Harry Belafonte (2015) (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Harry Belafonte - viel mehr als "Matilda" und "Banana Boat"

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Mit "Day-O" gelang dem Sänger der Durchbruch. Harry Belafonte wurde zum "King of Calypso". Mit seinen Songs, Filmen und sozialem Einsatz war er aber schon immer mehr als das.

Keine Rolle beim Film, also sang Harry Belafonte

Schauspieler war der Traumberuf von Harry Belafonte, aber nach seinem Abschluss an der Schauspielschule bekam er kein Engagement - die Diskriminierung von Schwarzen war damals auch in Hollywood üblich. Ein Freund half ihm aus der Klemme und bot ihm an, in dessen Jazzclub als Sänger aufzutreten - in den Pausen.

Sein erster Auftritt fand Anfang 1949 statt. Als er auf die Bühne ging, erwartete ihn die Jazzelite dieser Tage: Charlie Parker, Miles Davis und Tommy Potter.

"Ich stand da, steif wie ein Brett und trotz meiner Schauspielausbildung wusste ich nicht, was ich mit meinen Händen tun sollte. Wenn ich lächelte, war mein Mund so trocken, dass ich meine Oberlippe nach unten ziehen musste. Ich war nervös und ängstlich - ich gehörte nicht zu ihrer Liga."

Eine musikalische Ausbildung hat er nie genossen, doch beim Publikum kam sein Jazzgesang hervorragend an. Aus geplanten zwei wurden zweiundzwanzig Wochen und ein erster Schallplattenvertrag folgte. Doch er fühlte sich mit seinem Repertoire nicht wohl, wollte etwas ganz Neues machen und eröffnete ein kleines Restaurant im Greenwich Village in New York.

Schnurrbart ab, Hemd auf: Harry Belafonte macht wieder Musik

Harry Belafonte auf der Bühne (2003) (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Harry Belafonte live (2003) picture-alliance / dpa -

Dort kamen immer wieder mal alte Freunde vorbei und einmal kramte jemand eine Gitarre hervor und bald begannen alle gemeinsam zu singen. Hierbei entdeckte Harry Belafonte seine Leidenschaft für Volkslieder. Mit zwei Musikern erarbeitete er ein Repertoire mit alten und neuen Folksongs. Er rasierte seinen Bleistiftschnurrbart ab und begann, offene Hemden zu tragen, was später zu seinem Markenzeichen werden sollte. So trat er im Village Vanguard Nachtklub auf und startete eine neue Karriere im Showgeschäft.

Erfolgswelle: Filme, Musical-Rollen und ein Hit-Album

Harry Belafonte in einer Filmszene aus "The World, the flesh and the devil" (1959) (Foto: imago images, Imago -)
Harry Belafonte in einer Rolle im Film "Die Welt, das Fleisch und der Teufel" von 1959. Imago -

1952 nahm ihn die Plattenfirma RCA unter Vertrag und dann klappte es auch mit dem Film. In "Bright road" hatte er 1953 sein Leinwand-Debüt und ein Jahr später folgte "Carmen Jones", eine Adaption der Georges Bizet-Oper "Carmen". 1955 eroberte er mit dem Musical "Three for tonight" den Broadway und im Herbst des Jahres stand er im Plattenstudio, um "Calypso" - sein mittlerweile drittes Album - aufzunehmen. Dieses entfachte ein wahres Calypso-Fieber und hob seinen bereits aufkeimenden Ruhm auf ein neues Niveau.

Plattencover von Harry Belafontes "Banana Boat Song"  (Foto: SWR, RCA (Coverscan) -)
"The Banana Boat Song" war die Zugnummer des Albums. Das Lied erzählte von Hafenarbeitern, die in der Nacht Bananen verluden. Der Ruf nach dem Tagesanbruch und mit dem damit verbundenen Ende der anstrengenden Schicht ("Day-O") ging in die Musikgeschichte ein: "Nichts nimmt es mit diesem Song auf. Er ist meine Visitenkarte." RCA (Coverscan) -

Harry Belafonte will kein "King of Calypso" sein

Mit dem "Calypso"-Album brach Harry Belafonte alle Rekorde. Es war das allererste Popalbum, das sich über eine Million Mal verkaufte und machte sogar - inmitten des Rock’n’Roll-Fiebers - der Debüt-LP von Elvis Presley den Hitparaden-Thron streitig. Dieser Erfolg brachte ihm den Beinamen "King of Calypso" ein, den er überhaupt nicht mochte:

"Das war zwar ein marktfähiger Titel, aber nur wenige meiner Songs waren Calypsos. Ich protestierte und habe deswegen den "Banana Boat Song" lange nicht gesungen, da mein Repertoire weitaus vielfältiger war."

Harry Belafonte förderte Dylan, Makeba und Mouskouri

Harry Belafonte und Nana Mouskouri (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Harry Belafonte und Nana Mouskouri bei einer Hochzeit (2004) picture-alliance / dpa -

Bei einem Griechenland-Gastspiel im September 1960 begegnete er der jungen Nana Mouskouri, die in einem kleinen Club außerhalb von Athen auftrat. Ihre Stimme und Darbietung fesselten ihn auf der Stelle. Er fasste den Entschluss, sie dem amerikanischen Publikum vorzustellen. Bereits beim ersten Konzert im Herbst 1964 erntete sie Beifallsstürme und Sympathien, die sonst nur einem langjährigen großen Star vorbehalten sind. Auch der aus Südafrika stammenden Sängerin Miriam Makeba und dem Musiker und Songwriter Bob Dylan verhalf er zu Weltruhm. 

