Burt Bacharach 2015 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa - Foto: Hannah Mckay)

Schlagerlegende

Burt Bacharach - einer der erfolgreichsten Songschreiber

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Er ist eine Legende auf dem Gebiet populärer Musik und zählt zu den erfolgreichsten amerikanischen Songschreibern überhaupt. Rund sechzig "US Top-Forty-Hits", mehrere Filmmusiken und ein Broadway-Musical gehen auf das Konto von Burt Bacharach.

"Im Studio war Burt der Star, viel mehr als der eigentliche Interpret. Er trug stets ein Handtuch um den Hals und dirigierte das Orchester, indem er damit herum wedelte." So schildert ein Zeitzeuge den Auftritt von Burt Bacharach, der über die Coolness des Jet Sets verfügte, blendend aussah und nebenher einer der besten Songschreiber des 20. Jahrhunderts war. Bacharach feierte in den 1950er und 1960er Jahren seine größten Erfolge.

Plattencover Burt Bacharach (Foto: SWR, Decca (Coverscan) -)
Caterina Valente nahm 1970 die Bacharach-Komposition für "Die Liebe ist für mich vorbei" auf. Decca (Coverscan) -

Über die Musik holte sich Bacharach die Anerkennung seiner Freunde

"Ich habe meine Mutter immer beneidet, denn sie konnte nach Gehör Klavier spielen" erinnerte sich Burt Bacharach. Um ihr eine Freude zu machen nahm er bereits während der Grundschulzeit Klavierstunden. Es war das Klavier, das ihm bei den Freunden zu Ansehen verhalf: "Die Musik ließ mich dazugehören."

Die Zusammenarbeit mit Hal David

Noch während seines Studiums erschien 1952 die erste Burt Bacharach-Komposition "Once in a blue moon" mit Nat King Cole auf Platte. Nach dem Armee-Dienst, der ihn unter anderem auch nach Deutschland führte, spielte Bacharach in renommierten New Yorker Nachtclubs Klavier, bevor ihn Mitte der 1950er Jahre ein Musikverlag als Songwriter anstellte. Er lernte den Texter Hal David kennen, mit dem er bis in die 1970er Jahre fast exklusiv zusammenarbeitete. "Wir arbeiteten hart" erinnerte sich David. "Ständig schrieb ich Texte, er ständig Melodien." "Wir saßen in einem rauchgefüllten Raum ohne Aussicht und einem Fenster, das nicht geöffnet wurde. Darin ein Piano und zwei Stühle", erzählte Bacharach. "Oft arbeiteten wir an mehreren Songs gleichzeitig."

1957 entstanden die ersten großen Hits: "Magic Moments" mit Perry Como und "The story of my life" mit Marty Robbins.

Marlene Dietrich nahm Bacharach unter Vertrag

Eines Tages erhielt er einen Anruf, ob er die Position des musikalischen Leiters bei Marlene Dietrichs Las Vegas-Shows übernehmen wolle. Das erste Zusammentreffen mit dem Weltstar fand 1958 im Beverly Hills Hotel in New York statt. "Es war wie eine Audienz bei einer Queen" erinnerte er sich. "Ich hatte eine Erkältung und sie gab mir Vitamine und Medizin. Ich war von ihr begeistert." Sie mochten sich auf Anhieb und er war maßgeblich an ihrem Erfolg als Sängerin beteiligt.

Plattencover Burt Bacharach (Foto: SWR, Capitol (Coverscan) -)
"Meine Hochachtung und Bewunderung für den Musiker Burt Bacharach geht Hand in Hand mit der für den Menschen Burt Bacharach. Ganz egal, wie viel Applaus das Publikum mir spendet, es ist sein Beifall, den ich suche. Welch ein Glück bedeutet es für mich, seine Melodien zu singen, die mich wie ein Wunderteppich auf die Theater der Welt tragen." (Marlene Dietrich) Capitol (Coverscan) -

Dionne Warwick wurde zur wichtigsten Interpretin

Der Zufall bescherte Bacharach und seinem Texter Hal David 1962 die perfekte Stimme für ihre gemeinsamen Werke. Die junge Studiosängerin Marie Dionne Warrick war gerade mit einer Aufnahmesitzung der Drifters beschäftigt, als sie darum bat, ein paar Demos einsingen zu dürfen. Bacharach war von ihr augenblicklich überzeugt und auch die Plattenindustrie nahm sie unter Vertrag.

Plattencover Burt Bacharach (Foto: SWR, Scepter (Coverscan) -)
Wenn man so möchte, war sie "seine" Interpretin, die viele der zu Standards gewordenen Bacharach-Songs zuerst sang. Ihre perfekte Stimme und bemerkenswerte Musikalität waren für den hohen Anspruch wie geschaffen. Mit Ausnahme der "Unchained Melody" stammen sämtliche "Golden Hits" dieser Langspielplatte aus der musikalischen Schmiede des Burt Bacharach und seines Texters Hal David. Ihren allergrößten Hit … Scepter (Coverscan) -

39 Chart-Notierungen in zehn Jahren

Als 1962 ihre erste Single "Don’t make me over" auf den Markt kommen sollte, schlug im Presswerk der Fehlerteufel zu. So stand auf der Platte statt Dionne Warrick nun Dionne Warwick - ein Fehler, der bis heute nie korrigiert wurde. Ihre Stimme war wie geschaffen für die Bacharach-Kompositionen. "Je mehr wir für sie schrieben, desto mehr sahen wir, wozu sie in der Lage war. So bauten wir dies weiter aus." Eine fruchtbare Zusammenarbeit, denn alleine mit ihr erreichte der Komponist innerhalb von zehn Jahren 39 Chart-Notierungen.

