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Der Western „High Noon - Zwölf Uhr mittags“ war ein Kassenschlager, bekam den Golden Globe und vier Oscars und die Filmmusik erlangte Weltruhm. Grund genug, einen Blick auf diesen Hit und weitere singende Westernhelden zu werfen.

Gary Cooper und Grace Kelly in einer Szene aus "High Noon" (Zwölf Uhr Mittags). (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Gary Cooper und Grace Kelly in einer Szene aus "High Noon" (Zwölf Uhr Mittags). Picture Alliance

Die Musik als Kontrapunkt

Als die Dreharbeiten zu "High Noon" abgeschlossen waren, befürchtete der Produzent Stanley Kramer ein Fiasko an den Kinokassen. Der Stille während der etwas langatmigen Spaziergänge von Gary Cooper durch die Stadt musste etwas entgegengesetzt werden. Kramer bat den Komponisten Dimitri Tiomkin, eine Melodie zu schreiben, die den Film retten sollte. Tiomkin schlug vor, nur einen einzigen Song dafür zu verwenden, der in den problematischen Szenen wiederholt werden sollte. Nachdem Tiomkin ein paar Tage an der Melodie gearbeitet hatte, rief er den Texter Ned Washington an und fragte ihn nach passenden Versen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war der Song „High Noon“, welcher nach dem Willen der Autoren von einem Westernsänger interpretiert werden musste. Die Wahl fiel auf Tex Ritter, der bereits seit den 1930er Jahren in diesem Genre einen Namen hatte.

Plattencover von Western-Songs (Foto: SWR, Capitol -)
Tex Ritter sang das Original von „High Noon“. Im Text der Filmversion wird namentlich auf den Mörder Frankie Miller Bezug genommen. In der Schallplattenfassung hingegen fand ein etwas abgewandelter Text Verwendung, der zwar die Film-Story im Großen und Ganzen wiedergab, allerdings ohne den Namen des Gangsters zu erwähnen. Capitol - Bild in Detailansicht öffnen
Frankie Laine mit der Original-Aufnahme von 1952. Der Titel erschien seinerzeit auf zweierlei Formaten - sowohl auf Schellack als auch auf Vinyl. „High Noon“ wurde in der Originalfassung im Laufe der Jahre mehrmals neu aufgelegt. Diese Abbildung zeigt eine Pressung, die Mitte der 1960er Jahre in die Geschäfte kam. CBS - Bild in Detailansicht öffnen
Hörenswert: Connie Francis mit ihrer Fassung des Filmhits von 1961. Sie nahm den Titel für ihr Album „Never on Sunday...“ auf. Da der Text ganz auf die Interpretation eines Mannes zugeschnitten war und sie den Original-Text ohne Anpassungen sang, sprach Connie Francis einen erklärenden Prolog, der mit den Worten „This is the story of two men, one an ex-convict , the other a man of honor“ begann. (Das ist die Story von zwei Männern, der eine ein Ex-Häftling, der andere ein Ehrenmann.) MGM - Bild in Detailansicht öffnen
Die deutsche Originalaufnahme kam 1952 von Bruce Low: „Sag’, warum willst Du von mir gehen“. Begleitet wurde er von „Helmut Zacharias und seiner kleinen Besetzung“. Sechs Jahre später nahm Bruce Low den Titel erneut auf, dieses Mal in englischer Sprache. Bei der Aufnahme von 1958 war das Orchester Friedel Berlipp mit von der Partie. Berlipp konnte später unter dem Pseudonym Berry Lipman zahlreiche Orchesterhits verbuchen, die auch heute noch regelmäßig im Rundfunk gespielt werden. MFP - Bild in Detailansicht öffnen
Stippvisite in Amerika: 1969 nahm Freddy Quinn in Nashville/Tennessee das Album „Tennessee Saturday Night“ auf. Bei der Aufnahmesitzung am 18. Juni 1969 im Woodland Sound Studio lagen auch Text und Noten von „High Noon“ auf den Pulten. Dies ist übrigens nicht die einzig existierende Freddy Quinn-Fassung. Als 1976 die Sendung „Musik, Musik, Musik - Hollywood-Melodien, die die Welt begeistern“ ausgestrahlt wurde, war Freddy Quinn mit „High Noon“ erneut dabei, dieses Mal in deutscher Sprache. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen
Western-Songs in deutscher Sprache waren für viele Jahre das Metier von Ronny. Natürlich zählte auch „Sag’, warum willst Du von mir gehen“ zu seinem Repertoire. SR International - Bild in Detailansicht öffnen
Das mag erstaunen: Roy Black sang „High Noon“ in englischer Sprache. Nachzuhören auf seinem Album „Wunderbar ist die Welt“, das 1972 erschien. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen
1965 unternahm Peter Alexander einen „Spaziergang durch das Land des Films“. Dabei machte er auch Rast in Hadleyville, jenem Kaff im Wilden Westen, in dem sich Gary Cooper und Ian MacDonald als Kontrahenten gegenüber standen. Peter Alexander nahm „High Noon“ für seine LP-Produktion zweisprachig auf, halb englisch und halb deutsch gesungen. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen

Plötzlich war Frankie Laine im Spiel

Frankie Laine besucht Edith Piaf (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Frankie Laine besucht Edith Piaf in einem New Yorker Krankenhaus... (1959) Picture Alliance

Tex Ritter ging mit einigen Musikern ins Studio und spielte den Soundtrack ein. Obwohl das Publikum der Vorpremiere dem Film nebst Musik nur geringe Erfolgsaussichten einräumte, hielt der Komponist Dimitri Tiomkin daran fest, den Song „High Noon“ auf Schallplatte zu veröffentlichen. Ritter stand derzeit bei Capitol Records unter Vertrag und dessen Produzent Ken Nelson zeigte wenig Interesse und lehnte ab. So ging Tiomkin zur Konkurrenz Columbia Records und fand Gehör. Der Produzent Mitch Miller und der Interpret Frankie Laine wurden für die Aufnahme vorgesehen. Als man bei Capitol von diesem Deal Wind bekam, änderte sich deren Meinung und Tex Ritter wurde eilends ins Studio einbestellt, um „High Noon“ auf Platte zu bringen.

Bei Tex Ritter fehlte etwas Entscheidendes

Tex Ritter und Dorothy Fay (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Everett Collection)
Tex Ritter und Dorothy Fay im Film "Sundown on the prairie" (1939) picture alliance / Everett Collection

Zwar war Tex Ritter eine Woche früher in den Plattengeschäften präsent, allerdings hatte seine Aufnahme einen entscheidenden Schönheitsfehler. Nachdem die Anhänger von Country-Music nicht unbedingt als Fans von dominantem Schlagzeug galten, fehlte dies auf seiner Einspielung. Das was den Song aber ausmachte und ins Gedächtnis einprägte, waren die markanten Drums, welche in der Filmfassung und in der Frankie Laine-Aufnahme vorhanden waren und dem Song „das gewisse Etwas“ verliehen. Diese Fehleinschätzung hatten die Verantwortlichen bei Capitol Records bald erkannt und mischten daher nachträglich noch das Schlagzeug zu Tex Ritters Einspielung hinzu. Der Zug zum Hit war da allerdings schon abgefahren.

Einen Oscar gab es auch für "High Noon"

1953 erhielt Dimitri Tiomkin einen Oscar für die Filmmusik zu „Zwölf Uhr mittags“. Zu diesem Anlass wurde Tex Ritter gebeten, das Lied bei der Verleihungszeremonie zu singen. Nachdem er von dem Song allerdings alles andere als beeindruckt war, bedurfte es erheblicher Überredungskünste der Juroren, ihn für die Veranstaltung zu gewinnen. Ende gut, alles gut - zwar konnte Ritter für sich in Anspruch nehmen, der Erstinterpret gewesen zu sein, der Plattenerfolg ging jedoch eindeutig an Frankie Laine.