Plattencover von Harry Belafonte mit Nana Mouskouri (Foto: SWR, RCA Victor (Coverscan) -)
Die enthusiastischen Reaktionen des Publikums führten zu diesem gemeinsamen Album mit Liedern aus Griechenland, bei denen Harry Belafonte in der Landessprache sang. RCA Victor (Coverscan) -

Kampf für Bürgerrechte und gegen Diskriminierung

Harry Belafonte mit Martin Luther King, Asa Philip Randolph und Sidney Poitier (Foto: imago images, Imago/Zuma Press -)
Harry Belafonte (2.v.l.) mit dem Bürgerrechtler Martin Luther King (links) Imago/Zuma Press -

Das Entertainment ist nur eine Seite des Künstlers. Seit Jahrzehnten setzte er sich weltweit für die Rechte der Unterprivilegierten ein und kämpfte mit unermüdlichem Einsatz gegen die Rassendiskriminierung. Er war bei der Bürgerrechtsbewegung in Amerika dabei und engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und die Apartheid. Der Bürgerrechtler Martin Luther King zählte zu seinen engsten Freunden.

In Bonn gegen Nachrüstung, in Afrika für UNICEF

Harry Belafonte mit einem kleinen schwarzen jungen in Ruanda (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Harry Belafonte nahm seine Aufgabe als Unicef-Botschafter ernst picture-alliance / dpa -

Auch hierzulande unterstützte er Projekte: 1977 verzichtete er bei einem Solidaritätskonzert in Düsseldorf ganz auf seine Gage und stellte sich in den Dienst einer von einer politischen Jugendzeitung initiierten Weltfestspielbewegung. Als er 1981 von deutschen Studenten angefragt wurde, bei der großen Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten mitzuwirken, sagte er spontan zu und sang zum Abschluss mit der Menge "We shall overcome". Zu alledem ist er seit 1997 Botschafter des guten Willens der UNICEF.

Plattencover von Harry Belafontes Folksongs, die er bei Konzerten in Universitäten sang (Foto: SWR, RCA (Coverscan) -)
"Ein Konzert für Studenten ist immer noch das spirituell Lohnendste für einen Künstler", sagte Harry Belafonte über seine Auftritte an Universitäten. Seine erste College-Tour unternahm er 1964. Drei Jahre später erschien das Album "Belafonte on campus", auf dem er eine Auswahl der Folksongs präsentierte, die er bei seinen dortigen Konzerten sang. RCA (Coverscan) -
Steckbrief von Harry Belafonte
Geboren1. März 1927 in New York (Harlem) als Harold George Bellafanti jr.
ElternDer Vater war Matrose aus Martinique, die Mutter Hilfsarbeiterin aus Jamaika. Dazu hatte Harry Belafonte zwei ältere Brüder.
MusikZu seinen bekanntesten Hits zählen "Island in the sun", "Matilda", "Angelina" oder "Try to remember". 2004 gab er sein letztes Konzert. 
SchauspielBelafonte studierte an der New School for Social Research des deutschen Regisseurs Erwin Piscator, wo Tony Curtis und Marlon Brando zur selben Zeit lernten.
FamilieHarry Belafonte wurde zweimal geschieden und ist in dritter Ehe mit der Fotografin Pamela Frank verheiratet. Er ist Vater von vier Kindern.  
PreiseErhielt als erster Schwarzer den Emmy (1960, für seine TV-Show "Tonight with Belafonte"). Dazu erhielt er drei Grammys.
Buch2012 veröffentlichte er seine Autobiographie "My song".

Besondere Plattencover von Harry Belafonte

Plattencover Harry Belafonte (Foto: SWR, RCA Victor (Coverscan) -)
Auf Grenada und Barbados fanden die Dreharbeiten zu seinem Film "Island in the sun" statt, in dem er neben Joan Fontaine und James Mason die Hauptrolle spielte. Die Produktion war so erfolgreich wie umstritten: Die Liaison zwischen einem Schwarzen und einer Weißen entfesselte Diskussionen, denn 1957 galten in den USA noch strikte Rassenschranken. Dennoch wurde der Titelsong zu einem seiner größten Hits, zu finden auf dem Album "Belafonte sings of the Caribbean". RCA Victor (Coverscan) -
Plattencover Harry Belafonte (Foto: SWR, RCA Victor (Coverscan) -)
"Jump up Calypso" - 1961 kamen neue Calypso-Rhythmen auf den Plattenteller, mit Hits wie "Jump in the line" oder "Angelina". "Das Album wurde zu einer meiner meistverkauften Platten und brachte mir die sechste "Goldene" ein", erinnerte er sich in seiner Autobiographie. Er wollte sich in seiner Kunst nicht zu stark vom Calypso dominieren lassen. Daher vergingen meist rund fünf Jahre, bis er seine Anhänger mit diesen Klängen bediente: 1966 folgte "Calypso in Brass" und 1971 "Calypso Carnival". RCA Victor (Coverscan) -
Plattencover Harry Belafonte (Foto: SWR, Victor (Coverscan) -)
1970 erschien "Homeward Bound" mit Liedern erfolgreicher Singer-Songwriter. Dem von Paul Simon geschriebenen Titelsong folgten u. a. Werke von Gordon Lightfoot ("The last time I saw her"), Tim Hardin ("If I were a carpenter"), Leonard Cohen ("Suzanne") oder Bob Dylan ("Tomorrow is a long time"). Dylan wirkte übrigens 1962 bei der Belafonte-LP "The Midnight Special" als Musiker mit und spielte beim Titeltrack die Mundharmonika - dies war seine erste offizielle Schallplattenaufnahme. Victor (Coverscan) -

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