"Funkelnd blaue Augen und ein jungenhafter Charme"

Bacharach 1973 bei einer Orchesterprobe (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa - Foto: Courtesy Everett Collection)
Bacharach 1973 bei einer Orchesterprobe picture alliance / dpa - Foto: Courtesy Everett Collection

Mittlerweile begann Burt Bacharach, auch unter eigenem Namen mit seinem Orchester Schallplatten herauszubringen. Ab und an trat er sogar selbst vor das Mikrofon und sang. Er wurde zum Inbegriff der Jet Set-Coolness, verfügte über ein blendend gutes Aussehen, funkelnde blaue Augen und einen jungenhaften Charme. Der bereits zu Beginn zitierte Zeitzeuge schilderte die Aufnahmesitzungen mit Burt Bacharach: "Alles war bestens vorbereitet. Er probte vorher mit dem entsprechenden Sänger in seinem Appartement und legte genau fest, wie er das Lied gesungen haben wollte. ... Oft waren auch seine Eltern bei den Aufnahmesitzungen anwesend."

Burt Bacharach wurde zum erfolgreichen Filmkomponisten

Die Filmindustrie verpflichte Burt Bacharach für eine ganze Reihe von Soundtracks: "The man who shot Liberty Valence", "Alfie", "What’s new Pussycat" oder auch 1967 für die James Bond-Parodie "Casino Royale”. Bevor er an diesem Projekt arbeitete, schaute er sich vorab eine Szene des Films immer wieder an. Hierin wirkte die Schauspielerin Ursula Andress so unglaublich schön auf ihn, dass ihm dazu die Melodie zu seinem späteren Welthit "The look of love" einfiel.

Seine Musik zum Film "Butch Cassidy and the Sundance Kid" (1969) wurde mit einem Oscar prämiert. Einen weiteren erhielt er für den darin enthaltenen Song "Raindrops keep fallin‘ on my head".

Das Musicalgeschäft missfällt dem Perfektionisten

1968 machte Burt Bacharach einen einmaligen Ausflug in die Welt des Musicals. "Promises, Promises" wurde ein rauschender Erfolg. Doch im Hintergrund begann es erstmals zu kriseln. "Burt verlor seinen Enthusiasmus, solche Shows zu komponieren" erinnerte sich der Texter Hal David. "Er war es gewohnt, dass alles geplant ablief." In einer Bühnenshow gibt es jedoch viele Variablen, die einen Perfektionisten wie ihn verrückt machten. Vor allem die stets wechselnden Tournee-Musiker bereiteten ihm Unbehagen. Der Stress setzte ihm so zu, dass er an einer Lungenentzündung erkrankte und während der laufenden Tournee ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

"Die Zeit des Versteckens" in den 70er Jahren

Anfang der 1970er Jahre begann der Erfolg einzubrechen. Hinzu kam die Trennung von seinem Textdichter Hal David, mit dem er rund siebzehn Jahre zusammenarbeitet hatte - erst 1986 sollten sie wieder gemeinsame Sache machen. Zwischen 1973 und 1981 erlebte Bacharach eine musikalische Dürre. Er selbst bezeichnete dies als "Zeit des Versteckens". Erst die Heirat mit der Texterin Carole Sager-Bayer im Jahr 1982 brachte ihn wieder auf die Erfolgsspur und mit ihr zusammen entstanden eine ganze Reihe Hits wie "On my own" oder "That’s what friends are for".

Barack Obama ehrt Burt Bacharach

"The Prince of Popular Music", wie ihn das amerikanische Magazin "Newsweek" nannte, ist mittlerweile Vorbild für viele junge Musiker. 2012 nahm er den hoch angesehenen "Gershwin Prize for Popular Song" in Empfang. Zu den Gratulanten auf der Bühne zählte auch der damalige US-Präsident Barak Obama. Bacharachs Erfolgsrezept? "Nur die Melodie zählt. Mit der Melodie fängt man an. Sie ist absolut das Wichtigste in der Musik." Damit beherzigte er den Rat, den er einst von einem Musiklehrer bekam: "Schreib' etwas, das die Leute pfeifen können."

Burt Bacharach - der Steckbrief

Geborenam 12. Mai 1928 in Kansas City (USA)
FamilieVier Ehen, mit den Schauspielerinnen Paula Stewart und Angie Dickinson, der Songtexterin Carole Bayer Sager und aktuell mit Jane Hanson. Vier Kinder.
PreisNeben dem "Oscar" für die Musik zum Film "Butch Cassidy und Sundance Kid" bekam Bacharach 2001 den "Nobelpreis" für Musik, den 'Polar Music Prize".
ZitatTochter Nikki, die an Asperger litt und sich mit 40 Jahren selbst das Leben nahm, beschrieb die Musik ihres Vaters "Als samtene Rutsche gen Himmel."

SWR4 Experte Hans-Jürgen Finger

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