Singende Westernhelden

Plattencover von Western-Songs (Foto: SWR, Columbia -)
Für den 1960 gedrehten Western „The Alamo“ schrieb ebenfalls Dimitri Tiomkin die Musik. Zwei Evergreens gingen daraus hervor: „The green leaves of summer“ gesungen von den „Brothers Four“ und „Ballad of the Alamo“ mit Marty Robbins. John Wayne führte Regie, produzierte den Streifen und war auch auf dem Soundtrack als Rezitator zu hören. Es war nicht sein einziger Versuch, sich auch auf Vinyl unsterblich zu machen. Columbia - Bild in Detailansicht öffnen
„North to Alaska“ kam in Deutschland als „Land der tausend Abenteuer“ in die Kinos. In dieser Westernkomödie spielte 1960 wiederum John Wayne die Hauptrolle. Johnny Horton nahm den Titelsong auf und verbuchte damit in Amerika einen Nummer 1-Hit. Leider war es ihm nicht vergönnt, sich lange an dem Erfolg zu erfreuen: er verunglückte wenig später bei einem Autounfall tödlich. Für den deutschen Plattenmarkt nahm Ralf Bendix den Titel auf und sang „Weit von Alaska“. Philips - Bild in Detailansicht öffnen
Rauhe Schale - weicher Kern: Die harten Männer des Wilden Westens konnten sich auch von der sanften Seite zeigen. Bei der Produktion „Cowboy Favorites“ aus dem Jahr 1963 konnte Clint Eastwood dies unter Beweis stellen. Als „Rowdy Yates“ in der TV-Serie „Rawhide“ gelangte er zu unglaublicher Popularität. Diese Gunst der Stunde nutzte die Plattenindustrie, um ihn auch auf dem Schallplattenmarkt zu etablieren. Ein durchaus hörenswerter Versuch, der nicht sein einziger blieb. Cameo - Bild in Detailansicht öffnen
„Rio Bravo“ gilt als Gegenentwurf zu dem Klassiker „High Noon“. Die Story war ähnlich gestrickt: der Sheriff John T. Chance (John Wayne) kämpft zusammen mit einem jungen Revolverhelden (Ricky Nelson) und dem Säufer Dude (Dean Martin) gegen eine Überzahl von Gangstern. Nachdem zwei Hauptrollen mit Sängern besetzt wurden, erstaunt es wohl kaum, dass in dem Western auch der Gesang nicht außen vor blieb. Dean Martin gelangen zwei Evergreens: „Rio Bravo“ und „My rifle, my pony and me“. Capitol - Bild in Detailansicht öffnen
430 Episoden lang zog sich die Geschichte der Familie Cartwright von der Ponderosa-Ranch über die Bildschirme. „Bonanza“ wurde 1959 im amerikanischen Fernsehen erstmals ausgestrahlt. Drei Jahre später war die TV-Serie auch in Deutschland zu sehen, wurde aber bald wegen „zu großer Brutalität“ wieder eingestellt. Erst 1967 zeigte das ZDF alle Episoden. Den Titelsong hat „Papa Cartwright“ Lorne Greene für die Schallplatte eingesungen. Mit Sicherheit nicht so weit verbreitet ist, dass … RCA Victor - Bild in Detailansicht öffnen
…auch die anderen Mitglieder des Cartwright-Clans Schallplatten aufgenommen haben. Es gab sogar zwei LPs, auf der die komplette Familie zusammen sang. Solistisch betrachtet wurde neben Lorne Greene wohl „Little Joe“ Michael Landon am erfolgreichsten. Aber auch „Adam Cartwright“ alias Pernell Roberts zeigte stimmliche Präsenz auf den heimischen Plattentellern. RCA Victor - Bild in Detailansicht öffnen
Die TV-Western-Serie „Laramie“ (Am Fuß der blauen Berge) lief in Deutschland zwischen 1959 und 1965 sehr erfolgreich mit Robert Fuller als Jess Harper. Anfang der 1960er Jahre bedachten ihn die „Bravo“-Leser mit der Auszeichnung des „Bronzenden Otto“, die Zeitschrift zeigte sein Bild als Starschnitt. 1967 wurde eine LP veröffentlich, auf der Robert Fuller die meisten Songs in deutscher Sprache sang. Die wenigen englischsprachigen Lieder textete übrigens sein Landsmann Gus Backus. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen
Ken Curtis spielte den krächzenden Hilfssheriff Festus Haggin in der Western-Serie „Rauchende Colts“. Doch er war auch ein großartiger war, der in den 1950er Jahren im Orchester von Tommy Dorsey Frank Sinatra abgelöst hat? 1979 sang er sogar (mit drolligem Akzent) in deutscher Sprache. Auf der LP „Meine Songs - mein Leben“ findet sich auch das schon erwähnte „Don’t fence me in“ - als Duett zusammen mit Freddy Quinn. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen
Friedrich Schütter gehört zur Reihe der Western-Legenden dazu. Und zwar als Synchronsprecher, denn er war die deutsche Stimme von „Ben Cartwright“. Ausflüge in die Welt der Schallplatte waren für Friedrich Schütter keine Seltenheit. „Desiderata“ wurde zu einem Wunschkonzertrenner und hier und da gab es auch mal eine Wildwest-Nummer von ihm: beispielsweise „Mit dem Wind muss ich weiterzieh’n“, die deutsche Version des Lee Marvin-Hits „Wandrin’ Star“. EMI - Bild in Detailansicht öffnen
Eine Hommage an den großartigen John Wayne gesprochen von dem Schauspieler Arnold Marquis, der „Duke“ seine Stimme für das deutschsprachige Publikum lieh. Anlässlich des Todes von John Wayne im Jahr 1979 entstand diese Produktion. Polydor - Bild in Detailansicht öffnen

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