Doris Day in "Bettgeflüster" (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Globe-ZUMA | Globe Photos)

Filmlegende

Doris Day - Diva, Sängerin und Komödiantin

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Trotz Oscar-Ruhm und Chartplatzierungen musste sie auch Rückschläge verkraften, die unvergessliche Doris Day.

Mit Alfred Hitchcock kam der Film-Erfolg

Wir schreiben das Jahr 1951, als sich Doris Day und Alfred Hitchcock am Rande einer Hollywood-Party treffen. Der Regisseur äußerte den Wunsch, die Sängerin und Jung-Schauspielerin für einen seiner nächsten Filme zu verpflichten. Fünf Jahre später war es dann so weit und sie stand neben James Stewart für den Thriller “The man who knew too much“ (“Der Mann, der zu viel wusste“) vor der Kamera. Es war die wohl herausforderndste Rolle ihrer Karriere, mit der sie eindrucksvoll bewies, dass sie auch das dramatische Fach beherrschte.

„Whatever will be, will be“ ging um die Welt

Diesem Filmprojekt entstammte ihr wohl populärstes Lied. Hitchcock hatte das begabte Songwriter-Team Jay Livingston und Ray Evans beauftragt, ein Wiegenlied für Doris Day zu schreiben, das sie ihrem (Film-)Sohn vorsang. „Whatever will be, will be“ (“Que Serà, Serà“) wurde zu ihrem populärsten Song überhaupt. Dabei stand sie diesem Lied zunächst eher skeptisch gegenüber. Ein Musiker erinnerte sich, dass sie bei den Aufnahmen recht unglücklich wirkte. "Ich lag niemals so falsch", äußerte sie sich später, "es wurde das beliebteste unter all‘ meinen Liedern."

Doris Day Plattencover (Foto: SWR, Philips (Coverscan))
1956 stand Doris Day neben James Stewart in „The man who knew too much“ vor der Kamera. Ihr Film-Song "Que Será, Será" wurde zum Welthit. Philips (Coverscan)

Ein schwerer Verkehrsunfall beendete die frühen Tanz-Träume

Doch Sängerin und Schauspielerin zu werden war ursprünglich nicht geplant. Ihr erster großer Traum war professionelle Tänzerin zu werden. Sie nahm Ballettunterricht, lernte Stepptanz und gewann bereits mit zwölf Jahren zusammen mit einem Nachbarsjungen 500 Dollar bei einem Amateur-Tanzwettbewerb. Doch ein Verkehrsunfall, bei dem ihr rechtes Bein zertrümmert wurde, machte die junge Tanzkarriere zunichte. Vierzehn Monate musste sie im Krankenbett verbringen. Zum Zeitvertreib lauschte sie im Radio den Bigbands und deren Sängern. Besonders Ella Fitzgerald beeindruckte sie und jedes Mal, wenn deren Stimme aus dem Lautsprecher klang, sang die junge Doris mit.

Von der Mutter gefördert

Doris Days Mutter Alma Sophie, die einer badischen Familie entstammte, wollte ihre Tochter im Showbusiness sehen und finanzierte ihr nach deren Genesung Gesangsunterricht. Bald sang sie in lokalen Radioshows und sammelte erste Erfahrungen. Bei einer dieser Gelegenheiten hörte sie der Bandleader des Tanzorchesters “Barney Rapp and his New Englanders“. Rapp bot ihr einen Gesangs-Job für 25 Dollar die Woche an. Daran geknüpft war die Bedingung, ihren ursprünglichen Nachnamen "Kappelhoff" abzulegen. In Anlehnung an den Song "Day By Day", den sie bei ihren Auftritten häufig sang, kreierte er den Künstlernamen Doris Day.

Doris Day Plattencover "Day by Day" (Foto: SWR, Philips (Coverscan))
Der Album-Titel “Day by day” war ein offensichtliches Wortspiel: die Künstlerin konnte man nicht nur am Tag, sondern auch täglich hören. 1956 stand die Platte in den Geschäften, welche ein Jahr später eine gleichermaßen beeindruckende Fortsetzung in „Day by night“ fand. Philips (Coverscan)

Eine Künstlerin trifft den Zeitgeist

Ihr Gesangsstil kam beim Publikum gut an und die Karriere nahm Fahrt auf. Sie trat mit den Bands von Bob Crosby und Les Brown auf, bei dessen Tanzorchester sie ab 1944 fest engagiert war. Wenig später gelang ihr der Durchbruch mit dem Nummer-Eins-Hit "Sentimental Journey". Der Titel erreichte Goldstatus und entwickelte sich zu einer Art Hymne bei allen an Heimweh leidenden Soldaten auf der ganzen Welt.

“Wir spielten den Titel erstmals bei einer unserer nächtlichen Proben im Pennsylvania Hotel in New York. Niemand war davon sonderlich beeindruckt. Aber als wir es in unseren Rundfunkübertragungen spielten und uns daraufhin viele Zuschriften aus dem Hörerkreis erreichten, beschlossen wir, den Titel auf Platte aufzunehmen. Der Rest ist Geschichte.“

Doris Day spielte in einer Liga mit Frank Sinatra

Bandleader Les Brown hatte stets den größten Respekt vor ihren Fähigkeiten: "Als Sängerin gehört Doris in eine Liga mit Bing Crosby und Frank Sinatra. Sie ist die Beste in unserem Geschäft, wenn es darum geht, einen Text zu verkaufen." Darüber hinaus erreichte Doris Day Millionen von Radiohörern als Sängerin und Partnerin von Bob Hope bei seinem NBC-Programm.

