte ihn das US-Fachblatt "Billboard" in der Top-Liste der Sound-Giganten. "Wenn man drüben einen Erfolg hat, hat man ihn auf der ganzen Welt." Internationale Stars wie Engelbert, Paul Anka, Pia Zadora, Jermaine Jackson und viele mehr arbeiteten mit ihm zusammen und belegten die Spitzenpositionen in den Hitparaden.

Jack White hat über eine Milliarde Tonträger verkauft

Zweifelsfrei hat Jack White Musikgeschichte geschrieben: Auf über einer Milliarde Tonträgern sind seine Lieder weltweit vertreten. Im Mai 2014 zog er sich vom Showgeschäft zurück.

Sein Lebenswerk schloss er in einer Samstagabend-Show von Florian Silbereisen ab: Jack White's "Letztes Lied" sangen Lena Valaitis, Anita & Alexandra Hofmann sowie Pascal Silva. Jack White spielte dazu auf der Gitarre. Für den sehr emotionalen Auftritt bedankte sich das Publikum mit Standing Ovations. 

Wie Jack White zum Buchautoren wurde

"Aufzuhören war ursprünglich nicht mein Plan, aber die Musikbranche hat sich verändert", sagte er im Interview mit SWR4. Seinen Entschluss hat er nicht bereut: "Es gibt andere schöne Dinge, die man tun kann."

Bereits 2010 wurde er zum Buchautor und veröffentlichte seine Autobiographie "Mein unglaubliches Leben". Außerdem verfasste er mehrere Reiseführer, die alle Bestseller wurden. Heute lebt Jack White mit seiner Frau und seinem 2019 geborenen Sohn Max in Berlin.

Besondere Plattencover von Jack White

Plattencover Jack White (Foto: SWR, Polydor (Coverscan))
"Ich habe natürlich gedacht, ich bin der größte Sänger der Welt" äußerte Jack White rückblickend in einem Interview. Seine erste Single "Ein paar Tränen" erschien 1966 und blieb ein Ladenhüter. Polydor (Coverscan)
Plattencover Jack White Produktionen (Foto: SWR, White Records (Coverscan))
Rund 14 Jahre arbeiteten Jack White und Hansi Hinterseer sehr erfolgreich zusammen. Nach seinem Premierenauftritt im "Musikantenstadl" bei Karl Moik wurde er quasi über Nacht zum neuen Star. Es folgten Hits in Serie, die locker eine "Best of"-CD füllen. Im Zusammenhang mit einem Firmenstreit kam es 2007 zum Bruch. Dies war eine "große menschliche Enttäuschung", so White. White Records (Coverscan)
Plattencover von Jack White als Sänger und Produzent (Foto: SWR, White Records (Coverscan) -)
Mit David Hasselhoff brachte Jack White noch einen amerikanischen TV-Serien-Darsteller zum Gesang: "Looking for freedom" wurde 1989 zum Millionenseller und verkaufte sich nach einem Auftritt bei "Wetten, dass" bis zu 27.000 Mal täglich. Die bis 1992 andauernde Zusammenarbeit brachte Hits am Fließband, darunter "Do the Limbo Dance". White Records (Coverscan) -

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