Plattencover Doris Day (Foto: SWR, Columbia (Coverscan) -)
1954 drehten Doris Day und Frank Sinatra gemeinsam den Film "Young at heart", dessen Soundtrack ebenfalls auf Platte erhältlich war. Columbia (Coverscan) -

Leinwand-Premiere in “Zaubernächte in Rio“

Doris Days Agent fädelte ein Treffen mit dem Regisseur Michael Curtiz ein, der eine Sängerin für seine neue Komödie suchte. In "Romance on the high seas” (“Zaubernächte in Rio”) gab Day 1948 ihr Kino-Debüt. Jule Styne und Sammy Cahn schrieben die Musik, darunter das Lied "It’s Magic“, das Doris Day eine erste Oscar-Nominierung für den besten Titelsong einbrachte.

Endlich ein Oscar für "Secret Love"

Besonderes Vergnügen bereiteten ihr 1953 die Dreharbeiten zur Westernkomödie "Calamity Jane" ("Schwere Colts in zarter Hand“), da sie sich voll mit der Titelrolle identifizieren konnte, auch wenn die Komödie nur lose auf der authentischen Wild-West-Heldin Calamity Jane beruhte. Der Komponist Sammy Fain schrieb hierfür den Titel "Secret Love", der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. "Als Sammy Fain mir das Lied in meinem Haus in Toluca Lake zum ersten Mal vorsang, war ich sofort davon hingerissen. Ich habe es so sehr gemocht, dass ich durch das ganze Haus getanzt bin."

Komödien machten Doris Day unsterblich

Doris Day verlegte sich überwiegend auf heitere Komödien, ein Genre, in dem sie absolut exzellent war. "Pillow Talk" (“Bettgeflüster“) mit Schauspielpartner Rock Hudson wurde 1959 zum Kassenschlager. Dieser Film brachte ihr eine weitere Oscar-Nominierung ein und begründete die Form, die sich mit leichten Abwandlungen in den meisten folgenden Filmen ihrer Karriere wiederholte und in denen sie unerschütterliche tugendhafte Frauen verkörperte.

"Ich habe nie meine Filme gesehen. Ich sehe nur alle Fehler und dann schalte ich ab. Aber wenn ich ein Lied von mir im Radio höre, das ich vor langer Zeit aufgenommen habe, dann höre ich bewusst zu und fühle mich gut dabei."

Doris Day Plattencover "Everybody loves a Lover" (Foto: SWR, Philips (Coverscan))
1958 erhielt Doris Day für „Everybody loves a lover“ eine Grammy-Nominierung als beste weibliche Interpretin. Philips (Coverscan)

Doris steht immer wieder auf

Die Erfolgswelle hielt bis Mitte der 1960er-Jahre, doch dann änderte sich der Geschmack des Publikums. Die von ihr dargestellten „Sauberfrau“-Charaktere waren nicht mehr gefragt. 1967 lief ihr Plattenvertrag aus und ein Jahr später, nach dem Tod ihres dritten Ehemannes Martin Melcher, zog sie sich von der Leinwand zurück. Danach erwarteten sie einige unliebsame Überraschungen: Ihr Vermögen war Spekulationen ihres Mannes zum Opfer gefallen. Darüber hinaus hatte er sie ohne ihr Wissen und ihre Genehmigung für eine Fernsehserie verpflichtet. Doch die Künstlerin gab sich auf allen Ebenen kämpferisch: Eine Zivilklage hatte Erfolg, so dass sie einen Teil ihres verlorenen Geldes von ihrem Anlageberater zurückerhielt. Das ungeplante TV-Engagement, die "Doris Day-Show", entpuppte sich als Erfolg und lief bis 1973 im amerikanischen Fernsehen.

Der Tierschutz wurde zum Lebensinhalt

Mitte der 1970er-Jahre verlor sie das Interesse am Showbusiness und beschäftigte sich zunehmend sehr leidenschaftlich mit dem Tierschutz. Auf ihrem elf Hektar großen Grundstück in Kalifornien bot sie zahlreichen Hunden und Katzen eine Heimat und gründete 1977 eine Tierstiftung, die "Doris Day Animal League", für herrenlose Tiere. Die Vierbeiner waren ihr das Wichtigste im Leben geworden, für die sie sich unermüdlich engagierte. In den Jahren 1985 und 1986 moderierte Doris noch einmal eine eigene Talkshow: „Doris Day‘s Best Friends“. Sie führte Interviews mit Prominenten und setzte sich auch in ihrer Sendung für den Tierschutz ein. Im Rahmen dieser Show entstanden einige Musikaufnahmen, die erst Jahre später veröffentlicht wurden.

Mit 89 noch einmal in den Top Ten

Die wiederentdeckten Lieder landeten auf dem Album „My heart“, das der mittlerweile hochbetagten Künstlerin 2011 in Großbritannien und Amerika nochmals eine Platzierung in den Top-10-Album-Charts bescherte.

Es war ihr noch vergönnt, ihren 97. Geburtstag am 3. April 2019 zu feiern. Wenige Wochen später verstarb „Carla Kappelhoff“, wie sie sich inzwischen nannte, an den Folgen einer Lungenentzündung.

Doris Day: Ihr Leben - kurz und knapp

Die wichtigsten Daten
geboren3. April 1922 in Cincinnati (USA) als Doris Mary Ann Kappelhoff
gestorben13. Mai 2019 in Carmel Valley (USA)
FamilieDer Vater war Musiklehrer, er und seine Frau Alma waren Kinder deutscher Einwanderer
EhenMit Al Jordan (1941-43), George Weidler (1946), Martin Melcher (1951-68), Barry Comden (1976-81)
Verpasste ChanceDie Rolle der "Mrs. Robinson" in "Die Reifeprüfung" lehnte sie aus persönlichen Gründen ab

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